Hallo schwarzes Loch, Du kannst mich jetzt fressen! Ich klinge schon wie meine eigene Oma, aber ich kann nicht glauben, wie schnell die Zeit vergangen ist. Mir kommt es wie gestern vor, dass ich den Bodyguards des nigerianischen Präsidenten die Karten fürs Eröffnungsspiel abgekauft habe und jetzt auf einmal ist alles schon wieder vorbei. Und Südafrika hat es der Welt gezeigt: All die Miesmacher, Nörgler und Zweifler, die es dem Land nicht zugetraut haben, solch eine riesige Veranstaltung auszurichten, können sich jetzt mal schön entschuldigen.
Die Südafrikaner waren fantastische Gastgeber, fast immer freundlich und hilfsbereit. Man hat ihnen immer angemerkt, dass sie stolz sind und sich über all die vielen Touristen gefreut haben. Mein einziger Kritikpunkt ist das Wetter. Während ich von Freunden aus Deutschland immer nur zu hören bekomme habe, wie verdammt heiß es gerade zu Hause ist, habe ich abends beim Public Viewing mit Mütze, Handschuhen und Schal gebibbert. Es ist definitiv etwas anderes, ob man mit Freunden zusammen um den Grill steht, ein Bier in der Hand, die Beine im aufblasbaren Planschbecken, oder ob man von Glühwein träumt, während Miro Klose den Ball versenkt. Aber wie heißt ein altes südafrikanisches Sprichwort (oder woher auch immer): "If you can't change it, love it!"
Und was habe ich die vergangenen vier Wochen geliebt. Die Atmosphäre in den Stadien war großartig. Tausenden Menschen, die sich mit ihrer Kostümierung mehr Mühe gegeben haben als viele beim Kölner Karneval. Und ja es stimmt, die Vuvuzelas im Stadion haben mich nie genervt. Nur einmal, beim Spiel Deutschland-Ghana als jemand 90 Minuten direkt hinter mir in mein Ohr getrötet hat. Aber irgendwas ist ja immer… Ansonsten wurden in den Stadien rauschende Fußball-Feste gefeiert. Aggressivität oder gar Hooligans hab ich nie gesehen. Na klar wollte jeder, dass seine Mannschaft gewinnt, aber wenn's nicht gereicht hat, hat man eben mit der anderen Mannschaft gefeiert.
Ich würde ja gern mal wissen, wie viele Fußball-Fotos es jetzt gibt mit den verschiedenen Fans drauf. Niemand wird sich daran erinnern, wie der Typ da auf dem Bild heißt, woher er kommt und was besonders an ihm war. Aber darum ging es in den vergangenen vier Wochen ja auch nicht. Ich glaube, niemand ist nach Südafrika gekommen, um hier Freunde für's Leben zu finden. Sondern man ist hergekommen, um vier Wochen nonstop Fußball zu feiern. Und für diese Party waren die Südafrikaner tolle Gastgeber, obwohl ihre Mannschaft ja ziemlich schnell den kurzen Heimweg antreten musste. Was aber für uns Deutsche den Vorteil hatte, dass viele Südafrikaner plötzlich Deutschlandfans geworden sind. Stolz mit der deutschen Fahne am Auto gefahren sind und bei den deutschen Spielen schwarz-rot-goldenen Perücken trugen. So wie mich die Südafrikaner begeistert haben, haben wir Deutsche die Südafrikaner begeistert. Und es war ein tolles Gefühl, von so vielen Südafrikanern getröstet zu werden, als wir im Halbfinale gegen Spanien den kürzeren gezogen haben.
Und was bleibt jetzt nach vier Wochen Fußball-Fest in Südafrika: jeder kennt die Vuvuzela, Südafrika geht in die Fußballgeschichte ein, als erster Ausrichter, der in der Vorrunde ausgeschieden ist und jetzt ist wirklich mal Schluss mit "Waka Waka!"
Zum Seitenanfang
Ich möchte mich bei allen entschuldigen, die sich Heute fußballtraurig durch den Tag schwitzen. Ich bin daran Schuld, dass die deutsche Mannschaft verloren hat. Wie heißt es doch so schön: Never change a winning outfit! Bei allen Spielen, bei denen unsere Mannschaft gewonnen hat, hatte ich mein Deutschland-Basecap auf, das war mein einziges Deutschland-Erkennungszeichen. Gestern hab ich mich von den Südafrikanern anstecken lassen. Ich trug ein Deutschland-Shirt, Deutschland-Schal, die deutschen Farben im Gesicht... das war zuviel. Dabei ging alles so gut los. Zusammen mit meinem südafrikanischen Freund Paul wollte ich das Spiel beim größten Rudelgucken der Stadt erleben.
Der schönste Satz des Tages kam vom Parkwächter. Vorfreudig euphorisiert fragten wir ihn: "Deutschland oder Spanien?" Seine Antwort: "Ja!" Es war nicht leicht, einen Parkplatz zu finden und Vuvuzelas in einem Parkhaus sind echt unglaublich laut, aber das war alles Kinderkram gegen das, was uns gleich beim Rudelgucken erwarten würde. Als wir 20 Minuten vor Anpfiff auf dem riesigen Platz vor einem riesigen Einkaufszentrum ankamen, waren bereits hunderte Menschen da. Nur per schieben, schubsen und drängeln kamen wir vorwärts. Obwohl unglaublich viele Leute mit deutschen Farben unterwegs waren (egal, ob als Perücke, Cowboy-Hut, Fahne, Schal, T-Shirt, Gesicht) hab ich bei der Nationalhymne gemerkt, dass die meisten zwar Deutschlandfans waren, aber gar keine Deutschen. Das hat mich ehrlich gesagt mächtig stolz gemacht. Auch Paul hat sich die deutschen Farben ins Gesicht malen lassen. Klar gab es auch einige Spanien-Fans, aber dank meiner typisch deutschen Arroganz hab ich die nur belächelt...
