"Und, biste froh, dass es vorbei ist?", wurde ich jetzt schon mehrmals gefragt. "Jain" lautet dann die kurze Antwortvariante, zumeist sprudelt es aber viel wortreicher aus mir heraus. Dass ich es durchaus genieße, wieder zu Hause zu sein, liegt vor allem am nicht ganz optimalen Wetter, das mich fast die ganze Woche mit fiesem Gegenwind und nur wenig Sonne begleitet bzw. genervt hat. Und so faszinierend ich es auch fand, das WWW
mit Videostream, GPS-Positionierung und standortgenau verorteten Fotos live an meiner Ruhr-Tour teilhaben zu lassen: Auch dies trug dazu bei, dass ich die vergangene Woche nicht unbedingt als "bezahlten Urlaub" empfunden habe.
Wer schon mal ein mehr als 60 Kilo schweres Boot über Land getragen oder bei Windstärke 5 bis 6 durch einen See gesteuert hat, wird mir zustimmen. Aber ich freue mich schon jetzt darauf, um gut 20 Kilo Technik-Equipment erleichtert und bei etwas angenehmeren Witterungsbedingungen eine Teilstrecke im kommenden Jahr privat erneut entlang zu paddeln.
Die kleine Zahlen-Bilanz meiner Ruhr-Tour-Premiere jedenfalls kann sich sehen lassen – und Teile davon widerlegen so manches Klischee über den größten Ballungsraum Europas, andere bestätigen es zum Glück:
- Über 30.000 Paddelschläge
- Etwa ein Dutzend gesichtete
Graureiher am Uferrand
- Fast doppelt so viele Begegnungen mit dem
Kormoran, Vogel des Jahres 2010
- Ein gutes Dutzend liebenswerter und hilfsbereiter Kanuten, die mir bei meinen nächtlichen Zwischenstopps in
Wetter,
Bochum und
Essen auf ihrem Vereinsgelände gastfreundliches Asyl gewährten, mit mir am Anfang und Ende der Etappen-Tage zusammensaßen und mich teilweise auch auf dem Wasser begleiteten.
-
Kanada-Gänse in Kompaniestärke, außerdem auch viele
Nil- und
Graugänse
- Ebenfalls in Kompaniestärke und entlang der Ruhr oft schon seit Jahrzehnten heimisch:
Dauercamper mit zumeist traumhaftem Stellplatz-Ausblick.
Ein Paradebeispiel campiert am Baldeneysee
- Fünf
Biberratten, darunter ein Trio beim Brombeerschmaus
- Ein Aal (im Maul eines Kormorans). Dieser hatte die Qual der Wahl: Den gerade gefangenen Aal wieder loslassen und schnell wegfliegen, weil der WDR.de-Reporter immer näher kam? Oder das grüne Kajak ignorieren und den wild zappelnden und weit aus dem Schnabel heraushängenden Fisch gelassen bändigen und dann im Ganzen hinunterwürgen? Der Kormoran entschied sich zu meinem Vergnügen und zum Nachteil des Aals für Letzteres.
- Mehrere Dutzend Burgen und Schlösser, Herrensitze, historische Villen und die das Ruhrgebiet prägenden Industriedenkmäler und Fördertürme in Sichtweite der Ruhr
- Vier erfolgreich gemeisterte
Bootsrutschen (Wer, soweit die Befahrung ungefährlich ist, eine Bootsgasse treidelt, verpasst was!)
- Keine Kenterung, obwohl ich ehrlich gesagt ganz fest damit gerechnet hatte.
- (Leider nur) Einmal DAS Gericht der Region verspeist: Currywurst mit Pommes Mayo. Am populärsten und wohl auch schönsten Motorrad-Treff des Ruhrgebiets, der aufgrund seiner Nähe zum Wasser aber auch perfekt für eine Paddel-Pause geeignet ist: Der Kiosk am historischen
Haus Scheppen in Steinwurfweite des Baldeneysees. Bei schönem Wetter wurden hier schon bis zu 5.000 Biker samt ihrer Maschinen gezählt.
- Einen Guide, der mich mit der Ruhr und dem ungewohnten Transportmittel vertraut machte, der mir selbst in ungewohnten und unangenehmen Situationen auf dem Wasser immer ein sicheres Gefühl vermittelte. Und mit dem man ohne Probleme und mit viel Spaß eine ganze Woche am Stück verbringen konnte.
Weitere Antworten auf allgemeine Fragen zu dieser Ruhr-Tour, die für potenzielle Nachahmer nützlich sein könnten, beantworte ich in einem separaten Beitrag. Sollte es noch weitere Fragen geben: Nur zu, ich beantworte sie gerne.
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Ist solch eine Tour auch alleine zu schaffen?
Ja, grundsätzlich ist das möglich. Für Anfänger ist es aber empfehlenswerter, sich so wie ich es getan habe, von einem erfahrenen Kanuten begleiten zu lassen. Er kann Gefahrenstellen auf dem Wasser besser einschätzen und kennt sich mit dem Handling von Bootsgassen und Anladestellen aus. Außerdem bewahrt er im Fall des Kenterns des Bootes die Ruhe und kann beim Bergen helfen (also beim Wiederumdrehen, denn untergehen kann das Boot nicht). Grundsätzlich ist das Reisen in der Gruppe entspannter, da man sich zum Beispiel beim Umtragen der Boote und beim Ein- und Aussetzen gegenseitig helfen kann. Und mehr Spaß macht es auch. Außerdem ist das Vorwärtskommen im Boot mit mehreren Paddlern an Bord weniger kräftezehrend.
Wo kann man unterwegs schlafen?
