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<title>Kiwis für Anfänger</title>
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<copyright>Copyright (c) 2010, louisa</copyright>

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<title>Was ist Kunst?</title>
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<summary type="text/plain">Kunst hat viele Gesichter. Und manche davon haben Baerte. Sehr, sehr lange Baerte. Die dazu benutzt werden, die Kunst zu produzieren. Spreche ich in Raetseln? Entschuldigung - ich bin bloss ganz verbluefft von einem Mann, der die Spitze seines 1,5...</summary>
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<![CDATA[<p>Kunst hat viele Gesichter. Und manche davon haben Baerte. Sehr, sehr lange Baerte. Die dazu benutzt werden, die Kunst zu produzieren. Spreche ich in Raetseln? Entschuldigung - ich bin bloss ganz verbluefft von einem Mann, der die Spitze seines <a href="http://www.einslive.de/medien/html/1live/2009/08/17/lokalzeit-ruhr-bartmaler.xml">1,5 Meter langen Bartes</a> dazu benutzt, Bilder zu malen, die er dann in thailaendischen Cafes verkauft. Nicht nur, dass er mit seinem Gesichtsgestruepp <a href="http://www.wdr.de/Fotostrecken/einslive/magazin/Specials/2010/03/trend_bart_100306.jsp">voll im Trend</a> liegt, er schafft es tatsaechlich, aus verknoteten Haarbuescheln und einem mediokren Talent fuer Bildchenmalen noch Kapital zu schlagen.<br />
<img alt="bart" src="http://www.wdrblog.de/einslivereise/bartB.jpg" width="250" height="179" align="left"  /><br />
Und zum Glueck gibt es auch im Sektor genug Menschen, denen an alternativer Kunst liegt, sodass sich die Kinn-Dreadlock prima zum VHS-Kurs vermarkten laesst, in dem Interessierte Marcos Pinsel schwingen duerfen, um ihre eigenen Kunstwerke damit zu fabrizieren. Sowas ergibt ein super Dinnerparty-Gespraech: <br />
"Du, wo hast du denn dieses tolle Bild gekauft, das im Flur haengt? Das ist ja geradezu von kandinskyscher Anmutung. Diese Pinselfuehrung! Grossartig."<br />
"Du, das hab‘ ich selbst gemalt, mit dem anderthalb Meter langen Bart eines in Thailand residierenden Aussteigers. Ulkig, nicht?" <br />
"Fabelhaft, du. Noch Chianti?"</p>

<p> Also obacht: Falls ihr, wie Marco der Gesichtshaarpinselmann frueher, in der Medienbranche arbeitet, kann es sein, dass ihr mit Anfang Vierzig so ausgebrannt seid, dass ihr das Beduerfnis verspuert, fortan in Hoehlen zu hausen und eure Koerperbehaarung dem Spiel der Natur zu ueberlassen. Und dann seid ihr besser so gerissen, daraus eine schmissige Geschaeftsidee zu machen, wenn ihr nicht jeden Tag Algen essen wollt. Alternativ zu Bartpinselbildern schlage ich biologisch abbaubare Zahnbuersten mit menschlichen Beinhaarborsten oder Perlenvorhaenge mit zwei Meter langen Echthaarstraengen vor. Seid kreativ! Versucht nur nicht, <a href="http://www.nypost.com/p/news/local/manhattan/nurse_made_JQlMRBr5ZgO6iD07AX83MJ">Kaese aus Muttermilch</a> zu machen, das gibt es schon.<br />
<img alt="Pinsel" src="http://www.wdrblog.de/einslivereise/bartA.jpg" width="400" height="133" align="none"  /><br />
Auf der feurigen Suedhalbkugel geht man wie immer einen Schritt weiter in Punkto Kunst mit Koerpereinsatz: Ausser den <a href="http://www.wdrblog.de/einslivereise/archives/2007/06/12/#kommentar6443-link">"Puppetry of the Penis"-Jungs</a>, die vor zahlendem Publikum mit ihren besten Stuecken Origami spielen, gibt es da noch "Pricasso". Pricasso ist ein Australier, der Bilder mit seinem Pimmel malt (zeichnet sich da etwa eine Ozeanische Penisfixierung ab?) - und manchmal mit seinem Hintern, wenn es grosse Flaechen auszufuellen gilt (man will das Stueck ja nicht ueberfordern). Wie genau er das macht, in welchem Zustand das Instrument sein muss, um als Pinsel zu dienen (weich? hart?), oder ob der weichteilnahe Umgang mit Farbe gesundheitliche Folgen haben kann, ist ungewiss; wie Picassos sehen seine Portraits jedenfalls nicht aus, eher nach Malen-nach-Zahlen-Bildern von Ikea.</p>

<p>Auch die Crew von Air New Zealand hat sich was ganz Gewagtes ausgedacht, um die Aufmerksamkeit des Publikums auf sich zu lenken: Seit ein paar Wochen demonstrieren die Stewards und -essen die allseits geschmaehten Sicherheitsinstruktionen per Video nackig, mit nix an ausser Bodypaint im Uniformstil. Oh my god! Nackige Stewardessen! Ich kenne mindestens ein Dutzend Maenner, fuer die das ein Traum auf Erden waere. Alle, die sich von der, aehm, kuenstlerischen Message des Videos ueberzeugen wollen, koennen das <a href="http://www.stuff.co.nz/travel/2560047/Body-painted-staff-now-deliver-safety-video">hier</a> tun. Schoenes Bodypainting, wirklich.</p>

<p>Na ja, und manchmal hat Kunst das Gesicht eines bekifften 19-Jaehrigen, der "under the influence" mit einer Paintball-Pistole durch New Plymouth faehrt und wie wild mit gelber Farbe um sich schiesst in dem Versuch, <a href="http://www.stuff.co.nz/national/2684562/Stoned-teen-tries-to-paint-town-yellow">"die Stadt gelb zu malen"</a>. Ich bin mir nicht sicher, welche Botschaft dahinter steckt - aber ich nehme an, das meinen die Leute mit Kuenstlerischer Freiheit.</p>]]>

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<title>Sehr serioes</title>
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<modified>2010-03-05T09:07:30Z</modified>
<issued>2010-03-05T08:35:10Z</issued>
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<summary type="text/plain">Hallo, mein Name ist Louisa und ich bin suechtig. Ich gebe es zu. Es macht mir auch gar nicht soviel aus, denn anscheinend sind Suechte trendy, noch trendiger als Phobien. Salma Hayek zum Beispiel ist angeblich suechtig nach Stillen, David...</summary>
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<name>louisa</name>
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<![CDATA[<p>Hallo, mein Name ist Louisa und ich bin suechtig. </p>

<p>Ich gebe es zu. Es macht mir auch gar nicht soviel aus, denn anscheinend sind Suechte trendy, noch trendiger als Phobien. Salma Hayek zum Beispiel ist angeblich <a href="http://www.stuff.co.nz/entertainment/714173">suechtig nach Stillen</a>, David Duchovny nach <a href="http://www.stuff.co.nz/entertainment/612851">Internet-Pornos</a>, und manche Leute in England nach <a href="http://www.stuff.co.nz/life-style/beauty/3234329/Girls-Alouds-Roberts-against-tanning">Sonnenstudio-Braeune</a>. Meine Sucht ist entschieden unattraktiver als letztere, wenn auch besser fuer die Haut: Ich bin suechtig nach <a href="http://www.einslive.de/magazin/specials/2008/07/voting_kultserienrevival.jsp">Fernsehserien</a>. </p>

<p>Zur Begriffsklaerung: Mit suechtig meine ich nicht "Diese Serie gucke ich gerne und finde es schade, wenn ich eine Folge verpasse". Ich meine "Ich kenne die Geheimnisse saemtlicher Charaktere und habe jede einzelne Folge gesehen, was daran liegt, dass ich toeten wuerde, um rechtzeitig vor dem Fehrnseher zu sitzen". Ich bin schon eilig aus Konzerten gerannt, weil ich vergessen hatte, dass <em>Buffy</em> laeuft; verbrachte drei volle Tage in meinem abgedunkelten Wohnzimmer, um alle Folgen von <em>Lost</em> auf DVD zu gucken; wies Annaeherungsversuche meines Freundes ab, weil ich <em>Gossip Girl</em> sehen musste. Sagte Verabredungen ab, ignorierte sonnige Tage, liess meine Wohnung verkommen, alles bloss, um meine Sucht zu stillen.</p>

<p>Im Laufe der Jahre reichten meine zwangahften Vorlieben dabei vom Hirnlosen (<em>Verbotene Liebe</em>, <em>GZSZ</em>, <em>Melrose Place</em>) ueber Teenager-Serien (<a href="http://www.einslive.de/includes/bildergalerie.jsp?gal=1104&kap=1&img=2#anker">Dawson’s Creek</a>, <em>Buffy</em>, <em>The OC</em>, <em>Gossip Girl</em>),Fantasy (<em>Xena</em>, <em>Trueblood</em>) und Frauen-Serien (<em>Ally McBeal</em>, <em>Sex And The City</em>)bis hin zu Lustigem (<em>Californication</em>, <em>Outrageous Fortune</em>) und Anspruchsvollerem (<em>Six Feet Under</em>, <em>24</em>, <em>Lost</em>, <em>Dexter</em>). Und zwischendurch nahm ich alles an Sitcoms, Cartoons und Krimiserien mit, was ich kriegen konnte. Zeitweilig war ich also sehr sehr beschaeftigt und mein Kalender kaum mehr frei fuer soziale Interaktion, die ueber einen Besuch bei Edeka hinausreichte. So etwas macht einsam.<br />
<img alt="lost" src="http://www.wdrblog.de/einslivereise/lost.JPG" width="396" height="147" align="none"  /><br />
Uebrigens bin ich zur Zeit abstinent, wie jeder gute Suechtige. Das liegt zu 70 Prozent daran, dass ich keinen TV-Empfang habe und alle Serien in meiner lokalen Videothek schon gesehen habe, also gezwungenermassen auf dem Trockenen sitze - aber immerhin 30 Prozent kommen fuer gesunden Menschenverstand auf, denn ich weiss, dass der Genuss meiner Droge mich in einen unsozialen, unattraktiven und ungesunden Menschen mit einem Wortschatz von eins ("hmmm... ?") verwandelt, der 24 Stunden lang stumm vor der Glotze vegetiert, mit leeren Pizzaschachteln als einzigen Verbuendeten, und jeden menschlichen Kontakt verweigert. Das moechte ich niemandem zumuten, schon gar  nicht meinem armen Freund, der im Universum der Popkultur ein unbemanntes Raumschiff ist, das verloren durchs All gleitet. Die einzige Serie, von der Jean je gehoert hat, ist <em>Mash</em>; wie koennte er auch nur Ansatzweise  mein Leiden begreifen? </p>

<p>Obwohl: Vor Kurzem hatte ich einen klitzekleinen Rueckfall und zwang ihn, die gesamte zweite Staffel von <a href="http://www.einslive.de/includes/bildergalerie.jsp?gal=1104&kap=1&img=11#anker">Friends</a> mit mir zu gucken (Je ne regrette rien!), und mitten in der Folge, in der Phoebe einen Plattenvertrag fuer <em>Smellycat</em> landet, lacht er ploetzlich gutmuetig und sagt "Ach, Phoebs!". ich starrte ihn an. <em>Ach, Phoebs?</em> Ist er jetzt etwa schon auf du und du mit den Charakteren? Hat er etwa persoenliches Interesse an der Handlung entwickelt? Ist er auf dem besten Weg, ebenfalls suechtig zu werden? Habe ich seine Unschuld geraubt?</p>

<p>Die einzige Dosis an Serien, die ich mir derzeit gebe (abgesehen vom oben beschriebenen Rueckfall), sind die dreiminuetigen <a href="http://www.einslive.de/medien/html/1live/unterhaltung/verbotene-liebe-vorschau.xml">Vorschau-Clips</a> fuer <em>Verbotene Liebe</em>. Hier kann ich in Erinnerung schwelgen und 180 Sekunden lang mitfiebern, ohne Gefahr zu laufen, mein Hirn einzuschmelzen oder allzu viel meiner Zeit fuer Humbug zu vergeuden. Ich habe zwar keine Ahnung, worum es geht und kenne fast keinen der Darsteller mehr, aber es befriedigt dennoch den Serien-Junkie in mir. Eine gute Loesung, finde ich.</p>

<p>Gerade ist Jean nach Hause gekommen: Ob ich Lust haette, die dritte Staffel von <em>Friends</em> auszuleihen. Ich habe ein Monster geschaffen!</p>

<p>Wie sieht’s aus? Irgendwelche Suechte, die ihr ueberkommen wollt (oder auch nicht)? Bin ich allein mit meiner Seriensucht? Bei welchen Serien koennt ihr nicht abschalten? Und: Wird <em>Lost</em> jemals enden?</p>]]>

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<title>Blast from the Past</title>
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<modified>2010-03-11T06:30:18Z</modified>
<issued>2010-03-03T08:37:46Z</issued>
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<created>2010-03-03T08:37:46Z</created>
<summary type="text/plain">Vor ein paar Tagen traf ich mich mit meinem kleinen Bruder im Internet, zum Skypen. Nach einigem froehlichen Rumgewinke und Gegrinse in die Webcam sagte Juli: &quot;Ey, zeig mir mal deine Wohnung&quot;. Also nahm ich meinen mit tausend Kabeln verkabelten...</summary>
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<![CDATA[<p>Vor ein paar Tagen traf ich mich mit meinem kleinen Bruder im Internet, zum Skypen. Nach einigem froehlichen Rumgewinke und Gegrinse in die Webcam sagte Juli: "Ey, zeig mir mal deine Wohnung". Also nahm ich meinen mit tausend Kabeln verkabelten Laptop in die Haende und schwenkte ihn im 360-Grad-Winkel herum. "Das ist mein Schreibtisch, hier ist der Balkon mit Meerblick, da ist Hund Zelda, dasisdaswohnzimmer, hier ist Jimmy die Katze, und wieder der Balkon. Mit Meerblick!" "Geh noch mal zurueck!" "Hm? Jimmy?" "Nein." "Zelda?" "Nein. Dein Wohnzimmer. Zeig mir noch mal das Wohnzimmer." "Ich geh nochmal auf den Balkon." "Louisa: Zeig! Mir! Dein! WOHNZIMMER!" </p>

<p>Ich schwenkte aufs Wohnzimmer. Nach ein paar betretenen Sekunden sagte Juli "Gemuetlich. Sehr 70ies!" Jetzt gibt es ja Wohnzimmer-Einrichtungen <em>im Stil</em> der 70ies, mit stylischen Futons und flauschigen weissen Teppichen und Lavalampen und so. Meine Wohnzimmer-Einrichtung ist nicht diese Art von Einrichtung. Sie stammt <em>tatsaechlich</em> aus den 70ies, genauer gesagt aus den Haushalten von Leuten, die in den 70ies schon alt waren und deren Habe nun im Internet versteigert wird, damit man sich den Trip zur Muellverbrennungsanlage sparen kann. Da waeren: brauner Teppich, eine braun-braun gestreifte, dreiteilige Sofagarnitur, ein Esstisch aus dunklem Holz, ein Fernsehtisch aus dunklem Holz, eine mit dunklem Holz umrahmte, kuenstliche Feuerstelle, die eigentlich die Heizung ist, und eine aus Wellblech und dunklem Holz bestehende Bar, auf der ein Goldfischglas und ein paar Flaschen mit Spirituosen stehen. Die Haelfte dieser Prunkstuecke innenarchitektonischer Finesse haben Jean und ich wie gesagt im Internet ersteigert, die andere Haelfte stammt aus unserem Ex-Ex-Haus, das von einer mittelalten, uebergewichtigen Floristin moebliert worden war. In den 70s.<br />
<img alt="fisch.JPG" src="http://www.wdrblog.de/einslivereise/fisch.JPG" width="250" height="234" align="left"  /><br />
Warum ich keine schoeneren Moebel  kaufe, fragte Juli unglaeubig. Tja. Weil es hier keine schwedischen Moebelhaeuser gibt? Weil ich mein Geld lieber fuer Urlaube in Fiji ausgebe? Weil Hund, Katze, Goldfisch ohnehin alles annagen, ankratzen und anpinkeln (ja!), was ihnen im Weg ist? Ich weiss es selbst nicht genau. Vielleicht hat es damit zu tun, dass ich immer noch meinen alten Moebeln aus Deutschland hinterher trauere. In meiner Wohnung in Wuppertal bestand die Moeblierung aus einem perfekten Mix aus liebevoll auf Flohmaerkten gesammelten Einzelstuecken, ererbten Antiquitaeten und brandneu Gekauftem. Jedes einzelne Stueck war da, weil ich es da haben wollte. Dann wurde alles eingelagert, verschenkt oder verliehen, und ich flog ab nach Neuseeland.</p>

<p>Drei  Jahre spaeter ist alles, was ich von damals noch habe, ein paar Fotos, ein Bild, ein Aschenbecher und meine Klamotten. Bis auf ein paar Kleinigkeiten, die bei meiner Mama auf mich warten, aber zu schwer fuer internationale Fluggepaeckbestimmungen sind, haben sich all meine Besitztuemer in alle Himmelsrichtungen (oder Schutt und Asche) verfluechtigt. Ein bisschen komme ich mir vor wie die Leute, die beim Zusammenbruch des Koelner Stadtarchivs vor einem Jahr ihre gesamte Habe verloren. Nicht, dass ich alles auf einen Schlag verloren haette. Aber mir fehlt mein altes Zeug trotzdem. Und der <a href="http://www.einslive.de/medien/html/1live/2010/02/23/westart-stadtarchiv-anwohner.xml">Mann im Video</a> hat Recht: Die Dinge, die man am meisten vermisst, sind nicht die teuersten, sondern die unersetzbaren: die kitschigen Emaille-Statuen von Oma Doris, der gruene Samtstuhl vom Sperrmuell, alte Briefe... alles futsch.<br />
<img alt="sofa.JPG" src="http://www.wdrblog.de/einslivereise/sofa.JPG" width="400" height="103" align="none"  /><br />
Alles? Nein! Ein kleines Stueck wiedergewonnenes Eigentum schickte mir Juli vor kurzem in Form einer rar-Datei, die mit den Inhalten der Festplatte meines alten Computers gefuellt war (vielleicht fuehlte er sich schuldig, weil er meinen Lieblingssessel und –tisch in einer grosszuegigen Geste an seine Exfreundin verschenkt hat). Tonnenweise als Teenager geknipste Selbstportraits, aus dem Internet kopierte Stills meiner damaligen Lieblingsfilme, schwuelstige selbstgeschriebene Geschichten und tagebuchartige emotionale Erguesse erbrochen sich auf meinen Laptop wie... Erbrochenes. </p>

<p>Und was lernen wir daraus: Es gibt Dinge, die es verdienen, mit der Vergangenheit begraben zu werden. Man muss ja auch loslassen koennen.</p>

<p>Meinen Lieblingssessel will ich trotzdem wiederhaben!</p>]]>

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<title>Schub-Schuh-bi-du</title>
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<modified>2010-02-27T02:08:48Z</modified>
<issued>2010-02-26T08:13:16Z</issued>
<id>tag:www.wdrblog.de,2010:/einslivereise//24.8400</id>
<created>2010-02-26T08:13:16Z</created>
<summary type="text/plain">Wir alle haben es: das heruntergekommene, gemuetliche, voellig abgelatschte, perfekte Paar Sneakers, das wir auch nach etlichen Jahren noch mit Hingabe tragen. Meines ist weiss (na ja: grau) mit schwarzen Streifen, verfaerbten Schnuersenkeln und etlichen Loechern in der Sohle. Ich...</summary>
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<email>internet.1live@wdr.de</email>
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<content type="text/html" mode="escaped" xml:lang="de" xml:base="http://www.wdrblog.de/einslivereise/">
<![CDATA[<p>Wir alle haben es: das heruntergekommene, gemuetliche, voellig abgelatschte, perfekte Paar Sneakers, das wir auch nach etlichen Jahren noch mit Hingabe tragen. Meines ist weiss (na ja: grau) mit schwarzen Streifen, verfaerbten Schnuersenkeln und etlichen Loechern in der Sohle. Ich liebe diese Schuhe, weil sie alles mit mir gemacht haben: Festivals, Urlaube, Emigration, <a href="http://www.wdrblog.de/einslivereise/archives/2007/10/04/">30-Km-Wanderungen</a>. Sie haben Fluesse, Sandstraende und staubige Strassen gesehen. Und tragen sich immer noch fantastisch (ausser im Regen).</p>

<p>Aber mal abgesehen von unseren <a href="http://www.wdr.de/Fotostrecken/einslive/magazin/Aktionen/2010/schuhaktion.jsp?hi=Magazin">Lieblings-Sneakers</a>, die in 90 Prozent der Faelle unsere Fuesse zieren, ist es eigentlich der Rest unserer Schuhe, der mehr ueber uns aussagt. Profis (also gut: ich) gehen davon aus, dass sich die verschiedenen Facetten der Persoenlichkeit eines Menschen aufs Schoenste anhand seiner Schuhsammlung ablesen lassen. Hat zum Beispiel ein Maedchen bloss zwei Paar Turnschuhe, ein Paar flache Stiefel und ansonsten zahlreiche ungetragen aussehende High-Heels, dann ist sie... na ja, ganz normal eben. Okay, bloedes Beispiel. Aber wenn man in einer Maenner-Garderobe  (oder irgendeiner Garderobe, wenn ich so drueber nachdenke) ein paar Schlangenleder-Cowboy-Boots findet, kann man getrost davon ausgehen, dass sich der Traeger fuer <br />
a) die Inkarnation einer Tarantino-Film-Figur oder <br />
b) einen ultra interessanten Trendsetter haelt. <br />
In beiden Faellen gilt es, ihn zu vermeiden. Die allseits geschmaehten Uggboots hingegen sind okay, finde ich, denn ja, sie sind <em>Ugg</em>ly, aber verdammt, es ist schweinekalt da draussen und ein bisschen Gemuetlichkeit im grimmen Winter darf ja wohl erlaubt sein.</p>

<p>Ich selber habe seit einer ehrlichen Ausmistung vor einiger Zeit nur noch Schuhe, die ich auch tatsaechlich trage (mehr oder weniger). Das tat zwar weh, und ich habe mich nur weinend von meinen silbernen Flechtsandalen á la <em>Golden Girls</em> getrennt, aber ehrlich, sie waeren bei mir nur vor sich hingegammelt (á la <em>Golden Girls</em>). Wenigstens ist jetzt genug Platz fuer neue Exemplare. Und die restlichen 26 Paare werden fuer das Noetigste schon irgendwie reichen.</p>

<p>Was die Schuh-basierte Persoenlichkeitsanalyse angeht: Folgende Exempel aus meiner Schuhsammlung koennen uns sicher helfen, besondere Charakereigenschaften der Traegerin naeher zu bestimmen, oder sagen zumindest etwas ueber ihren (fehlenden) Geschmack aus. Das Ganze ist selbstverstaendlich uebertragbar auf euer eigenes Schuhwerk.</p>

