Sie sind hier
- WDR.de
- Fernsehen
- monitor.de
- Blog
18.05.09
Sprungmarken
MONITOR - Archiv vom 18.05.09
Zum Seitenanfang
Der Fall Kermani
Der in Deutschland geborene Navid Kermani, ein europäischer Intellektueller, wird den Hessischen Kulturpreis nicht bekommen. Warum? Weil zwei Christen sich stur stellen anlässlich eines einzelnen Textes von Kermani, den sie möglicherweise noch nicht einmal zu Ende gelesen haben. Kermani preist darin die Schönheit der Religion ohne den Schrecken zu verdrängen, den ein gemarterter Körper beim Betrachter auslöst. Er schreibt kompliziert und poetisch. Wie unendlich peinlich dieser Vorfall ist. Ich will es nicht beim Fremdschämen belassen.
Weitere Verweise zu Der Fall Kermani
Kommentare zum Eintrag Der Fall Kermani
"Für Toleranz, für Respekt, und einen Dialog" habe ich in der von Roland Koch geführten CDU-(und auch CDU-FDP)-Regierung niemanden eintreten sehen. Herr Koch wurde mit einer Kampagne "bei der man gegen Ausländer unterschreiben" (wie meine Mitmenschen damals freudig am CDU-Stand sagten) konnte Ministerpräsident. Und er ist ein Vertreter der sogenannten "deutschen Leitkultur". Er ist also seit je her ein kulturalisierender Rammbock eines christlich-abendländischen Nationalismus, der aus politischem Kalkül die Differenz, das „Anders-Sein an sich“, als politisches Mittel einsetzt, um soziale Diskriminierung bestimmter Bevölkerungsgruppen zu vertuschen und somit von sozialer(!) Exklusion und Benachteiligung (nicht zu reden von fehlender Chancengleichheit und Partizipation) abzulenken. Das es hierbei genau nicht um Dialog, sondern einen Diskurs geht, in dem eine moralische Überlegenheit erzeugt werden soll, korreliert mit der Entwicklung der rückwärts gewandten religiös-politischen Führung des Vatikans? Sich auf der anderen Seite „dann wieder mit kritischen Muslimen zu zieren“ ist ja nur Teil des Spiels um die moralische Deutungshoheit, ein Spiel das Herr Koch beherrscht wie kein anderer im Politiker-Mileu.
In diesem Sinne ist Narvid Kermanis Statement über die "willfährige Reaktion des Ministerpräsidenten auf den diffamierenden Brief von Herrn Kardinal Lehmann“ die „ein problematisches Verhältnis von Staat und Kirche im Bundesland Hessen, das mit einem säkularen Gesellschaftsmodell nicht zu vereinbaren ist." offenbare, absolut richtig. Es zeigt außerdem erneut ein problematisches Verhältnis, bzw. fehlendem Verständnis von Herrn Koch zu/von einer Konzeption einer pluralen Gesellschaft in der unterschiedliche kulturelle, politische und soziale Realitäten vorzufinden sind. Es ist unter diesem Gesichtspunkt ohnehin fraglich, ob ein Preis von diesen Preisverleihern angenommen werden sollte? Und dann gibt es noch den Song von Neil Young, der heißt „Let's impeach the president“ - der ist auch gut. Danke an Isabel Schayani für diesen notwendigen Beitrag.
Jan am 19.05.09 17:42
Für mich persönlich ist unverständlich, warum ausgerechnet Roland Koch( das kann jeder anderer auch sein), über die Vergabe ein solchen Preis zu entscheiden hat. Warum kann das Kuratorium nicht paritische Besetzt werden? Muss es immer der Ministerpräsident/in sein?
Es ist mit großem Bedauern, anzumerken, dass Salomon Korn, der stellvertretenden Vorsitzenden des Zentralrates der Juden ebenfalls sich dazu nicht äußert. Die Zentral Rat der Juden, die stets sich Speerspitz gegen Diskriminierung und Rassismus sieht, schweigt. Leider. Und warum? Liegt es dran weil Kermani ein Muslim ist. Der Verdacht kommt auf!!! Mit einer Presserklärung kann man diese Vermutung widerlegen. Aber der kam nicht.
Ein Intellektueller mit Migrationshintergrund muss man nicht unbedingt die Türen zu halten, dafür kann man ihm besser vor der Bühne blamieren. Und wer von den mutmaßlichen Preisträgern schweigt, billigt Roland Kochs Entscheidung. Und das Schweigen scheint sehr LAUT zu sein.
Kardinal Lehmanns verhalten, sich neben Kerman nicht auf dem Podest zu stellen, zeugt alles anders als tolerant. Lehmann steht für kirchliche Institution. Liebe Frau Isabel Schayani, Frau Sonia Mikich . Sie haben sicherlich haben sie Möglichkeit, Herr Lehmann - der stets immer Interreligiosität predigt- zu fragen. Was er sich dabei gedacht hat, -ja erhoffte-, als er sich an Roland Koch wandte. Oder Herr Salomon Korn zu fragen, warum er schweigt, und was seine Schweigen zu bedeuten hat.