Es war nicht leicht, etwas vom Spiel zu sehen, obwohl die Leinwand riesig war. Es waren einfach zu viele und zu viele große Menschen da. Wobei ich aber auch sagen muss, dass ichs teilweise auch besser fand, nichts zu sehen. Denn schön war das nicht, was da auf der Leinwand passiert ist. Das sahen meine neuen südafrikanischen Freunde mit den deutschen Fahnen hinter mir genauso. Dabei haben sie alles gegeben beim Anfeuern von Klose und Co. "Sneller, run sneller" haben sie gerufen, und "Run like a Mercedes". Ich war so sehr ihrer Meinung, nur bei der deutschen Mannschaft hat sich nichts getan. Langsam aber merklich wurde die Spannung immer angespannter. Bei mir, weil ich unseren Einzug ins Finale gefährdet sah, bei der Frau neben mir, weil sie einfach nichts gesehen hat. Und jeder, der sich an ihr vorbeidrängeln wollte, wurde angemeckert: "Hier geht’s nicht lang!" Offensichtlich hat die südafrikanische Freundlichkeit Fußballgrenzen.
Schweinsteiger ist übrigens der deutsche Lieblingsspieler der meisten Südafrikaner. Zum einen natürlich weil er grandios spielt, zum anderen, weil sie Spaß daran haben, seinen Namen auszusprechen. Das ging auch den Fernsehkommentatoren offensichtlich hier so. Keinen anderen Namen hab ich so oft gehört wie seinen. Teilweise dachte ich, Schweini spielt alleine. Als das Spiel der Deutschen einfach nicht besser werden wollte, hab ich versucht mich abzulenken, und wollte rauskriegen, warum so viele Südafrikaner die deutsche Mannschaft unterstützen. Na, weil Boateng da spielt. Durch die Deutsche Mannschaft, spielt Afrika doch noch mit. Klar, darauf hätte ich auch kommen können.
Nun, alles was danach kam, ist Geschichte und bekannt. Ich muss ja jetzt nicht in den langsam verschorfenden Wunden wühlen. Nicht in euren, nicht in denen meiner neuen südafrikanischen Freunde und in meinen auch nicht. Durchgefroren, enttäuscht und durstig sind Paul und ich danach in eine Bar gefahren. Einer musste uns ja trösten. Viele Fußballfans haben wir da allerdings nicht getroffen. Die Deutschen waren wahrscheinlich zum Weinen nach Hause gefahren und die Spanier wollten sich schonen für Sonntag. Danke Paul, fürs Trösten! Dann werden wir Samstag eben Miniweltmeister!
Zum Seitenanfang
So langsam ist sie wieder da, meine Stimme. Es kratzt noch beim Sprechen, aber ich finde, ich habe alles richtig gemacht, schließlich spielen wir am Mittwoch im Halbfinale!!! Ich hatte mich mit Paul zum Fußballgucken verabredet. Und ich war froh, dass er überhaupt noch mit mir geredet hat, denn obwohl Paul in Südafrika aufgewachsen ist, ist er Engländer... autsch! Aber was kann ich denn dafür, dass die Engländer anstelle von Wayne Rooney einen toten Fisch mitgenommen haben! Am Ende musste auch Paul einsehen, dass das deutsche Team einfach besser war und er ist bereitwillig zum deutschen Fanlager übergewechselt.
Unser ursprünglicher Plan war es, das Deutschland-Argentinien Spiel in der Deutschen Schule in Johannesburg zu sehen. Man kann die Rudelgucken-Situation hier in Südafrika überhaupt nicht mit Deutschland vergleichen. Vielleicht liegt es daran, dass hier gerade Winter ist, und sich freiwillig niemand in die Kälte zum Fußballschauen stellt, vielleicht ist es aber auch einfach ein Kulturding. So wundervolle Fußballfeste wie vor vier Jahren mit hunderten Menschen, viel Bier, Mädels in engen Fußball-Trikots und schwarz-rot-goldenen Hawaii-Ketten um den Hals, gibt es hier nicht. Man kann natürlich in verschiedenen Bars schauen, aber das ist einfach nicht das Gleiche. Von daher wäre die Deutsche Schule die beste Alternative gewesen. Ja, gewesen! Schon als wir uns der Schule genähert haben, war klar, dass wir nicht die einzigen mit der Idee waren. Auf den Parkplätzen, am Straßenrand, auf den Seitenstreifen überall standen Autos mit deutschen Fahnen, Schals und Aufklebern. Aber zu dem Zeitpunkt hab ich mich noch auf ein deutsches Fußball-Fest mit Fahnen, Bier und Fangesängen gefreut. Der Hausmeister der Schule hat diesen Traum dann aber platzen lassen: "Keine Chance, alles voll, hier kommt keiner mehr rein!" Verdammt! Und da waren es keine 15 Minuten mehr bis zum Anpfiff.
Also sind Paul und ich zurück zum Auto gesprintet und ab in die nächste Bar. Zum Glück ist Paul eben nur laut Paß Engländer, ansonsten aber Südafrikaner und kennt sich perfekt in Johannesburg aus. Pünktlich zur argentinischen Nationalhymne saßen wir auf zwei Stühlen in einer Bar. Außer uns waren vielleicht noch 20 andere Fußballfans da. Naja, immerhin. Beim ersten Tor für Deutschland sind Paul und ich uns in die Arme gefallen. Von da an war mir klar, Paul meint es ernst mit dem Deutschland-Fan-sein. Und noch etwas ist mir aufgefallen: Ich war zwar der einzige Deutsche in der Bar zwischen lauter Südafrikanern, aber alle waren sie für Deutschland. Was für ein tolles Gefühl. Bekanntermaßen hatten Paul und ich noch mehrfach Grund uns in die Arme zu fallen, uns anzuspringen und heiserzuschreien. Was wir auch alles ausgiebig und sehr leidenschaftlich gemacht haben. Ich bin mir nicht sicher, ob die anderen Zuschauer tatsächlich für Deutschland gejubelt haben oder ob sie es nur so unterhaltsam fanden, uns jubeln zu sehen. Jedenfalls war es am Ende eine einzige Jubelfeier in der Bar. Und da ist dann auch erstmal meine Stimme geblieben. Wichtig ist aber auch nur, dass sie Mittwoch wieder da ist. Aus gegebenem Anlass möchte ich heute alle Deutschland-Fans in Südafrika grüßen. Wir sehen, ähm hören uns Mittwoch. Viva Deutschland Viva!
