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23.04.09
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MONITOR - Archiv vom 23.04.09
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"Mother's Little Helper" - Den Stress wegschlucken
Gestern abend sah ich eine übermüdete, blasse Kollegin, die im Gehen irgendetwas aß, gleichzeitig ein Kind per Handy tröstete und stumm ausrechnete, ob sie den letzten Zug nach Hause wohl schafft. Ob Sendezeit, Abgabetermin, Schichtende - die meisten erfahren täglich an Leib und Seele, was es heisst, immer den Vorgaben, dem Erfolg oder dem Abschluss hinterherzuhecheln.
Weitere Verweise zu "Mother's Little Helper" - Den Stress wegschlucken
Kommentare zum Eintrag "Mother's Little Helper" - Den Stress wegschlucken
Zur leidigen Diskussion, dass Ritalin angeblich leistungssteigernd sei, zitiere ich einen meiner Forenbeiträge:
"Achtung Satire:
Brillen gehören als unfäre Leistungssteigerungsmittel abgeschafft.
Wenn jemand von Natur aus nicht gut sehen kann, dann ist es unfär,
wenn er sich gut sehenden Menschen gegenüber einen Vorteil damit
verschafft normal an der Gesellschafft und dem Arbeitsleben
teilzunehmen!
Wenn Brillen nicht abgeschafft werden, dann fordere ich Brillen für
alle, auch für normal sichtige Menschen. Auch wenn diese dann nur
noch schlecht sehen, und dadurch in ihrem täglichen Leben
eingeschränkt werden!
Erklärung:
Methylphenidat hat bei "gesunden" Menschen nicht den angeblichen
Effekt, um den ADHS´ler, die Methylphenidat einehmen dürfen, von
"gesunden" Menschen so verzweifelt beneidet werden.
Denn Methylphenidat (Brille) führt bei ADHS´lern nur zu dem Zustand
eines fokussierten, konzentrierten Geistes, der für gesunde Menschen
normal, alltäglich und immer vorherschend ist (also normal sehend).
Es gibt also wirklich nichts, worauf "Gesunde" so bitterlich neidisch
sein müßten. ;)
Ist das denn sooo schwer zu verstehen?
aktueller Verweis:
"Keine der Medikamenten- und Substanzgruppen (Amphetamin,
Methylphenidat, Modafinil, Ampakin, Donepezil) konnte bislang ihre
Tauglichkeit als cognitive Enhancer für gesunde Menschen nachweisen."
http://www.heise.de/tp/blogs/3/120293 "
Frau Pattern am 23.04.09 22:11
Guten Abend,
gerade sah ich den Bericht auf Monitor. Diese Problematik, die hier geschildert wird, ist absolut virulent, die Zahl der Berichte hierüber nimmt immer mehr zu. Die Kosten für die Therapierung von seelischen Erkrankungen steigen permanent. Depressionen sind eine der häufigsten Todesursachen.
Als Patient, der solche Präparate nehmen muss, weil er die entsprechenden Grunderkrankungen hat, weiß ich, was diese Mittel für Nebenwirkungen und Auswirkungen haben. Wenn man bedenkt, dass ein Präparat wie Modafinil bei Narkoleptikern mit schwerster Tagesmüdigkeit eingesetzt wird und dann durch Gesunde genommen wird, läuft mir ein kalter Schauer über den Rücken. Denn ich kenne die Wirkungen dieses Mittels. Ebenso die von diversen Antidepressiva. Die Mittel sind gut und wichtig. ABER:KEINESFALLS für gesunde Menschen. Lassen Sie die Finger davon. Die Verantwortlichen in der Politik und im Gesundheitswesen müssen sich fragen lassen: Warum wurde ein Präparat wie Modafinil erst kürzlich aus den Beschränkungen des Betäubungsmittelgesetzes herausgenommen? Das Missbrauchspotential ist doch bekannt. Gleichzeitig haben viele Patienten Sorgen, wenn es um die Verordnung von Medikamenten geht, die wir zum Leben benötigen.
Was für eine wahnwitzige Situation.
Narkoleptiker am 23.04.09 22:16
Sitze gerade an meinem LapTop und bereite gerade noch die Ergenisse des heutigen Meetings auf. Den Bericht bzgl. "Arbeitsbelastung" kann ich nur voll bestätigen.
Man ist mittlerweile ohne Handy, Black-Berry und Laptop kein "vollwertiger"Manager. Es ist fast schon üblich mal eben noch um 22:00 Uhr die Mail´s zu checken, könnte ja was wichtiges sein. Wer in diesem "Kommunikationswahn" nicht mitmacht ist von den ewig Gestrigen.