Auch für Nicht-Mitglieder des
Deutschen Kanuverbands, die z.B. für ein "Schnupper-Wochenende" mit einem geliehenen Boot unterwegs sind, bieten viele gastfreundliche Kanuvereine ihre Grundstücke zum Zelten. Nötig ist fast immer eine telefonische Anmeldung beim Verein. Die Kosten für die Übernachtung belaufen sich im Normalfall auf wenige Euro pro Person, fast immer können die Sanitärräume im Vereinshaus mitgenutzt werden. Aus naheliegenden Gründen liegen die Grundstücke der Kanuvereine direkt am Wasser, Kanu und Gepäck müssen daher nie weit getragen werden, ein bequemer Steg zum Ein- und Ausstieg ist ebenfalls vorhanden. Natürlich gibt es auch einige Campingplätze entlang der Flüsse. Diese stehen auch Wasserwanderern zur Verfügung. Kosten und Komfort sind dort teilweise höher. Leider gibt es kaum Pensionen oder sonstige Privatunterkünfte entlang der Ruhr, die sich mit speziellen Angeboten auf Wasserwanderer eingestellt haben. Alle Adressen sind problemlos über die bekannten Suchmaschinen im Internet recherchierbar.
Was braucht man an Material?
Natürlich gehören ein Boot, eine Schwimmweste und ein (oder beim Kanadier zwei) Paddel schon bei einem halbtägigen Ausflug zum Pflichtprogramm. Wasserfestes Schuhwerk ist von Vorteil, aber kein Muss. Bei einem Kajak ist außerdem eine so genannte Spritzdecke sinnvoll, die verhindert, dass während der Fahrt Wasser in das nur knapp über der Wasseroberfläche liegende Boot gelangt. Ratsam ist es außerdem, alles, was man an nicht-wasserfestem Gepäck mitführen möchte, in wasserdichte Behältnissen zu verpacken. Entsprechende Tonnen mit Schraubdeckeln oder Säcke gibt es in unterschiedichsten Größen. Soll auf der Tour übernachtet werden, kommen Schlafsack, Zelt und Iso-Matte hinzu. Und will man sich morgens und/oder Abends selbst mit Essen versorgen, braucht man zusätzlich das entsprechende Camping-Koch-Equipment. Darüber hinaus ist allen weiteren Komfort- und Ausstattungswünschen vor allem eine Grenze gesetzt: Der zur Verfügung stehende Platz an Bord.
Wo bekomme ich das nötige Equipment?
Überall, wo es reizvolle Wasserwander-Reviere gibt, haben sich Kanu- und Kajak-Verleiher niedergelassen. Oft werden ganze Tour-Pakete angeboten, zu deren Umfang neben dem Boot oft auch der Transfer zum Start- bzw. vom Zielort ist. Paddel und Schwimmweste, oft auch die wasserfesten Behältnisse gehören normalerweise zu solch einem Paket dazu.
Woran erkenne ich, ob es sich um einen erfahrenen/seriösen Kanuverleiher handelt?
Folgende Punkte können Indizien dafür sein, dass es sich um einen empfehlenswerten Anbieter handelt:
- Es werden nicht nur Boote zur Miete angeboten, sondern darüber hinaus auch Kurse/Unterricht oder von einem Guide begleitete Touren
- Der Verleiher bzw. sein Team sind selbst als Wasserwanderer oder als Wassersportler aktiv
- Der Anbieter kooperiert mit dem Tourismusverband der Region oder wird von diesem empfohlen
- Der Anbieter ist Mitglied im Deutschen Kanuverband
- Bei einer Suche nach dem Anbieter in Internetforen gibt es keine die Sicherheit oder Beratung betreffenden negativen Bewertungen
Mit welchen Kosten muss man rechnen?
Die Miete eines 1er-Kajaks kostet pro Tag etwa 15 bis 20 Euro. Für einen Kanadier, mit dem zwei Personen paddeln können, muss man etwa 20 bis 30 Euro pro Tag kalkulieren. Je nach Umfang des bereitgestellten Zubehörs kann der Tagespreis auch höher liegen. Wird das Material für eine Woche oder länger geliehen oder will eine Gruppe mehrere Boote gemeinsam ausleihen, reduziert sich der Preis teilweise erheblich. Zusätzlich fallen, soweit nötig bzw. gewünscht, weitere Kosten für den Bootstransfer zum Start oder vom Ziel an.
Warum gleich eine Fünf-Tages-Tour? Geht auch weniger?
Natürlich. Wenn es nicht das inhaltliche Ziel der Ruhr-Tour 2.0 gewesen wäre, die gesamte Strecke abzufahren, die der Fluss auf dem Gebiet der Kulturhauptstadt zurücklegt, wäre ich auch mit ein, zwei oder drei Etappen zufrieden(er) gewesen.
Mein subjektiver Eindruck ist: Mit einem Kajak ist der reizvollste, etwa 40 Kilometer lange Abschnitt innerhalb des Ruhrgebiets (Ruhr-Tour-Etappentag drei und vier) binnen zwei Tagen gut zu schaffen. Mit dem Kanadier muss man für dieselbe Distanz entweder länger pro Tag auf dem Wasser bleiben oder man hängt einen Etappentag dran.
Wie viel Kilometer pro Tag kann man schaffen?
Das lässt sich pauschal nicht sagen, weil es von verschiedenen Faktoren abhängig ist, vor allem von der Fließgeschwindigkeit des Wassers. Die Ruhr hat bei so genanntem Normalwasser aufgrund der vielen Staustufen eine sehr geringe Strömungsgeschwindigkeit. Mir wurde von erfahrenen Ruhr-Kanuten „0 plus X“ als Zahl genannt, in Kanu-Foren im Internet ist von maximal 3 Kilometer pro Stunde die Rede. Nur auf der Strecke zwischen Hattingen und Bochum ist innerhalb des Ruhrgebiets die Geschwindigkeit etwas höher. Zum Vergleich: Auf dem Rhein gibt es Abschnitte, in denen das Wasser eine Strömungsgeschwindigkeit von deutlich mehr als 10 km/h erreicht.
Außerdem – das habe ich leidvoll erfahren müssen – spielt es auch eine erhebliche Rolle, ob man gegen oder mit dem Wind paddelt. Vor allem die Querung von Seen nimmt bei Gegenwind unter Umständen deutlich mehr Zeit als erwartet in Anspruch. Mit entscheidend für die Länge der Tagesetappe auf dem Wasser ist auch die Frage, ob zusätzlich noch Zeit für Besichtigungen entlang der Strecke eingeplant werden soll. Ist dies der Fall, sollte man sich lieber auf einen längeren, als mehrere kurze Zwischenstopps einstellen – Ein- und Austieg, ein gegebenenfalls erforderliches Umziehen und das Sichern des Bootes nehmen bei jedem Stopp viel Zeit in Anspruch. Für eine Kajak-Tour auf der Ruhr sollten es als Anfänger nicht mehr als etwa 25 Kilometer pro Tag sein, mit dem Kanadier sind 10 bis 15 Kilometer eine gute Größenordnung.