<p><strong>Die Nuttenstiefel</strong><br />
<img alt="nuttenstiefel.JPG" src="http://www.wdrblog.de/einslivereise/nuttenstiefel.JPG" width="200" height="267" align="left"  />"Im Internet sahen die ganz anders aus!" ist meine einzige Entschuldigung fuer diese Stiefel. Da der Overknee-Trend vermutlich erst in zwei Jahren an den Kuesten Neuseelands angeschwappt kommt, ich aber JETZT solche Stiefel haben wollte, musste ich mich auf das Foto bei Trade Me verlassen. Meine Schwester sagte gleich: "Hm, sieht ein bisschen nach Julia Roberts in <em>Pretty Woman</em> aus", worauf ich entgegnete: "Quatsch, die sind aus schwarzem Lack, meine sind aus braunem Leder!" Als mich dann aber jemand fragte, warum ich heute nicht meine <em>Fuck-Me-Boots</em> anhaette, wurde mir klar, dass der Effekt trotzdem der gleiche ist. Ich trage sie noch, vermeide aber Laternenpfahle und Strassenecken.</p>

<p><strong>Die Flipflops</strong><br />
<img alt="flipflops.JPG" src="http://www.wdrblog.de/einslivereise/flipflops.JPG" width="200" height="267" align="right"  />Gut, die hat jeder, aber da sie fuer die meisten Menschen in Neuseeland das relevanteste Schuhwerk von allen sind, muss besonders auf die Qualitaet geachtet werden. Schliesslich sollen sie problemlos den Uebergang vom Strandspaziergang zum Restaurant-Besuch (und alles zwischendurch) schaffen und moeglichst zehn Jahre halten. Deshalb ist der Preis von 50 Dollar auch gerechtfertigt, obwohl die meisten wahrscheinlich zwischen zehn und 15 Dollar ausgeben fuer ihre geliebten Jandals. So nennt man Flipflops in Neuseeland aus unbekannten Gruenden; es gibt sogar einen <em>Jandal Day</em>, an dem alle Menschen ermutigt werden, Flipflops zu tragen und fuer die Rettungsschwimmer zu spenden. Wie das zusammenhaengt, weiss ich nicht, aber da jeder ohnehin staendig und ueberall Flipflops traegt, ist es auch egal.</p>

<p><strong>Die Kurzschlussreaktion</strong><br />
<img alt="kurzschlussreaktion.JPG" src="http://www.wdrblog.de/einslivereise/kurzschlussreaktion.JPG" width="200" height="150" align="left"  />Dieses Phaenomen, wenn man irgendwo einkaufen geht, voellig in Gedanken / abgelenkt mit SMSen / frustriert und konsumbeduerftig ist, und ploetzlich bemerkt, dass man soeben ein Paar Schuhe gekauft hat, weil sie unglaublich billig / in der richtigen Groesse / im Weg waren? Das ist mein persoenliches Resultat. Zuerst stellte ich sie in meinen Schrank und beaeugte sie ab und zu misstrauisch, aber mittlerweile liebe ich sie. Sie sind bequem, schlicht und haben eine super Farbe. Ja, sie sehen wie Clownsschuhe aus, aber doch noch lange nicht so schlimm wie diese:</p>

<p><strong>Die Mokassins</strong><br />
<img alt="mokassins.JPG" src="http://www.wdrblog.de/einslivereise/mokassins.JPG" width="200" height="267" align="right"  />Gekauft in einem Second-Hand-Laden in Wuppertal, als Mokassins gerade mal wieder ein Revival hatten. Ich weiss auch nicht, was ich mir dabei dachte; vielleicht, dass ich, wenn ich schon einem Trend hinterher rennen wollte, es wenigstens konsequent tun sollte. Bis heute sind es die Schuhe, wegen der ich am meisten haemische Kommentare ernte ("Squaw", "Pocahontas", "Komm in meinen Wigwam"). Ehrlich gesagt kann ich sie schon seit Jahren nicht mehr sehen, aber ich behalte sie trotzdem, aus sentimentalen Gruenden. Der naechste Karneval kommt bestimmt.</p>

<p><strong>Die Glamour-High-Heels</strong><br />
<img alt="highheels.JPG" src="http://www.wdrblog.de/einslivereise/highheels.JPG" width="200" height="267" align="left"  />Sie sind Stellvertreter fuer die etwa fuenf Paar goldener Absatzschuhe, die ich besitze, und zeugen wahrscheinlich von meinem unbewussten Wunsch, ein Leben als Filmstar / Diva / Prinzessin zu fuehren, oder wenigstens mal schoen auszugehen. Dass dies nicht der traurigen Realitaet entspricht, sieht man am Absatz, den ich mir beim Grillen im Garten von Freunden ruiniert habe (ja, den Garten habe ich ebenfalls ruiniert, falls sich das jemand fragt). Warum ich goldene High-Heels zu einem Grillfest angezogen habe, weiss ich nicht genau, aber es haengt moeglicherweise mit der im ersten Satz geaeusserten Vermutung zusammen. Wenn irgendjemand mit mir zu einer Gala gehen moechte - ich waere sehr dankbar fuer ein wenig Zauber in meinem Leben.</p>]]>

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<title>Sweets For My Sweet</title>
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<modified>2010-02-24T12:31:40Z</modified>
<issued>2010-02-24T10:09:21Z</issued>
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<summary type="text/plain">Es gibt Tage, da lechze ich nach Dingen, die ich nicht haben kann. Manchmal sind das unerfuellbare Dinge wie ein gesunder Teint oder Einhoerner, aber meistens sind es bloss Dinge, die ausserhalb meiner Reichweite, weil am anderen Ende der Welt,...</summary>
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<email>internet.1live@wdr.de</email>
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<content type="text/html" mode="escaped" xml:lang="de" xml:base="http://www.wdrblog.de/einslivereise/">
<![CDATA[<p>Es gibt Tage, da lechze ich nach Dingen, die ich nicht haben kann. Manchmal sind das unerfuellbare Dinge wie ein gesunder Teint oder Einhoerner, aber meistens sind es bloss Dinge, die ausserhalb meiner Reichweite, weil am anderen Ende der Welt, liegen. Also: Schwarzbrot. Ikea. Filme mit Matthias Schweighoefer. Die <em>Neon</em>. H&M. Und, sehr oft: Suessigkeiten. </p>

<p>Man glaubt gar nicht, mit welch intensiver Gier man sich nach Gummibaerchen verzehren kann, bis man in der Situation ist, diese Gier nicht mehr stillen zu koennen. Stunden-, ach was, tagelang kann ich manchmal an nichts anderes denken als den sauren Geschmack weisser Gummibaerchen (die besten!) in meinem Mund, wenn ich sie mir langsam auf der Zunge zergehen lasse... argh! Die reine Folter. Und keine Aussicht auf Erloesung, es sei denn, ich bin bereit, 23.000 Kilometer hinter mich zu legen, in einen deutschen Supermarkt zu spazieren, die Packung aufzureissen und mir die Teile gierig in den Mund zu stopfen (so habe ich es zu Hause uebrigens auch gemacht).</p>

<p>Und es sind ja nicht nur Gummibaerchen: Ausser Prinzenrolle, Lakritz aus der Apotheke, Schokoriesen, Weingummi-Vampiren und Ahoj-Brause vermisse ich jetzt auch Dinge, die ich eigentlich sowieso nie mochte: diese fiesen Leckmuscheln zum Beispiel, oder diese nach Plastik schmeckenden, zaehen, rosa Schweinekoepfe (ueberhaupt eine bizarre Idee, das zu einer Suessigkeit zu verarbeiten).</p>

<p><a href="http://www.wdrblog.de/einslivereise/_77yHqS85pkpb_1.jpg"><img alt="Cupcakes" src="http://www.wdrblog.de/einslivereise/assets_c/2010/02/_77yHqS85pkpb_1-thumb-400x207-270.jpg" width="400" height="207" align="none"  /></a></p>

<p>Wenn ich da mitansehen muss, wie Dittsche die uebriggebliebenen  Karneval-Bonbons, die jetzt die Strassen des Sektors verkleben, als <a href="http://www.einslive.de/medien/html/1live/2010/02/21/dittsche-schlagloecher.xml">Fuellung fuer Schlagloecher</a> wiederverwenden will, moechte ich am liebsten schreien: "NEIN! Tut es nicht! Gebt sie mir! Ich kratze sie auch eigenhaendig vom Strassenbelag!" So weit ist es schon gekommen mit meiner Gier nach heimischen Suessigkeiten.</p>

<p>Wobei ich kreativen Umgang mit den zuckerigen Leckerlis durchaus befuerworte: In Neuseeland wurde soeben Yellow Chocolate gelauncht, eine Schokolade, die nicht nur gelb ist, sondern angeblich auch gelb schmeckt. Leider konnte ich das nicht selbst testen, da meine raffgierigen Mitbuerger schon alle Exemplare aufgekauft haben, aber ich habe mir sagen lassen, die Schokolade schmeckt nach Ananas und sehr suess. Baeh! Ananas und Schokolade, das ist wie <a href="http://www.einslive.de/medien/html/1live/2010/02/22/lokalzeit-koeln-groschenroman.xml">Groschenromane vom Kiosk</a> - ein Angriff auf die Geschmacksnerven. Kiwis sehen das scheinbar anders: Nicht umsonst haben es <em>Pineapple Lumps</em> - mit Schoko umhuellte Klumpen mit Ananasgeschmack - zu ikonenhaftem Status gebracht. </p>

<p>Dicht dahinter auf der Beliebtheitsskala sind der <em>Chocolate Fish</em>, ein mit Schokolade ueberzogener Marshmellow-Fisch, und, natuerlich, die Pavlova. Pavlova ist eine original-neuseelaendische Erfindung (jedenfall, wenn man die Neuseelaender fragt; die Australier sehen die Sache anders), wurde nach der Balletttaenzerin Anna Pavlova benannt und besteht aus einer mit Sahne gefolterten Baisertorte mit Fruechten. Das Ganze ist ein Herzinfarkt in Verkleidung, aber der ganze Stolz der neuseelaendischen Dessertkultur. Falls ihr interessiert seid - <a href="http://www.kiwiwise.co.nz/recipe/grandma-taylors-pavlova-recipe">bitte schoen</a>, aber wundert euch nicht, wenn ihr zum Diabetiker werdet.<br />
<a href="http://www.wdrblog.de/einslivereise/P1080670.JPG"><img alt="Louisa" src="http://www.wdrblog.de/einslivereise/assets_c/2010/02/P1080670-thumb-250x333-272.jpg" width="250" height="333" align="left"  /></a><br />
Allgemein scheinen die Kiwis ein seltsam obsessives Verhaeltnis zu Zucker zu haben: Sie tun ihn an Dinge, an die er einfach nicht gehoert. In meinen ersten Monaten in Neuseeland habe ich einmal einen Nudelsalat fuer ein BBQ zubereitet (seit Ewigkeiten mein bewaehrtes Standard-Mitbringsel fuer jedwedige Feierlichkeiten); weil ich beim Einkaufen nicht aufgepasst hatte, schmeckte ploetzlich alles furchtbar suess, und erst als ich zu Hause im Muelleimer kramte und die Zutaten checkte, sah ich, was ich da benutzt hatte: gesuessten Mais, gesuesste saure Gurken (ein Paradox an sich), gesuessten Joghurt und gesuesste Mayonnaise. What the hell? Im Grunde muesste Neuseeland voller hibbeliger Duracell-Haeschen-Menschen sein, die vor lauter Ueberzuckerung Baeume ausreissen oder Autos hochheben.</p>

<p>Zum Glueck habe ich in meiner Mutter einen mitfuehlenden Lieferanten fuer meinen ganz persoenlichen Zuckerrausch: Mein letztes Paeckchen aus Uebersee enthielt eine wohltuende Dosis Weingummi, die ich, noch waehrend ich dies schreibe, gierig in mich hineinstopfe. Danke, Mama!</p>]]>

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<title>Reserviert!</title>
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<modified>2010-02-19T10:31:11Z</modified>
<issued>2010-02-19T08:00:47Z</issued>
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<created>2010-02-19T08:00:47Z</created>
<summary type="text/plain">Hach, ich liebe Vorurteile. Man kann sich so herrlich darueber aufregen. Wir Deutschen gelten offenbar als humorloses Volk von wuerstchenessenden Rotschoepfen, die manchmal einfach ausrasten. Klaro, da erkenne ich mich sofort drin wieder. Manchmal lohnt es sich allerdings, sich die...</summary>
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<name>louisa</name>
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<email>internet.1live@wdr.de</email>
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<![CDATA[<p>Hach, ich liebe Vorurteile. Man kann sich so herrlich darueber aufregen. Wir Deutschen gelten offenbar als <a href="http://www.einslive.de/magazin/aktionen/2010/dein_leben_lang/klischees.jsp">humorloses Volk von wuerstchenessenden Rotschoepfen, die manchmal einfach ausrasten</a>. Klaro, da erkenne ich mich sofort drin wieder.</p>

<p>Manchmal lohnt es sich allerdings, sich die Vorurteile anzuhoeren, um zu ueberpreufen, ob sie stimmen. Da scheinbar jeder eine Meinung ueber Deutschland und Deutsche hat, begegne ich Vorurteilen relativ haeufig; mal guten ("Du sprichst aber gut englisch! Aber das koennt ihr Deutschen ja alle"), mal nervtoetenden ("Ach, du kommst aus Deutschland? Dann bist du sicher ein Riesenfan von David Hasselhoff"), und mal solchen, bei denen ich nicht weiss, was ich davon halten soll. Neulich unterhielt ich mich bei einem BBQ mit einer netten Dame. Nach circa fuenf Minuten stellte sie die unvermeidliche Frage: "Und, woher kommst du?" Ich sagte "Deutschland", woraufhin sie laechelte und sagte "Ach ja, das dachte ich mir schon. Ihr Deutschen seid ja immer so reserviert." <em>Excuse me?</em> Erstens hatte ich mich an dem Tag fuer einen besonders witzigen, unterhaltsamen Gespraechspartner gehalten (wir sprachen ueber die Tricks, die meine Katze kann; welcher vernuenftige Mensch waere davon nicht begeistert?!), und zweitens war ich baff, dass sie, selbst wenn ich die Langeweile in Person gewesen waere, die Nerven hatte, das einfach so zu <em>sagen</em>. Man <em>sagt</em> doch nicht einfach zu Leuten, sie seien reserviert, die man gerade erst kennengelernt hat. Jedenfalls nicht, wo ich herkomme. </p>

<p>Und genau das war es: Was, wenn wir Deutschen eben doch unzugaenglich und reserviert sind, denn es gibt haufenweise Dinge, die wir "einfach nicht sagen", schon gar nicht zu Fremden beim Smalltalk, waehrend Kiwis dagegen... aber seht selbst: <br />
<a href="http://www.wdrblog.de/einslivereise/P1080960.JPG"><img alt="Louisa mit Geldschein" src="http://www.wdrblog.de/einslivereise/assets_c/2010/02/P1080960-thumb-400x533-249.jpg" width="400" height="533" align="none"  /></a><br />
<strong>"Was verdienst du so?"</strong><br />
Wer diese Frage in Deutschland stellt, ist entweder ein enger Verwandter, ein sehr guter Freund, oder ein Beamter von der Steuerbehoerde. Aehnlich wie "Und, welche BH-Groesse hast du?" oder "Und, was macht dein Liebesleben?" faellt sie in die Kategorie "Private Informationen" und wird von uns nicht einfach so beim Partyplausch mit einem Halbfremden preisgegeben (es sei denn, wir sind sehr betrunken, einsam und haben ein ueberproportionales Mitteilungsvermoegen). Wahrscheinlich wuerden sich die meisten von uns sogar angegriffen fuehlen und zurueckschnappen: "Wieso, was verdienst du denn?!" Nicht so in Neuseeland: Die Frage nach dem Gehalt ist hier legitimer Smalltalk und ungefaehr so provokativ wie ein Gespraech ueber’s Wetter; und sie wird nicht mal gestellt, um mit den eigenen Millionen anzugeben oder den Gespraechspartner auf eventuelles  Ehe-Potential hin abzuklopfen (Moment: das ziehe ich zurueck). Ich jedenfalls wurde bereits in meiner zweiten Woche auf neuseelaendischem Boden mit dieser Frage konfrontiert und habe sie meisterlich gehandhabt (Rotwerden, Rumgestottere und hektisches Nachrechnen nicht mitgezaehlt).</p>

<p><strong>"Bist du verheiratet?"</strong><br />
Die Wahrscheinlichkeit, mit unter 35 in Deutschland dieser Frage zu begegnen, ist sehr, sehr gering. Mir ist es jedenfalls noch nie passiert. Das liegt unter anderem wohl daran, dass <a href="http://www.einslive.de/medien/html/1live/2010/02/01/1live-dein-leben-lang.xml">das durchschnittliche deutsche Paar</a> 30 (sie) und 33 (er) ist, wenn sie zum ersten Mal heiraten (laut <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Age_at_first_marriage">Wikipedia</a>), und viele Leute ueberhaupt nicht heiraten, was auch keinen stoert. Aber seit ich im zarten Alter von 22 nach Neuseeland gekommen bin, werde ich staendig gefragt, ob es ich es schon unter die Haube geschafft habe: von neuen Bekanntschaften, Friseuren, Kundinnen, meiner Frauenaerztin (na gut - das kann ich noch nachvollziehen, das war wahrscheinlich pc fuer "Are you the town bike?"), Bankangestellten, Barkeepern, Hotelbesitzern - also kurz, VON JEDEM. Ab einem gewissen Punkt entwickelte ich schon gewisse Minderwertigkeitskomplexe ("Wieso heiratet mich keiner?! Bin ich nicht gut genug?!"),  gefolgt von einer vagen Torschlusspanik, wie man sie eigentlich erst ab Mitte 40 entwickeln sollte. Fruehestens. </p>

<p><strong>"Wenn du jemals in [Wohnort] bist, komm vorbei!"</strong><br />
Kennt ihr folgendes Szenario? Man ist irgendwo eingeladen, lernt jemanden von ausserhalb kennen, und am Ende des Abends hoert man sich euphorisch sagen: "Ach, und wenn du das naechste Mal in Wuppertal bist, komm doch mal bei mir vorbei, dann gebe ich dir die Platte / mach den Cocktail / zeig dir die Star-Wars-ActionFiguren, ueber die wir geredet haben!" Der andere verspricht, das zu machen. Dann vergessen beide die Sache, und man sieht sich nie wieder. Ganz normal, man will ja bloss hoeflich sein. (Ich glaube, das haben wir uns von den Amerikanern abgeguckt.) In Neuseeland dagegen sollte man vorsichtig mit solcherlei Einladungen sein: Es kann sein, dass vier Monate spaeter ein Unbekannter vor deiner Tuer steht und eine Runde Mojitos verlangt. Wenn es ganz peinlich wird, laedt dich jemand zum BBQ am naechsten Tag ein (was du in deiner Volltrunkenheit nicht weiter ernst nimmst), holt dich dann persoenlich ab, weil du zu spaet bist und wird damit Zeuge deines Alf-Schlawis, deiner Badezimmerfrisur <em>und</em> deiner Augenringe. Auf der anderen Seite kann das der Anfang einer wunderbaren Beziehung sein.</p>

<p>Also: Vielleicht sind wir ja tatsaechlich ein kleines bisschen reservierter als andere - vielleicht aber auch nur hoeflicher und sensibler. Und eines ist sicher: Wir sind keine Fans von David Hasselhoff. </p>]]>

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<title>Ins Klo damit!</title>
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<modified>2010-02-16T15:06:55Z</modified>
<issued>2010-02-16T04:16:01Z</issued>
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<summary type="text/plain">Aufruhr im Muensterland! Ein Unbekannter quaelt das staedtische Klaerwerk in Ladbergen, indem er seit Jahren in unregelmaessigen Abstaenden uebergrosse Boxershorts durch die Toilette entsorgt, und damit jedesmal die Pumpen verstopft. Normalerweise wuerde ich ja denken &quot;Get a life!&quot; und mich...</summary>
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<![CDATA[<p>Aufruhr im Muensterland! Ein Unbekannter quaelt das staedtische Klaerwerk in Ladbergen, indem er seit Jahren in unregelmaessigen Abstaenden uebergrosse Boxershorts <a href="http://www.einslive.de/medien/html/1live/2010/02/05/lokalzeit-muensterland-unterhosen-klaerwerk.xml">durch die Toilette entsorgt</a>, und damit jedesmal die Pumpen verstopft. Normalerweise wuerde ich ja denken "Get a life!" und mich wieder den wichtigen Dingen dieser Welt zuwenden (<a href="http://www.einslive.de/medien/html/1live/2010/02/14/karneval-ohne-alkohol-onkel-fisch-kamelle.xml">Kamelle</a> etc), aber irgendwie hat dieser Fall eine geheimnisvolle Aura des Mysterioesen. <br />
<a href="http://www.wdrblog.de/einslivereise/P1080896.JPG"><img alt="Toilette" src="http://www.wdrblog.de/einslivereise/assets_c/2010/02/P1080896-thumb-200x266-237.jpg" width="200" height="266" align="left"  /></a><br />
Wer ist der geheimnisvolle Boxershorts-Spueler? Was mich an der Geschichte am meisten wundert, ist die Tatsache, dass der Typ mit seinen Riesenbuxen nicht das Klo verstopft - wuerde ich versuchen, meine Unterhosen die Toilette runterzuspuelen, ich wuerde vermutlich nicht nur das Haus unter Wasser setzten, sondern das Abwassersystem von halb Napier lahmlegen. </p>

<p>Aber was bringt den unbekannten Spueler dazu, sich regelmaessig aufs Radikalste seiner Schluepfer zu entledigen? Die Stadt ist ratlos. </p>

<p>Ich haette ja gleich ein paar Ideen:</p>

<p>- Jemand, der zu viele Kinderfilme guckt, hat es sich zur Aufgabe gemacht, den Unterhosen dieser Welt ein Leben in Gefangenschaft zu ersparen, indem er ihnen die Freiheit schenkt. Er hofft, dass sie nach ihrer Odyssee durch die Abwasserrohre gluecklich im Meer ankommen, wo sie ein schoenes Leben voller Abenteuer fuehren und kleine Boxershorts zeugen. Eindeutig ein Verrueckter.</p>

<p>- Mit geduldiger Ausdauer entledigt sich die Frau des Boxershorts-Traegers nach und nach der unansehnlichsten Exemplare seiner Unterhosen. Um das Verbrechen perfekt zu machen (und weil wir uns ungern beim Beseitigen haesslicher Kleidungsstuecke unserer Partner erwischen lassen), spuelt sie sie im Klo runter, statt sie in den Muell zu werfen. Sicher ist sicher. Alle, die schon mal ueberzeugend den Satz “Nein, Schatz, absolut keine Ahnung, wo deine zwoelf Jahre alte Simpsons-Unterhose ist” darbringen mussten, werden mit diesem Fall sympathisieren.</p>

<p>- Ein armer Student mit Gedaechtnisschwund, der sich keine Waschmaschine leisten kann, versucht, seine Unterwaesche in der Toilette zu waschen. Leider verschwindet sie beim Abziehen stets, was er prompt vergisst und es nochmal versucht - wieder und immer wieder. Ein bisschen wie bei <em>Memento</em>, bloss mit Boxershorts statt der Aufklaerung eines Mordes.</p>