Wer hier nicht mitspielt ist schnell weg vom Fenster, nur dieses Tempo/Belastung hält man maximal 3-4 Jahre durch, dann nur noch mit Speed.
Dies lehne ich ab, und achte nur darauf die richtigen Antworten an den richtigen Stellen zu geben, was meiner Arbeit aber nicht weiterhilft, aber so fällt man nicht auf, und das Management ist zufrieden.
In einem Jahr kommt die nächste Umorganisation und dann fragt eh keiner mehr danach.
Gruß
Wolfgang
Wolfgang am 23.04.09 22:25
Zitat: aktueller Verweis:
"Keine der Medikamenten- und Substanzgruppen (Amphetamin,
Methylphenidat, Modafinil, Ampakin, Donepezil) konnte bislang ihre
Tauglichkeit als cognitive Enhancer für gesunde Menschen nachweisen."
http://www.heise.de/tp/blogs/3/120293 "
Frau Pattern am 23.04.09 22:11
Heise für diese Begutachtung und die Selbstversuche, die teilweise dort geschildert werden, sind unwissenschaftlich. Es hat keinen Sinn, mal eine Modafinil reinzuschieben und abzuwarten, was passiert. Diese Präperate brauchen Zeit, bis sie wirken. Wenn sie wirken. Auch bei Narkoleptikern wirkt Modafinil scheinbar nicht immer. Jeder Organismus reagiert anders. Ebenso bei Psychopharmaka. Nicht jeder Patient spricht gleich auf ein Mittel an. Dazu sind die Vorgänge im Gehirn viel zu komplex.
Narkoleptiker am 23.04.09 22:27
Kommt mir alles sehr bekannt vor. Als dann aber im Konzern ein Geschäftsfeld komplett geschlossen wurde, fiel ich dieser Entlassungswelle auch zum Opfer. Es hat keinen mehr interessiert, daß viele Überstunden gemacht wurden, Wochenendeinsätze selbstverständlich waren etc..
Gruß
Christel
Christel am 23.04.09 22:35
Sehe keine Alternativen:
Ich muss heute und morgen irgendwie mein Pensum hinbekommen, in der wohl illusorischen Hoffnung übermorgen ändert sich ausnahmsweise mal was an den Umständen zu meinen Gunsten..., dann, nur dann könnte vielleicht auch ich mal wieder ins Lot kommen: Jetzt aber bin ich alle, jetzt aber muss ich trotzdem funktionieren... wie sollten mich die Konsequenzen "übermorgen" mehr schrecken, als die Konsequenzen die morgen unweigerlich folgen, wenn ich mich dem Druck verweigere...?
Lieber ruiniere ich mich mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln und komm damit noch eine gewisse Zeit über die Runden, als hier und sofort das Handtuch zu werfen --- Phantasien der Radikallösung u. -verweigerung.
Ich bin jedem aus vollem Herzen dankbar, der mir in dieser harten Realität Mittel nicht verweigert, die ich brauche um den Zusammenbruch so lange wie möglich hinauszuschieben!!!
Gesundheitsaposteltum kann sich nicht jeder leisten.., so ist es leider, das sucht sich niemand aus --- und für Bedenkenträger:
Ich bin durchtherapiert bis zum gehtnimmer, gibt keine Konfliktlösungs- u. Abgrenzungsstrategien etc., etc., die mir fremd wären... die realen An-/Überforderungen des Alltags lassen sich damit dennoch nur begrenzt in den Griff bekommen!
Jume am 23.04.09 22:45
Das Problem mit dem "Durchhalten um jeden Preis" ist mir nur zu vertraut.Wenn es garnicht mehr geht und ein "burn-out" droht, dann kommen halt die kleinen Pillen. Ich habe mich jetzt entschlossen, eine Therapie anzufangen, um wieder ich selbst zu werden - allen blöden Kommentaren der Kollegen zum Trotz.Auf Verständnis oder gar Hilfe von Kollegenseite oder vom Chef darf man nicht hoffen, hier gilt das Prinzip des "Hauens und Stechens".Also kümmere ich mich um mich selbst, ich möchte nämlich in relativer geistig-seelischer Gesundheit noch älter werden.
Barbara Luerweg am 24.04.09 0:11
Ein einnehmendes Thema,- in einer TURBOZEIT!!! Die Schwelle des machbaren wird drastisch nach oben gesetzt und Leistungssteigernde Mittel als erste Wahl verabreicht, oder selbstverordnet.