Warum wurde die Ruhr-Tour 2.0 mit einem Kajak und nicht mit einem Kanadier durchgeführt?
Vor allem, weil mit einem
Kajak größere Strecken pro Tag möglich sind. Aufgrund seiner Bauweise ist es schneller und wendiger. Für Anfänger leichter zu handhaben ist ein
Kanadier. Die Paddeltechnik ist zu zweit in einem Kanadier deutlich einfacher umzusetzen als in einem 2er Kajak. Kanadier gibt es im Unterschied zu Kajaks auch für drei, vier oder mehr Personen.
Wie fit muss man sein?
Wer es schafft, eine Tagestour auf dem Fahrrad oder eine mehrstündige Wanderung ohne körperliche Komplikationen zu überstehen, muss auch vor einer Paddeltour keine Angst haben. Allerdings werden beim Paddeln ungewohnte Muskeln und Sehnen stärker beansprucht, was sich vor allem am Anfang einer Mehrtagestour erheblich bemerkbar macht.
Was ist die beste Zeit fürs Wasserwandern auf der Ruhr?
Grob gesagt: Zwischen April und Oktober. Wärmer und weniger niederschlagsreich sind natürlich die klassischen Sommermonate uni/Juli/August, allerdings kann es – wie auch ich erfahren musste – auch in dieser Zeit heftige Niederschläge und Hochwasser geben. Manche Streckenabschnitte sind bei Niedrigwasser im Sommer schwieriger zu befahren, auf der Ruhr mit ihren vielen Staustufen ist das aber nur an wenigen Stellen ein Problem.
Was gibt es denn entlang des Ufers zu sehen?
Soviel, dass der Wasserwanderer die Qual der Wahl hat. Eine kleine Auswahl an empfehlenswerten Links findet sich in den anderen Einträgen dieses Blogs, eine gute Übersicht bietet Wikipedia auf dieser Seite, und auch die eigentlich für Nutzer des Ruhrtalradwegs konzipierte Internetseite ist für Wasserwanderer auf der Ruhr hilfreich.
Weitere Fragen zur Ruhr-Tour? Dann bitte das Kommentarfeld dieses Beitrags ausfüllen und abschicken.
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Zufrieden und kaputt, den Kopf voller Bilder und die Arme und Schultern voller Schmerzen bin ich wieder zu Hause, wo ich mit einem fröhlichen "Ahoi" begrüßt wurde. Nur als ich wenig später meine Neoprenschuhe auszog – die mich ebenso wasserfest und wärmend wie leider auch hermetisch die Luftzirkulation abriegelnd die Woche über begleitet haben – gab es trotz aller Wiedersehensfreude fast Ärger mit meiner Frau.
Am Ende der Woche sitze ich nun das erste Mal wieder an meinem Schreibtisch und bilde mir ein, er schwankt ein wenig. Die Zusammenfassung der letzten Etappe in aller Kürze (und sich an eine bekannte Kreditkartenwerbung anlehnend):
- Einmal „Schleusung zu Tal“, in einer 1843 erbauten und denkmalgeschützen Schleuse (mit echtem Schleusenwärter): 1,- Euro (am
Wasserbahnhof Mülheim)
- Einmal Würmer, wie sie auch in der Ruhr schwimmen, quicklebendig unterm Mikroskop angucken? Einmal verstehen, wie ein Wasserkraftwerk funktioniert, weil man es auf Knopfdruck mit echtem Wasser in einem Modell ausprobieren kann? Einmal endlich einen Fischreiher aus einem Meter Entfernung angucken, ohne dass er gleich hektisch wegfliegt? 2,-Euro (im
interaktiven Museum „Haus Ruhrnatur“ in Mülheim auf der Schleuseninsel. Aber zugegebenermaßen ist der dortige Fischreiher ausgestopft)
- Einmal das kurz zuvor erlebte Vergnügen der ersten Schleusung an der Nachbarschleuse
Raffelberg wiederholen? Unmöglich. Kostet zwar viel Zeit (Telefonieren) und Geld (Telefonauskunft). Die Antwort des zuständigen Wasser- und Schifffahrtsamtes Duisburg lautet dann aber: Wenn, nur mit Ausnahmegenehmigung, und am besten schon Wochen zuvor beantragen. Schade, aber im Umtragen hatte ich ja bereits Übung.
- Einmal drei
Nutrias (Bisamratten) auf einen Streich beim entspannten Brombeerzweig-Knabbern, Schwimmen und Über-Steine-Stolpern beobachten? Kostenlos (Und wirklich aus einem Meter Entfernung. Und wirklich nicht ausgestopft)
- Einmal drei
Eskimorollen direkt hintereinander in der Ruhr bei Schmuddelwetter vorgeführt bekommen? Unbezahlbar und schon gar nicht auf Kommando (aber zum Ende der Ruhr-Tour 2.0 hat mein Guide Volker eine Ausnahme gemacht. Zu meiner und der Freude aller, die es im Livestream mitverfolgen konnten.)
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Auf den letzten knapp 20 Kilometern der Ruhr-Tour von Essen-
Kettwig über Mülheim nach Duisburg wird die Umgebung der Ruhr von all dem geprägt sein, was viele Menschen mit dem Ballungsraum Ruhrgebiet verbinden. Wir unterqueren zwei der größten
Straßenbrücken Deutschlands, lassen die Autos auf der A52, A40 und A3 über uns hinwegrasen und statten je nach Wasserverkehrslage dem Mülheimer und
Duisburger Hafen einen Besuch ab. Enden wird die Tour dann in Sichtweite des Rheins, wo die Mündung der Ruhr seit einigen Jahren mit einer
weithin leuchtenden Landmarke gekennzeichnet ist. Die ganze Etappe (soweit es der UMTS-Empfang zulässt) kann wieder
im Live-Videostream mitverfolgt werden.