<p>Ich tippe auf Variante 2, aber es kann natuerlich auch alles ganz anders gewesen sein... </p>

<p>Uebrigens, apropos Maenner und Beinbekleidung: Ich habe einen alarmierenden Trend auf Neuseelands Strassen beobachtet, den ich bitte NIEMALS in der Heimat sehen will: Maenner in Hotpants. Doch doch! Es handelt sich meistens um Jeans oder Khakis, die aus unerfindlichen Gruenden von ihren Traegern auf Po-Niveau gekuerzt werden, sodass man nicht nur die Gesamtheit ihrer haarigen Beine sieht, sondern auch Angst haben muss, dass jede Sekunde dasselbe passiert wie in dieser <em>Friends</em>-Folge, in der Phoebe einen Sportler datet, der staendig vor der ganzen Truppe sein Paket entbloesst, ohne es zu merken. Nicht schoen. Diesen Anblick wuerde ich uns allen gerne ersparen.<br />
<a href="http://www.wdrblog.de/einslivereise/P1080892.JPG"><img alt="Hotpants" src="http://www.wdrblog.de/einslivereise/assets_c/2010/02/P1080892-thumb-250x265-235.jpg" width="250" height="265" align="left"  /></a><br />
In Neuseeland, scheint es, tragen aber nicht nur Athleten die verfaenglichen Hoeschen, ueberall werden sie dem Auge aufgezwungen: an Bauarbeitern, die am Strassenrand Loecher drillen, an Paket-Kurieren, Himmel, sogar die Jungs von der Muellabfuhr tragen sie. Niemand ist sicher vor den Maenner-Hotpants! Was in den 70ern mit genitalienabzeichnenden Stretch-Jeans seinen Anfang nahm, erreicht hier seinen traurigen Tiefpunkt.</p>

<p>Und nicht mal die Aussicht auf den bevorstehenden Winter kann mich aufheitern: Als abgehaertete Survivor, die Tatsachen wie Kaelte, Frostbeulen und akute Unterkuehlungen einfach nicht anerkennen, tragen Kiwis auch im kaeltesten Monat des Jahres noch T-Shirts, Flipflops - und besagtes Uebel, die Hotpants. Die einzige Moeglichkeit, zu entkommen, waere ein laengerer Aufenthalt in einem Isolationstank. Klingt fantastisch.</p>

<p>Gibt es ein Kleidungsstueck, das ihr verbieten wuerdet, weil es eine Beleidigung fuers Auge ist? Welche Klamotte eures Freundes / eurer Freundin wuerdet ihr sehr gerne die Toilette runterspuelen? Und: Was zur Hoelle hat es mit dem Boxershorts-Typ auf sich?</p>]]>

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<title>Love Is A Battlefield</title>
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<modified>2010-02-13T13:30:50Z</modified>
<issued>2010-02-13T13:18:54Z</issued>
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<summary type="text/plain">Ich glaube, wir sind uns einig: &quot;Der romantischste Tag des Jahres&quot; aka Valentinstag gehoert begraben (zusammen mit Halloween und natuerlich Karneval). Ich kenne ohnehin keinen, der da mitmacht, single oder vergeben. Den Singles kann der ganze Zirkus sowieso egal sein,...</summary>
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<name>louisa</name>
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<content type="text/html" mode="escaped" xml:lang="de" xml:base="http://www.wdrblog.de/einslivereise/">
<![CDATA[<p>Ich glaube, wir sind uns einig: "Der romantischste Tag des Jahres" aka <a href="http://www.einslive.de/magazin/kino_dvd/kino_2010/02/valentinstag.jsp">Valentinstag</a> gehoert begraben (zusammen mit Halloween und natuerlich <a href="http://www.einslive.de/medien/html/1live/ergebnisse/suche.xml?rankingcount=10&rankingvisible=newest&rankingtype=suche&q=Karneval%20Onkel%20Fisch">Karneval</a>). Ich kenne ohnehin keinen, der da mitmacht, single oder vergeben. Den Singles kann der ganze Zirkus sowieso egal sein, und saemtliche Paare, die ich kenne, runzelten auf meine Nachfrage hin nur die Stirn und machten mich auf die horrenden Preise von Blumenstraeussen und Babysittern aufmerksam. Vielleicht bin ich auch bloss von besonders unromantischen Menschen umgeben. Ich persoenlich bin an Valentinstag jedenfalls noch nie mit Irgendwas bedacht worden (um Schokolade zu vertilgen, muss ich nun wirklich nicht auf dieses Datum warten); dafuer aber an vielen anderen Tagen im Jahr, weshalb ich das grosszuegig verzeihen kann.<br />
 <br />
Und weil ich nun mal am liebsten von mir selbst rede (selbstsuechtiges, aufmerksamkeitsheischendes Ding, das ich bin), werde ich das V-Wort nicht ein einziges Mal in den Mund nehmen, sondern rede stattdessen von dem anderen ueber-wichtigen internationalen Tag der Liebe, i.e. meiner anstehenden Hochzeit.</p>

<p>Ich hatte mir das Ganze sehr einfach vorgestellt: Man verlobt sich - und dann heiratet man. Punkt. Wieso Eheschliessung mit Stress oder - gaehn - Planung zu tun haben sollte, konnte ich mir nicht vorstellen. Schliesslich war schon Jean’s und meine Verlobung schlicht und unspektakulaer - okay, gut, es waren Champagner und ein Hotelzimmer beteiligt, aber es gab keinen Kniefall, keine Rosen und keine Schnulzenmusik; stattdessen war ich soeben aus dem Klo gekommen (hach, die Romantik) und wollte mich gerade beschweren, dass Jean, das arme Nervenbuendel, den Champagner schon ohne mich aufgemacht hatte, als er ein kleines Schatuellchen produzierte. <em>Oh</em>. Okay, then.</p>

<p>Ich sah also keinen Grund, warum unsere Hochzeit irgendetwas anderes sein sollte als eine Party mit Freunden, bei der an einer bestimmten Stelle zweimal kurz "Ja" gesagt wird und ich ein schoenes Kleid trage. Easy schneasy.</p>

<p>Dachte ich. Doch wenn zwei ganze Familien aus Europa umgesiedelt werden wollen fuer diesen einen Tag, bereitet das schon mal logistische Schwierigkeiten (nicht zu sprechen von finanziellen; oder terminlichen). In einem stoerrischen Akt der Revolte haben der Braeutigam und ich Neuseeland als den Ort des Geschehens durchgesetzt, weil wir, ganz Kiwi-style, von einer barfuessigen Hochzeit am Strand mit Beach-Volleyball und selbstgefangenem Crayfish fantasieren (vor allem vom Crayfish). Und obwohl wir beide weit davon entfernt sind, kontrollierende Bridezillas zu sein, fuer die alles PERFEKT sein muss oder die Welt geht unter (es gibt so Menschen), wird die Fete fruehestens 2012 steigen koennen, wenn alle wichtigen Menschen dabei sein sollen. Zwei  Jahre, um an Dinge Gedanken zu verschwenden wie Dresscode (Blaue Lagune oder Hula Hawaii?), Torte (ich dachte an <a href="http://4.bp.blogspot.com/_mmBw3uzPnJI/Sdz4o-_iCiI/AAAAAAAAkCQ/3UCOND1fKdg/s1600-h/weird_and_creepy_cakes_01.jpg">sowas hier</a>) und Musik (ich will kubanisch, Jean Bob Marley). Angeblich, so haben mir verschiedenene Bekannte (meistens weibliche mit erhoehtem Puls) versichert, muss all das und noch viel mehr gruendlich bedacht werden. Location, Ringe, wer fuehrt die Trauung durch, Essen, Trauzeugen, Einladungen, Outfits... da vergeht einem glatt die Romantik. Ist eine Hochzeit am Ende genau so ein kommerzialisierter Humbug wie "der Tag, dessen Name nicht genannt werden darf"? Koennen wir die wichtigen Dinge im Leben nicht mehr geniessen, sondern nur noch konsumieren? Und werde ich genug Langusten fuer alle haben?</p>

<p>Ach uebrigens: Falls ihr nun doch noch in Stimmung gekommen sein solltet fuer V-Day, sind hier ein paar heisse Tipps fuer Last-Minute-Geschenke - denn es muessen nicht immer Blumen sein: <br />
- Fuer ihn: Eine englische Kaufhauskette bietet eine Art Wonderbra fuer den Herren an, bloss dass nicht die Brueste angehoben und formvollendet werden, sondern der, aehm, Zauberstab. Sieht aus wie eine ganz normale Unterhose, wirkt aber angeblich Wunder fuer die Optik. Ist doch toll, und so subtil! In ganz traurigen Faellen aber besser die Hose anlassen.<br />
- Fuer sie: Der Choco-Lator - ein Taschenrechner, der aussieht wie eine Tafel Schokolade! Welch perfekte Kombination: Wir nehmen nicht zu und koennen gleichzeitig Zeug ausrechnen! Mein Gott, ist das genial.<br />
- Fuer die Person, die schon alles hat: Eine britische Website bietet das ideale Geschenk fuer Menschen, die sich nichts mehr wuenschen. Es nennt sich <em>nothing</em> und ist im Grunde eine huebsche Tuete, in der nichts drin ist - fuer nur 5,80 Euro! Wundert euch aber nicht, wenn das das letzte Geschenk ist, das ihr in dieser Beziehung vergeben durftet.</p>]]>

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<title>Von Hula-Maedchen und Pipi-Klos</title>
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<modified>2010-02-10T09:56:19Z</modified>
<issued>2010-02-10T06:41:06Z</issued>
<id>tag:www.wdrblog.de,2010:/einslivereise//24.8368</id>
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<summary type="text/plain">Einer der vielen Berufe, die ich niemals ausueben sollte, ist Standesbeamter. Nicht, dass ich nicht schrecklich gerne verliebte Paare in den Hafen der Ehe hineinmanoevrieren wuerde, das stelle ich mir sogar sehr schoen vor, ich koennte dann Kuschelrock im Hintergund...</summary>
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<name>louisa</name>
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<email>internet.1live@wdr.de</email>
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<content type="text/html" mode="escaped" xml:lang="de" xml:base="http://www.wdrblog.de/einslivereise/">
<![CDATA[<p>Einer der vielen Berufe, die ich niemals ausueben sollte, ist Standesbeamter. Nicht, dass ich nicht schrecklich gerne verliebte Paare in den Hafen der Ehe hineinmanoevrieren wuerde, das stelle ich mir sogar sehr schoen vor, ich koennte dann Kuschelrock im Hintergund laufen lassen und romantische Sachen sagen. Aber: Wenn es darum ginge, die Namen von Neugeborenen zu registrieren, waere ich der mieseste und machtmissbrauchendste Standesbeamte der Welt. Da wird einfach zu lasch mit Zensur umgegangen, finde ich. Wozu ist man denn gewissenhafter Diener des Staates, wenn nicht, um dem fehlgeleiteten Geschmack junger Eltern ein bisschen auf die Spruenge zu helfen? Unfaelle wie <a href="http://www.einslive.de/nachrichten/pop/2010/02/pop_100203.jsp?d=10-02-3">Nayla Alessandra</a> waeren in <em>meinem</em> Standesamt nicht passiert! Und saemtliche anglophile Namen wuerde ich nur durchgehen lassen, wenn die Eltern einen entsprechenden kulturellen Hintergrund nachweisen koennen ("Ich guck so gerne <em>E!</em>" ist keine gueltige Ausrede). Brian-Justin, Skylar-Raven? Veboten! Alle Kombinationen mit Jan, Finn und Lily wuerde ich bis 2030 sperren und <em>accents</em> wuerden ganz untersagt, damit Katastrophen wie Michelè nicht passieren koennen. (Gibt's wirklich. Wie zur Hoelle soll man das aussprechen? Mischelä?)<br />
<img alt="ikone_dpa_breit_400.jpg" src="http://www.wdrblog.de/einslivereise/ikone_dpa_breit_400.jpg" width="400" height="300" align="none"  /><br />
Man muss die Menschen eben manchmal vor sich selbst schuetzen. Der Staat Deutschland nimmt diese Aufgabe bisweilen sehr ernst und schiebt allzu euphorischen Eltern den Riegel vor. <a href="http://www.uni-leipzig.de/vornamen/wcms/index.php?option=com_content&task=view&id=41&Itemid=53">Pfefferminze, Schmitz und Lord</a> wurde so ein Dasein voller Haeme und Demuetigung erspart. Frieden Mit Gott Allein Durch Jesus Christus gewann einen langwierigen Rechtsstreit und ist heute Pastor und <a href="http://www.2jesus.de/bibel-forum/frieden-mit-gott-allein-durch-jesus-christus-t2216.html">stolz auf seinen Namen</a>. Allerdings kuerzt er ihn meistens zu Frieden. Ist auch einfacher.</p>

<p>Ich sage ja gar nicht, dass wir alle <a href="http://www.einslive.de/medien/html/1live/2010/02/01/1live-dein-leben-lang.xml">Thomas und Sabine</a> heissen sollten. Ich finde ausgefallene Namen ja auch schoener. Mit meiner akribisch ueber Jahrzehnte lang  gefuehrten Liste mit potentiellen Namen fuer meinen zukuenftigen Nachwuchs haette ich wahrscheinlich sogar selbst den ein oder anderen Rechtsstreit fuehren muessen. Jeder anstaendige Standesbeamte haette mich doch ausgelacht, wenn ich ihm mit Schneewittchen, Io oder Sphinx angekommen waere.<br />
<img alt="schneewitchen_dpa_breit_400.jpg" src="http://www.wdrblog.de/einslivereise/schneewitchen_dpa_breit_400.jpg" width="400" height="180" align="none"  /><br />
Aber zum Glueck kann mir das inzwischen egal sein, denn in Neuseeland kann man sein Kind praktisch nennen, wie man lustig ist. Manchmal kommt es dabei allerdings zu peinlichen Missverstaendissen: Die nette Frau im Reisebuero, bei der wir unseren Urlaub in Fiji buchten, wies ganz verzueckt auf ihr Namensschild, als sie Jeans franzoesischen Akzent bemerkte, und sagte: "Ich habe auch einen franzoesischen Namen: Daniiil!" Auf dem Schild stand "Danielle". Das muss doch nicht sein, oder? Wenn schon exotisch, dann doch bitte mit richtiger Aussprache.</p>

<p>Ein anderes Minenfeld kann die Bedeutung eines Namens sein: Als ich ein paar Freunden schwaermerisch erzaehlte, meine soeben geborene Nichte trage den wunderschoenen Namen Mimi Lou, starrten sie mich erst an und prusteten dann los. Nachdem man sich wieder eingekriegt hatte (so 15 Minuten spaeter), weihten sie mich ein: <em>mimi</em> ist Maori fuer Pipi, und dass <em>loo</em> uebersetzt Klo heisst, weiss ich selber. Sehr lustig. Pipi-Klo. Ich hoffe, Mimi Lou kann noch nicht sprechen, wenn sie mich zum ersten Mal besuchen kommt.</p>

<p>Noch schlimmer als falsch artikulierte oder interpretierte Namen sind "kreative Geistesblitze". Diese zeichnen sich dadurch aus, dass sie 1. in einem Moment geistiger Verwirrung als Name des Kindes festgelegt werden, ohne an die Konsequenzen zu denken, und 2. totaler Muell sind. Ein kreativer Geistesblitz  ereignete sich in Neuseeland letztes Jahr, als das vierte Kind eines sehr jungen Paares <a href="http://www.bayofplentytimes.co.nz/local/news/meet-baby-zealand-new/3793588/">Zealand-New</a> getauft wurde. Man hatte sich ueberlegt, das zeige die Liebe der Eltern zum Vaterland und sei ungewoehnlich. Klaro, bei Namen wie Rlexuz and Korizma-Lake muss man einiges nachlegen, um das noch zu toppen. Zealand-New from New Zealand. Bravo! <br />
<img alt="hula_taenzerinnen2_dpa_breit_400.jpg" src="http://www.wdrblog.de/einslivereise/hula_taenzerinnen2_dpa_breit_400.jpg" width="400" height="300" align="none"  /><br />
Aber es kommt noch besser: Vorletztes Jahr fand sich ein Elternpaar <a href="http://www.stuff.co.nz/life-style/546018/">vor Gericht wieder</a>, das seine Tochter Talula Does The Hula From Hawaii nannte. Offenbar fand das neunjaehrige Maedchen seinen Namen so scheisse, dass es ihn niemandem verriet. Den Eltern wurde prompt das Sorgerecht entzogen.</p>

<p>Bei solchen Eskapaden ist es schon fast verwunderlich, dass <a href="http://www.kindernamen.org/die-beliebtesten-vornamen-in-neuseeland.html">die beliebtesten Babynamen in Neuseeland</a> sehr traditionelle, altmodische Namen sind: Ganz vorne liegen Sophie, <a href="http://www.einslive.de/magazin/specials/2010/02/tief_olivia.jsp">Olivia</a> und Ella fuer Maedchen, Jack, James und William fuer Jungs. Obwohl ich schwoeren koennte, dass die Haefte aller Maedels Hayley und Sarah heissen, waehrend sich Maennernamen grundsaetzlich auf zwei beschraenken: Chris und Mike.</p>

<p>Aber hey, solange wir unseren Kinder nicht ploetzlich dieselbe Art Namen geben wie manche Celebrities, ist mir alles recht. Sollte ich allerdings jemals eine Geburtsanzeige fuer Rain Harper Rose Jolie Madison Square Garden oder Rocco River Ryder Jagger Kentucky Fried Chicken lesen - dann ziehe ich nach China.</p>]]>

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<title>Lasst die Huellen fallen</title>
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<modified>2010-02-09T00:37:20Z</modified>
<issued>2010-02-03T05:46:06Z</issued>
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<summary type="text/plain">I’ll take you to a special place Where the girls are Topless (Kid Alex, Young Love) Liebe Maedels: Es gibt etwas, um das euch die durchschnittliche Kiwi-Dame beneidet. Und zwar, weil ihr europaeisch seid. Es ist nicht die Tatsache, dass...</summary>
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<name>louisa</name>
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<![CDATA[<p><em>I’ll take you to a special place<br />
Where the girls are<br />
Topless</em><br />
(Kid Alex, <em>Young Love</em>)</p>

<p>Liebe Maedels: Es gibt etwas, um das euch die durchschnittliche Kiwi-Dame beneidet. Und zwar, weil ihr europaeisch seid. Es ist nicht die Tatsache, dass ihr vom selben Kontinent seid wie <a href="http://www.einslive.de/magazin/kino_dvd/kino_2009/11/new_moon.jsp">Robert Pattinson</a> (obwohl das wahrscheinlich auf dem zweiten Platz liegt). Nein, es  ist die Tatsache, dass ihr euch ohne Scham an Straenden und auf Wiesen oben ohne zeigen koennt (nur noch ein paar Monate, bis der Sommer anfaengt!).</p>

<p>Es ist so: Europa gilt Neuseelaendern als Zone der <a href="http://www.einslive.de/medien/html/1live/2009/12/22/quarks-arena-mann-frau-experiment-sex.xml">freizuegigen Unverklemmtheit</a>, wo Nacktheit noch natuerlich ist und Scham ein Fremdwort, wo die Nonchalance zu Hause ist und alle Menschen das tun, was ihnen gerade in den Sinn kommt. Eine Bloggerin bedauerte kuerzlich die <a href="http://www.stuff.co.nz/life-style/blogs/moatas-blog-idle/3264287/Whats-wrong-with-boobs-on-beaches">zugeknoepften Verhaeltnisse an neuseelaendischen Straenden</a> und die fehlgeleitete Verklemmtheit, mit der die schamhaften Kiwis an ihrer Badebekleidung festhalten. Im lockeren und fortschrittlichen Europa, betont sie, zoege sich <em>jeder</em> vom Kleinkind bis zur Oma aus, und <em>niemand</em> kaeme auch nur auf die Idee, <a href="http://www.einslive.de/medien/html/1live/2009/12/22/quarks-arena-mann-frau-experiment-blicke.xml">auf anderer Leute Brueste zu spannen</a>. Sie weiss das, weil sie schonmal in Europa im Urlaub war, und Dutzende Kommentatoren, die auch schonmal in Europa waren, bekraeftigen sie und schwaermen von der zwanglosen Art, mit der wir Europaeer mit Nacktheit umgehen. Stanley Tucci sagt in <em>Sideways of New York</em>, er habe "eine sehr europaeische Einstellung zur Ehe", womit er meint: Ich betruege meine Frau mit einer 19-Jaehrigen. Europa ist also fuer den Rest der Welt das ungezuegelte Land der Freiheit, und oben ohne an Straenden ist wie atmen - man tut es einfach.<br />
<a href="http://www.wdrblog.de/einslivereise/P1080855.JPG"><img alt="Bikini-Top" src="http://www.wdrblog.de/einslivereise/assets_c/2010/02/P1080855-thumb-250x187-195.jpg" width="250" height="187" align="left"  /></a><br />
Ach wirklich? Vielleicht haben sich diese Kiwis von griechischen Vasen, franzoesischen Filmen und Katie Price in die Irre fuehren lassen. Das letzte Mal, als <em>ich</em> mich wissentlich oben ohne in der Oeffentlichkeit gezeigt habe, war circa 1990. (Das letzte Mal, dass ich mich <em>unwissentlich</em> oben ohne in der Oeffentlichkeit gezeigt habe, war letztes Jahr, aber das zaehlt schliesslich nicht; ich arbeite ausserdem hart daran, das Geschehnis aus meiner Erinnerung zu verbannen.) Ich wuerde sogar behaupten, dass ich ausgesprochen pruede bin: Ich bin einer dieser Menschen, die ihren Bikini schon zu Hause anziehen, weil es im Schwimmbad keine Einzelkabinen gibt, und HASSE es, wenn Muetter/Freunde/Verkaeuferinnen ohne zu fragen den Vorhang der Umkleidekabine im Klamottengeschaeft aufreissen, um mich der ganzen Welt in Unterhose zu praesentieren. NIEMALS wuerde ich am Strand oder auf der Liegewiese meine sekundaeren Geschlechtsmerkmale enthuellen. Lieber wuerde ich mit einem Sack ueber dem Kopf umherflanieren. Und wenn mich meine Erinnerung nicht taeuscht, geht das auch vielen meiner europaeischen Freundinnen so.</p>