Zum Seitenanfang
"Wie ist jetzt eigentlich die Stimmung im Land, nachdem Südafrika rausgeflogen ist?" hat mich neulich ein Freund aus Deutschland gefragt. Ha, falsch! Bafana Bafana ist zwar rausgeflogen, Südafrika aber ist weiterhin bei der WM dabei und das kein bisschen leiser. Offensichtlich können Südafrikaner genauso gut träumen wie mit der Realität umgehen. Ein privater Radiosender in Johannesburg hat es ganz treffend gesagt: "Nur, weil wir nicht bis zum Ende mitspielen, heißt das nicht, dass wir nicht bis zum Ende dabei sind!"
Seit Monaten gab es hier Kampagnen von Telefonanbietern, Radiosendern, Banken, Supermärkten, etc und es ging immer um das Selbe: unterstützt Bafana Bafana! Und die Menschen haben es getan. Erst indem sie Freitags mit gelb-grünen Fußballtrikots zur Arbeit gegangen sind, dann indem sie ihr Auto mit Fahnen geschmückt haben und natürlich indem sie permanent auf ihrer Vuvuzela getrötet haben. Die Stimmung im Land war unglaublich positiv.
Ein Freund aus Johannesburg hat damals gesagt: Südafrika ist gerade ein sehr friedliches und fröhliches Land. Viele Südafrikaner haben auf ein Fußballwunder gehofft: Südafrika Weltmeister 2010. Aber wenn ich mich mit den Leuten unterhalten habe, haben sie auch gesagt, dass Ihnen klar ist, dass Südafrika nur bei der WM mitspielt, da sie die Ausrichter sind. Sportlich hätten sie die Qualifikation niemals geschafft. Und auch wenn Bafana Bafana als erste Ausrichtermannschaft nicht die Vorrunde überstanden hat, sind die Menschen hier stolz auf ihr Team, fordern Denkmäler für die Spieler zu errichten und Straßen nach ihnen zu benennen.
Nach wie vor sieht man überall Menschen in Bafana-Bafana-Shirts und auch in den Stadien zeigen sie, wer ihre Mannschaft ist. Beim Spiel Ghana gegen Deutschland zum Beispiel hatten die meisten Menschen südafrikanischen Fansachen an, erst danach kamen die Fans aus Ghana und zum Schluss wir. Außerdem hilft das gelb-grüne Trikot, ganz einfach neue Freunde zu finden. Jedes Mal wenn ich meins trage, lächeln mich Leute an, grüßen mich und zeigen ihren Daumen nach oben.
Es ist toll zu spüren, dass die Menschen hier hauptsächlich Spaß am Ereignis haben, dass sie stolz sind, die WM ausrichten zu dürfen und dass sie sich unglaublich freuen über die vielen Besucher aus aller Welt. Ehrlich gesagt, hatte ich etwas Angst, wie diese Stimmung sein würde, nachdem Bafana Bafana ausscheidet. Und es hätte ja auch anders kommen können, aber zum Glück ist die WM 2010 weiterhin ein wunderbares Wintermärchen. Und die Menschen hier träumen weiter von einem Fußballwunder. Fast alle sind sich einig: Hauptsache eine afrikanische Mannschaft holt den Pokal. Aus dem Schlachtruf Vivia Bafana Viva wurde jetzt Viva Ghana Viva!
Zum Seitenanfang
Nach über einem halben Jahr in Afrika hatte ich das erste Mal so richtig Heimweh. Und zwar gestern beim Spiel Deutschland-England. Mir sind fast die Tränen gekommen als ich die überwältigenden Bilder der Public-Viewing-Plätze zu Hause gesehen habe. Tausende Menschen, die komplett in schwarz-rot-gold gefeiert haben. Warum war ich nicht unter ihnen? Und warum bin ich neidisch, obwohl ich doch im WM-Land bin? Ganz einfach: ich war zu doof, den richtigen Ort zum Fußballfeiern zu finden.
Es war kurz nach 15 Uhr, als ich mich auf den Weg zum Johannesburger Mandela Square machte. Im Grunde genommen ist das ein schickes und edles Einkaufszentrum mit Kinos und Restaurants. Jeden Tag strömen da tausende Touristen hin. Auch Spielerfrauen der verschiedenen Mannschaften sieht man da regelmäßig. Ich war mir so sicher, dass ich hier einen passenden Platz finden würde, um mit jeder Menge anderer Deutscher unseren Sieg gegen England zu schauen. Schon als ich angekommen bin, war alles gerammelt voll. Der Platz vor der Mall genauso wie innen drin. Allerdings wurde mir schnell klar, dass hier niemand schwarz-rot-gold trug. Der Mandela Square war eindeutig in argentinischer Hand. Nur ganz selten hat man ein paar mexikanisch-grüne Farbspritzer gesehen. Also Ortswechsel, schließlich wollte ich mit deutschen Fußballfans schauen, und die Zeit drängte.
Mittlerweile war es 15:45 Uhr. Also bin ich im Stechschritt zur nächsten Mall marschiert. Ja, das öffentliche Leben, und vor allem das der Touristen, spielt sich in Johannesburg hauptsächlich in Malls ab. Pünktlich zur Nationalhymne bin ich in der zweiten Bar angekommen. Wieder war der Laden gerammelt voll und wieder war alles komplett hellblau-weiß. Verdammt! Der einzige freie Platz war neben dem einzigen nicht-hellblau-weißen Typen. Als ich ihn gefragt habe, für wen er ist, meinte er, er komme aus Australien und sei für England. Na super, mehr die Arschkarte ziehen hätte ich wohl nicht können. Als ich ihm gestanden hab, dass ich Deutscher bin, hat er mich ziemlich böse angefunkelt.