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Um sich vorzustellen, welche banalen Probleme Wasserwanderern auf einer Ein- oder Mehrtagestour begegnen können, ein skurril klingendes Szenario als Vergleich: Man stelle sich vor, der weithin sichtbare Kölner Dom wäre für interessierte Besucher quasi unerreichbar. Man könnte zwar ganz dicht an ihm vorbeifahren. Nur anhalten wäre unmöglich. Entweder, weil es im Umkreis des Doms keinen einzigen Parkplatz gäbe. Oder, weil er nur mit größten Verrenkungen zu erreichen wäre. Oder, weil man schon beim Aussteigen nasse Füße bekäme. Hätte man dann aber doch eine Abstellmöglichkeit gefunden, müsste man sich an Ort und Stelle erst aus- bzw. umziehen.
Klingt total verrückt? Ist aber Alltag beim Wasserwandern auf der Ruhr, wenn ein Besichtigungsprogramm jenseits des Wassers geplant ist. Aber zum Glück gibt es entlang des Flusses nette, bodenständige Menschen wie Peter.
Der frühpensionierte Baggerfahrer verbringt den Großteil des Jahres am Baldeneysee, wo er stolzer Nutzer eines Dauercamper-Stellplatzes in Sichtweite eines Anlegestegs für Kanus ist. „Hier is noch nie watt weggekommen“ versichert er uns, als wir unsere Kajaks für eine Currywurst-Pommes-Mayo-Pause vor seiner Campingplatz-Haustür ablegen. „Und wenn es wer versucht – kümmer ich mich drum.“ Ich war sofort überzeugt: Sicherer als bei Peter konnten unsere Boote nirgendwo liegen. (Beim Problem, entweder in Neoprenschuhen und Gummijacke essen zu gehen, oder sich am Uferweg umzuziehen, konnte Peter nicht helfen - ich entschied mich für einen Kompromiss und ließ die Schuhe an)
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Die Ruhr stand in den vergangenen Tagen im Mittelpunkt, aber ab und zu waren auch mein Tour-Guide Volker und ich im Bild der Livestream-Kamera zu sehen. Daher eine kurze Erklärung zu einem Kleidungsstück, das (fast unabhängig vom Wetter) bei einer Kajak-Tour zum Standard gehört:
Was (erst Recht in einem stark komprimierten Livestream) womöglich nach ausgesprochen schlecht sitzenden Hosen aussieht, ist in Wirklichkeit ein unverzichtbares Utensil beim Paddeln.
Da sich die Luke, in der ein Kajakfahrer sitzt, nur wenig oberhalb der Wasserkante befindet, reicht schon ein geringer Wellengang aus, damit Wasser ins Boot gelangt. Bei Anfängern wie mir kommt dann noch hinzu, dass fast jeder Paddelschlag Wasser dorthin befördert, wo es nicht hingehört und dort über kurz oder lang Hose und Sitz völlig durchnässen würde. Die Lösung: Ein Spritzschutz aus Gummi, der den Zwischenraum zwischen Fahrer und Bootsinnenraum hermetisch abdichtet. Außerdem umschließt er den Rand der Luke so eng, dass auch bei einer Eskimorolle kaum Wasser ins Boot kommt. Wie das in der Praxis funktioniert, führt Volker vielleicht am Freitag auf unserer letzten Etappe vor.
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Abgesehen von allen kleinen Highlights, die es auch am dritten Tourtag links und rechts der Ruhr zu sehen gab, konnte der Fluss mit einer gleich dreifach vorhandenen Attraktion aufwarten, die es sonst nirgends im Ruhrgebiet zu sehen und erleben gibt:
Der „Bootsrutsche“ - oder korrekter „Bootsgasse“ wie die offizielle aber weit weniger spektakuläre Bezeichnung lautet. Überall dort, wo die Ruhr durch ein Wehr gestaut ist, stehen Kanuten normalerweise vor einem Problem: Der direkte Weg von einer Staustufe zur nächsten ist verboten, weil lebensgefährlich. Die unkalkulierbare Sogwirkung des hinabstürzenden Wassers und Rückströmungen, die im schlimmsten Fall unter Wasser ziehen und zum Tod führen können, zwingen normalerweise zum lästigen Umtragen des Bootes.
Welche Qual das mit einem vollgepackten Boot bedeutet, habe ich an den ersten beiden Tagen ausprobiert. Nicht so am Tag drei der Ruhr-Tour: In einer extra für Kanus gebauten Bootsgasse konnte getreidelt, also das Boot an der Leine hindurchgeführt werden. Viel schöner, aufregender, aber auch mit einem gewissen Kenterrisiko versehen, ist dagegen ein anderer Weg: Die schmale Gasse sitzend im durch-"rutschenden" Boot zu passieren. Mit dem beruhigenden Gefühl, dass mein Tourguide Volker schon zur Stelle wäre, um mich und vor allem mein Boot rauszuholen, nahmen wir dann diesen schnellen Weg, der in der deutschesten aller Bootsgassen-Varianten sogar mit einer Ampel versehen war: An einer Schnur gezogen, dauert es nur wenige Minuten, bis sich ein kleines Schleusentor senkt, damit sich ein Schwall Wasser über die Gefällstrecke ergießen kann. Springt die Ampel auf grün, geht der Spaß los: Gas geben, mittig halten, zu Beginn der Gasse schnell das Paddel parallel zum Boot und im Auslauf wieder paddeln, paddeln, paddeln und bei Bedarf kräftig gegensteuern. Im Vergleich zu solch einer Abfahrt kann jede Kirmes- oder Vergnügungspark-Wildwasserbahn einpacken.