<p>Doch dann kam ich ins Gruebeln: Bin ich eine schlechte Europaeerin?! Muesste ich mit gutem Beispiel voran gehen und so tun, als waeren nackige Brueste an neuseelaendischen Straenden das normalste der Welt? Fuer mehr europaeische Verhaeltnisse? Fuer die Befreiung der Kiwi-Ladies? Ich beschloss, es zu wagen. Eines warmen Nachmittags fuhren Jean und ich zum Strand, er zum Tauchen, ich fuer eine bessere Zukunft ohne Hemmungen und Scheu fuer Neuseeland.<br />
<a href="http://www.wdrblog.de/einslivereise/P1080864.JPG"><img alt="Louisa am Strand" src="http://www.wdrblog.de/einslivereise/assets_c/2010/02/P1080864-thumb-400x300-193.jpg" width="400" height="300" align="none"  /></a><br />
Es waren perfekte Bedingungen: warme Temperaten, aber bedeckter Himmel (Hautkrebs ist schliesslich ein Sache, die einem in Neuseeland viel eher droht als im freimuetigen Europa, da will man vorsichtig sein), moderate Bevoelkerung des Strandes, nicht allzu viele trinkende Beach Boys. Obwohl starrende Jungs nicht mal meine groesste Sorge waren. Am meisten Angst hatte ich vor der Massregelung erzuernter Eltern, die mich fuer das Verderben ihres zarten Nachwuchses verantwortlich halten. Wuerden sie mich unter Bewerfung mit Schwimmfluegeln vom Strand jagen? Oder wuerde ich als aufgeschlossene Heldin der Natuerlichkeit gefeiert?</p>

<p>Das galt es herauszufinden. Ich drappierte mein Handtuch, setzte meine Sonnenbrille auf (der letzte Rest Anonymitaet), zog mein Bikini-Oberteil aus und wartete. Niemand kam, um mir ein Flaeschchen ueber den Schaedel zu ziehen oder mir zu meiner europaeischen Offenheit zu gratulieren. Aber gestarrt wurde. Und zwar entweder interessiert und verwundert direkt auf meine Front oder, haeufiger, sehr angestrengt in eine andere Richtung mit einem gelegentlichen Blick aus den Augenwinkeln. Niemand nahm sich an mir ein Beispiel, ebenfalls die Huellen fallen zu lassen. Vielleicht braucht eine Revolution dieser Ausmasse Zeit. Nach 15 Minuten oben ohne beschloss ich, dass meine Mission erfuellt war und ich eine vollwertige Europaeerin, und zog mein Bikini-Top wieder an. Sollen die Kiwis doch allein ihre Hemmungen loswerden.</p>

<p>Wie seht ihr die Sache? Sind wir Europaeer enthemmter als andere? Zeigt ihr euch im Sommer oben ohne an Straenden oder woanders? Ist es okay, wenn andere es tun? Oder wollt ihr mit niemandes Intimzonen behelligt werden?</p>]]>

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<title>Holy straw sack! </title>
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<modified>2010-01-31T07:00:05Z</modified>
<issued>2010-01-31T05:17:33Z</issued>
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<summary type="text/plain">2010 n.Chr. Ganz Deutschland versinkt in Fremdscham ob der mangelnden Englisch-Kenntnisse seines EU-Kommissars. Ganz Deutschland? Nein! Eine kleine Splittergruppe von Emigranten arbeitet ueberall auf der Welt fleissig daran, Menschen in anderen Laendern ein positives Bild von Deutschland zu vermitteln. Ein...</summary>
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<![CDATA[<p>2010 n.Chr. Ganz Deutschland versinkt in Fremdscham ob der <a href="http://www.einslive.de/medien/html/1live/2010/01/27/jan-boehmermann-radioschau-guenther-oettinger-englisch.xml">mangelnden Englisch-Kenntnisse</a> seines EU-Kommissars. Ganz Deutschland? Nein! Eine kleine Splittergruppe von Emigranten arbeitet ueberall auf der Welt fleissig daran, Menschen in anderen Laendern ein positives Bild von Deutschland zu vermitteln. Ein Paradebeispiel sind etwa die mutigen Auswanderer aus <em>Goodbye Deutschland</em>, die ohne Ausnahme das Image des polyglotten (<a href="http://www.einslive.de/comedy/o_ton_charts/">"Sales is not so my fall"</a>), wortgewandten und gut ausgebildeten Deutschen in die Welt tragen. Solche Menschen sind unsere wahren Botschafter: Sie sprechen super andere Sprachen, <a href="http://www.wdrblog.de/einslivereise/archives/2009/10/eine_kurze_meld_1.html">waschen sich regelmaessig</a> und schwaermen bescheiden, aber hartnaeckig von ihrem Heimatland (die Frage, warum zur Hoelle sie dann nicht mehr da leben, parieren sie gekonnt mit einem Hustenanfall oder dem Hinweis auf etwas Interessantes am Himmel).</p>

<p>Ich zum Beispiel. Ich will mich ja nicht selber loben - "Own praise does rarely good" - aber ich muss schon sagen, dass ich den Kiwis ein verdammt gutes Bild von Deutschland liefere (wenn ich sage "gut" meine ich natuerlich nicht "zutreffend", sondern vielmehr "gefaellig"; <a href="http://www.einslive.de/medien/html/1live/2009/06/11/promi-klappse-dieter-bohlen.xml">Dieter Bohlen</a> verschweige ich grosszuegig, mit Heidi Klum und Goethe gebe ich dagegen staendig an). Ich baue subtile Komplimente an Deutschland in Gespraeche ein ("Daheim waere diese Baustelle mit Stacheldrahtzaun und 'Todesgefahr! Betreten verboten!'-Schildern abgesichert. Sind aber auch echt gefaehrlich, diese Schlagloecher"), hebe den einzigartigen deutschen Sinn fuer Mode hervor ("Nein Darling, das ist nicht von Balenciaga, sondern von einem total angesagten Laden in Berlin, 'Altkleidersammlung', kennt man hier nicht") und uebe mich im Namedropping ("Cascada sind uebrigens aus Bonn, da bin ich praktisch aufgewachsen"/"Die Beatles haben ja erst in Hamburg so richtig ihren Stil gefunden"/"Bruce Willis hat seinen Hang zur Action seinen deutschen Genen zu verdanken").<br />
<a href="http://www.wdrblog.de/einslivereise/assets_c/2010/01/P1080841-thumb-250x187-180.jpg"><img alt="Louisa mit Woerterbuch" src="http://www.wdrblog.de/einslivereise/assets_c/2010/01/P1080841-thumb-250x187-180-thumb-400x299-181.jpg" width="400" height="299" align="none"  /></a><br />
Auch was die Sprache angeht, bin ich ein tadelloses Vorbild. Ich spreche zwar mit Dialekt, aber offenbar nicht mit einem deutschen, sondern einem Kuddelmuddel aus englischen Akzenten. Viele Kiwis hoeren mir erst fasziniert zu, wenn ich was sage, und unterbrechen mich dann inmtten meines spannenden Monologs mit der Frage "Aus welchem Teil Irlands kommst du?" oder "Wann bist du aus Kanada weggezogen?" oder "Vermisst du Suedafrika?"  Woraufhin ich meistens resigniert antworte "Killarney" oder "Schon als Baby" oder "Sehr, wenn bloss die Gewalt und AIDS nicht waeren". Fuer eine Neuseelaenderin haelt mich dagegen (noch) niemand, aber eben auch nie fuer deutsch. Und das, obwohl ich staendig deutsche Woerter in meine Saetze einbaue, fuer die mir keine gute Uebersetzung im Englischen einfaellt. "Ach so", "Quatsch", "genau", "eeecht?" - Ausdruecke dieser Art machen den Grossteil meines Wortschatzes aus, sind also schwierig zu ersetzen. Deshalb bringe ich sie mit missionarischem Eifer meinen neuseelaendischen Mitbuergern bei - mit maessigem Erfolg, "Prost" ist bisher das einzige Wort, das bei meinen bierseligen Freunden haengengeblieben ist.</p>

<p>Weil viele Kiwis deutsch fuer eine harsche, garstige Sprache halten, mache ich sie ausserdem gerne darauf aufmerksam, dass deutsch die englische Sprache laengst infiltriert hat, ohne dass es jemand gemerkt hat: "My doppelganger brought his angsty dachshund to kindergarten for a kaffeeklatsch and some foosball" ist ein voellig verstaendlicher englischer Satz, den wahrscheinlich Millionen Leute tagtaeglich genauso sagen.</p>

<p>Und was nun den Oettinger und sein Stammel-Englisch angeht: Can’t we all just get along? Es gibt doch nun wirklich Schlimmeres (<a href="http://www.wdrblog.de/einslivereise/archives/2010/01/gwyneth_und_der.html">Gwyneth Paltrows Lifestyle-Tipps</a> zum Beispiel). Jean-Paul Gaultier hat (falls moeglich) einen noch staerkeren Akzent als der EU-Kommissar, aber weil es bei ihm ein franzoesischer Akzent ist, finden wir es <em>tres charmant</em> und <em>fantastique</em>. Ist doch nicht fair! Das geht mir mit meinem Freund genauso: Wenn Jean anfaengt zu sprechen, und sei es ueber das Versagen der Kiwis beim Rugby (ein heikles Thema), schmelzen die Menschen in einem Umkreis von hundert Metern nur so dahin ("Ooooh, kannst du das nochmal sagen? Franzoesisch ist einfach die schoenste und romantischste Sprache der Welt. Willst du ein Bier? Tausend Dollar? Mich?"). </p>

<p>Wenn ich dagegen in ausgefeiltem Englisch etwas beliebiges sage, etwa "Gott, ich liebe neuseelaendische Eiscreme, sie ist so sahnig und toll", kommt zu 90 Prozent die Antwort: "Yeah... So when are you going back to Ireland?"</p>]]>

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<title>Erika Mustermann oder Jane Doe?</title>
<link rel="alternate" type="text/html" href="http://www.wdrblog.de/einslivereise/archives/2010/01/erika_musterman.html" />
<modified>2010-01-25T14:41:54Z</modified>
<issued>2010-01-25T12:44:46Z</issued>
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<summary type="text/plain">Ich esse jeden Tag Fleisch, fahre gerne und viel in den Urlaub, und dusche mindestens siebenmal die Woche - was mich nicht nur sehr sauber und proteinreich macht, sondern auch zur typisch deutschen Durchschnittsnudel.* Aber: Ich laufe auch drei Kilometer...</summary>
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<email>internet.1live@wdr.de</email>
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<![CDATA[<p>Ich esse jeden Tag Fleisch, fahre gerne und viel in den Urlaub, und dusche mindestens siebenmal die Woche - was mich nicht nur sehr sauber und proteinreich macht, sondern auch zur typisch deutschen Durchschnittsnudel.* Aber: Ich laufe auch drei Kilometer pro Tag (naja, gefuehlt), lese ein Buch pro Monat und lebe in einem 200 Quadratmeter grossen Haus - was amerikanischen Verhaeltnissen entspricht. Ich trinke keinen Kaffee und fahre nur wenig Auto - genau wie die Japaner.** Und: Ich trinke ueberhaupt nicht viel Bier (was daran liegt, dass zwei schon reichen, um mich anzuschaekern) - sehr franzoesisch. Mein Gott, bin ich weltmaennisch und interessant. Und ich hatte schon Angst, der <a href="http://www.einslive.de/magazin/aktionen/2010/dein_leben_lang/game/dein_leben_lang.jsp">1LIVE Dein Leben lang Test</a> wuerde mich als mittelmaessigen Langweiler entlarven - Buecher statt Bier ist schliesslich nicht besonders Rock'n'Roll. Aber dank des Tests kann ich jetzt beeindruckende Dinge sagen wie: "Ich geh ja immer super viel ins Kino - das ist die islaendische Ader in mir."*** Schick!</p>

<p>Eine Frage stellte sich mir aber: Wie wuerden die Neuseelaender in diesem Laendervergleich abschneiden? Und wie sehr wuerde ich mit den neuseelaendischen Durchschnitt uebereinstimmen?  Vielleicht bin ich ja nach fast drei Jahren im Kiwiland schon dermassen assimiliert und integriert, dass ich die perfekte Jane Doe (englisch fuer Erika Mustermann) abgeben wuerde. Immerhin werde ich beim Grillen immer geschickter, schaetze meine Gummistiefel und kann mich des hiesigen Slangs bedienen, eh bro?<br />
<img alt="Louisa mit Kaffee in einem Auto - obwohl sie beides nicht mag" src="http://www.wdrblog.de/einslivereise/assets_c/2010/01/P1060773-thumb-400x300-165.jpg" width="400" height="300" align="none"  /><br />
<strong>Die harten Fakten zuerst: Sex (sorry fuer das lahme Wortspiel)</strong><br />
Die Kiwis haben (<a href="http://www.nzgirl.co.nz/articles/4182">laut Umfrage</a>) ein etwas vielseitigeres Sexleben als wir Deutschen. Wir haben durchschnittlich zweimal pro Woche das Vergnuegen, also 104 mal im Jahr. Neuseelaender duerfen zehnmal mehr ran, was sich aller Wahrscheinlichkeit nach zu gleichen Teilen auf Weihnachtsbetriebsfeiern und Urlaube in Surfers Paradise aufteilen laesst. Ausserdem haben Kiwis durchschnittlich sechs Sexpartner mehr in ihrem Leben (auch hier der Grund: Weihnachtsfeiern und Surfers Paradise). Kleiner Trost: Wir haben die besseren Sexsymbole. Laut einer Umfrage ist der milchgesichtige Rugby-Spieler Daniel Carter der sexieste Neuseelaender; gaaaeeehn. Nicht zu vergleichen mit unseren <a href="http://www.wdrblog.de/einslivereise/archives/2009/12/wer_ist_der_sex.html">Sexiest German Men, Not Alive, Just This Year</a>.</p>

<p><strong>Staustehen</strong><br />
Jedes Jahr stehen alle Deutschen zusammengezaehlt insgesamt ueber eine halbe Millionen Stunden im Stau – fluchend, entnervt, mit voller Blase und leerem Magen. Ich kenne zwar die entsprechende Statistik nicht, aber vorsichtig geschaetzt wuerde ich sagen, der durchschnittliche Stau in Neuseeland ist ungefaehr... nicht vorhanden. Stauaehnliche Verhaeltnisse kommen im ganzen Land ohnehin nur in Auckland vor, weil es nur da sowas wie eine Autobahn gibt. Diese laeppischen Rushhour-Staus bringen die Menschen zwar in Rage und sind einer der Hauptgruende, warum so viele Neuseelaender Auckland nicht ausstehen koennen, sind aber auf globaler Ebene Pipifax. Ein groesseres Problem sind die Landstrassen, die ab und zu zuschneien oder sonstwie gesperrt sind, sodass ganze Regionen bisweilen unerreichbar sind - Kiwis nehmen das gerne zum Anlass, einfach noch zwei Tage laenger bei ihren Verwandten zu bleiben, anstatt alles zu versuchen, um puenktlich zur Arbeit zu kommen. Das liegt sehr auf meiner Linie; Punkt fuer Neuseeland.<br />
<img alt="Bier" src="http://www.wdrblog.de/einslivereise/assets_c/2010/01/P1050315-thumb-400x300-163.jpg" width="400" height="300" align="none"  /><br />
<strong>Bier</strong><br />
<a href="http://en.wikipedia.org/wiki/List_of_countries_by_beer_consumption_per_capita">115,8 Liter</a> Bier trinken die Deutschen im Jahr. Kiwis bringen es nur auf 77 Liter pro Jahr. Das heisst aber nicht, dass sie moderate Trinker sind; es gibt ja noch Wein (von dem Neuseeland jede Menge exzellenten hat); und Spirituosen; und selbstgepantsches Zeug. Stolz sind Kiwis auf ihr Bier trotzem: Fuer Steinlager Pure gibt es einen Werbespot mit Harvey Keitel, in dem er Neuseelands Errungenschaften preist (erstes Stimmrecht fuer Frauen; Blockbuster-Filme; besagtes Bier), und ein Bekannter von mir steht dermassen auf die Marke Tui, dass er sich ihr Logo auf den Arm taetowieren liess. Auch Radler kennen die Kiwis, allerdings heisst das Gebraeu hier meistens <em>Shandy</em>, weil eine Brauerei das Monopol auf das Wort Radler hat. Eine freche Konkurrenzbrauerei wurde vor einiger Zeit abgemahnt, weil sie ihre Bier-und-Limo-Mischung ebenfalls Radler nannte. Notgedrungen wurde sie umbenannt - in <em>Cyclist</em>. Ich selbst bin wie gesagt kein grosser Biertrinker und sympathisiere deshalb wieder mit Neuseeland.</p>

<p><strong>Wohnflaeche</strong><br />
Es ist ja so: In Neuseeland gibt es sehr viel Platz fuer sehr wenige Menschen. Deshalb kann man sich erlauben, grosse Haeuser mit grossen Garagen, grossen Gaerten und grossen Balkonen zu bauen. Wohnungen gibt es, wie alles Boese (siehe Staus), fast nur in Auckland. Der Rest wohnt in alleinstehenden Haeusern mit <a href="http://www.demographia.com/db-hsize.pdf">durchschnittlich 172 qm</a> Wohnflaeche. Da kann man sich ausbreiten, Partys feiern, laute Musik spielen, mit Highheels herumklackern, Trampoline im Garten aufstellen, alles ohne Beschwerden von griessgraemigen Nachbarn. Himmel. In Deutschland dagegen muss man sich auf 43qm zusammenferchen, freitags den Flur wischen und mittwochs die Treppe kehren, seine Nachbarn mit im Hausflur aufgehaengten Zetteln und/oder Einladungen besaenftigen, wenn man seinen Geburtstag feiert. Nicht schoen. Wohnst du noch oder lebst du schon? In Neuseeland eindeutig das Letztere.<br />
<img alt="Kiwihaus" src="http://www.wdrblog.de/einslivereise/assets_c/2010/01/P1070376-thumb-400x300-161.jpg" width="400" height="300" align="none"  /><br />
<strong>Buecher</strong><br />
Wir Deutschen lesen 320 Buecher im Leben. Das ist verhaeltnismaessig wenig. Aber ich spekuliere, dass zumindest die Qualitaet der Buecher um einiges besser ist als in Neuseeland. In den Top Ten der derzeitigen Spiegel-Bestsellerliste befinden sich immerhin eine Literaturnobelpreistraegerin, ein philosophischer Roman ueber Religion und Stieg Larsson. Der ist zwar auch in Neuseeland ganz weit vorne, aber sonst herrschen kitschige Liebesromane, Fantasy und Dan Brown. Die oertliche Bibliothek hat ausser ein paar Selbsthilfebuechern, Biografien und Kriegsschilderungen nicht viel zu bieten in ihren zwoelf mickrigen Regalen. Und als ich einmal <em>Franny And Zooey</em> gesucht habe, wusste die Dame im Buchgeschaeft nicht mal, wie man Salinger buchstabiert. Hier bin ich eindeutig auf deutscher Seite.</p>

<p>Tja - sieht doch gut aus mit dem Integrieren und Assimilieren. Ich bin scheinbar auf dem besten Weg, wie ein Kiwi zu leben. Bloss das viele Duschen, das wird man mir niemals austreiben koennen.</p>

<p>*Wie kann es uebrigens sein, dass wir jeden Tag duschen und deutsche Maenner trotzdem zu den <a href="http://www.wdrblog.de/einslivereise/archives/2009/10/eine_kurze_meld_1.html">unbeliebtesten Liebhabern gewaehlt wurden</a>, weil sie angeblich mangelnde Hygiene praktizieren? Da stimmt doch was nicht.<br />
**Und die Japaner sind doch wohl die wahren schlechten Liebhaber: nur 45 Mal Sex im Jahr, kaum Vorspiel und bloss mickrige drei Stellungen im Repertoire! Pah.<br />
*** Der gemeine Islaender verbringt 438 Abende seines Lebens im Kino. Das habe ich glaube ich schon getoppt. Ich habe halt nicht so viele Hobbies, na und?</p>]]>

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<title>Zeig mir dein Musikvideo und ich sag dir wer du bist</title>
<link rel="alternate" type="text/html" href="http://www.wdrblog.de/einslivereise/archives/2010/01/zeig_mir_dein_m.html" />
<modified>2010-01-18T13:22:16Z</modified>
<issued>2010-01-18T11:28:15Z</issued>
<id>tag:www.wdrblog.de,2010:/einslivereise//24.8305</id>
<created>2010-01-18T11:28:15Z</created>
<summary type="text/plain">Ich weiss ja nicht, was ihr so macht, wenn euch langweilig ist und das Wetter schlecht, aber mich kann man in dieser Situation hauptsaechlich an zwei Orten finden: vor dem Kuehlschrank, wo ich gierig Walnuss-und-Ahornsirup-Eiscreme direkt aus der Packung in...</summary>
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<![CDATA[<p>Ich weiss ja nicht, was ihr so macht, wenn euch langweilig ist und das Wetter schlecht, aber mich kann man in dieser Situation hauptsaechlich an zwei Orten finden: vor dem Kuehlschrank, wo ich gierig Walnuss-und-Ahornsirup-Eiscreme direkt aus der Packung in mich hineinloeffele - oder vor dem Computer, wo ich mich im Schlawi herumflaeze und mir Musikvideos bei Youtube angucke (wahlweise mit Eiscreme-Packung auf dem Schoss). Ich wuerde gerne sagen, ich mache Pilates oder raeume das Haus auf, aber das waere gelogen. <br />
<img alt="ladygaga_ap_pizzello_400.jpg" src="http://www.wdrblog.de/einslivereise/ladygaga_ap_pizzello_400.jpg" width="400" height="500" align="none"  />Gestern sah ich mir zum ersten Mal <a href="http://www.einslive.de/musik/interviews/2009/ladygaga.jsp">Lady Gagas</a> Video zu <em>Bad Romance</em> an, und weil mein Freund ganz geschaeftig mit dem Staubsauger um mich herumwuselte (einer muss halt doch das Haus aufraeumen), konnte ich fuer die gesamten fuenf Minuten, die der Clip dauert, nichts von der Musik hoeren - was wiederum meine gesteigerte Aufmerksamkeit auf den Inhalt des Videos lenkte. Zusammenfassung: Lady Gaga liegt gemuetlich mit ihrem mp3-Player in der Badewanne, als zwei Damen in weiss sie herauszerren, mit ukrainischem Vodka abfuellen und nackig machen. Man zwingt sie zum Tanzen in einem Glitzerfummel und Lampenschirm auf dem Kopf vor ein paar Maennern, die ebenfalls Vodka sueppeln. Lady Gagas Getanze scheint zu gefallen, denn einer der Herren laesst sich ganz nonchalant (Vodkaglas in der Hand) auf einem Bett nieder, vor dem sich Lady Gaga aus ihrem Eisbaeren schaelt - doch bevor sie sich auch der weissen Reizwaesche entledigen kann, laesst sie das Bett in Flammen aufgehen. Spaeter liegt sie rauchend neben dem zum Skelett verkohlten Mann, waehrend ihr BH vor sich hinknistert. Was sagt uns dieses Video? Ist es eine Attacke gegen die Ausbeutung von Frauen? Das absurde Werk des kranken Hirns eines verstoerten Maedchens? Oder bloss Werbung fuer ukrainischen Vodka? </p>

<p>Welche geheimen Botschaften wuerden andere Musikvideos offenbaren, wenn man den Ton abdreht und nur auf den Inhalt des Clips achtet?</p>

<p>Das wollte untersucht werden. Ich mobilisierte meinen inneren Hobby-Psychologen, um die seelischen Abgruende hinter scheinbar oberflaechlichen Pop-Videos zu ergruenden. Hier ein paar interessante Ergebnisse.</p>