Ein einziges Spiel hat sich Paul im Stadion angesehen: Australien-Deutschland. Und dafür ist er extra aus Australien hergeflogen. Autsch! Aber was kann ich denn dafür, dass wir Weltmeister werden. Die erste Halbzeit mit Paul war dann aber doch ganz entspannt. Wir waren in der gesamten Bar wohl die beiden Einzigen, die sich für das Spiel interessiert haben. Na wartet ihr Argentinier, dachte ich, und bin in der Halbzeitpause weiter in die nächste Bar gezogen. Und welch ein Anblick! Kein einziger Argentinier! Aber wie schon meine Omma immer sagt: irgendwas ist immer. So auch diesmal: keine Argentinier, aber auch keine deutsche Fans. Jedenfalls keine sichtbaren. Kurz nach Anpfiff der zweiten Halbzeit outete sich aber das südafrikanische Mädel neben mir als Deutschlandfan. Niemand war lauter als sie und ich habe gleichzeitig noch ein paar neue englische Anfeuerungsrufe gelernt: "Run like you don't have a mother!" zum Beispiel.
Was könnte sie damit gemeint haben? Wenn man in Südafrika ganz schnell rennt, bekommt man dann eine Mutter geschenkt? Oder ist man hier besonders schnell, wenn man mutterlos ist? Naja, auf jeden Fall war ich nicht mehr der Einzige, der sich bei den (gefühlt) 500 deutschen Toren gefreut hat und endlich hab ich mich auch getraut, die Arme hochzureißen und aufzuspringen. Ich habe mich gefreut, als hätte ich keine Mutter. Meine neue südafrikanische Freundin war begeistert. Von mir und natürlich vom Spiel.
Zum Abschluss noch mein Beitrag zur Vuvuzela-Diskussion:
Mein südafrikanisches Lieblingslied.
Zum Seitenanfang
Die Sache mit dem öffentlichen Nahverkehr kriegen die Südafrikaner einfach nicht hin. Ich hatte naiver Weise ja tatsächlich gehofft, dass sie sich zur WM etwas überlegen würden, das funktioniert, aber ist nicht! Klar gibt es Park&Ride, aber wenn fast alle trotzdem mit dem Auto fahren, stehen die Busse auch nur im Stau. Um gestern zum Soccer City Stadion in Johannesburg zu kommen hab ich 2,5 Stunden gebraucht. Für eine Strecke, für die man sonst maximal 45 Minuten braucht.
Wenigstens wurde ich so schon mal auf das Spiel eingestimmt, denn überall fuhren (mehr oder weniger) Autos mit deutschen Fahnen und Fanschals. In wenigen Stunden würde Deutschland gegen Ghana spielen und es wird um alles gehen. Ich wurde merklich aufgeregter. Die Deutschlandfarben im Gesicht und das schwarz-rot-goldene Basecap auf dem Kopf bin ich zum Glück pünktlich am Stadion angekommen. Und mit mir tausende Fans. Ein offensichtlich deutscher Fan hatte neben seinem schwarz-weißen Trikot eine Weihnachtsmannmütze auf. Diese billigen Filzdinger, die man im Dezember für 50 Cent bekommt. Offensichtlich hat er auf ein Weihnachtsgeschenk gehofft und dann ja auch bekommen! Dann gab es einen Fan mit einem riesigen aufblasbaren Känguru. Der hat offensichtlich das falsche Spiel erwischt. Der für mich kreativste Fan war aber ein Typ aus Ghana. Der hatte seinen Oberkörper in den Landesfarben angemalt (Respekt, die Temperaturen waren einstellig) und auf dem Kopf trug er ein Tongefäß aus dem er die ganze Zeit hexentrunk-mäßig qualmte. Mehr zu dem Typen später.
Die Sicherheitsvorkehrungen an den Eingangstoren waren mal wieder erschreckend. Ich will mir gar nicht vorstellen, was passieren würde, wenn hier wirklich mal jemand ins Stadion marschiert, der nicht nur ein Fußballspiel sehen will... Mein Rucksack wurde noch nie kontrolliert! Pünktlich zum Einlauf der Spieler bin ich auf meinem Platz eingelaufen. Genau da, wo Schweini die ersten beiden Ecken geschossen hat, hab ich gesessen. Umzingelt von lauter Vuvuzelas mit Menschen dran. Größtenteils Ghana-Fans. Es war sehr deutlich zu spüren, dass die meisten Leute im Stadion nicht Deutschland angefeuert haben. Sobald die ghanaischen Spieler den Ball für ein paar Sekunden hatten, wurden sie gefeiert und bejubelt, als hätten sie schon ein Tor geschossen.
Naja, wie wir alle wissen, ist es zu so einem Tor nie gekommen. Neben mir saßen zwei Mädels aus Johannesburg. Optisch konnte man nicht sehen, welche Mannschaft sie unterstützen, aber wenn sie erstmal losgebrüllt haben, wußten es auch die Leute auf der anderen Stadionseite: Come on Deutschländ!!! Ihr Chef ist Deutscher, haben sie mir erzählt, und deshalb brüllen sie für Deutschland. Und plötzlich hab ich meinen Ghana-Freund mit dem qualmenden Tontopf wiedergesehen. Wie eines von Heidi Klums Möchtegernmodels ist er mit seinem Tontopf vor der ersten Reihe hin und her stolziert. Hat die Massen animiert und unterhalten. Die Fans waren begeistert, die Sicherheitsleute nicht. Erst haben sie minutenlang diskutiert, dann haben sie ihn aus dem Stadion gebracht - unter massiven Buhrufen und Pfiffen der Fans. Der Tontopf-Typ hat sich wie ein Held feiern lassen. Für ein paar Minuten hat sich in meinem Block niemand fürs Fußballspiel interessiert, alle haben das Schauspiel um den Ghana-Fan verfolgt. Aber wenn man ehrlich ist, wir haben auf dem Spielfeld nichts verpasst.