Traue sie sich ruhig!!!
Was sollen die Muslimen denken, wie stehen Christen da und unsere jüdischen Mitbürger?? Eine offene und tolerante Gesellschaft sieht anders aus!! Sollte am Freitagsgebt ein Imam die Meinung äußern, dass die Muslimen hier nicht willkommen sind und nicht akzeptiert werden. Fällt es einem, angesichts diesen leidlichen Theaterstück, schwer ihm zu widersprechen!!!
Shams am 19.05.09 21:04
Sehr geehrte Damen und Herren,
Vorurteile vermischt mit Angst und Dummheit ist noch sehr verbreitet und die Verantwortlichen wurden bestimmt gedrängt anders zu entscheiden. Da ein Herr Koch wieder das Zepter hat und einige andere im nach dem
Munde reden und handeln war doch die Sache klar.
Wenn Menschen anders Denken und schreiben und die "Kleingeister" es nicht verstehen,dann können Schriftsteller nicht auf Toleranz bauen in diesem Land. Das merkwürdige ist aber das man verstehen kann,wenn man
sich als Demokrat mühe gibt.
Mit freundlichen Grüssen.
Joachim Richter am 19.05.09 22:13
Wer die Kreuzzüge des Mittelalters (die SchwertHalbmondZüge ebenso) unter anderen Gesichtspunkten als geschichtswissenschaftlichen thematisiert, hat auf keiner Bühne, wo er das Volk bzw. die Umma aufhetzen kann, auch nur das geringste verloren.
peseps am 19.05.09 23:45
Dieser Vorgang ist nicht zu fassen. Dazu fällt einem nichts mehr ein. Andererseits war von Roland Koch, dem geistigen Brandstifter, nichts anderes zu erwarten. Etwas gutes hat dieser Vorgang Roland Koch hat sich selbst entblößt. Geläutert ist dieser man ganz bestimmt nicht.
Sandra Mueller am 26.05.09 17:21
Sehr geehrte Damen und Herren,
als ich heute ihre Web-Seite anklickte,war ich sehr
erschrocken.Da stand etwas von "Halbmond und Kreuzzügen".Schade das dieser "Mensch" seinen Namen
nicht nannte.Denn das was dieser Demokrat schrieb
war echte Steinzeit.Es ist also nicht verwunderlich
das ein "Fremdenhass" und alles was "Anders" ist es
so schwer hat in Deutschland.
Ich bin sehr enttäuscht,denn in Berlin feiert man
die sechzig Jahre Grundgesetz.(Oder feiern die sich
selbst."
Was kann man ganz zu Anfang lesen:"Die Würde des
Menschen ist unantastbar."
Diese Regierung tritt dieses Gesetz mit Füssen,was
kann man also von seinen bürgern erwarten.
Ich wünsche ihnen einen
schönen Tag.
Joachim Richter am 28.05.09 10:15
Bin etwas spät dran, aber trotzdem:
weniger zum politischen Kern des Thema, eher zum religiösen Inhalt: Die Herren Kirchenobersten täten gut daran, sich einmal die Realität im Lande anzusehen. Viele Menschen glauben nicht mehr das, was die Kirche gerne hätte. Auch ich bin gegen die sog. "Opfertodtheologie". Ich und viele andere sehen diesen Tod als Hinrichtung, die nicht verklärt werden sollte. Dadurch, dass sie zum Opfer stilisiert wird, können die Menschen ganz bequem die Verantwortung unter den Teppich kehren, die sie an der Verurteilung haben. Nämlich mangelnde Zivilcourage, kein Eintreten für die "göttlichen Werte", die der Hingerichtete verkündigt hatte. "Selig die Verfolgung leiden um der Gerechtigkeit willen".
Die eigentliche Botschaft ist die Lehre des "Rabbi Jeshua", die den Menschen so viel zu sagen hätte: tiefe, grundlegende Weisheiten über psychologische, soziale, spirituelle Befindlichkeiten, und ein Menschen- und Gottesbild, das sich mit dem Menschen- und Gottesbild nicht vereinbaren lässt, das hinter der Interpretation des Todes als "Opfer" steht (autonom und erwachsen, selbstverantwortlich vs. abhängig und kindhaft, abgegebene Verantwortung). Wenn man das einmal verstanden hat, dann begreift man, dass die Kirche inklusive Herrn Lehmann ihren Jesus Christus völlig missverstanden hat, genauso wie die damaligen jüdischen Schriftgelehrten. Das nennt man wahrhaft die Ironie der Geschichte.
(Zum Glück kann mir kein Preis aberkannt werden)
Irene Sylvia am 22.11.09 23:53
Kommentieren
Zum Anfang dieses Eintrags
Zum Seitenanfang
Permanente URL dieser Seite: http://www.wdrblog.de/monitor/archives/2009/05/18/



