<p><strong>Robbie Williams: You Know Me</strong><br />
<strong>Inhalt:</strong> Robbie schlaeft in der Maske ein. Nachdem er wieder zu sich kommt, krabbelt er durch den Spiegel an der Wand in ein fernes Wunderland, in dem er ein Hase ist. Fortan knabbert er Karotten, hoert Salatkoepfen beim Singen zu, riecht an den Rosen und haelt Picknicks auf weichem Waldboden. Eine Postkarte, die ihm jemand aus der wirklichen Welt schickt, beeindruckt ihn nicht. Er ist gluecklich.<br />
<strong>Moegliche Botschaft:</strong> Nun. Ich wuerde mal sagen, da will jemand nicht erwachsen werden. Peter-Pan-Syndrom. Das Wunderland koennte Robbies Sehnsucht nach einer heilen, unkomplizierten Welt ohne Pressetermine, anspruchsvolle Freundinnen und Erfolgsdruck symbolisieren. Hier kann er ganz er selbst sein, sich austollen und in Frieden leben, ohne dass ihn Reporter jagen oder <a href="http://www.einslive.de/musik/extras/2009/09/robbiewilliams.jsp">Ayda</a> mit ihrem Kinderwunsch nervt. Was jetzt der Hase soll, weiss ich allerdings auch nicht.<br />
<img alt="hasselhoff_blog_dpa_woestmann_kiwi.jpg" src="http://www.wdrblog.de/einslivereise/hasselhoff_blog_dpa_woestmann_kiwi.jpg" width="250" height="350" align="left"  /><strong>David Hasselhoff: Hooked On A Feeling</strong><br />
<strong>Inhalt:</strong> David geht auf Weltreise. Dank des technisch brillanten Einsatzes eines Green Screens sehen wir ihn im Safari-Outfit vor der Steppe Afrikas, wo er mit den Wilden tanzt, mit Angelausruestung vor einem Fluss in Kanada, eingemummelt in Felle auf einem Snowboard vor Schneelandschaft oder auch im Anzug vor romantischer Kulisse mit Sonnenuntergang. Zwischendurch spielt David mit zwei kleinen Maedchen in Engelskostuemen vom Kaufhof, die an Faeden ins Bild geflattert kommen, faehrt stehend auf seinem Motorrad durch malerische Landschaften, tanzt froehlich mit einem Fisch im Mund umher oder fliegt auch gerne mal durchs Bild. <br />
<strong>Moegliche Botschaft:</strong> Dieses Ausbund an Schlechtheit kann nur ein Hilferuf an die Plattenfirma gewesen sein. Vermutlich wurde das Budget fuer den Dreh des Videos schon damals von The Hoff, aeh, <em>liquidiert</em>, sodass er vor einer erbaermlichen Leinwand im Studio herumzappeln musste, anstatt wirklich in Afrika und Kanada zu drehen. Im Nachhinein sind alle Zeichen vorhanden: extreme Ueberschwaenglichkeit. Sinnloses Tanzen. Der Fisch im Mund. Ganz klar: Hasselhoff wollte mit subtilen Mitteln auf seine Trinksucht aufmerksam machen. Haette man doch bloss richtig hingesehen.</p>

<p><strong>Britney Spears: Gimme More</strong><br />
<strong>Inhalt:</strong> In einem zwielichtigen Club schaut eine blonde, gepflegte Britney einer dunkelhaarigen Luder-Britney im knappen Leder-Outfit, loechriger Strumpfhose und mit verschmiertem Make-Up beim Poledancing zu. Die blonde Britney ist verunsichert, aber fasziniert von Luder-Brit, die alle Hemmungen verliert und durch ihre lasziven Moves alle Blicke auf sich zieht.<br />
<strong>Moegliche Botschaft:</strong> Die arme Britney! Da der Clip in einer fuer sie eher schwierigen Phase entstanden ist (Exzesse! Rehab! Verlust der Kinder! Scheidung! Hoeschenlose Naechte mit Paris Hilton!), liegt der Schluss nahe, dass Britney mit diesem Clip ihre duale Persoenlichkeit verarbeiten wollte - die blonde Britney ist die respektable Person, die die Oeffentlichkeit sehen will, und Luder-Brit ist ihr dunkler, dreckiger Kern, der ab und zu an die Oberflaeche kommt, zuviel Gin trinkt und sich die Haare abrasiert. Entweder das, oder ein sauschlechter PR-Berater hat nicht aufgepasst.<br />
<img alt="50cent_ap_pizzello_400.jpg" src="http://www.wdrblog.de/einslivereise/50cent_ap_pizzello_400.jpg" width="400" height="300" align="none"  /><br />
<strong>50 Cent: Baby By Me</strong><br />
<strong>Inhalt:</strong> <a href="http://www.einslive.de/musik/platten/0-9/50cent_before_i_self_destruct.jsp">50 Cent</a> sieht Kelly Rowland auf der Strasse, schaekert ein bisschen mit ihr - und ist sofort verliebt. Er stellt sich vor, wie er mit Kelly eine Familie grosszieht, abends auf der Strasse tanzt, im Bett herumturtelt und sie mit teuren Geschenken verzaubert. Leider ist alles nur Einbildung und Kelly schon vergeben. 50 Cent ist traurig.<br />
<strong>Moegliche Botschaft</strong>: "Seht her! Ich bin eigentlich ein ganz grosser Softie. Bitches und Bullets, das war frueher. Jetzt steh ich auf Gefuehle, Treue und Kelly Rowland (vor allem seit ihrer Brustvergroesserung). Das liegt uebrigens kein bisschen daran, dass mein Image als knallharter Gangsta mittlerweile ausgelutschter ist als ein altes Bonbon, nein - ich habe halt bloss meine feminine Seite entdeckt. Vielleicht verkaufe ich bald sogar Klamotten und Parfum. Ach Gottchen, das mach' ich ja schon. Hihi!"</p>

<p><strong>Sir Mix-A-Lot: Baby Got Back</strong><br />
<strong>Inhalt:</strong> Ein Klassiker: Sir Mix-A-Lot steht auf einem gigantischen Plastikhintern, waehrend kleine Mini-Hintern durch die Luft fliegen und Taenzerinnen ihre Hintern schwingen. Ab und zu tauchen Fruechte und Gemuese auf, die die vage Form eines Hinterns haben (Tomaten; Paprikaschoten; Orangen; Zitronen; Birnen).<br />
<strong>Moegliche Botschaft:</strong> Man muss nicht Freud sein, um das zu interpretieren - ich glaube, der Fall ist klar. Um es mit Sir Mix-A-Lots Worten zu sagen: "I like big butts, and I cannot lie!" Das sporadisch erscheinende Gemuese koennte ausserdem nahelegen, dass Sir Mix-A-Lot Vegetarier ist.</p>

<p>Falls irgendjemand die geheime Botschaft hinter Bonnie Tylers Clip zu <em>Total Eclipse Of The Heart</em> versteht: Ich waere sehr interessiert. Schwieriger Fall.</p>]]>

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<title>Das unglaubliche und verrueckte Schicksal des verliebten sexy Rasenmaehermanns</title>
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<modified>2010-01-12T11:15:55Z</modified>
<issued>2010-01-11T04:05:53Z</issued>
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<summary type="text/plain">Neulich Abend in der Videothek: Mir stand der Sinn nach etwas Blutruenstigem, Reisserischem. Der weisse Hai musste her (gerade jetzt, zur Badesaison)! Ich schaute also unter &quot;W&quot; wie White Shark im Action-Regal nach. Nicht da. Ich fragte den Jungen an...</summary>
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<![CDATA[<p>Neulich Abend in der Videothek: Mir stand der Sinn nach etwas Blutruenstigem, Reisserischem. <em>Der weisse Hai</em> musste her (gerade jetzt, zur Badesaison)! Ich schaute also unter "W" wie <em>White Shark</em> im Action-Regal nach. Nicht da. Ich fragte den Jungen an der Kasse, ob der Film verliehen sei. Er: "<em>White Shark?</em> Nie gehoert." Ich: "Doch doch, das ist dieser Film, in dem der weisse Hai alle Leute frisst." Er: "Ach so. Du meinst <em>Jaws</em>." <em>Jaws</em>? Es war mir nie in den Sinn gekommen, dass <em>Der Weisse Hai</em> im Original irgendetwas anderes heissen koennte als <em>The White Shark</em>. Bis mir einfiel, dass die deutschen Filmverleiher ja grundsaetzlich an englischen Filmtiteln rumdoktern, um den Film dem deutschen Publikum "zugaenglicher" zu machen. Es koennte ja sein, dass jemand nicht weiss, dass "Jaws" "Kiefer" heisst oder eine Doku ueber Zahnchirurgie vermutet und deshalb den Film nicht sehen will.<br />
<img alt="jaws_universalpictures_blog_250.jpg" src="http://www.wdrblog.de/einslivereise/jaws_universalpictures_blog_250.jpg" width="250" height="400" align="left"  />Wir alle haben Englisch in der Schule gelernt. Oder beim Gucken englischer DVDs mit Untertiteln. Oder sonstwie. Trotzdem traut man uns nicht zu, englische Filmtitel zu verstehen und interessant genug zu finden, um uns den Film anzusehen. Lieber erfinden einfallslose Leute einfallslose Titel auf deutsch, um uns Filme so richtig schmackhaft zu machen - gewoehnlich mit katastrophal peinlichen Folgen (Kostprobe? Der schwarzen Komoedie <a href="http://www.einslive.de/magazin/kino_dvd/kino_2007/hot_fuzz.jsp">Hot Fuzz</a> wurde der unsagbare Untertitel <em>Zwei abgewichste Profis</em> angehaengt).</p>

<p>Eine originalgetreue Uebersetzung waere scheinbar viel zu langweilig, und weil diese Nullen in Hollywood ganz offensichtlich nichts draufhaben, muessen wir halt die ganze Arbeit machen und schmissige Titel erfinden, die man gerne an der Kinokasse sagt. <em>Revenge of the Pink Panther</em> aus der <em>Inspektor Clouseau</em>-Reihe wurde dementsprechend nicht als <em>Die Rache des Pinken Panthers</em> uebersetzt - nein, das waere ja viel zu einfach! - sondern kam hierzulande als <em>Inspektor Clouseau - Der irre Flic mit dem heissen Blick</em> in die Kinos. Na, ist das nicht fesch?! Zwei Tickets fuer den irren Flic mit dem heissen Blick, bitte, und zweimal Popcorn. Hier wurde offenbar an die gute alte deutsche Dichterskunst angeknuepft, um uns den Film naeherzubringen. Geradezu lyrische Qualitaet hat auch dieser Brocken hier: <a href="http://www.einslive.de/magazin/kino_dvd/kino_2008/06/sex_mit_ex.jsp">Nie wieder Sex mit der Ex</a>, im Original <em>Forgetting Sarah Marshall</em>. Diese Reime - herrlich.</p>

<p><img alt="lieber_verliebt_plakat_blog.jpg" src="http://www.wdrblog.de/einslivereise/lieber_verliebt_plakat_blog.jpg" width="400" height="300" align="none"  />Die romantische Komoedie ist uebrigens ein Genre, das ganz besonders gerne von den Unsinnigen Uebersetzern attackiert wird. Dass saemtliche Chick Flicks ausschliesslich davon handeln, wie Kate Hudson/Jennifer Aniston/Drew Barrymore mit Hugh Grant/Matthew McConaughey/diesem anderen Typ umherturteln, wissen wir alle und stoert uns nicht weiter. Schliesslich gucken wir uns diese Filme nicht wegen der ergreifenden Handlung an, sondern einzig und allein des guten Aussehens der Hauptdarsteller wegen. Aber dass selbst die Titel im Deutschen alle gleich heissen, sorgt fuer gehoerige Verwirrung an der Kinokasse: "Zweimal <a href="http://www.einslive.de/magazin/kino_dvd/kino_2009/12/lieber_verliebt.jsp">Lieber verliebt</a>, bitte. Aeh, ich meine <em>Hauptsache verliebt</em>. Sorry, <em>Schwer verliebt</em>. Nee, <em>Ploetzlich verliebt</em>. <em>Ganz normal verliebt</em>? <em>Verliebt in Sally</em>? <a href="http://www.einslive.de/magazin/kino_dvd/kino_2008/05/verliebt_in_diebraut.jsp">Verliebt in die Braut</a>? <em>Eine Hochzeit zum Verlieben</em>? Himmel, wie heisst dieser Kackfilm denn jetzt?" Im englischen Original war man kreativer, da heissen diese Filme zum Beispiel <em>The Rebound</em>, <em>Shallow Hal</em>, <em>The Other Sister</em> oder <em>Made Of Honour</em>.</p>

<p>Fuer den deutschen Markt wollte man wohl hundertprozentig sicher gehen, dass auch der Letzte kapiert, dass es in diesem Film um LIEBE geht - falls man das Plakat mit dem haendchenhaltenden Paerchen uebersehen hat - und zwar wahlweise "mit Risiko" (<em>Gigli</em>), "auf Umwegen" (<em>Raising Helen</em>) oder "<a href="http://www.einslive.de/magazin/kino_dvd/kino_2009/04/liebe_auf_den_zweiten_blick.jsp">auf den zweiten Blick</a>" (<em>Last Chance Harvey</em>). Als ich kuerzlich nach der Online-Rezension von <em>Did You Hear About The Morgans?</em> suchte, vermutete ich schon das Schlimmste: <em>Liebe im Hinterland</em> etwa, oder <em>Verliebt im Zeugenschutzprogramm</em>. Stattdessen hat man sich diesmal fuer die sperrige Eins-zu-eins-Uebersetzung <a href="http://www.einslive.de/magazin/kino_dvd/kino_2010/01/morgans.jsp">Haben Sie das von den Morgans gehoert?</a> entschieden. Hm. In diesem Fall haette ich <em>Verliebt im Zeugenschutzprogramm</em> vorgezogen.</p>

<p><img alt="weisser_hai_dpa_200_blog.jpg" src="http://www.wdrblog.de/einslivereise/weisser_hai_dpa_200_blog.jpg" width="200" height="400" align="left"  />In den 80ern war eine Zeit lang alles total verrueckt und unglaublich: Kurze, knackige Titel wie <em>Ruthless People</em> und <em>Airplane!</em> wurden ungeniert zu <em>Die unglaubliche Entfuehrung der verrueckten Mrs. Stone</em> und <em>Die unglaubliche Reise in einem verrueckten Flugzeug</em> umgewurschtelt. Dieses Konzept wiederum hat Zukunft, finde ich: <em>Die unglaubliche Welt des verrueckten Avatar</em> zum Beispiel wuerde ich mir sofort angucken.</p>

<p>Noch besser haben es die Franzosen hinbekommen. Da Frankreich bekanntermassen das Land der Leichtigkeit und Luesternheit ist (um saemtliche Stereotypen aus dem Hut zu ziehen), hat man einfach alle Teenager-Filme aus Hollywood mit dem Wort "sexy" gewuerzt, auf dass die bruenstige Bevoelkerung in Scharen in die Kinos renne. Auf dem Spielplan: <em>Sexy Dance</em> (<em>Step Up</em>), <em>Sexy Movie</em> (<em>Date Movie</em>) und <em>Sex Academy</em> (<em>Not Another Teen Movie</em>). Very sexy indeed.</p>

<p>Meine derzeitige liebste Humbug-Uebersetzung betrifft <em>Braindead</em>, einen Splatterfilm aus den fruehen 90ern von Kiwi-Regisseur Peter Jackson, der sich vor Hobbits sehr eingehend mit Zombies und Kunstblut beschaeftigt hat. Der Film ist in Deutschland derzeit auf dem Index wegen zu viel Gewalt, hat aber einen sehr possierlichen Untertitel verpasst bekommen: <em>Braindead - Der Zombie-Rasenmaehermann</em>. Wenn das nicht niedlich ist! Wenn meine Katze nicht Jimmy hiesse, ich wuerde sie sofort Zombie-Rasenmaehermann nennen.</p>

<p>Ich giere nach mehr! Jeden Hinweis auf eine bescheuerte Filmtitel-Uebersetzung nehme ich gerne an!<br />
</p>]]>

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<title>Gwyneth und der Prawncocktail</title>
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<modified>2010-01-11T05:09:32Z</modified>
<issued>2010-01-04T10:41:06Z</issued>
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<summary type="text/plain">Ich bin verstoert. Mein neues Jahr fing so gut an: Silvester mit meinem Freund am Strand mit Feuerwerk und Champagner (war beim Countdown im Angebot); Neujahr Lunch mit Freunden auf einem Weingut unter strahlend blauem Himmel - das Leben, eine...</summary>
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<name>louisa</name>
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<![CDATA[<p>Ich bin verstoert. Mein neues Jahr fing so gut an: Silvester mit meinem Freund am Strand mit Feuerwerk und Champagner (war beim Countdown im Angebot); Neujahr Lunch mit Freunden auf einem Weingut unter strahlend blauem Himmel - das Leben, eine Auster. Ich freute mich schon auf ein Jahr voller Dekadenz, Sonnenschein und Prawncocktails. Bis ich auf mein <a href="http://www.einslive.de/magazin/aktionen/2010/01/jahreshoroskope.jsp">Jahreshoroskop</a> stiess, das alles versaut hat (na toll, Angie!). Statt Saus und Braus wurden mir ein "piesackender Jupitermond" und "permanente Ueberforderung" fuer 2010 prophezeit.<br />
 <img alt="Louisa und Jean am Strand" src="http://www.wdrblog.de/einslivereise/assets_c/2010/01/P1080561-thumb-400x300-90.jpg" width="400" height="300" align="none"  /> <br />
Das konnte ich nicht auf mir sitzenlassen - niemand wuerde sich zwischen mich und meine Prawncocktails stellen, schon gar nicht piesackende Jupitermonde. Ein Mentor musste her. Jemand, der mir den rechten Weg weisen, mit Rat zur Seite stehen und tiefe innere Weisheit in mir pflanzen konnte. Jemand, der vom Leben gelernt hat, mit allen Wassern gewaschen ist und sich auskennt. Meine erste Wahl fiel auf den Dalai Lama. Sehr schwer ranzukommen. Wahrscheinlich auch ein bisschen unpraktisch im Hinblick auf die Prawncocktails. Ich wollte ja nicht gleich die komplette Erleuchtung, sondern bloss ein wenig Orientierungshilfe fuer das Meistern der permanenten Ueberforderung, die mir drohte.</p>

<p><img alt="Paltrow; Rechte: dpa" src="http://www.wdrblog.de/einslivereise/paltrow_dpa_blog.jpg" width="400" height="300" align="center"  /></p>

<p>Hilfe nahte in Form von Gwyneth Paltrow, ihres Zeichens Vorzeigemutter, -moviestar und -makrobiotin. Gwyneth hat es sich zur Aufgabe gemacht, Menschen wie mir - also unreichen, unbekannten, uninspirierten Normalos - zu einem besseren und erfuellteren Leben zu verhelfen. Wie spendabel von ihr! Sie tut das auf ihrer Homepage mit dem seltsamen Namen Goop, was englisch fuer 1. Narr, 2. Schwindel oder 3. Klebezeugs ist. Nachdem ich mich ein bisschen auf <a href="http://goop.com/">Goop.com</a> umgetan hatte, beschlich mich der Verdacht, dass eine Mischung aus 1 und 2 zutrifft. Die Homepage, die in hilfreiche Kategorien wie <em>sein</em>, <em>machen</em> und <em>sehen</em> unterteilt ist, scheint Gwyneths ganz eigenes Jodeldiplom zu sein. Unter dem vielsagenden Motto "Ernaehre den inneren Aspekt" verteilen sie und ihre Freunde Tipps zu allen Lebenslagen: Wo man "total untoxische" selbstgebastelte Puppen fuer nur 69 Dollar kaufen kann, wie man seine Ehe rettet ("Fuelle des anderen Becher, aber trinkt nicht aus demselben Becher") und wo in New York man die besten zuckerfreien, glutenfreien, veganen Muffins bekommt. Um auch nur den kleinsten Nutzen aus Gwyneths Seite zu ziehen, muss man also eine reiche Oeko-Mutti mit Eheproblemen sein, die in New York wohnt - mit anderen Worten: Gwyneth Paltrow.</p>

<p>Gwyneths Versuche, eine von uns zu sein, scheitern klaeglich: Ihre gutgemeinte Sammlung von Partytracks, ausgewaehlt von "ein paar supercoolen Musikexperten", wird dadurch zerstoert, dass sich Frau Paltrow selbst zu diesen dazuzaehlt mit der Begruendung, sie wisse <em>how to get down</em>. Haende hoch, wer sich Gwyneth "Ich stehe jeden Morgen um 4.30 Uhr auf und mache Yoga" Paltrow abzappelnd auf der Tanzflaeche eines Clubs vorstellen kann. Keiner? Dachte ich mir. Auch die von Liqueur, Spirituosen und Sahne nur so ueberlaufenden Cocktail-Rezepte, die Gwyneth zu Silverster empfahl, nehme ich ihr nicht so ganz ab.</p>

<p>Und schliesslich konnte sie mir nicht mal einen guten Shoppingtipp geben. Von Weisheit und geistlicher Fuehrung hatte ich mich sowieso schon verabschiedet, als ich halbwegs hoffnungsvoll Gwyneths Gedanken zum Thema Mode abfragte, aber nicht mal das ging gut: Statt die heissesten Trends aus dem East Village zu verraten, wie das jede halbwegs anstaendige Fashion-Bloggerin tun wuerde, macht uns Frau Paltrow mit etwas bekannt, das sie ihre "Uniform" nennt, und das im Wesentlichen aus Leggings und einem grauen Tanktop besteht. Wahlweise mit Stiefeln oder Trenchcoat drueber. Wow. Laut Gwyneth funktioniert dieses Ensemble vom Backen morgendlicher Pancakes bis hin zur schmucken Dinnerparty. Ich persoenlich denke sofort an verschwitzte Joggingrunden oder Rumgammel-Sonntage zu Hause. Jedenfalls nicht an Prawncocktails.</p>

<p>Tja – und da bin ich nun. Jahreshoroskope und Gwyneth Paltrow haben mich kein bisschen weiser gemacht. Ich glaube, ich versuch’s in Zukunft wieder allein. Frohes Neues!</p>

<p><a href="http://www.wdrblog.de/einslivereise/louisa_reumont_0401_telefon.mp3">Telefongespraech in der Neujahrsnacht</a></p>]]>

</content>
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<title>So wird 2010</title>
<link rel="alternate" type="text/html" href="http://www.wdrblog.de/einslivereise/archives/2009/12/so_wird_2010.html" />
<modified>2009-12-29T16:21:45Z</modified>
<issued>2009-12-28T08:21:59Z</issued>
<id>tag:www.wdrblog.de,2009:/einslivereise//24.8271</id>
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<summary type="text/plain">Jahresrueckblicke sind langweilig. Mit Ausnahme von Koma-Patienten, die nach zwoelfmonatiger Abwesenheit ploetzlich aufgewacht sind und dringend wissen wollen, was sie verpasst haben, braucht sie kein Mensch. Viel mehr Sinn machen Jahresprognosen, vor allem, wenn sie frei erfunden sind (was meistens...</summary>
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<email>internet.1live@wdr.de</email>
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<![CDATA[<p>Jahresrueckblicke sind langweilig. Mit Ausnahme von Koma-Patienten, die nach zwoelfmonatiger Abwesenheit ploetzlich aufgewacht sind und dringend wissen wollen, was sie verpasst haben, braucht sie kein Mensch. Viel mehr Sinn machen Jahresprognosen, vor allem, wenn sie frei erfunden sind (was meistens der Fall ist). Folgende Ereignisse koennten 2010 zu einem ganz besonderen Jahr machen:</p>

