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Jörg Schieb
Twitter führt sanfte "Selbstzensur" ein
Bislang galt der Nachrichtendienst Twitter als Hort der Menschenrechte, als sichere Basis für Rede- und Meinungsfreiheit. Man muss praktisch keine Daten hinterlassen, um sich bei Twitter anzumelden, kann nahezu anonym Tweets um die ganze Welt schicken und Tweets anderer User lesen.
Kurz: Twitter entspricht dem Ideal vieler Internetbenutzer. So viel Freiheit gibt es im Netz mittlerweile selten. Und davon profitieren alle. Twitter ist deshalb zum Beispiel auch in totalitären Ländern geschätzt und beliebt, der Dienst hat bereits mehrfach tatkräftig dazu beigetragen, Demonstrationen zu organisieren und sogar Regierungen zu stürzen.
Doch Twitter will (und muss) wachsen. Das Unternehmen will auch Büros in anderen Ländern eröffnen, auch in Deutschland soll jetzt eine Dependance entstehen. Das bedeutet aber auch, dass dann nationales Recht geachtet werden muss. Darum führt Twitter jetzt eine Art
Selbstzensur ein: Künftig können einzelne Tweets, die gegen nationales Recht verstoßen, im jeweiligen Land ausgeblendet werden, um das nationale Recht zu berücksichtigen und damit die Mitarbeiter in diesem Land nicht zu gefährden, die anderenfalls ggf. haftbar gemacht werden könnten.
Bislang hat Twitter so gut wie keine Nachricht geblockt. Und wenn, dann wurde die Nachricht auch gleich komplett gesperrt, für die ganze Welt. Das soll sich nun eben ändern: Eine Naziparole könnte in Deutschland gesperrt werden, da hier verboten, im Rest der Welt aber weiter zu sehen sein. Umgekehrt könnten ägyptische oder iranische Twitter-User nicht mehr sehen, was ihre Landsleute schreiben, sofern die Tweets gegen geltendes nationales Recht verstoßen. Im Rest der Welt wären die Tweets aber immerhin noch verfügbar.
Unterm Strich wird sicher in Zukunft mehr geblockt, "zensiert" wie manche Kritiker sagen. Allerdings bleibt ja immer noch der Umweg: Wenn - um nur ein praktisches Beispiel zu nennen - ein Server in Neuseeland Tweets aus einem Krisengebiet mitliest und auf einer Webseite zusammenstellt, wären die Inhalte über Umweg wieder überall sichtbar, auch in dem Land, wo sie eigentlich gesperrt sein sollten.
Das ist das Charmante am Internet: Daten und Informationen suchen sich immer ihren Weg. So gesehen ist das ausgewählte Ausblenden von Nachrichten besser, als Nachrichten aus dem kompletten Twitter-Universum zu entfernen. Noch besser wäre natürlich, zumindest im Interesse der Rede- und Meinungsfreiheit, jede Form von Zensur zu unterlassen. Aber das ist wohl nur theoretisch denkbar.
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Was ist eigentlich an Twitter, Facebook und Co. so interessant? Die Unternehmen bieten halt Webspace gegen Geld bzw. Werbung an... wieso wird hier nicht öfters mal Strato oder Hetzner erwähnt... die hosten einen Großteil der Deutschen Unternehmen und privaten Webseiten.
Konrad am 27.01.12 22:36
Kriminelle u.Terroristen finden immer Wege, sowas zu umgehen. Vermutlich soll Einfluß aus d. Ausland auf d. öff. Meinung im Inland unterbunden werden; u. damit teils sogar d. freie Meinungsbildung. Wie b. digitalen Sat-TV. Ich wär ja blöd, meine Sat-Anl. nur noch auf digital umzustellen. Dann entgingen mir d. zehntausenden ausl. Sat-Sender, die ich brauche, um mich realistisch über andere Länder zu informieren. Und sei es nur, um festzustellen, wie dort die Meinung beeinflusst wird. Die ausl. Mitbürger werden deshalb wohl kaum auf digital umstellen. Natürlich möchte ich keinesfalls Nazi-Propaganda aus US auf Twitter u. Co. lesen. Aber ich kann ja überall selber wählen, was ich zur Kenntnis nehmen will. Unterm Strich eine Einschränkg. d. Meinungsfreiheit. Demokratie muß eigentlich andere Meinungen aushalten.
Schmidtchen Mayer am 28.01.12 11:59
Selbstsensur? Klingt ja lustig ...
http://www1.wdr.de/themen/digital/index.html
krza am 28.01.12 20:10
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