Warum fährst Du denn immer voraus? Da sieht man ja gar keine Mitpaddler! ;-(
Gruß
Andreas
Andreas am 26.08.10 14:32
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Über das
Bootsrutschenrutschen und
Technikflicken habe ich völlig verpasst, heute Mittag das Bergfest der Ruhr-Tour mit einer Paddelgedenkminute oder ähnlichem zu begehen. Noch gestern gab es Momente, in denen ich es der schwindenden Kräfte wegen am liebsten herbeigesehnt hätte. Nach der heutigen Etappe find ich es fast schade, dass sich die Tour bereits ihrem Ende nähert. Doch der aktuelle Wetterbericht klingt danach, als ob sich dieses Gefühl im Laufe des morgigen Tages schnell wieder verflüchtigen könnte: 30 bis 50 Liter prognostiziert der WDR-Wetterdienst für unser Reisegebiet, den Raum Essen. Nicht auf der Etappenstrecke, sondern pro Quadratmeter. Gut möglich, dass ich anstatt des angedachten Atollbesuchs am Baldeneysee lieber Schutz in der Villa Hügel suchen werde. Andererseits hat der bisherige Ruhr-Tourverlauf sowieso gezeigt, dass Planungen auch dazu da sind, über den Haufen geworfen zu werden. Weil es Wind, Wetter und widerspenstige Technik so wollen. Das Ziel zumindest lautet: Essen-Kettwig. Und die Chancen, dass die Tour durchgehend im Livestream zu verfolgen ist, stehen gut.
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Zum SeitenanfangIch warte jetzt kurz vor der nächsten Bootsrutsche auf den Techniksupport. Wenn der da ist, gibts neue Energie. Leider nur für die Livestreamkamera. Also helfe ich mir selbst mit Matjes und Bratkartoffeln. (Von unterwegs via Facebook geschrieben)
Hallo, Stefan, hallo, Volker.
Hab soeben ein paar Fotos abgeschickt. Könnt Ihr Euch ja während der Pause schon mal ansehen.
Viel Spaß noch...
bissitage
Uli (Sport- und Wortwart)
Ulrich Trilling am 25.08.10 15:32
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Eigentlich wären wir schon unterwegs auf dem Wasser, aber die Technik macht leider (mal wieder) Mucken: Das hochmoderne Ladegerät hat gestern Nacht nicht durchgeladen. Jetzt reicht der Saft für maximal 2 Stunden. Wir bereiten aber gerade einen Batterietausch auf der Strecke unterwegs vor, quasi die Paddelvariante des Formel1-Boxenstopps. Wenn alle Details geklärt ist, geht`s los. Und was es entlang der Strecke zu entdecken gibt, hab ich
im letzten Blogeintrag beschrieben.
PS: Auch wenn das Standort-Symbol der interaktiven Karte etwas anderes suggerierte: wir haben nicht auf einem Friedhof genächtigt, sondern auf einer großen Wiese des Bochumer Kanu-Clubs.
Schade! Ich wollte heute am Bildschirm mitpaddeln. Leider kein Livestream.
Trotzdem eine tolle Idee.
Jaeschke,Michael am 25.08.10 12:59
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Nach meinen
gestrigen Erfahrungen bezüglich der Unvereinbarkeit von "Will-ich-mir-auch-noch-Angucken" und benötigter Paddelzeit, formuliere ich kurz vor Start zur dritten Ruhr-Tour-Etappe deutlich vorsichtiger: Auf der Strecke von Bochum nach Essen werden wir heute folgende Orte passieren, die sich auch für einen Zwischenstopp eignen könnten:Das
westfälische Industriemuseum Henrichshütte (auf dem Gelände eines alten Stahlwerks), die
Birschel-Mühle an der alten Schleuse Hattingen, die
Burgruine Isenburg, die
Schwimmbrücke Dahlhausen, das
Eisenbahnmuseum Bochum und den ehemaligen Ritterssitz
"Haus Horst". Unser heutiges Etappenziel ist der
"Kanuclub Industrie Essen e.V.", Heimatverein meines Kanu-Guides Volker - der mich übrigens gestern erfolgreich zur Fahrt durch meine erste Bootsrutsche animiert hat. Die Aussicht, am Ende eines anstrengenden Tages nochmal Umtragen zu müssen, war unangenehmer als das minimale Risiko, beim Durchfahren der Rutsche zu kentern. Leider war zu dieser Zeit bereits der 10-Kilo-Akku am Ende, der Kamera, UMTS-Router und das Gerät zum Aufbereiten der Daten mit Strom versorgt. Gekentert bin ich nicht und ich freu mich schon drauf, dass es auf der heutigen Etappe drei dieser an eine Kirmes-Wildwassebahn erinnernden Umtrage-Alternativen geben wird.
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Was hatte ich mir für heute alles vorgenommen: Neben der
Burg Volmarstein und dem
Bergerdenkmal bei Witten stand das
Museum Zeche Nachtigall (in Steinwurfweite der Ruhr) und das
Wasserschloss Kemnade unweit des gleichnamigen Sees auf meinem Sightseeing-Pflicht-Programm – schließlich, so mein Gedanke, kann man doch nicht den ganzen Tag nur im Paddelboot sitzen. Am Ende des Tages muss ich gestehen: Doch, man kann, nein man muss eigentlich sogar. Für viel mehr nämlich bleibt gar keine Zeit. Eine Tour mit dem Kajak ist eben nicht mit einer normalen Besichtigungsrundfahrt vergleichbar. Und dennoch habe ich das erste Mal verstehen können, wie sich Touristen fühlen müssen, die mit dem Reisebus für einen halben Vormittag Zwischenstation in Köln machen: Als ich am Morgen, kurz nach dem Start, die Burgruine gegenüber dem Übernachtungsplatz so schön in der Sonne liegen sah? Schnell hinübergepaddelt, angelegt und hinaufgehetzt – zumindest für Minuten will man schließlich die Aussicht auf den See genießen.
Und mittags, als das Bergerdenkmal am Berghang über der Ruhr auftauchte? Angelandet, umgezogen und hinaufgehetzt –naja, zumindest versucht. Denn so schlecht war der Weg zum Denkmal ausgeschildert, dass mir der Aufstieg misslang.
Doch die entdeckten Alternativen wogen das auf: Ein im Wald versteckter alter Bergwerksstollen als Zeichen, dass das Ruhrtal die Wiege des Ruhrgebiet-Bergbaus war. Und die schönste Klingelbeschriftung, die ich jemals zu Gesicht bekommen habe. „Bitte Hupen“ stand an der Eingangstür zum denkmalgeschützten Wasserwerk. Und die ohrenbetäubende Sirene, die nach dem Knopfdruck ertönte, entschädigte sogar dafür, dass mir niemand öffnete.