<p><img alt="Mailänder Dom; Rechte: dpa" src="http://www.wdrblog.de/einslivereise/mailaender_dom_dpa_blog.jpg" width="400" height="180" align="center"  /></p>

<p>- Die Miniatur-Nachbildung des Mailaender Doms wird mit ueber 800.000 Verkaeufen zum Must-Have-Souvenir des Jahres 2010 gewaehlt. Eine italienische Dotcom-Firma, die sich auf den weltweiten Export des schmucken Geschosses spezialisiert, schafft es auf die Top-Ten-Liste der erfolgreichsten neuen Unternehmen laut <em>Forbes Magazine</em>. Prominente Kaeufer des Mini-Doms sind  Barack Obama, der Papst und Veronica Lario.</p>

<p>- Nachdem <a href="http://www.einslive.de/magazin/kino_dvd/kino_2009/12/wdwkw.jsp">"Wo die wilden Kerle wohnen"</a> 2009 so ein grosser Erfolg war, stuerzt sich Hollywood auf die Ausbeutung anderer Kinderbuch-Klassiker: Highlights des Jahres sind <em>Jim Knopf</em> mit Mos Def als Jim und Michael Douglas als Lukas der Lokomotivfuehrer, <em>Hanni und Nanni in Las Vegas</em> mit den Olsen Twins und Robert Pattinson als <em>Struwwelpeter</em>.</p>

<p>- Ein gewisser Peter H. wird mit seinem Gedichtband <em>"Langweilt mich!"</em> der Ueberraschungshit auf der Frankfurter Buchmesse. Seine messerscharfen Observationen des Alltags aus der Sicht eines Obdachlosen "ueberzeugen, irritieren und regen zum Nachdenken an" (Sueddeutsche Zeitung). Das <a href="http://www.einslive.de/comedy/o_ton_charts/jahres_o_ton_charts/jahres_o_ton_charts_09.jsp">titelgebende Gedicht</a> wird in den Pflichtstoff fuer Deutschlehrer aufgenommen und sorgt fuer ein Revival der deutschen Lyrik:</p>

<p><em>Sie wissen<br />
Dass dies eine Bushaltestelle ist<br />
Sie sagen<br />
Ich soll gehen<br />
Ich sage<br />
Sie gehen<br />
Dann sage ich<br />
Arschloch</p>

<p>Und Sie<br />
Bekommen eine Anzeige<br />
Wegen Beleidigung<br />
Wen interessiert denn das<br />
Mich<br />
Langweilt mich<br />
Langweilt mich<br />
Das langweilt mich<br />
Langweilt mich</em></p>

<p><img alt="Collage: Paris Hilton und Tiger Woods; Rechte: dpa/WDR [Montage/Ehring]" src="http://www.wdrblog.de/einslivereise/hilton_wood_dpa_ehring_blog.jpg" width="400" height="533" align="center"  /></p>

<p>- Ein geschiedener und in den Suff abgerutschter Tiger Woods verspielt in Las Vegas nach und nach sein Vermoegen, bis er Paris Hilton ueber den Weg laeuft und sie eine Woche spaeter, ganz klassisch, in der Little White Chapel ehelicht. Die beiden verstehen sich ueberraschend gut, und auch Tigers Kinder moegen das blonde Maedchen mit dem kleinen Hund. Ein Deal mit MTV wird schnell geschlossen und schon ab Juni koennen wir <em>Newlyweds - Tiger and Paris</em> im Fernsehen verfolgen.</p>

<p>- Knacki Deuser wird, dank des Lobbyismus eines <a href="http://www.wdrblog.de/einslivereise/archives/2009/12/wer_ist_der_sex.html">weitgehend unbekannten Blogs</a>, vom <em>People Magazine</em> zum <em>Sexiest Man Alive</em> gekuehrt. Johnny Depp, der den Titel in 2009 abgeraeumt hat, gratuliert seinem Nachfolger: "Das musste ja irgendwann so kommen. Congrats, Crispy!"</p>

<p><img alt="Angelina Jolie; Rechte: dpa" src="http://www.wdrblog.de/einslivereise/jolie_dpa_blog.jpg" width="200" height="180" align="left"  />- Nachdem ihr Science-Fiction-Film <em>Cyberborg Babe From Outer Space</em> hoellisch floppt, nimmt Angelina Jolie ein Sabbatjahr und pilgert zur spirituellen Erbauung in geflochtenen Sandalen und ohne Make-up den Jakobsweg entlang. Begleitet wird sie von ihren zwei Lieblingsleibwaechtern und fuenf Kamerateams, die das gesammelte Material zu einer Doku-Soap verarbeiten, die nur auf DVD erhaeltlich ist und deren gesamter Erloes an alleinerziehende Muetter in Nicaragua geht. Unterwegs findet Angelina sich selbst, adoptiert zwei weitere Kinder und laesst sich ihre Wanderroute aufs Brustbein taetowieren.</p>

<p>- Erfolgreichstes TV-Formate 2010 ist <em>Deutschland sucht den Vollpfosten</em>, eine Show, in der sich ausschliesslich Menschen mit einem IQ unter 90 bewerben duerfen, um sich vor einer ausgewaehlten Jury aus Soapstars als Hofnarr zu beweisen. Wer in der finalen Pruefung am haeufigsten frontal gegen einen Pfosten rennen kann, ohne (sichtbare) Verletzungen davonzutragen, hat gewonnen und darf eine Woche lang <em>Britt</em> moderieren. </p>

<p>- Nachdem zahlreiche Prominente ihr eigenes Parfum auf den Markt gebracht haben, versucht sich auch Charlotte Roche an der Kunst des Duftmischens. Ihr Parfum kommt kurz vor Weihnachten in einer Spezial-Geschenkebox zusammen mit ihrem Roman <em>Feuchtgebiete</em> heraus und heisst wie das Buch. Die Inhaltsstoffe sind alle zu hundert Prozent organisch und von Charlotte persoenlich nach ihrem Eigenduft komponiert. Das Produkt erweist sich als Ladenhueter.<br />
</p>]]>

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<title>All I Want For Christmas Is... Somewhere Else</title>
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<modified>2009-12-23T04:54:27Z</modified>
<issued>2009-12-21T03:43:46Z</issued>
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<summary type="text/plain">Es gibt Zeiten, da lebe ich sehr ungerne in Neuseeland. Na ja, gut - eigentlich nur jetzt. Ja, ich weiss: Hier ist es jetzt Sommer; und heiss; und ich rieche nach Kokosnusssonnencreme. Das Leben koennte so schoen sein. Aber wir...</summary>
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<![CDATA[<p>Es gibt Zeiten, da lebe ich sehr ungerne in Neuseeland. Na ja, gut - eigentlich nur jetzt. Ja, ich weiss: Hier ist es jetzt Sommer; und heiss; und ich rieche nach Kokosnusssonnencreme. Das Leben koennte so schoen sein. Aber wir brauchen ja immer was zum Meckern, und in meinem Fall ist das die Tatsache, dass es fast <a href="http://www.einslive.de/magazin/specials/2009/12/weihnachten_index.jsp">Weihnachten</a> ist und ich mich nach Kaelte, Schnee, Gluehwein und <em>Drei Nuesse fuer Aschenbroedel</em> verzehre. Scheiss auf 25 Grad im Schatten und Strandspaziergaenge in Flipflops und Shorts! Alles, was ich will ist, mit Muetze und Handschuhen eingemummelt abends auf dem Weihnachtsmarkt zu stehen, Poffertjes zu mampfen und <a href="http://www.einslive.de/musik/extras/2007/11/lastchristmas_hintergrund.jsp">Last Christmas</a> mitzupfeifen, waehrend sich meine Zehen langsam blau faerben. </p>

<p><a href="http://www.wdrblog.de/einslivereise/assets_c/2009/12/P1080475-thumb-300x400-47.jpg"><img alt="Vorschaubild f&uuml;r P1080475.JPG" src="http://www.wdrblog.de/einslivereise/assets_c/2009/12/P1080475-thumb-300x400-47-thumb-300x400-48.jpg" width="300" height="400" align="none"  /></a>Zugegeben, abgenudelte Weihnachtslieder kann ich auch hier haben: Gestern war ich nach einer halben Stunde Geschenkeshoppen dermassen Weihnachtslieder-uebersensibilisiert, dass ich kein Geschaeft mehr betreten konnte, ohne mir die Ohren zuzuhalten. Das haelt man aber nicht lange aus, ohne fuer autistisch gehalten zu werden (Notiz an Gehirn: Naechstes Mal an Ohrenstoepsel denken), und als ich wieder Geraeusche vernahm, droente mir Bing Crosby entegegen, "I'm dreaming of a white Christmas". Ich verliess fluchtartig den Laden, zumal ich mich aus unbekannten Gruenden in einem Fachgeschaeft fuer Modelleisenbahnteilen befand (sowas passiert beim Weihnachtseinkauf: Es ist laut, voll und alles so schoen bunt hier, und ehe man sieht versieht, hat man Teppichreiniger oder zehn Kilo Steak gekauft, obwohl man Parkett hat und Vegetarier ist). Im naechsten Geschaeft plaerrte es "let it snow, let it snow, let it snow" aus den Boxen. Ich schnaufte veraechtlich und trat gegen die wattene Kunstschneedeko, was mir kritische Blicke von der Verkaeuferin bescherte. Nennt mich Grinch, aber das ist doch laecherlich! Hier in Napier schneit es vielleicht alle acht Jahre fuer zehn Sekunden, und zur Weihnachtszeit schonmal gar nicht. </p>

<p>Auch das Suggerieren von froehlicher Stimmung durch virtuelle Stimulation hat nicht geklappt: Mariah Careys Videoclip zu <em>All I Want For Christmas Is You</em> ist normalerweise ein idiotensicheres Mittel, mich in vorweihnachtliche Extase zu versetzten, aber auch beim zehnten Mal Abspielen auf Youtube habe ich nichts gefuehlt ausser dumpfer Leere. Mein Herz: ein Block Eis.</p>

<p><a href="http://www.wdrblog.de/einslivereise/P1080481.JPG"><img alt="P1080481.JPG" src="http://www.wdrblog.de/einslivereise/assets_c/2009/12/P1080481-thumb-400x300-50.jpg" width="400" height="300" align="none"  /></a>Jetzt koennte ich mich vielleicht zusammenreissen und vom traditionellen europaeischen Weihnachten verabschieden und stattdessen einfach das familiaere, sommerliche BBQ geniessen, das die Kiwis Christmas nennen - aber man laesst mich ja nicht! Man muss ja Schneeflocken in die Fensterscheiben kleben! Und Bing Crosby spielen! Und einen sich zu Tode schwitzenden, unterbezahlten Santa im roten Mantel in die Fussgaengerzohne stellen, mit dem sich die Kleinen fotografieren lassen koennen! Wie soll man sich denn da auf die Weihnachtsverdraengung konzentrieren? Ist es nicht hart genug, dass ich nicht mit meiner Familie feiern kann und stattdessen meine Katze beschenken muss? Muss man mich so quaelen?</p>

<p><a href="http://www.einslive.de/magazin/sonntagsdenker/index.jsp">Mike Litt hat schon recht:</a> Daheim im Sektor wuenschen sich alle weisse Weihnacht und sind dann jedesmal enttaeuscht, wenn nix draus wird - aber wenigstens ist es die richtige Jahreszeit! Wenigstens <em>seht</em> ihr die Lichterketten an den Baeumen und muesst nicht erst nach dem Stromkabel am Stamm suchen, um sie zu identifizieren. Wenigstens muesst ihr euch nicht bescheuert vorkommen, wenn ihr Kerzen anzuendet, weil das im strahlenden Sonnenschein irgendwie untergeht. Wenigstens schmelzen euch die Schokonikolaeuse nicht unter der Nase weg.</p>

<p>Also: Wenn ihr an Heilig Abend mit euren Familien vorm Weihnachtsbaum sitzt, froehlich seid und so tut, als faendet ihr die Thermalunterwaesche, die ihr von Oma bekommen habt, total dufte - denkt an mich! Auch Geschenke sind willkommen (meine Adresse hat der WDR). Keine Thermalunterwaesche, bitte.</p>

<p>Frohe Weihnachten an euch alle!!!!<br />
<a href="http://www.wdrblog.de/einslivereise/P1030019.JPG"><img alt="P1030019.JPG" src="http://www.wdrblog.de/einslivereise/assets_c/2009/12/P1030019-thumb-300x359-52.jpg" width="300" height="359" align="none"  /></a></p>]]>

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<title>Wer ist der Sexieste im ganzen Land?</title>
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<modified>2009-12-14T16:00:19Z</modified>
<issued>2009-12-14T07:16:17Z</issued>
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<summary type="text/plain">Vielleicht liegt es am aufkeimenden neuseelaendischen Sommer. An der Hitze, den Fruehlingsgefuehlen, den aufwallenden Hormonen: Irgendwie (Google-Suche) fand ich mich vor kurzem auf der jaehrlichen &quot;Sexiest Man Alive&quot;-Liste des People Magazine wieder und verbrachte ein paar Minuten (Stunden) damit, die...</summary>
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<![CDATA[<p><br />Vielleicht liegt es am aufkeimenden neuseelaendischen Sommer. An der Hitze, den Fruehlingsgefuehlen, den aufwallenden Hormonen: Irgendwie (Google-Suche) fand ich mich vor kurzem auf der jaehrlichen <a href="http://www.people.com/people/package/gallery/0,,20315920_20320457,00.html">"Sexiest Man Alive"-Liste</a> des <em>People Magazine</em> wieder und verbrachte ein paar Minuten (Stunden) damit, die diesjaehrigen Gewinner einer genauen Ueberpruefung zu unterziehen (mich im dargebotenen Testosteron zu suhlen). Das Konzept der Liste finde ich zwar grundsaetzlich fragwuerdig - wie kann jedes Jahr jemand anderes sexiester lebender Mann sein, obwohl der Gewinner vom Vorjahr auch noch lebt? - aber die Cosmo-Leserin in mir war dennoch beglueckt, Johnny Depp auf Platz 1 zu sehen. Die drei <em>most boring men alive</em> Brad Pitt, George Clooney und Matt Damon waren diesmal ueberhaupt nicht vertreten, was mich diebisch gefreut hat - diese Langweiler. <br />
<img alt="Johnny Depp; Rechte: dpa/Shibazaki" src="http://www.wdrblog.de/einslivereise/johnny_depp_dpa_shibazaki_blog.jpg" width="400" height="323" class="mt-image-none" style="" /><br />
Eines hat mich dann aber ziemlich gewundert: Wo sind die ganzen sexy Europaeer und vor allem: Deutschen? Ausser einem sehr, sehr, sehr gutaussehenden Franzosen (Gilles Marini, der Typ, der im <em>Sex And The City</em>-Film nackig zu sehen ist) und zwei blassen Briten (Beckham und, natuerlich, Robert Pattinson) sind die <em>sexiest men alive</em> allesamt Amerikaner. Entweder haben also US-Buerger einfach viel schoenere Gene als alle Anderen, oder das <em>People Magazine</em> will hauptsaechlich Werbung fuer die naechsten Filme und Alben seiner Landsmaenner machen. Schwierige Entscheidung. </p>

<p>Schwamm drueber, dachte ich, das koennen wir auch! Schliesslich gibt es HAUFENweise sexy deutsche Maenner, die man einfach nur mal ins Rampenlicht ruecken muss, der internationale Durchbruch kommt dann schon automatisch. Bitte sehr:</p>

<p>Hiermit praesentiere ich <em>The Sexiest German Men, Not Alive, Just This Year, Or Until We Decide Otherwise, Just Because We Can</em></p>

<p><strong>Matthias Schweighoefer</strong><br />
<img alt="Schweighöfer; Rechte: WDR" src="http://www.wdrblog.de/einslivereise/schweighoefer_wdr_blog.jpg" width="150" height="150" class="mt-image-left" style="float: left; margin: 0 20px 20px 0;" />Liegt auf der Hand. Wie toll ist dieser Junge?! Matthias hat schoene blonde Locken und einen, huh, Spitzenkoerper, den er netterweise oft enthuellt, Sinn fuer Familie, <a href="http://www.einslive.de/medien/html/1live/2009/11/08/zimmer-frei-matthias-schweighoefer-hausmusik.xml">kann Klavier spielen und singen</a>, kennt Rimbaud und ist sich nicht zu fein dafuer, sich fuer eine Rolle mit schlechter Peruecke und runder Brille zu verunstalten (siehe Rainer Langhans in <em>Mein wildes Leben</em>). Seine selbst-designten Hemden sind nicht so mein Fall, aber ein zweites Standbein ist <em>immer</em> sexy.</p>

<p><strong>Jan Boehmermann</strong><br />
<img alt="Jan Böhmermann; Rechte: WDR" src="http://www.wdrblog.de/einslivereise/boehmermann_wdr_blog.jpg" width="150" height="150" class="mt-image-left" style="float: left; margin: 0 20px 20px 0;" />Jawoll! Unser hauseigener Pointenproduzent spielt definitiv mit in der Top-Liga of Sexiness, was mich persoenlich zwar ein bisschen verstoert, weil er meinem kleinen Bruder bizarr aehnlich sieht, aber damit muss ich wohl klarkommen. Jan, falls du dies liest, meine scheuen und doch verfuehrerischen Blicke, die ich dir damals im Freie-Autoren-Raum zuwarf, hast du wahrscheinlich nie bemerkt (ich war die mit dem Pferdepulli an). Aber ich verzeihe dir, weil du so gut in Anzuegen aussiehst und so ein schelmisches Laecheln hast und einen geileren Quiff als Robert Pattinson. Ausserdem <a href="http://www.einslive.de/medien/html/1live/2009/05/08/eine-nacht-in-muenster.xml">tanzt keiner so schoen Roboter</a> wie du. Da kann ich kann dir sogar verzeihen, dass du mitunter <a href="http://www.einslive.de/medien/html/1live/2009/11/25/jan-boehmermann-radioschau-sarah-kuttner.xml">Schweissflecken in der Form von Sarah Kuttner</a> auf dem Ruecken hast.</p>

<p><strong>Andreas Froehlich</strong><br />
<img alt="Andreas Fröhlich; Rechte: dpa/Europa" src="http://www.wdrblog.de/einslivereise/andreas_froehlich_dpa_europa_blog.jpg" width="150" height="150" class="mt-image-left" style="float: left; margin: 0 20px 20px 0;" />Wer?! Tja, das fragt ihr jetzt, aber wer schon mal Bob von den <em>Drei Fragezeichen</em> gehoert oder einen Film mit Edward Norton oder John Cusack gesehen hat, der kennt Andreas: Er ist Synchronsprecher und hat die verdammt sexieste Stimme ueberhaupt. Ich kann das beurteilen, ich habe mich umgehoert. Von allen maennlichen Attributen ist die Stimme naemlich fuer mich eines der wichtigsten (neben Geruch und Zaehnen - ja, Zaehnen). Andreas koennte 200 Kilo wiegen, einen Vollbart und Rueckenbehaarung haben, ich wuerde ihn trotzdem mit ins Bett nehmen, so toll ist seine Stimme. Ich weiss aber zufaellig (Google-Suche), dass er sogar ganz suess aussieht, was ihn natuerlich noch sexier macht. Mein persoenlicher Geheimtipp.</p>

<p><strong>Benno Fuermann</strong><br />
<img alt="Benno Fürmann; Rechte: dpa/Schmitt" src="http://www.wdrblog.de/einslivereise/fuermann_undtschuess_dpa_schmitt_blog.jpg" width="150" height="150" class="mt-image-left" style="float: left; margin: 0 20px 20px 0;" />Tja, muss man zu Benno noch viel sagen? Er sieht fantastisch aus, ist ein toller Schauspieler und sozial noch obendrauf (er setzt sich fuer Amnesty International und die Aids-Hilfe ein). Und dann ist da diese gewisse Derbheit, diese raue Stimme, diese Boxer-Augen, diese breiten Schultern - ich glaube, der Fall ist klar: Benno Fuermann ist einfach natursexy. Das weiss jeder, der ihn in <em>Nackt</em> gesehen hat. Wenn wir nur die dunklen 90er Jahre, speziell <em>Und tschuess!, </em>vergessen koennten...</p>

<p><strong>Knacki Deuser</strong><br />
<img alt="Knacki Deuser; Rechte: dpa" src="http://www.wdrblog.de/einslivereise/knacki_deuser_dpa_blog.jpg" width="150" height="150" class="mt-image-left" style="float: left; margin: 0 20px 20px 0;" />Oh ja! Knacki ist der James Bond der deutschen Unterhaltungsbranche: stets charmant, schoen angezogen und immer bereit, <a href="http://www.einslive.de/medien/html/1live/2009/12/10/nightwash.xml">fragwuerdige Witze</a> zu reissen. Er muss gar nicht aussehen wie ein <em>Hollywood Heartthrob</em>, um sexy zu sein (obwohl er eine gewisse Aehnlichkeit mit Hugh Jackman aufweist, der letztes Jahr die "Sexiest Man Alive"-Liste anfuehrte). Es reicht, dass er die zwei Schluesseleigenschaften fuer den Erfolg bei Frauen besitzt: Humor und Selbstbewusstsein (jetzt wisst ihr’s, Jungs: Vergesst das schicke Auto). Seine sympathische Art, sein nettes Laecheln und sein volles Haar helfen auch. Ein Typ fuer romantische Abende zu zweit, meine Damen.</p>

<p>Bitte schoen, liebe Leser, und natuerlich -innen! Wer gehoert noch auf die Liste? Habe ich jemanden vergessen? Wer ist total fehl am Platz und kein bisschen sexy? Sollte man diese Liste auch fuer Frauen anlegen, im Zuge der Gleichberechtigung quasi? Sagt es mir!</p>]]>

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<title>Reality Bites</title>
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<modified>2009-12-10T19:24:58Z</modified>
<issued>2009-12-08T20:22:08Z</issued>
<id>tag:www.wdrblog.de,2009:/einslivereise//24.8239</id>
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<summary type="text/plain">Der Titel klingt nach einer Figur aus meinen alten Lady-Lockenlicht-Kassetten, aber das Konzept ist spitze: Til Schweigers Film Zweiohrkueken zeigt, was nach dem Happy End passiert. Wenn die Liebenden sich endlich gefunden haben, der Vorhang gefallen ist und die Leute...</summary>
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<name>louisa</name>
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<content type="text/html" mode="escaped" xml:lang="de" xml:base="http://www.wdrblog.de/einslivereise/">
<![CDATA[<p><br />Der Titel klingt nach einer Figur aus meinen alten Lady-Lockenlicht-Kassetten, aber das Konzept ist spitze: Til Schweigers Film <a href="http://www.einslive.de/magazin/kino_dvd/kino_2009/11/zweiohrkueken.jsp">Zweiohrkueken</a> zeigt, was nach dem Happy End passiert. Wenn die Liebenden sich endlich gefunden haben, der Vorhang gefallen ist und die Leute nach Hause gegangen sind. </p>