Das erste und einzige Tor für Deutschland war grandios. Also für mich und meine neuen südafrikanischen Freundinnen jedenfalls. Wir lagen uns in den Armen. Die meisten anderen Leute um uns herum blieben allerdings sitzen. Warum wohl??? Ich muß aber zugeben, dass es auch mir sehr leid getan hat um die Mannschaft aus Ghana. Nachdem ich so lange durch Afrika gereist bin und mich die Menschen hier so freundlich aufgenommen haben, hab natürlich auch ich mir gewünscht, dass wenigstens eine afrikanische Mannschaft die Gruppenphase übersteht. Von daher gab es den schönsten Moment des ganzen Spiels auch kurz nach dem Abpfiff, als auf der Leinwand das Spielergebnis Australien-Serbien eingeblendet wurde: 2:1 für Australien. Was für ein toller Moment, als das die Ghana-Fans realisieren, und plötzlich das gesamte Stadion feiert und tanzt. Schöner hätte der Tag nicht enden können. Glückwunsch Deutschland, Glückwunsch Ghana.
Und irgendwo zwischen den knapp 90.000 Zuschauern saß Musiker Dellé. Seine Mutter ist Deutsche, sein Vater kommt aus Ghana. Vorgestern hat er mir noch mit einem Grinsen gesagt: egal, wie das Spiel ausgeht, ich kann nur gewinnen. Da konnte er noch gar nicht wissen, wie recht er hatte!
Zum Seitenanfang
Immer nur Johannesburg während der WM war mir zu langweilig, also bin ich nach Kapstadt gefahren. 20 Stunden mit dem Bus, fliegen ist gerade viel zu teuer. Ich hatte mir extra eine Zeit ausgesucht, in der auch ein Spiel in Kapstadt stattfindet, wenn dann richtig. Deutschland und Bafana Bafana spielen ja leider nicht in Kapstadt, aber England und Algerien. Ich hab zwar keine tiefergehende Beziehung zu der einen oder der anderen Mannschaft, aber die britischen Fans sind natürlich berühmt berüchtigt.
Schon in meinem Backpacker ist das bevorstehende Match zu spüren. Größtenteils Briten haben sich in den Dorms (Schlafsäale) ausgebreitet. Weiß-rote Fahnen und Schals hängen überall, und es riecht nach männlichen Turnschuhen. Es ist Freitag Vormittag, und die Stimmung ist super - noch!
Nachdem ich aus dem Geruchskoma erwacht bin, hab ich mich auf den Weg zur Waterfront gemacht, die perfekte Mischung aus Geschäften, Restaurants und Kinos. Nicht nur während der WM ist die Waterfront ein totaler Touri-Magnet. Momentan gibt es hier einige der größten Public-Viewing-Plätze und es ist nur 5 Minuten vom Stadion entfernt. Das heißt, auch wenn man keine Karte hatte (obwohl ich niemanden getroffen habe, der nicht noch ein Ticket auf dem Schwarzmarkt bekommen hat), kann man laut (sehr laut) und deutlich hören, was im Stadion passiert. Aber soweit ist es ja noch gar nicht. Noch ist es Mittag und ich bin gerade an der Waterfront angekommen. Das, was in meinem Backpacker angefangen hat, geht hier weiter. Also nicht der Gestank, aber die Weiß-roten Fahnen. Es sieht aus, als hätten die Briten die Waterfront erobert und jetzt ihren neuen Besitz markiert.
Neben den hunderten Fahnen gibt es auch noch riesige Spruchbänder. Die Stimmung ist fröhlich, ausgelassen, schon ganz schön feucht und siegessicher. Ganze Bars haben die Briten in Beschlag genommen, feiern, singen und machen den Barbesitzer zu einem sehr glücklichen und sehr reichen Mann. Und zum ersten Mal hören ich hier einen richtigen Vuvuzela-Fan-Hassgesang. Auf die Melodie von "Von den blauen Bergen kommen wir" singen sie zu Hunderten "Stick your Vuvuzelas up your arse". Am besten gefallen mir die Briten, die dazu den Rhythmus auf ihren Vuvuzelas blasen! Wann immer ein Algerien-Fan vorbeikommt wird er freundlich gröhlend begrüsst und mitleidig angelächelt. Ihre Blicke sagen so etwas wie: "Eigentlich biste mir ja ganz sympathisch, aber heute Abend wird Rooney euch fressen." Nur zu gerne posen die Goliath-Briten auf Fotos zusammen mit den David-Algeriern. Es ist Freitag Nachmittag, und die Stimmung ist super - noch!
Es ist ein tolles Gefühl, in Kapstadt zu sein. Man spürt, dass am Abend Großes passieren wird. In den Bars und Clubs der Stadt bekommt man kaum mehr einen Platz, überall sitzen die Briten. Es muss ganz schön einsam sein gerade in Großbritannien. 20:30 Uhr geht es endlich los. Da das Kapstädter Stadion mitten in der Stadt ist, kann man die Vuvuzelas deutlich hören, genauso dass Raunen, Stöhnen, Schreien der Fans. Nur Torjubel ist nie zu hören...
Zwei Stunden später bin ich in meinem Schlafsaal, als plötzlich und leise die Tür aufgeht, und Steven und Dave reinkommen, beide sichtlich geknickt. Wenigstens habt ihr nicht verloren, versuche ich sie aufzuheitern. Ihre Blicke sind vernichtend. Wie kleine, bockige Kinder setzen sie sich auf den Boden und spielen "Mensch ärger Dich nicht". Das Bild werd ich nie vergessen. Meine Stimmung ist super!