Der letzte Zwischenstopp des Tages war dann nur dem Bedürfnis geschuldet, das Gebäude des Zeche-Nachtigall-Museums zumindest fürs Fotoalbum abzulichten –für mehr blieb keine Zeit. Das Gefühl, etwas verpasst zu haben, stellt sich trotzdem nicht ein. Was vom Tage übrig bleibt ist der Eindruck, Natur pur erlebt zu haben - mit Tieren und Pflanzen, die ich mir so in diesem Ballungsraum nicht hätte vorstellen können. Oder wann sind Ihnen schon mal bei einer Fahrt durchs Ruhrgebiet Fischreiher, Kanadagänse und
ein vorbeischwimmendes Nutria begegnet?
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Das ging multimedial heute auf Etappe 2 ein wenig drunter und drüber. Der kanpp 10 Kilo schwere Akku hat nur eine Kapzität für rund 8 Stunden - zu wenig, wenn man ihn wie heute um 9 Uhr anschaltet und erst um 20 Uhr im Ziel einläuft. Grund für die späte Ankunft war mehrerlei: Zum einen habe ich unterschätzt, wie viel Zeit durch Umsetzen, Umtragen, zur Burg hoch und wieder runter laufen und ähnliche Aktivitäten abseits des Paddelns verloren geht. Zum anderen haben wir uns heute vormittag kurzfristig zu einer Zieländerung entschlossen: Statt der geplanten Übernachtung beim Kanuclub Witten, noch vor dem Kemnader See, sind wir bis zum Kanuclub Bochum weitergepaddelt. Nicht unbedingt meiner überschüssigen Energie wegen. Grund war vielmehr, dass die morgige Etappe ansonsten kanpp 30 Kilometer lang gewesen wäre. Ungefähr mittig im Kemnader See, als die vom Gegenwind aufgepeitschten Wellen das Vorwärtskommen für mich Anfänger zur Qual werden ließen, bereute ich die Entscheidung kurzzeitig - erst recht, als wir ein gekentertes Segelboot passierten. Aber es kann ja nicht jeden Tag Ruhr-Idylle vorherrschen. Schön war die Etappe trotzdem. Warum ich mich an meinem zweiten Ruhr-Tour-Tag ein wenig wie ein japanischer Tourist gefühlt habe, berichte ich später. Jetzt erstmal Abendbrot.
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"Wann geht's denn endlich los?", fragt sich vielleicht mancher. Was macht der denn die ganze Zeit, schließlich ist der Livestream doch schon seit 9 Uhr online? Die kurze Antwort (weil das Bloggen via Smartphone an Schreibversuche in der ersten Klasse erinnert): Die Zeit, die beim multimedialen Paddeln fürs Zusammenpacken drauf geht, ist gegenüber der Standardzeit, bevor es ins Büro geht, mit dem Faktor 5 zu multiplizieren. Aber jetzt geht's los, neue Fotos gibt es gleich in der interaktiven Karte zu sehen.
Ahoi Stefan und Volker!
Wir haben heute bereits für euch die Tour für Donnerstag teilweise gecheckt. Wetter war super, windig, böig, Wellen auf dem Baldeneysee! Es war ganz toll.
Eine interne Warnung vor der Steeler Rutsche (Wehr Spillenburg) wurde ausgegeben, auch erfahrene Kanuten gehen dort gern mal schwimmen ;-)
Wir wünschen euch noch eine ganz tolle Tour, gutes Wetter, schöne Eindrücke.
Liebe Grüße vom KKI,
Katrin und Frank
Katrin & Frank am 24.08.10 20:33
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Würde ich jammern, würde ich so beginnen: Solange ich noch Kraft zum Tippen habe, noch schnell der versprochene Rückblick auf Tag eins der Ruhr-Tour 2.0.
Würde ich mir von den zurückliegenden Strapazen nichts anmerken lassen, wäre der Einstieg folgendermaßen: Schade, dass die erste Etappe schon nach 16,8 Kilometern zu Ende war. So nutze ich die Zeit bis zum Schlafen gehen damit, all das, was nach neuer Kraft lechzt, mit Energie zu versorgen – mein gutes Dutzend elektronischer Gerätschaften, die schon seit Stunden mit 220 Volt reaktiviert werden.
Die Wahrheit liegt irgendwo dazwischen, genaueres werden mir meine Muskeln, Sehnen und Gelenke morgen beim Frühstück berichten.
Was ich aber resümierend schreiben kann: Paddelnd auf der Ruhr entwickelt das nach ihr benannte Gebiet sogar bei schlechtem und teils unangenehm stürmischem Wetter einen ungeahnten Reiz. Und ich ärgere mich, dass die Technik mehr Zeit als eingeplant verschlungen hat. Dem anfangs nicht funktionierenden GPS-Signal und der damit verbunden Fehlersuche ist z.B.
ein Besuch der Hohensyburg zum Opfer gefallen. Und durch den anfängerbeängstigenden böigen Wind auf dem
Hengsteysee verging mir die Lust, wie geplant in der Nähe des
Koepchenwerks anzulanden. Letzteres ist vor allem deshalb bedauerlich, weil ich mir eigentlich eine Kunstinstallation genauer angucken wollte, die zumindest lokal in den letzten Wochen für ordentlich Schlagzeilen gesorgt hatte: Das "Anmachwerk", von Kunststudenten der Folkwang-Hochschule geschaffen und Bestandteil des temporären
"Kunstpfads" entlang der Ruhr, sollte eigentlich Spaziergänger als Klanginstallation in seinen Bann ziehen. "Alter, isch mach’ disch platt, Alter", tönte es unter anderem aus dem Gebüsch am Hengsteysee, wenn Vorbeigehende den versteckten Bewegungssensor auslösten. „So was geht gar nicht“, zumindest nicht in Deutschland, entschied daraufhin das Ordnungsamt Herdecke und legte die Installation still, bevor verschreckte Radfahrer vom Weg abkommen konnten. Erst seit heute, nach einer Lautstärkenreduzierung, dem Aufstellen zusätzlicher
Warnschilder und einer Abschaltung bei Dunkelheit, darf wieder kunstvoll getönt werden. Und auch ohne es gehört zu haben, empfehle ich: Hinfahren, hinhören.