<p>Eigentlich wissen wir alle, dass es <em>happily ever after</em> gar nicht gibt - bloss bekommen wir staendig so viele Ritte in den Sonnenuntergang vorgesetzt, dass man manchmal ganz vergisst, dass nach dem Sich-Finden die eigentliche Beziehung anfaengt, und damit: Kompromisse. Alltag. Desillusionierung. Schmutzige Socken (bei mir zumindest. Und es sind nicht <em>meine</em> Socken). Diese Post-Happy-End-Phase veranschaulicht also <em>Zweiohrkueken</em> und kriegt deshalb von mir das Praedikat "Paedagogisch Besonders Wertvoll" (unter Vorbehalt, immerhin habe ich den Film noch nicht gesehen, aus logistischen Gruenden). Schliesslich ist ein Realitaetsschock meistens heilsam, und weil es nie genug lehrreiche Filme geben kann und Hollywood eh nichts Neues mehr einfaellt, sollte das Prinzip <em>Zweiohrkueken</em> in Serie gehen: Ich schlage hiermit folgende Fortsetzungen beruehmter Liebesfilme vor - auf dass wir alle fuers Leben lernen und etwas weicher von Wolke Sieben auf den Boden der Realitaet fallen.<br />
<img alt="Szenenbild Pretty Woman, Rechte: dpa" src="http://www.wdrblog.de/einslivereise/reality_prettywoman_dpa_blog.jpg" width="400" height="250" class="mt-image-none" style="" /><br />
<strong>Pretty Woman</strong><br />
<strong>Happy End:</strong> Millionaer Edward holt Prostituierte Vivian von der Strasse, erfuellt all ihre Wuensche (materiell und emotional; aber vor allem materiell) und macht ihre bescheidenen Kindheitsfantasien wahr, indem er mit Limo vorfaehrt und "Prinzessin Vivian" bruellt. Sie ist gluecklich. Er verklaert.<br />
<strong>Und danach? </strong>Nachdem durchgesickert ist, dass der Millionaer ein Ex-Callgirl geehelicht hat, macht in <em>Pretty Woman Gone Ugly</em> die Boulevard-Presse dem Traumpaar die Hoelle heiss. Videos tauchen auf, die Vivian in Aktion mit ehemaligen Kunden zeigen, Kolleginnen preisen in Interviews ihre Gelenkigkeit und ein Zuhaelter fordert eine siebenstellige Summe ein, die Vivian ihm angeblich fuer die Finanzierung ihrer Cracksucht schuldet. Edward verliert zwei seiner Firmen und beschliesst schweren Herzens, zu seiner Exfrau und -hund auf Long Island zurueckzukehren. Vivian geht nach Georgia zurueck und wird Automechanikerin.</p>

<p><strong>Vier Hochzeiten und ein Todesfall</strong><br />
<strong>Happy End: </strong>Der heiratsscheue Charles fasst sich ein Herz und gesteht der anbetungswuerdigen Carrie seine Liebe. Obwohl er deutlich macht, dass er keine Lust auf Ehe hat - niemals - ist sie hin und weg.<br />
<strong>Und danach?</strong> Dass er auch keine Lust auf Kinder hat, hat Charles damals listig verschwiegen, und als sich in <em>Keine Hochzeit, keine Scheidung</em> sechs Monate spaeter der Streifen blau faerbt, weil Carrie die Pille "vergessen" hat, schlaeft er in einer rebellischen Kurzschlussreaktion mit Scarlet, die immer noch eine Wohnung mit ihm teilt. Die erklaert ihm am naechsten Morgen, dass er bindunsphobisch ist und einsam sterben wird, wenn er sich nicht zusammenreisst, mit Carrie zusammenzieht und das Kind grosszieht. Charles hoert auf ihren Rat, fragt sich aber sein Leben lang, ob er mit Duckface nicht doch gluecklicher gewesen waere. Als er 20 Jahre spaeter feststellt, dass sein Sohn seinem kleinen, stummen Bruder wie aus dem Gesicht geschnitten ist, setzt sich Charles ohne Bescheid zu sagen nach Amerika ab, wo er den Rest seines Lebens in einem VW-Bus umherzieht.<br />
<img alt="Szenenbild "Die fabelhafte Welt der Amelie", Rechte: dpa" src="http://www.wdrblog.de/einslivereise/reality_diefabelhafteweltderamelie_dpa_blog.jpg" width="400" height="250" class="mt-image-none" style="" /><br />
<strong>Die fabelhafte Welt der Amelie</strong><br />
<strong>Happy End:</strong> Die vertraeumte Amelie schafft es trotz ihrer Merkwuerdigkeit irgendwie, nach einem Eroberungsfeldzug, den sie selbst staendig boykottiert, ihren Wunschkandidaten in die Arme zu schliessen und mit ihm Vespa zu fahren.<br />
<strong>Und danach?</strong> In <em>Die neuen Leiden der jungen A.</em> befremdet Nino Amelies Angewohnheit, mit leblosen Gegenstaenden zu konversieren und minutenlang ins Leere zu starren. Ihre weltfremde und versponnene Art macht Supermarkteinkaeufe und Sparkontoeinrichtungen zur Tortur. Nino weiss zwar, dass auch er einigermassen seltsam ist, aber nicht soo seltsam. Und wenn er genauer drueber nachdenkt, findet er sogar ihren Haarschnitt bloed. Als er Amelie von seinen Bedenken berichtet und sie unter Traenen schluchzt "Aber meine Nachttischlampe hat gesagt, wir passen super zusammen!", zieht er die Konsequenzen und geht. Er findet eine bessere Gefaehrtin in seiner Kollegin aus dem Sexshop, die wenigstens das Jahr weiss, und was eine Rentenversicherung ist. Amelie ist eine zeitlang sehr traurig, erfindet dann aber kurzerhand einen imaginaeren Freund, der aussieht wie Alain Delon und wunderbar kochen kann. Weil das so gut klappt, erfindet sie auch einen imaginaeren Freund fuer ihre Katze, ihre Nachbarin und Renee Zellweger.<br />
<img alt="Szenenbild "Eiskalte Egel", Rechte: dpa" src="http://www.wdrblog.de/einslivereise/reality_eiskalteengel_dpa_blog.jpg" width="400" height="250" class="mt-image-none" style="" /><br />
<strong>Eiskalte Engel</strong><br />
<strong>Happy End:</strong> Annette verliert zwar ihre erste grosse Liebe Sebastian durch einen Autounfall, aber da sie noch jung ist, wird sie darueber hinwegkommen. Wenigstens hatte sie ihr erstes Mal mit jemand Gutaussehendem und erbt Sebastians schickes Auto. Die boese Kathryn wird ins soziale Abseits verstossen.<br />
<strong>Und danach?</strong> In <em>Noch gefaehrlichere Liebschaften</em> uebernimmt Annette Kathryns Rolle als Schuelersprecherin, was sie in Kontakt mit der High Society der Schule bringt. In ihrer gutherzigen Naivitaet merkt sie nicht, dass sie mehr und mehr korrumpiert wird, bis sie eines Tages wegen einer Romanze mit ihrem Ethiklehrer von der Schule fliegt. Alle Versuche, eine Autobiografie mit dem Titel <em>Gefallener Engel – Die Annette Hargrove Story</em> zu veroeffentlichen, scheitern aus diversen Gruenden, von denen miserabler Schreibstil der praegnanteste ist. Als Annette nach einem Fall durch alle sozialen Schichten allein und verstossen von allen in einem Vorort in New Jersey lebt, klingelt es an ihrer Tuer. Vor ihr stehen Kathryn und Sebastian, dessen Tod nur vorgetaeuscht war, um aus Spass und Langeweile Annettes Leben zu versauen. Voellig geschockt greift Annette zum Messer und bringt beide um. Die darauf folgende Autobiografie verkauft sich hervorragend.<br />
<img alt="Szenenbild "Slumdog Millionär", Rechte: dpa" src="http://www.wdrblog.de/einslivereise/reality_slumdogmillionaer_dpa_blog.jpg" width="400" height="250" class="mt-image-none" style="" /><br />
<strong>Slumdog Millionaire</strong><br />
<strong>Happy End:</strong> Unterschichten-Kind Jamal gewinnt nicht nur den Jackpot bei <em>Wer wird Millionaer</em>, sondern auch das Herz seiner Angebetenen, obwohl sie fabelhaft schoen ist und er nur so na ja aussieht, und nicht mal wegen der Kohle, sondern weil sie ihn wirklich liebt.<br />
<strong>Und danach?</strong>  In <em>The Beauty And The Millionaire</em> verloben sich die beiden und reisen um die Welt. Sie bekommt einen Werbevertrag mit L’Oreal, er internationale Anerkennung als Schauspieler. Und das ist die reine Wahrheit.</p>

<p> Es gibt halt doch noch echte Happy Ends.<br />
</p>]]>

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<title>Waerter Herr!</title>
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<modified>2009-11-30T12:07:26Z</modified>
<issued>2009-11-30T12:00:01Z</issued>
<id>tag:www.wdrblog.de,2009:/einslivereise//24.8178</id>
<created>2009-11-30T12:00:01Z</created>
<summary type="text/plain">Du meine Guete! Was ist denn da los im Sektor? Das ist ja spannender als Tatort Muenster (ach, wie ich Professor Boerne vermisse)! Hochsicherheitsgefaengnis, Ausbrecher, Geiselnahmen, Grossfahndung, Verfolgungsjagd, Festnahme, JVAs, BMWs, SEKs - und korrupte Beamte noch obendrauf. Verstoerend! Und...</summary>
<author>
<name>louisa</name>
<url>http://www.wdrblog.de/einslivereise/archives/2007/03/louisa.html</url>
<email>internet.1live@wdr.de</email>
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<content type="text/html" mode="escaped" xml:lang="de" xml:base="http://www.wdrblog.de/einslivereise/">
<![CDATA[<p>Du meine Guete! Was ist denn da los im Sektor? Das ist ja spannender als Tatort Muenster (ach, wie ich Professor Boerne vermisse)! Hochsicherheitsgefaengnis, Ausbrecher, Geiselnahmen, Grossfahndung, Verfolgungsjagd, Festnahme, JVAs, BMWs, SEKs - und korrupte Beamte noch obendrauf. Verstoerend! Und ich dachte, <em>ich</em> lebe in einer gefaehrlichen Stadt, seit ein <a href="http://www.wdrblog.de/einslivereise/archives/2009/05/der_fall_bluffh.html">meschugge gewordener Anwohner mit Waffenarsenal</a> die Polizei drei Tage lang in Atem hielt.</p>

<p>Die Internet-Foren zum Thema <a href="http://www.wdr.de/themen/panorama/kriminalitaet11/aachen_haeftlinge/091129.jhtml?showAllComments=1">"Ausbrecher auf der Flucht"</a> laufen heiss, die Empoerung ist gross. Ein klitzekleines Wort sorgt dabei besonders fuer Aufruhr: "Waerter". Wie in: Gefaengniswaerter. Offenbar ist das Zoo-Jargon und politisch unkorrekt. Richtig waere "Justizvollzugsbeamter" (was ja auch viel schoener klingt). Ist das nicht prima, wenn sich schon in Foren, in denen es um gefaehrliche Ausbrecher (sorry: Entweicher?) geht, engagierte Buerger gegenseitig Deutsch beibringen?<br />
<img alt="waerter_dpa_kneffel_400.jpg" src="http://www.wdrblog.de/einslivereise/waerter_dpa_kneffel_400.jpg" width="400" height="250" />Dabei ist doch voellig klar, warum wir viel lieber "Waerter" sagen: Wir haben alle zuviele Gefaengnisfilme gesehen. Bei <em>Die Flucht von Alcatraz</em> waren es Waerter, bei <em>Prison Break</em> waren es Waerter, beim <em>Frauenknast</em> waren es Waerter. Und warum sollten wir es nicht auch sagen? Ein bisschen rauhe Romantik und Abenteuer in unserem Sprachschatz kann doch nicht schaden. Was waeren wir denn ohne Knast-Slang?  Niemand wuerde sich mehr den Klassiker  <em>Papillon</em> angucken, wenn Steve McQueen anstatt "Die Waerter kassieren den Kies" "Die Justizvollzugsbeamten nehmen die Aktiva entgegen" schnarren wuerde. Kein Schwein wuerde <em>Die Leiden des jungen Justizvollzugsbeamten</em> lesen.</p>

<p>Ist ja auch kein Wunder, dass uns "Justizvollzugsbeamter" nur schwer ueber die Lippen geht. Was ist denn das auch schon wieder fuer ein Wort?! Das gehoert gleich in einer Reihe mit "Personenvereinzelungsanlage", "Oeffentlicher Personennahverkehr" und "Rauhfutterverzehrende Grossvieheinheit". Beamten gibt es vielleicht einen Kick, mit diesen Worten um sich zu schmeissen, aber ich sage weiterhin "Drehkreuz", "Bus", "Kuh" - und "Waerter", jawoll! </p>

<p>Im Englischen ist es einfacher, da heisst der Justizvollzugsbeamte schlicht <em>guard</em>. Als kleines Experiment habe ich Jean gefragt, wie er <em>prison guard</em> ins Deutsche uebersetzen wuerde - er kennt zwar nur ein paar Ausdruecke auf deutsch, ist aber sehr gut im "intuitiven Uebersetzen" - also raten. Er bedient sich dabei seines internationalen Sprachschatzes sowie verblasster Erinnerungen an Filme, die im zweiten Weltkrieg spielen. </p>

<p>Jeans spontaner Vorschlag fuer die Uebersetzung war "Stalag-Garde" (ich erwaehnte ja die Zweiter-Weltkrieg-Filme). Au weia - dann vielleicht doch lieber Justizvollzugsbeamter...<br />
</p>]]>

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<title>Moko, der kleine Delfin-Hooligan</title>
<link rel="alternate" type="text/html" href="http://www.wdrblog.de/einslivereise/archives/2009/11/moko_der_kleine.html" />
<modified>2009-11-30T12:00:03Z</modified>
<issued>2009-11-30T08:41:47Z</issued>
<id>tag:www.wdrblog.de,2009:/einslivereise//24.8179</id>
<created>2009-11-30T08:41:47Z</created>
<summary type="text/plain">Es war einmal ein suesser, kleiner Delfin, der keine Eltern mehr hatte. Er schwamm ziellos im Ozean vor Neuseeland umher, bis er irgendwann an eine Kueste namens Hawkes Bay gelangte, an der ein paar Menschenkinder im flachen Wasser spielten. &quot;Hier...</summary>
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<content type="text/html" mode="escaped" xml:lang="de" xml:base="http://www.wdrblog.de/einslivereise/">
<![CDATA[<p>Es war einmal ein suesser, kleiner Delfin, der keine Eltern mehr hatte. Er schwamm ziellos im Ozean vor Neuseeland umher, bis er irgendwann an eine Kueste namens Hawkes Bay gelangte, an der ein paar Menschenkinder im flachen Wasser spielten. "Hier gefaellt es mir", dachte der kleine suesse Delfin, "hier bleibe ich". Fortan schwamm er die Kueste hinauf und hinab, freundete sich mit den Menschen an und spielte mit ihnen, wann immer sie im Wasser planschten. Nach und nach kamen immer mehr Menschen angereist, die von dem freundlichen Delfin gehoert hatten, und waren entzueckt, wenn Moko, wie sie ihn nannten, ihnen Fische zum Geschenk machte, sie spielerisch anstupste und sich von den Kindern streicheln liess. Moko war der Darling von Hawkes Bay.<br />
<img alt="louisa_und_moko_400.jpg" src="http://www.wdrblog.de/einslivereise/louisa_und_moko_400.jpg" width="400" height="250" />Dann kam Moko in die Pubertaet, was die Sache schwierig machte. Wie alle Heranwachsenden mit Identitaetsproblemen wurde Moko launisch und unberechenbar und begann immer mehr, seine Grenzen auszutesten. In Mahia hielt er arglose Paddler davon ab, zurueck zur Kueste zu gelangen, in Wainui klaute er zahlreichen Surfern ihre Bretter unterm Hintern weg, in Gisborne schubste er zwei Maedchen von ihren Paddelbrettern, die sich dabei verletzten. Boeser Moko!</p>

<p>Sogar bis auf <a href="http://www.tagesschau.de/schlusslicht/delfinmoko100.html">Tagesschau.de</a> haben es die Eskapaden des aufruehrerischen Meeressaeugers geschafft. Hier kann man ihn, ganz á la Polizeifoto, von drei Seiten aus betrachten. So schoene Bilder habe ich leider nicht, dafuer aber ein Foto von mir mit bescheuertem Hut auf und Mokos <em>hood</em> im Hintergrund. Ich habe naemlich letztes Jahr das Vergnuegen gehabt, den kleinen Stoerenfried persoenlich kennenzulernen. Na ja, es war eine kurze Begegnung, genau gesagt hat mich Moko einmal kurz angerempelt und ist dann zu einer Gruppe spielender Maedchen in Bikinis weitergeeilt, um sie zu bespassen (der feine Herr!). Ich kannte dieses Verhalten noch aus der Mittelstufe, machte mir also nicht viel daraus. Aber ein kleiner Rest Beleidigung blieb doch zurueck, weshalb es mich jetzt gar nicht wundert, dass Moko zu einem Ruepel heranwaechst, der andere vom Surfbrett schubst. Das haette ich euch gleich sagen koennen. So ein Verhalten hoert erst wieder nach der Pubertaet auf, also bei Jungs so mit 25. Was das in Delfinjahren ist, weiss ich nicht, aber ich persoenlich werde Moko jetzt erstmal aus dem Weg gehen. Und meine Telefonnummer will ich auch wiederhaben. Strafe muss sein.</p>

<p>Uebrigens hat es mich doch ein klein wenig gewundert, dass die Tagesschau ueber Moko den unhoeflichen Pubertaetsdelfin berichtet, waehrend sich doch gleichzeitig ein viel spektakulaereres, ja geradezu weltveraenderndes Ereignis an der Kueste Neuseelands abspielt: Das Land der langen weissen Wolke feuerte soeben seine <a href="http://www.stuff.co.nz/national/3108525/NZ-enters-space-race">erste Weltraumrakete</a> ab! Nur 66 Jahre, nachdem das zum allerersten Mal passiert ist (damals uebrigens in Deutschland)! Wenn das kein Fortschritt ist, Ladies und Gentlemen. Das Ganze wurde von einem privaten Unternehmen von Space-Geeks finanizert (der Direktor der Firma heisst Mark Rocket - kein Scheiss). Zwischen 100 und 150 Kilometer hoch ist die Rakete geflogen, dann sauste sie wieder runter und schwimmt jetzt irgendwo im Meer herum, bis sie wieder aufgesammelt wird.</p>

<p>Falls Moko sie nicht zuerst sieht, natuerlich.</p>]]>

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<title>Ab auf die Couch!</title>
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<modified>2009-11-23T12:04:14Z</modified>
<issued>2009-11-22T04:07:34Z</issued>
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<summary type="text/plain">Oh, Winter. Zeit der Dunkelheit, Zeit der Kaelte, Zeit der hohen Stromrechnung - Zeit fuer Depressionen. Bis 2020 wird Depression laut WHO-Untersuchungen eine der Hauptursachen fuer Krankheiten sein, und ich wuerde mich nicht wundern, wenn die meisten davon im Winter...</summary>
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<![CDATA[<p>Oh, Winter. Zeit der Dunkelheit, Zeit der Kaelte, Zeit der hohen Stromrechnung - Zeit fuer Depressionen. Bis 2020 wird Depression laut WHO-Untersuchungen eine der Hauptursachen fuer Krankheiten sein, und ich wuerde mich nicht wundern, wenn die meisten davon im Winter begaennen. Und auch eine Gruppe von Individuen ist gefaehrdet, die wir bisher gar nicht als potentielle Opfer von Depression auf dem Schirm hatten: unsere Haustiere. Offenbar sind die Kleinen viel feinfuehliger als wir bisher angenommen hatten und koennen ebenfalls an Depression, Todesaengsten und anderen Verhaltensstoerungen leiden, wie ein <a href="http://www.einslive.de/medien/html/1live/2008/05/13/quarks_01.xml">Beitrag aus Quarks & Co.</a> erklaert. </p>

<p>Schuld an den seelischen Problemen unserer Lieblinge sind meistens wir, weil wir sie falsch erziehen und nicht artgerecht halten. Ein bisschen wie bei Eltern: Entweder man liebt den Sproessling zu viel oder nicht genug. Das koennen wir aber jetzt wieder gut machen, indem wir unsere Haustiere auf die Couch schicken, wo geschulte Verhaltenstherapeuten ihnen auf den seelischen Zahn fuehlen. Und wer nicht an Psychotherapie glaubt, kann es sogar mit alternativen Behandlungen versuchen: Zahlreiche Therapeuten im Sektor bieten ganzheitliche Therapien fuer Haustiere mit mentalen Krankheiten an. Die Bachbluetentherapie zum Beispiel soll super fuer ueberaengstliche, auto-aggressive oder antriebslose Tiere sein; Reiki hilft ihnen angeblich, Harmonie, Wohlbefinden und innere Gelassenheit wiederherzustellen, und bei der Tellington-Methode geht es darum, durch "qualitaetsvolle Beruehrungen" das allgemeine Wohlbefinden des Tieres und die Beziehung zu seinem Besitzer zu verbessern. Das sollte man mal dem Stand-Up-Comedian Dave Davis mitteilen, der hat <a href="http://www.einslive.de/medien/html/1live/2009/11/19/nightwash.xml">neulich bei NightWash</a> ueber den Dackel seines Bekannten gelaestert, der an ADS leidet (und dabei hatte der arme Klaeffer doch schon genug mit seiner Laktoseintoleranz zu kaempfen) - <em>Der Hundefluesterer</em> hat’s rausgefunden.</p>

<p>Na spitze. Jetzt koennen wir also ausser zur Pedikuere, zum Friseur und zur Farbberatung auch noch mit unseren Lieblingen zur Therapie gehen. Am besten schaffen wir auch gleich einen Blackberry fuer sie an, sonst ist die tierische Terminflut gar nicht mehr zu bewaeltigen. Dave Davis hat schon Recht, wenn er sagt, dass wir "ein komisches Voelkchen" sind.</p>