Zum Anfang dieses Eintrags
Zum Seitenanfang
Elf offizielle Sprachen gibt es in Südafrika. Die wenigsten beherrschen alle elf. Man ist schon gut dabei, wenn man drei davon halbwegs spricht. Englisch, isiZulu und Afrikaans – wenn man die drei Sprachen draufhat, kann man überall sein Bier bestellen. Generell kommt man als Tourist fast überall mit englisch zurecht, aber englisch ist nicht gleich englisch. Zumal in Südafrika so viele Nationen ihre sprachlichen Fingen mit im Spiel haben: Inder, Malayen, Italiener, Holländer... Deshalb lade ich euch heute ein zum kleinen Sprachkurs "Südafrikanisch für zukünftige Urlauber".
Babalas
Der Kater nach einer rauschenden Nacht. Zum Beispiel nach der deutschen Australienklatsche.
Bakkie
Das sind die Kleintransporter mit einer offenen Ladefläche. Für jeden Farmarbeiter ist der Bakkie Pflicht und Leidenschaft.
Biltong
So wie wir Gummibärchen essen, essen die Südafrikaner Biltong. Getrocknetes Fleisch in kleinen Stücken, das es wirklich von fast jedem Tier gibt. Praktisch, lecker und eine Spezialität hier.
Boerewors
Wo wir grad schon beim Fleisch sind: Boerewors ist die südafrikanische Version der deutschen Bratwurst. Wird aufgerollt wie eine Schnecke und ordentlich gewürzt. Und ist Pflicht auf dem südafrikanischen Grill. Dabei sind wir auch schon bei:
Braai
Ein echter Südafrikaner braucht keinen Herd, er braucht nur einen Grill, oder wie es hier heißt: Braai. Südafrikaner sind absolute Grillfanatiker. Egal ob Schwarze, Weiße, Gelbe, Grüne... Jeder grillt immer und überall. Selbst auf öffentlichen Raststätten gibt es ganz oft Grills, ähm Braais. Und dazu ist das Fleisch in Südafrika wirklich gut und wesentlich günstiger als in Deutschland. Lecker!
Bru
Ist abgeleitet vom Wort Brother, also Bruder. Heißt in dem Fall aber eher Kumpel. Wer sich den Taxifahrer in fünf Sekunden zum Freund machen will, begrüßt ihn mit "Cheers Bru". Kommt aber in einem Bewerbungsgespräch nicht so gut. Und als Anmachspruch ist er auch nicht geeignet...
Eish
Sprich "aisch". Passt zu total vielen Situationen. "Was, das war ne rote Karte? Eish!" oder "Eish, der Löw soll doch den Klose runternehmen." Egal, ob Überraschung, Verärgerung oder Begeisterung, Eish geht immer.
Howzit
Noch so ein Multifunktionalwort. Guten Tag, schön dich zu sehen, wie geht's dir, was gibt’s Neues? Könnt ihr euch alles sparen. Einfach Howzit - und ihr habt alles auf einmal gesagt.
Is it?
Wir Deutschen würden sagen: Hm, aha, oho, ach, wirklich? Der Südafrikaner sagt "Is it?"
Jozi
Südafrikaner lieber Abkürzungen und Verniedlichungen. Teilweise ist das echt praktisch, weil's einem zungenbrecherische Ortsnamen erleichtet. Port Elisabeth heißt einfach nur PE, Durban ist Durbs, Bloemfontein ist Bloems und Johannesburg ist Jozi. Wer Johannesburg sagt, outet sich sofort als Tourist.
Just-now
Zeit in Afrika ist so ein Ding für sich. Mit Pünktlichkeit hat man hier nix am Hut. Ganz im Gegenteil, wer pünktlich ist, hat schnell den Ruf als Spießer. Wer ihr den Taxifahrer fragt, wann er denn kommt. Und er sagt "Just-Now" heißt das noch lange nicht, dass er in den nächsten fünf Minuten da ist. Just-now ist alles von fünf Minuten bis zu einer Stunde. Sagt er aber now-now, dann könnt ihr euch schon mal die Schuhe anziehen, dann ist er tatsächlich gleich da.
Kif
Nein, nicht was ihr denkt, hat nichts mit Drogen zu tun. Kif ist der Slangausdruck für cool oder toll.
Lekker
heißt erstmal nur lecker. Während bei uns sich "lecker" meistens aufs Essen bezieht, bezeichnet der Südafrikaner damit alles, was ihm gefällt als „lekker“. Kinofilm, Mädels, Musik...
Pap
Würde ich nie als "lekker" bezeichnen, ist aber das Grundnahrungsmittel hier. Maismehl mit Wasser und Salz gekocht. Viel Mehl, wenig Wasser ergibt einen dicken, festen Brei. Den knetet man mit den Händen zu kleinen Bällchen und tunkt die dann in Soße. Besteck ist überflüssig.
Robot
Nicht zu verwechseln mit Robotern, die uns demnächst den Haushalt schmeißen. Robots sind Verkehrsampeln.
Takkies
Der Ami sagt Sneaker, wir sagen Turnschuhe, der Südafrikaner sagt Takkies Tsotsi. So werden die Gangster in den Townships bezeichnet. Die wiederum haben noch eine ganz eigene Sprache. Der gleichnamige Film "Tsotsi" hat vor fünf Jahren einen Oskar bekommen und erzählt die Geschichte von einem Gangsters aus Johannesburg. Film und Soundtrack kann ich nur empfehlen.
Vuvuzela
Wahrscheinlich wird die Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika als Vuvu-WM in die Geschichte eingehen. Ehrlich gesagt, finde ich die Aufregung um die Plastetröten ja eher lustig. Ja, mir sind Fangesänge und rhythmisches Klatschen auch lieber, aber ich find Moskitos auch lästig und trotzdem sind sie da. Und ganz ehrlich, so richtig kräftig in eine Vuvuzela zu blasen, ist perfekt, um Aggressionen abzubauen. Zum Beispiel wenn Klose mal wieder eine Torchance versemmelt...