Was meinen Transportweg angeht, bin ich wirklich voll des Lobes: Die Ruhr kommt selbst unter Autobahnbrücken ausgesprochen idyllisch daher. Nur das mit dem Wind, der einem das Gefühl vermittelt, in verkehrter Richtung gegen und nicht mit dem Strom zu paddeln – das muss nicht sein.
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Was ich an Volker habe, meinem Kanu-Guide, der mich auf meiner Tour begleitet? Das wurde mir zum wiederholten Mal am Abend bewusst: "Nicht vergessen, deine Einstiegsluke abzudecken", lautete sein Rat. Weniger wegen der Gefahr, dass das Boot bei nächtlichem Regen volllaufen könnte - das ließe sich notfalls mit der "Lenzpumpe" - der galanten Umschreibung für einen ordinären, überdimensionalen Schwamm - beseitigen.
Kriebelmücken sind die eigentliche Gefahr. Wenn diese Plagegeister sich des nächtens im Inneren des Bootes einnisten, kann die darauffolgende Etappe zur Qual werden. Während man paddelt, saugen sie einem unter der Spritzdecke das Blut aus den Adern. Jetzt haben die Blutsauger keine Chance und abgesehen vom drohenden Muskelkater kann mir den zweiten Tag nichts verleiden.
Geplant sind gut 20 Kilometer. Das eigentlich verabredete Etappenziel kurz vor dem Kemander See bei Witten werden wir um etwa 6 Kilometer Richtung Bochum verlängern. Ansonsten wäre die dritte Etappe fast 30 Kilometer lang. Vor dem Start bzw. nach dem Frühstück werde ich auf alle Fälle am gegenüberliegenden Seeufer der
Burg Volmarstein eine Stippvisite abstatten. In der Folge der Tagesetappe reiht sich dann ein Hotspot an den Nächsten:
Zeche Nachtigall,
Burg Hardenstein,
Herbeder Schleuse, um nur drei zu nennen. Wetter und Technik werden entscheiden, in welchem Umfang ich an den einzelnen Punkten stoppen oder sie nur im vorbeipaddeln im Bild festhalten werde. So oft es geht und so gut es die Situation im Kajak zulässt, werden wir aktualisierte und geopositionierte Fotos in der Karte der Tour veröffentlichen.
PS: Was passieren kann, wenn man sich schlecht geplant auf eigene Faust zum Paddeln auf die Ruhr begibt, konnte ich am Abend miterleben: Völlig entkräftet kam lange nach Sonnenuntergang eine Gruppe von 12- bis 16-jährigen Jugendlichen, begleitet von unerfahrenen ehrenamtlichen Begleitern auf unserem Campingplatz an. Gestartet waren sie zeitgleich mit uns in Schwerte und hatten sich in zehn Stunden mit ihren windanfälligen Kanadieren über die Ruhr gequält. Nun dringen Zähneklappern, Geheule und frustriertes Gemotze zu mir herüber.
Hallo, Stefan.
Eine ganz, ganz tolle Idee, diese Ruhrtour.
Sehe gerade, wie Du in Wetter zu Wasser gehst. Gestern seid Ihr über unsere Lieblingsregattastrecke zwischen den beiden Seen am Herdecker Kanu-Club gepaddelt. Und heute kommt wieder ein wunderschönes Stück Ruhr auf Euch zu. Der Kemnader See wird allerdings bei dem Wind wieder recht anstrengend.
Du hast geschrieben, dass Ihr den heutigen Abschnitt um sechs Kilometer verlängern, also doch nicht beim Wittener Kanu-Club übernachten wollt. Wir laden Euch dann recht herzlich ein, bei uns am Bochumer Kanu-Club zu übernachten. Das bewirtschaftete Bootshaus ist offizielle Kanu-Station und liegt 50 Meter hinter der Koster Brücke links. Ab 16:00 Uhr findet dort unser Kindertraining statt. Solltet Ihr nicht bei uns rasten wollen, werden wir Euch grüßen.
Viel Spaß noch und schönes Wetter wünscht der BKC
bissitage
Uli (Sport- und Wortwart)
Ulrich Trilling am 24.08.10 10:55
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Grade begann es, so richtig idyllisch zu werden: Über uns am Hang die Ruine der Hohensyburg, vor uns (korrekter wohl: steuerbord voraus) eine alte Industriellenvilla am Ufer des Hengsteysees. Und das erste Mal seit dem Start fühlte ich mich so wohl und sicher, dass ich mich sogar traute, das Smartphone unterwegs im Boot aus seinem wasserdichten Beutel hervorzuholen. Wenig später war es mit der Idylle vorbei. Ich behaupte: Ein Sturm zog auf. Und selbst Volker meinte: "Mit so viel Wind hab ich nicht gerechnet." Windstärke 4 ist seine Schätzung, ich würde noch eine drauflegen. Spaß gemacht hat's. Aber ich war trotzdem froh, als wir nach gefühlten zwei Stunden am anderen Ende des Sees angekommen sind.
Dass die Kultur und alles andere am Uferrand heute beim Bloggen etwas zu kurz gekommen ist, tut mir leid, ist aber den technischen Anfangsschwierigkeiten und dem Wetter geschuldet. Heute Abend gibts zumindest noch ein rückblickendes Resüme.
PS: Bei der Vorrecherche las ich, dass vor nicht allzulanger Zeit das Wasser des
Hengsteysees im Verdacht stand, bei Kindern einer Paddelgruppe einen juckenden Hautausschlag ausgelöst zu haben. Ich hingegen kann trotz reichlich Kontakt mit der Gischt bislang Entwarnung geben:
Dat Wasser vun Hengstey es jot.
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So, nachdem heute Vormittag alles etwas länger gedauert hat, bis wir startklar waren, jetzt ein erster Zwischenbericht - vorsichtshalber allerdings an Land getippt. Wir haben die Kajaks gerade vom Wasser geholt, zum sogenannten Umtragen. Grund dafür: ein Wehr bzw. ein Pumpwerk auf Höhe Westhofen, welches nicht passierbar ist. Umtragen heißt in unserem Fall: Boote aus dem Wasser wuchten, auf einen kleinen Bootswagen ziehen und dann etwa 200 Meter weit über Land ziehen. Durch die ganze Technik, die ich an Bord habe, ist das etwas beschwerlicher als normal: Rund 60 Kilo Ladung plus das Eigengewicht des Bootes.