Im Vergleich: ein Luftballon wird mit einer größeren Dosis Helium
gefüllt- er steigt- irgendwann entweicht das Gas - oder er zerplatzt.
Alternativen zu finden, kein leichter Weg- jedoch !!!!!
Ursula Gehring
Heilpraktikerin für Psychotherapie (HPG)
Ursula Gehring am 24.04.09 7:38
Sehr guter Beitrag, denn es wird Zeit, dass die Wirklichkeit mal öffentlich gemacht wird. Wir in Deutschland sind mittlerweile Zahlen krank Gier krank und Statik krank.
Mittlerweile reicht es den Firmen auch nicht mehr jetzt werden sogar illegale
Krankenakten geführt und Mitarbeiter bespitzelt.
Die Firmen wollen jedes Jahr mehr Gewinn(wie soll das Funktionieren?)
Firmen verlangen immer mehr Einsatzbereitschaft, junge Leute die noch keine
Lebenserfahrung haben werden verheizt und danach rausgeschmissen.
Länger arbeiten ohne Lohnausgleich(zur sogenannten Arbeitsplatzsicherung)
so ein Quatsch. Beispiel: [Firmenname gelöscht, Die Redaktion]
Solche Beiträge MÜSSEN viel häufiger gebracht werden.
Gruß
Frank
Frank am 24.04.09 10:03
MoinMoin,
natürlich ist es verständlich im Lauf des Lebens weiter funktionieren zu wollen. Ich weiß, was es heißt rausgeworfen zu werden und das nachhaltig!
1992 kam ich mit einem Frauen-Burn-Out in die Psychiatrie, denen diese Diagnose zu dieser Zeit noch völlig fremd war. So bekam ich das volle Programm Psychopharmaka, wurde gesellschaftlich mit einer Diagnose"schizo-affektive Psychose" getötet.
Den 2. Tod starb ich dann in meinem südoldenburgischen kleinen Dorf und zwar den sozialen. Als eine aus der Klapse galt ich als gewalttätig, meine Kinder wurden schwer diskriminiert, teilweise von befreundeten Familien. Dann als Lehrerin kam der berufliche Tod in die Pension, natürlich nur vorläufig um alle 2 Jahre von unfähigen Amtsärzten aufs Neue begutachtet zu werden.
Also ich könnte noch so weiter motzen. Aber es geht mir um Sendungsbewußtsein, es ist kein Gesundheitsfanatismus vor Pillen zu warnen.
Jetzt mal abgesehen von den oftmals verheerenden Nebenwirkungen steht ja noch die Abhängigkeit, in Krankheit ausgedrückt "Sucht", Tablettensucht. Also der nächste Knebel neben mobbing, Stress und Co., der chemische Knebel in dessen gnadenlose Abhängigkeit all das geschehen wird, was eigentlich mit der Einnahme verhindert werden soll.
Ein Burn-Out braucht erfahrungsgemäß Jahre der Genesung, eine Tablettensucht Jahre des Ausschleichens, Aufgaben, die den ganzen Tag füllen können. Am Ende bleibt ein Wesen, dass Hilflosigkeit durch all die Faktoren und letztendlich auch die Pillen erlernt, ausgebrannt am Boden.
Und ich erzähle nicht nur so aus Fantasie, ich berichte aus erlebtem Schmerz. Und unsere Mitmenschen, und unsere Gesellschaft, läßt so Geknebelte einfach fallen und das erheben aus so einer Situation ist unsäglich schwer und noch lange nicht jedem/jeder möglich.
Trotz allem, wir sind unseres Glückes Schmied und zu guter Letzt noch eine Wahrheit:" nicht wie und warum wir fallen ist wichtig, nicht wie wir uns aus diesen Erschütterungen wieder erheben ist wichtig, wichtig ist alleine, dass "wir uns erheben" für alle und vor allem für unsere Kinder.
Danke
Magdalena Bathen, Huntlosen
Magdalena Bathen am 24.04.09 10:07
Aus meiner persönlichen Erfahrung kann ich nur dringend empfehlen: KÜNDIGUNG. In meinem letzten Job wußte ich bereits nach drei Wochen, dass mich dieser umbringen würde. Ohne Tabletten und Alkohol hielt ich fünf Jahre lang durch; dann kam der Totalzusammenbruch, der mit einer Angstpsychose in einer Klinik endete. Mein Immunsystem war gleich Null und ich habe mich von diesem Schlag nie mehr erholt. Ich bin jetzt 72 Jahre alt, werde von einem Stahlkorsett und einer Beinschiene zusammengehalten und kann seit Jahren nicht mehr meine Wohnung verlassen.