Voetsek
Kein Sprachkurs ist komplett ohne ein ordentliches Schimpfwort. Voetsek heißt soviel wie: Hau ab, verpiss dich. Von mir habt ihr das aber nicht...
PS: Waka Waka ist übrigens kein afrikanisches Wort...
Cool. Das werd ich heute mal in die Runde werfen, wenn wir das Spiel schauen!
Anja am 16.06.10 16:04
Guter Beitrag, nützliche Sachen dabei! :)
Sebastian Ratzel am 17.06.10 15:58
Vuvuzela, das Wort hab ich schonmal gehört irgendwo...
Jan am 18.06.10 9:15
Zum Anfang dieses Eintrags
Trackback-URL zu diesem Eintrag:
http://www.wdrblog.de/cgi-bin/mt-tb.cgi/2596
Zum Seitenanfang
Premiere bei der WM 2010 in Südafrika. Zum ersten Mal wurde die Weltmeisterschaft mit einem riesigen Konzert eröffnet. Das Line-up war beeindruckend: die Black Eyed Peas, The Parlotones, Alicia Keys, Freshlyground, Shakira, K'Naan - es waren so viele Künstler geladen, dass das Konzert bereits um 16 Uhr begann und sieben Stunden dauerte.
Aber noch bevor ich irgendjemanden habe singen hören, gab es schon die ersten Probleme: Die Anfahrt. Dass das öffentliche Nahverkehrsnetz in Südafrika nicht existent ist, ist bekannt und war auch immer einer der großen Kritikpunkte vor der WM. Jetzt hab ich́ es am eigenen Leib erfahren. Das Konzert war in Soweto. Von der Johannesburger Innenstadt bis dorthin braucht man ohne Stau 40 Minuten. Gestern wollten aber über 30.000 Menschen in dieses Stadion, und die kamen zum größten Teil im Auto. Stau! Und das stundenlang. Ich weiß jetzt schon, dass das Heute beim Eröffnungsspiel ein absolutes Verkehrschaos geben wird. Dann wollen über 90.000 Menschen ins Stadion. Zum Glück habe ich keine Karte für das Spiel... ähm, falls noch jemand eine Karte übrig haben sollte, bitte melden!
Pünktlich um 20:18 war ich im Orlando Stadium. Eigentlich ein Rugby-Stadion, heute aber eine riesige Konzerthalle. Die Black Eyed Peas haben gerade gespielt und die Menschen sind total ausgerastet. Jeden Song kannten sie auswendig, es wurde wild getanzt und euphorisch geschrien. Neben mir stand ein Typ, etwa 24 Jahre alt, die südafrikanische Fahne ins Gesicht gemalt und Tränen in den Augen. Von den Black Eyed Peas war ich jetzt nicht so angetan, aber der Typ hat mich beeindruckt. Und da wusste ich noch nicht einmal, wie er bei Alicia Keys und Shakira abgehen würde!
Musikalisch war der Abend ein Mix aus weltlich trifft afrikanisch. Alicia Keys war professionell, sympatisch, gut, Shakira war unheimlich sexy und die Parlotones durften nur ein Lied spielen. Mein musikalisches Highlight war K'Naan aus Somalia, der seine WM-Hymne "Waving Flag" gesungen hat. Es war ein tolles Bild, tausende Menschen mit wehenden Nationalfahnen zu sehen - südafrikanische, norwegische, deutsche... da war es auch gar nicht so schlimm, das K'Naan gesanglich nicht der Größte war.
Das wilde Rumspringen bei K'Naan hat auch noch einen großen Vorteil. Man hat vergessen, wie kalt es war. Es ist Winter in Südafrika und nachts snd die Temperaturen dann auch einstellig in Johannesburg. Mit viel Phantasie hätte das auch eine Aprés-Ski-Veranstaltung sein können, so wie die Menschen angezogen waren. Dicke Jacken, Mützen, Schals, in Decken eingewickelt, so haben die Südafrikaner gefeiert. Dazu Fußball-Fanmützen, Nationalfahnen um den Kopf gebunden und Bafana-Bafana-Shirts an. Um sich warmzuhalten, haben viele Menschen das gesamte Konzert durchgetanzt, es gab spontane Laola-Wellen und eine Polonaise durch die Halle. Ich hätte mal bei der Polonaise mitmachen sollen, dann hätte ich nicht die peinliche Nummer von Juanes und Taboo gesehen. Der kolumbianische Schnulzen-Barde Juanes hatte vor fünf Jahren mal einen Somerhit mit "La Camisa Negra". Gestern hatte er dann einen sehr geschichtsträchtigen Auftritt mit Taboo von den Black Eyed Peas. Ich finde es ja generell schön, wenn unterschiedliche Musiker was zusammen machen, aber wenn der Song langweilig ist, die Tanzschritte aussehen wie bei einer Oma, die Rheuma hat und die verkrampften Gesichtsausdrücke eher an einen Reisenden mit Magenkrämpfen erinnern, dann sollte man es doch besser lassen. Da hätten sie lieber Shakira fünf Minuten länger auftreten lassen sollen. Habe ich schon erwähnt, dass sie sehr sexy aussah?