Noch ein paar kurze Anmerkungen zum weiteren Verlauf: Bis zu unserem Ziel, dem Kanu-Vereinsgelände am Hakortsee, sind es noch etwa 2 Stunden. Bis dahin kommen noch zwei weitere Umtragen, eine davon geht laut Volker, meinem Guide, durch einen Tunnel. Also dran bleiben, die Kamera ist dank eingebauter Infrarotlampen auch tunnel-tauglich. Wenn alles klappt, werde ich von unterwegs weitere Fotos schicken, die ich aber erst am Etappenziel trockenenen Fußes kommentieren werde.
Da ist aber einer schon nass geworden!
Zurecht nach dem letzten Satz in seiner Biographie. ;-)
Trotzdem viel Spaß und gute Fahrt!
Grüße vom Niederrhein
Mr. Flowers am 23.08.10 17:08
Mist,
den Tunnel hab ich verpasst. Hast du dort Bilder gemacht?
Ansonsten weiter viel Spaß und Erfolg mit der Tour!
Renate am 23.08.10 18:42
Der Tunnel war dann doch unspektakulärer als gedacht. Keine Fotos. :-)
Stefan Domke am 23.08.10 22:10
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„In einem Kajak, vollgestopft mit Technik, einmal quer durchs Ruhrgebiet – was soll das denn?“ wurde ich während der Vorbereitung zur Ruhr-Tour 2.0 des Öfteren gefragt.
Am Anfang stand die Idee, das Gebiet der Kulturhauptstadt im Sommer, zur Urlaubszeit, aus eher ungewöhnlicher Perspektive kennenzulernen und zu präsentieren. Im Mittelpunkt einer solchen Tour, so der Wunsch, sollten dabei weniger die Leuchtturm-Projekte des Ruhr2010-Jahres stehen. Vielmehr wollten wir uns Orten und Landmarken widmen, die das Ruhrgebiet auch abseits von Zollverein & Co zu einem ausgesprochen lohnenswerten Ausflugziel machen.
Warum nicht den Fluss als Wegstrecke nutzen, der dem Ruhrgebiet seinen Namen gibt und quer hindurch fließt? Meine 5-tägige Tour beschränkt sich auf die etwa 100 Kilometer, die die Ruhr auf ihrem Weg bis zur Rheinmündung innerhalb des Ruhrgebiets entlangfließt.
Um möglichst viele möglichst intensiv an dieser Reise teilhaben zu lassen und um hautnah zeigen zu können, was es auf und entlang der Ruhr zu sehen und erleben gibt, haben wir das Boot technisch aufgerüstet: Am Bug des Kajaks thront nun eine wasserdichte Videokamera. Und soweit uns der UMTS-Empfang im Ruhrtal keinen Strich durch die Rechnung macht, wird das Bildsignal live mit Hilfe eines so genannten 3fach-UMTS-Routers nach Köln
und von dort ins Internet gesendet. Mit an Bord und genau wie alles andere wasserdicht in einer der Staukammern verpackt: Ein handelsübliches Smartphone, welches die aktuelle GPS-Position aufzeichnet. Eine Software sorgt im Anschluss dafür, dass die kryptischen Satelliten-Koordinaten in Echtzeit umgewandelt und als kleines Kajak-Symbol auf einer Karte angezeigt werden. Soweit die Theorie.
Ob das ganze auch in der Praxis klappen wird, zeigt sich am Montag. Alles Berichtenswerte, was sich in den kommenden fünf Tagen ereignet, wird hier im Blog nachzulesen sein. Und soweit ich nicht mit Paddeln, dem Umtragen an Wasserhindernissen oder sonstigen Vorkomnissen beschäftigt bin, werde ich auch aus dem Boot heraus fotografieren oder kommentieren. Die Bilder finden sich dann geopositioniert
in der Karte unserer Sonderseite.
PS: Dass „Ahoi“ der Standardgruß unter Kanuten ist, war mir ebenso neu, wie die gepflegte Abneigung, mit der viele Ruderer den Kanuten begegnen. Was es sonst noch aus der Welt der Wasserwanderer zu berichten gibt, vor allem aber worauf man auf der Ruhr als Paddel-Anfänger achten muss, wird mir Volker Tebart in den kommenden Tagen erzählen und zeigen. Der erfahrene Essener Kanute begleitet mich auf der Ruhr-Tour 2.0.
Live-Videostream und aktuelle Geoposition
Wikipedia-Eintrag zu "Ruhr"
Wikipediaeintrag zu "Ahoi"
Wenn Engel reisen, lacht der Himmel Tränen?
Naja, wettertechnisch hätte ich Stefan einen besseren Start gewünscht, aber Paddeln ist ja nunmal ein Wassersport :-).
Mit dem Handbreit Wasser unterm Kiel dürfte es ja kein Problem geben...
Ein sportliches Ahoi mit den besten Wünschen für die bevorstehenden Tage auf diesem Wege
Ilia vom Steeler Kanuclub
Ilia Faye am 23.08.10 10:19
Ein sportliches „Ahoi“ an Stefan und Volker. Ich hoffe Stefan lässt sich nur wenig von widrigen Wetterverhältnissen beeindrucken und wer weiß, vielleicht können am Ende Eurer Tour einen weiteren begeisterten Kanuten feiern.
Euch eine tolle Tour und schöne Erlebnisse.
Frank vom Kanu Klub Industrie Essen
Frank Zölzer am 23.08.10 11:59
Bin zwar kein Kanute aber mein Neid und meine Neugier werden Dich begleiten. Viel Glück auf dieser schönen Tour und viele tolle Eindrücke und Erlebnisse wünsche ich Dir.
Das Wetter ist zwar momentan nicht so berauschend aber das wird schon noch.
Mellon
Mellon am 23.08.10 12:37
Die Bilder "16 und 17" werden an falscher Position angezeigt. Sie gehöhren Ruhr abwerts vor der A1 oberhalb der Ruhrtalstraße
Klaus Hemmer am 27.08.10 10:21
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