Mit meiner Erfahrung rate ich jedem, auf sein Warnsystem zu achten und dies auch zu beachten.
Ursel am 24.04.09 11:27
Das Thema ist gerade angesichts des Krisendrucks brandaktuell. Die IG Metall hat deshalb eine Initiative Gute Arbeit gestartet (www.igemetall.de/gutearbeit), mit der der Arbeit wieder ein gesundes Maß erkämpft werden soll. Mit einem "StressBarometer" soll ein Frühwarnsystem in den Betrieben etabliert werden - Voraussetzung: ein aktiver Betriebsrat.
Klaus Pickshaus am 24.04.09 17:10
Wenn doch alle wüssten, dass sie nur täglich zwei Löwenzahnblüten essen müssten - oder bei persönlicher Beleidigung ihrer Intelligenz einfach ihren Job schmeißen.... irgendwann merken die "Oberen", dass sie nur zu Geld kommen, wenn tausende "Unterschichtenameisen" richtig echt arbeiten.
Wenig Hoffnung besteht allerdings solange sich Abiinhaber in unbezahltem Praktikum für was "Besseres" halten als Hauptschulschüler ...
Heidrun am 24.04.09 17:23
ich habe die Beiträge gelesen und finde es entsetzlich wie sich manche Menschen aufputschen. Ich kann mir das sehr gut vorstellen.
ich habe mit 53 Jahren einen befristete Job gehabt, es war mein Traumjob, aufgrund Sparmaßnahmen wurde mein Vertrag nicht verlängert. Ich sitze jetzt mit 54 Jahren auf der Straße und schaue dem sozialen Aus entgegen. Zig Bewerbungen sind erfolglos, aufgrund des Alters. So sieht es in Deutschland aus. Wohin mit älteren Arbeitnehmern, die noch arbeiten möchten und nicht dürfen. Dadurch bin ich psychisch krank geworden. So sieht es aus. Würde jede Arbeit annehmen, man wird aber nicht mehr gebraucht.
A. Schmidt am 25.04.09 20:16
Hallo,
ich fand den Beitrag gut, der von Monitor gebracht wurde. Leider findet das in den Medien viel zu selten statt. Ich kenne sehr viel Leute die auf dem letzten Zahnfleisch kriechen und sich irgendwie noch über Wasser halten.
Es wird immer bedrohlicher was uns Arbeitnehmer erwartet und wenn der ein verbrannt ist, dann kommt halt der nächste.
Ich schaue mir das jetzt schon seit Jahren an und ich frage mich, wie wird das bei mir mal, wenn ich in ein kritisches Alter komme.
Leistungen zählen übermorgen schon nichts und man rackert sich für nichts ab und verbraucht nur seine Nerven.
Ich hoffe die Gesellschaft wacht bald auf, was uns die Globalisierung alles so eingebracht hat. Jeder Mist ist von den Amis gekommen und wird hier knallhart kopiert.
Wenn ich schon die beschissenen englischen wörter höre die auf der Arbeit verwendet werde, dann steigt schon innerlich die Wut in mir hoch.
So ... ich versuche in meiner Umgebung die Menschen immer ein wenig auf den Teppich zu holen, wenn sie dran sind sich aufzureiben.
Jonn Farn am 27.04.09 20:11
Ich finde man muss hier Ursache und Wirkung auseinanderhalten. Die Ursache ist der egoistische Zeitgeist. Das "Ich" muss besser, schöner, (materiell) erfolgreicher sein. Es gibt die These, dass kaum eine Person , die stark in der Öffentlichkeit steht auch clean ist. Nicht nur diese Personengruppe hilft nach. Jeder versucht den anderen zu vom Vorteil zu berauben und möglichst viel für sich zu beanspruchen. Die CDU findet das gut und vergleicht es mit Sport, in dem es "gesunden" Wettbewerb gibt. Ist dieser Wettbewerb wirklich so "gesund" oder muss man vielleicht die Frage stellen nach den Wirkungen?
2 Millionen??? 2 Millionen??? Das ist ein geselschaftliches Problem höchster Rangordnung von dem ich jetzt zum ersten mal Zahlen höre.
Man muss erkennen das es nicht nur "Ich" gibt, sondern es muss immer klar sein, das es ein wir gibt. Die Familie ist primär das wir. Und die Gemeinschaft. Das scheint heute fast vergessen. Der neoliberale Wahn drückt dies so aus "There is no such thing as society"(Margaret Thatcher). Noch Fragen?
Baravelli am 10.05.09 21:14
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