Zwischen den einzelnen Musikern kamen immer wieder Promis auf die Bühne, wie Nationalspieler von kleinen Kindern begleitet, und haben so innovativ-kreative Sachen gesagt wie: "Hallo Südafrika, wie geht’s Südafrika, seid ihr alle da Südafrika!?" - Auch der Kaiser, Franz Beckenbauer, war da und hat seine Grüße verschickt. Ich hab mich sehr gefreut, dass er nicht so was gesagt hat wie "Whatzzz up South Africa?". Der südafrikanische Staatschef Jacob Zuma war da, Sepp Blatter und einige international EX-Fußballprofis. Der schönste Moment für mich während des ganzen Konzertes war aber, wie Erzbischof Desmond Tutu auf die Bühne kam. Wenn sich jemand so benimmt wie er, fragt man normalerweise: "Was hat der denn genommen?". Von oben bis unten in den südafrikanischen Fanfarben gekleidet, rief er als erstes auf deutsch "Willkommen!" und die Menschenmassen sind ausgerastet. Er hat getanzt, gelacht, keiner war so unterhaltsam und gleichzeitig so beeindruckend wie der südafrikanische Friedensnobelpreisträger. Den tosendsten Applaus des Abends hat aber jemand bekommen, der gar nicht da war: Nelson Mandela. Als Desmond Tutu meinte, wir sollten Heute auch an den Mann denken, dem Südafrika den Weltcup zu verdanken hat, hat die Halle vor jubelnden, klatschenden und euphorisierten Menschen gebebt. Was für ein Moment. Ich hab jetzt noch Gänsehaut.
So, jetzt ist die WM also eröffnet. In ein paar Stunden beginnt das Eröffnungsspiel Südafrika-Mexiko. Schon seit 7:00 Uhr laufen Vuvuzela-trötende Menschen durch Johannesburgs Straßen und rufen Viva Bafana. Der offizielle Slogan der WM ist ja "Feel it, it's here". Ich kann's nicht nur fühlen, ich kann's auch hören.
Trackback-URL zu diesem Eintrag:
http://www.wdrblog.de/cgi-bin/mt-tb.cgi/2595
Zum Seitenanfang
Stundenlanges verzweifeltes im Kleiderschrank wühlen gibt’s in Südafrika gerade nicht mehr. Das verschafft einem zum Teil eine halbe Stunde mehr Schlaf am Morgen, toll! Südafrika trägt gelb-grün, die Nationalfarben des Landes. Um perfekt gekleidet zu sein, braucht es also nur eine Jeans und ein gelb-grünes T-Shirt. Die gibt’s schon für 3 Euro im Klamottendiscounter oder für 120 Euro in der Super-Sonder-Spieler-Edition. Weil ja aber gerade Winter in Südafrika ist, gibt es auch noch gelb-grüne Schals, Mützen, Sweatshirts, Jacken...
Als ich neulich bei einer Party Yvonne aus Johannesburg kennengelernt habe, sind wir auch auf das Thema gelb-grüne T-Shirts gekommen. Wir hätten natürlich auch über's Wetter reden können, aber das ändert sich hier ja so gut wie nie. Also hab ich sie gefragt, was sie als Frau und aus Modesicht von der Farbkombi gelb-grün hält. Grün, meinte sie, ist sowieso ihre Lieblingsfarbe, und gelb würde perfekt zu Südafrika passen. Sonne, Wärme, Freundlichkeit... nur positive Dinge würde man mit gelb assoziieren, hat Yvonne gesagt, und recht hat sie.
Wenn man sich als Tourist hier schnell und unkompliziert Freunde machen will, muss man einfach nur eines der gelb-grünen T-Shirts anziehen und automatisch wird man angelächelt und gegrüßt. Zugegebenermaßen, wenn mich Südafrikaner dann ansprechen, merken sie an meinem Akzent ziemlich schnell, dass ich kein Einheimischer bin. Aber das stimmt die Südafrikaner noch fröhlicher. Zum einen freuen sie sich über jeden Touristen, der extra für IHRE WM ins Land kommt, und noch mehr freuen sie sich, wenn dieser Tourist auch noch IHRE Mannschaft unterstützt.
Aber egal ob Tourist oder Einheimischer, auf Grund der gelb-grünen T-Shirts unterteilen sie die Menschen in gut und böse. Wer ein gelb-grünes T-Shirt trägt ist gut, wird angelächelt und freundlich gegrüßt. Wer keines trägt ist böse und wird sträflich ignoriert.
Gerade in den Billigklamottenläden sind die T-Shirt regelmäßig ausverkauft. Einer der Discounter hat es sogar in die Zeitung hier geschafft. Allerdings mit einer eher peinlichen Geschichte. Auf mehreren tausend seiner WM-Shirts wurde die Südafrikanische Flagge spiegelverkehrt gedruckt. Als der Hersteller den Fehler gemerkt hat, waren die T-Shirts schon wieder ausverkauft. In der Zeitung hat dann der Geschäftsführer des Ladens geschrieben, wie peinlich es ihm doch sei, und dass sie doch sonst so patriotisch wären. Der Laden vielleicht, die chinesischen Hersteller offensichtlich nicht. Das Angebot, die falschen Shirts kostenlos umzutauschen, hat übrigens kein einziger Käufer angenommen.
Ich freue mich jedes Mal, wenn ich die vielen gelb-grün angezogene Menschen sehe, egal ob ich im Supermarkt bin, ins Kino gehe, oder mich stundenlang nach WM-Tickets anstelle. Und jeden Tag wird die gelb-grüne Gemeinde größer. Es ist nicht zu übersehen, dass es nur noch ein paar Tage sind bis zum Beginn der WM. Es ist beeindruckend, zu sehen, wie stolz die Südafrikaner auf IHRE WM sind, und wie sehr sie ihre Nationalmannschaft unterstützen. Ich hoffe sehr, dass es Bafana Bafana (die südafrikanische Nationalmannschaft) weit bringt. Ja, ich wünsche mir ein kleines Fußballwunder, damit dieses Land noch lange von einer gelb-grünen Glückswelle überschwemmt bleibt.
PS. Natürlich hab auch ich ein gelb-grünes Trikot. Und das nicht nur, damit ich morgens 30 Minuten länger schlafen kann...
Trackback-URL zu diesem Eintrag:
http://www.wdrblog.de/cgi-bin/mt-tb.cgi/2594
Zum SeitenanfangPermanente URL dieser Seite: http://wdrblog.de/suedafrika/
Der WDR ist nicht für Inhalte fremder Seiten verantwortlich, die über einen Link erreicht werden.