<p>Obwohl ich depressive Haustiere keineswegs ausschliessen will. Ich bin mir sogar ziemlich sicher, dass mindestens die Haelfte der Viecher, die meine Familie im Laufe der Jahre beherbergte, genau daran zugrunde gegangen sind. Die suessen Haeschen, die wir frueher hatten, sind beispielweise mitnichten "weggelaufen", wie man mir jahrelang weissgemacht hat, sondern sind an einer "mysterioesen Krankheit" eingegangen. Heute ist mir klar: Sie waren depressiv. Auch der bisher unaufgeklaerte irrationale Mord des Meerschweins Bounty an seinen Babys wirft jetzt die Frage auf: War Bounty manisch-depressiv? Oder vielleicht psychopathisch veranlangt? Medea-Syndrom? Und dass mit der Katze meiner Mama was nicht stimmt, war schon immer klar: Chè pinkelt seit jeher auf alles, was uns Menschen lieb und teuer ist - zuletzt in meinen mit - schoenen! - Klamotten gefuellten Koffer beim letzten Heimaturlaub. <br />
<img alt="Zelda auf Balkon, Rechte:WDR/von Reumont" src="http://www.wdrblog.de/einslivereise/zelda2_blog.jpg" width="300" height="388" /><br />
Bei derart vielen neurotischen Nervenbuendeln in meiner Haustier-Vergangenheit bin ich jetzt sehr froh, mit einem geistig gesunden, no-nonsense Kiwi-Hund zusammenzuwohnen. Zelda ist eine Huntaway-Cross-Huendin, also das Produkt einer Liebschaft zwischen einem neuseelaendischen Schafshund mit einem schoenen Unbekannten, und der Darling der Nachbarschaft. Ich glaube, der Schwede von nebenan wartet nur auf eine Gelegenheit, sie zu kidnappen, und Spaziergaenger jeden Alters schmelzen nur so dahin, wenn sie Zelda am Strand mit ihrem Stoeckchen auf und ab traben sehen. Obwohl sie Angst vor Feuerwerken, Katzen und manchmal ihrem Schwanz hat, glaubt Zelda, der Boss des Haushalts zu sein: Ab und zu sehe ich sie nachts auf dem Weg zum Klo, wie sie durchs Haus wandert und jedes Zimmer patrouilliert; Privatsphaere ist fuer sie ein Fremdwort, und weil sie angelehnte Tueren verabscheut, stupst sie sie mit ihrer Schnauze wieder auf - wenn es sein muss, 20 Mal hintereinander, da ist sie strikt. Einer muss ja wissen, was so vor sich geht, weshalb sie nicht wenig Zeit damit verbringt, am Balkongelaender zu stehen und die Nachbarn zu bespitzeln.<br />
<img alt="Zeitungsartikel mit Hundebild, Rechte: WDR/von Reumont" src="http://www.wdrblog.de/einslivereise/zelda_zeitung_blog.jpg" width="300" height="216" /><br />
Selbst Geld machen konnten wir mit Zelda schon: Dieses hochgradig inszenierte Foto erschien in der <em>Pet Parade</em> der <em>Napier Mail</em> und bescherte mir und Jean einen 50-Dollar-Gutschein fuer den Supermarkt, den wir in Sekt umwandelten, um auf Zeldas neuen Celebrity-Status anzustossen. Naechster Halt: Hollywood!</p>]]>

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<title>Gossip Girl</title>
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<modified>2009-11-16T13:11:52Z</modified>
<issued>2009-11-16T13:05:54Z</issued>
<id>tag:www.wdrblog.de,2009:/einslivereise//24.8146</id>
<created>2009-11-16T13:05:54Z</created>
<summary type="text/plain">Wir alle tun es, die meisten regelmaessig, aber keiner gibt es gerne zu: Ich mache meistens zu Hause vorm Computer, viele in der Mittagspause oder einfach zwischendurch, mein Freund ausschliesslich auf dem Klo seines Arbeitsplatzes. Was? Wir lesen Gossip. Promi-News,...</summary>
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<email>internet.1live@wdr.de</email>
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<![CDATA[<p>Wir alle tun es, die meisten regelmaessig, aber keiner gibt es gerne zu: Ich mache meistens zu Hause vorm Computer, viele in der Mittagspause oder einfach zwischendurch, mein Freund ausschliesslich auf dem Klo seines Arbeitsplatzes. Was? Wir lesen Gossip. Promi-News, Klatsch und Tratsch, heisse Geruechte - wir koennen unsere Finger nicht davon lassen. Und natuerlich interessiert uns das alles eigentlich ueberhaupt nicht, wir haben schliesslich unsere eigenen Probleme, ausserdem tun uns die armen Stars auch leid, so ganz ohne Privatsphaere, ekelhaft, und glauben kann man heute eh nichts mehr, ist doch alles erfunden - sagen wir.</p>

<p><img alt="Louisa liest Klatsch und Tratsch; Rechte: WDR/Reumont" src="http://www.wdrblog.de/einslivereise/louisa_gossip.jpg" width="400" height="228" /></p>

<p>Aber dann gucken wir uns die Dellen in Jessica Simpsons Oberschenkeln, die boesen Blicke zwischen Tom und Katie und das verliebte Turteln von Harry und Chelsy halt doch an. Und sagt nicht, es stimmt nicht! Eine Unmenge an woechentlich verkauften Klatschmagazinen und geschaetzte sechs Millionen Celebrity-Blogs sprechen eine klare Sprache.</p>

<p>Das nur zu meiner Verteidigung. Ich moechte ungern die einzige Verrueckte sein, die saemtliche Boyfriends von Paris Hilton der letzten vier Jahre mit Berufsstand (falls vorhanden) aufzaehlen kann. Auch mit der neuseelaendischen Promi-Posse bin ich mittlerweile quasi auf du und du - von ferne, versteht sich, gefiltert durch verlaessliche Informationsquellen wie Women’s Weekly und Spy. So weiss ich beispielsweise, das Xena die Kriegerprinzessin heute blond ist und sich in einem Musical namens <em>Pleasuredome</em> bekleidet mit einer sexy Schuluniform an anderen Frauen reibt. (Nicht, dass ich fur diese Info bezahlt haette; als Jean ungeduldig von der Supermarktkasse herueber rief "Warum nimmst du die Zeitschrift nicht einfach mit nach Hause?", protestierte ich empoert "Niemals! Ich lese doch so einen Scheiss nicht!")</p>

<p>Neulich kanalisierte ich mal wieder mein inneres Gossip Girl und schaute online nach, was die Prominenten in der Heimat so trieben. Man will ja auf dem neuesten Stand bleiben. Ich war frappiert - ich kannte keine Sau! Die Welt der deutschen Promi-Szene hat sich ohne mich weitergedreht und mich zurueckgelassen wie ein ungewolltes Haustier. "Simone Thomalla zeigt ihr junges Glueck" mit einem Handballer auf bild.de (zugegeben nicht die serioesteste Quelle, aber darum geht es bei Gossip ja auch nicht). Wer sind die beiden? Nie gehoert. Claudelle Deckert und  Linda Teodosiu haben Spass bei der Unesco-Gala. Hm? Kenne ich nicht. Gina Lisa sagt mir auch nichts, obwohl die ein eigenes Nintendo-Spiel hat, bei dem es um Einkaufen geht. Sehr raetselhaft.</p>

<p><img alt="Louisa vor dem Rechner; Rechte: WDR/Reumont" src="http://www.wdrblog.de/einslivereise/louisa_laptop.jpg" width="400" height="227" /></p>

<p>Mich beschlich der Verdacht, dass ich womoeglich auch vom Rest der Unterhaltungsbranche in Deutschland keine Ahnung haben wuerde - und bingo: Seit meinem Exodus in 2007 hat sich einiges getan, von dem ich nicht die Bohne mitbekommen habe. Die <a href="http://www.einslivekrone.de/2009/die_nominierten.jsp">Nominierten-Liste</a> fuer die 1LIVE Krone zum Beispiel las sich fuer mich auf den ersten Blick wie das Menu beim Chinesen. Cascada kannte ich noch, weil "Evacuate the Dancefloor" auch in Neuseeland rauf und runter gespielt wird (obwohl sie hier meistens fuer Amerikaner gehalten werden). Aber sonst musste ich raten. Dellé ist doch dieser Fussballer, Luxuslaerm klingt nach einem Gemaelde von Neo Rauch und Jennifer Rostock nach Kleinanzeigen ("Neue Dame im Club!"). Stimmt so ungefaehr?</p>

<p>Auch die neue Generation von Comedians ist mir voellig fremd. Offenbar gibt es ein neues Konzept von Humor, das man nur verstehen kann, wenn man sich im selben sozialen Umfeld wie der Komiker befindet. Wie sonst soll ich mir <a href="http://www.einslive.de/medien/html/1live/2009/10/28/jan-boehmermann-radioschau-jimmy-breuer.xml">Jimmy Breuer</a> erklaeren ("Es gibt nochwas, was ich und das E-Werk gemeinsam haben: Heute Abend sind wir beide voll!")? Verstehe ich nicht. Habe ich den deutschen Humor verlernt? Zu viel mit Kiwis abgehangen?  Zu viele Witze ueber Sheepshagger gehoert? Da ist eine Universitaetsstudie faellig, scheint mir: "Die Untersuchung von raeumlich bedingter Entfremdung von der eigenen Kultur anhand von Jimmy Breuer".</p>

<p>Ich fuehle mich ploetzlich sehr alt. So muss es meiner Oma gegangen sein, als ich ihr vor etwa zehn Jahren erklaeren musste, wer oder was diese Speiss Goerls sind. Ich hinke hinterher. Bald schon werde ich keinen einzigen <em>GZSZ</em>-Darsteller mehr kennen. Na ja - das ist immerhin ein Trost.</p>]]>

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<title>Die Mauer und Paris Hilton</title>
<link rel="alternate" type="text/html" href="http://www.wdrblog.de/einslivereise/archives/2009/11/liebe_genossen.html" />
<modified>2009-11-09T20:27:00Z</modified>
<issued>2009-11-09T08:33:15Z</issued>
<id>tag:www.wdrblog.de,2009:/einslivereise//24.8137</id>
<created>2009-11-09T08:33:15Z</created>
<summary type="text/plain">Liebe Genossen, das heutige Zitat des Tages stammt vom Folk-Barden H. Schneider und ist extra auf dieses denkwuerdige Datum zugeschnitten (vorzulesen in einem saeuselnden Singsang): &quot;Mauern zerstoeren Wo sie nicht hingehoeren Tragt sie ab Stein fuer Stein. Denn du bist...</summary>
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<name>louisa</name>
<url>http://www.wdrblog.de/einslivereise/archives/2007/03/louisa.html</url>
<email>internet.1live@wdr.de</email>
</author>

<content type="text/html" mode="escaped" xml:lang="de" xml:base="http://www.wdrblog.de/einslivereise/">
<![CDATA[<p>Liebe Genossen,</p>

<p>das heutige Zitat des Tages stammt vom Folk-Barden H. Schneider und ist extra auf dieses denkwuerdige Datum zugeschnitten (vorzulesen in einem saeuselnden Singsang):</p>

<p>"Mauern zerstoeren<br />
Wo sie nicht hingehoeren<br />
Tragt sie ab Stein fuer Stein.<br />
Denn du bist der Vogel (du bist der Vogel)<br />
Vogel im Wind (Vogel im Wind)<br />
Breit aus deine Schwingen (oh yeah)<br />
Denn du bist das Kind<br />
Des Sturmes<br />
Der Freiheit."<br />
(Entnommen aus "Helge live in Gelsenkirchen", circa 1995)<br />
<img alt="mauerfall_dpa_blog.jpg" src="http://www.wdrblog.de/einslivereise/mauerfall_dpa_blog.jpg" width="400" height="120" />Sentimental? Klaro! Ruehrselig? Hell, yeah. Schliesslich koennen wir uns endlich mal an einen guten Teil von Deutschlands Geschichte erinnern. Und waehrend in der Heimat <a href="http://www.einslive.de/magazin/specials/2009/11/20jahremauerfall_gaestebuch.jsp">zwanzig Jahre ohne Mauer</a> begossen wird, beschaeftigt sich Paris Hilton im fernen Los Angeles ebenfalls mit einer Wand. Es handelt sich um eine <a href="http://www.stuff.co.nz/entertainment/3042467/Paris-not-laughing-at-vacant-Kiwi-billboards">Plakatwand in Downtown Auckland</a>, die ein huebsches Bild von Paris ziert (aufgerissener Mund, halbgeschlossene Augen, ziemlich daemlicher Gesichtsausdruck) und Werbung fuer, tja, Werbeflaeche macht.<img alt="hilton_peters_afp_dpa_blog.jpg" src="http://www.wdrblog.de/einslivereise/hilton_peters_afp_dpa_blog.jpg" width="400" height="250" />Paris hat von dieser Plakataktion mitbekommen und droht dem Plakatwandhersteller jetzt mit einer saftigen Klage, aus Copyright-Gruenden, sagt ihr Management. Oder liegt es vielleicht doch an der Tatsache, dass unter ihr uebernaechtigtes Gesicht das Woertchen <em>vacant</em> gedruckt wurde, also "leer, unbesetzt"? Damit ist natuerlich die Plakatwand gemeint, nicht die Paris. Die ist auf dem Plakat ueberhaupt nur drauf, weil sie "viel huebscher" als der neuseelaendische Politiker Winston Peters sei (was ich fuer ein Geruecht halte), der urspruenglich als das unfreiwillige Gesicht der Kampagne geplant war. Man habe bloss "ein bisschen Spass" machen wollen. Und der muss bekanntlich sein! So, like, whatever, Paris, get over it or something. Schliesslich weiss jeder, dass du so leer gar nicht sein kannst - immerhin fuellst du dich jedes Wochenende aufs Neue ab.</p>

<p>Zurueck zur Mauer: Was ich am 9. November 1989 so getrieben habe, weiss ich leider nicht mehr. Meine Mama kann ich auch nicht fragen, die hat schon Probleme, die Namen ihrer Kinder auseinander zu halten. Wahrscheinlich sass ich irgendwo und habe was ausgemalt. Aber heute werde ich in vollen Zuegen dem Mauerfall huldigen, indem ich<br />
<img alt="mauerfall2_dpa_blog.jpg" src="http://www.wdrblog.de/einslivereise/mauerfall2_dpa_blog.jpg" width="400" height="250" /><br />
1. so oft es geht <em>Wind Of Change</em>, <em>I've Been Looking For Freedom</em> und <em>Another Brick In The Wall</em> hoere<br />
2. die Befestigung einer jeden Sandburg eintrete, die ich finden kann (und anschliessend die weinenden Kinder ueber die historisch-symbolische Signifikanz dieses Aktes aufklaere)<br />
3. einen Cocktail namens "Die Mauer" kreiere, der Vodka, Schnaps, Spreewaldgurken und McDonalds-Burger enthaelt<br />
4. zu Ehren David Hasselhoffs in roten Shorts und mit Brusthaar-Toupet herumlaufe<br />
5. meinen Pass zerreisse. </p>

<p>Und falls ich mich danach noch auf freiem Fusse befinde, werde ich ausserdem eine Po-Taetowierung in Erwaegung ziehen, die Gorbatschow und Reagan beim Kuessen zeigt.</p>

<p>Viva la Wiedervereinigung!</p>]]>

</content>
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<title>Aufgespiesst !</title>
<link rel="alternate" type="text/html" href="http://www.wdrblog.de/einslivereise/archives/2009/11/aufgespiesst.html" />
<modified>2009-11-09T04:44:46Z</modified>
<issued>2009-11-03T09:07:00Z</issued>
<id>tag:www.wdrblog.de,2009:/einslivereise//24.8125</id>
<created>2009-11-03T09:07:00Z</created>
<summary type="text/plain">Frank Schaetzing, Autor der Science-Fiction-Oeko-Thriller Der Schwarm und Limit, machte vor kurzem in einem Interview seinem Frust ueber die Deutschen Luft (wobei er sich selbst vermutlich grosszuegig ausklammert). Ueber unsere &quot;Gartenzwerg-Ideologie&quot; hat er gemeckert und unser mangelndes Interesse an Bildung...</summary>
<author>
<name>louisa</name>
<url>http://www.wdrblog.de/einslivereise/archives/2007/03/louisa.html</url>
<email>internet.1live@wdr.de</email>
</author>

<content type="text/html" mode="escaped" xml:lang="de" xml:base="http://www.wdrblog.de/einslivereise/">
<![CDATA[<p>Frank Schaetzing, Autor der Science-Fiction-Oeko-Thriller <em>Der Schwarm</em> und <em>Limit</em>, machte vor kurzem in einem <a href="http://de.news.yahoo.com/1/20091022/ten-schtzing-kritisiert-gartenzwergideol-45cd332.html">Interview</a> seinem Frust ueber die Deutschen Luft (wobei er sich selbst vermutlich grosszuegig ausklammert). Ueber unsere "Gartenzwerg-Ideologie" hat er gemeckert und unser mangelndes Interesse an Bildung und die Tatsache, dass wir "muffig, hasenfuessig, ohne Visionen" seien, also kurz: die totalen Spiesser. <img alt="Gartenzwerge; Rechte: dpa" src="http://www.wdrblog.de/einslivereise/gartenzwerge_dpa_blog.jpg" width="300" height="240" />Ich dachte sofort ganz erschreckt an meinen 12.-Klasse-Deutsch-LK beziehungsweise den romantischen <em>Taugenichts</em> und seinen Kampf gegen die Philister, diese auf Sicherheit bedachten, kleinkarierten Mittelklassebuerger (falls ihr das Buch nicht kennt, keine Sorge: Die Hollywood-Version mit Robert Pattinson in der Rolle des Taugenichts ist hoechstwahrscheinlich schon in Arbeit). </p>

<p>Was, dachte ich, Unsinn. So sind wir doch ueberhaupt nicht. Hier guck, <a href="http://www.einslivekrone.de/2009/die_nominierten/bestes_album/silbermond.jsp">Silbermond</a>, <em>Krieger des Lichts</em>, ist doch voll romantisch und abenteuerlich und so. Keine Spur von langweiligem Spiessbuergertum, sondern jede Menge Mut, Herz und Selbstverwirklichung und "auch verrückt von Zeit zu Zeit" sollen wir sein!<br />
<img alt="Silbermond; Rechte: Olaf Heine" src="http://www.wdrblog.de/einslivereise/silbermond09_2_olaf_heine_blog.jpg" width="300" height="258" /><br />
Andererseits ist ein einziger Schnulzensong wahrscheinlich nicht genug Beweismittel fuer die unspiesserhafte Verruecktheit der Deutschen. Und da es hier in Neuseeland keine Gartenzwerge gibt und Philister wahrscheinlich nicht mal ein Begriff ist, ich also keinen direkten Vergleich habe, tat ein bisschen Recherche Not. Ich machte mich auf die Suche nach Hinweisen fuer die Gartenzwerg-Theorie des schwaermerischen Franks. Hier das traurige Ergebnis:</p>

<p>Beweisstueck 1: Ein sehr beunruhigendes Beispiel ist <a href="http://www.einslive.de/medien/html/1live/2009/10/28/jan-boehmermann-radioschau-serda-somuncu.xml">Serdar Somuncu</a>. Fuer den Comedian aus Istanbul ist das Spiessertum etwas so Deutsches, dass er, um sich erfolgreich zu "integrieren und assimilieren", sogar selbst zum Spiesser wird - wenn das kein Opferwille ist. Im Namen der Eingliederung laesst er sich eine Wampe wachsen, waehlt FDP und guckt sich Tierdokus im Fernsehen an, bis er unfruchtbar wird. Hat Serdar ein falsches Bild von den Deutschen oder haelt er uns einen Spiegel vor? <br />
<img alt="Serdar Somuncu, Rechte: WDR" src="http://www.wdrblog.de/einslivereise/serdar_somuncu3_wdr_blog.jpg" width="300" height="379" /><br />
Beweisstueck 2: Mein liebstes Sozial-Barometer, die 1LIVE-O-Ton-Charts, geben einen weiteren Anhaltspunkt: Bei Britt, der politischen Talkrunde von Sat.1, laesst uns eine gewisse <a href="http://www.einslive.de/comedy/o_ton_charts/">Frau Mustermann</a> wissen, sie finde es "abartig", dass sich "billige Flittchen" jemanden mit einem gewissen Bildungsstandard als Partner wuenschen. Ihrer Ansicht sollten wir doch lieber alle "richtisch normal" sein wie sie! Wenn ein hoher Anspruch ans geistige Niveau bei der Partnersuche fuer Normalmenschen abartig ist, sind wir dann vielleicht nicht wirklich...Gartenzwerge?</p>

<p>Beweisstueck 3: Selbst die Inkarnation von Ausschweifung, Rebellion und Hedonismus - die Musikindustrie - enttaeuscht auf voller Linie: Anstatt ein anstaendiger Rock'n'Roller zu sein und zu poebeln, wider das Establishment zu wettern und vielleicht was kaputtzumachen, trifft sich zum Beispiel Bela B zum <a href="http://www.einslivekrone.de/2009/kronenschau.jsp?video=rtmp://gffstream.fcod.llnwd.net/a792/e1/media/1live/krone09/kronenschau/1live_kronenschau_sendung_04_v2.flv&bild=/2009/kronenschau/img/kronenschau4_bela2_04_560.jpg&v1=Folge%204%20[28.10.09]&v2=Bela%20B%20beim%20Bäcker%20|%20Jan%20Delay%20Backstage%20|%20Spycam%20Olli%20&%20Micha">Interview</a> fruehmorgens (!) beim Baecker (!!), wo er ueber seine Fruehstuecks- und Verdauungsgewohnheiten plaudert (!!!). Ja, geht es denn noch spiessiger? Und auch Max Herre rockt nicht gerade das Haus, wenn er ueber das Wetter und seine Kinder parliert. Wo bleibt der Exzess? Die Kreativitaet? Die abgebissenen Fledermauskoepfe? Der einzige Trost ist, dass die Verspiesserung von Promis anscheinend ein flaechendeckendes Phaenomen ist: Nicole Richie <a href="http://www.bunte.de/stars/nicole-richie-und-joel-madden-eine-schaufel-voll-glueck_aid_13020.html">baut jetzt Spielplaetze</a> statt Joints, und das Einzige, was Angelina heutzutage <a href="http://www.bild.de/BILD/unterhaltung/leute/2009/10/31/angelina-jolie-johnny-depp-brooke-shields/promis-ueber-den-ersten-sex.html">ritzt</a>, sind wahrscheinlich Kerben in ihren Bettpfosten, um ihre Kinder zu zaehlen.</p>

<p>Ich gebe auf. Wir muessen uns wohl damit abfinden: Wir sind Spiesser. Gartenzwerge. T-Shirt-Buegler. Also, ihr jetzt. Ich ja nicht, ich bin ja rechtzeitig entschwunden. Es war mir aber auch einfach zu spiessig...</p>]]>

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<title>Vom Einwandern und Auswandern</title>
<link rel="alternate" type="text/html" href="http://www.wdrblog.de/einslivereise/archives/2009/10/es_ist_wieder_s.html" />
<modified>2009-10-28T13:24:06Z</modified>
<issued>2009-10-28T07:03:38Z</issued>
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<summary type="text/plain">Es ist wieder soweit. Der unangenehmste Teil meines &quot;verlaengerten Urlaubs&quot; in Neuseeland steht mir zum zweiten Mal bevor: Die Verlaengerung meines Visums, damit ich zwei weitere Jahre hierbleiben darf. Damit ich dieses Visum ausgestellt bekomme, muessen vorgelegt werden: 1. Eine...</summary>
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<![CDATA[<p>Es ist wieder soweit. Der unangenehmste Teil meines "verlaengerten Urlaubs" in Neuseeland steht mir zum zweiten Mal bevor: Die Verlaengerung meines Visums, damit ich zwei weitere Jahre hierbleiben darf. Damit ich dieses Visum ausgestellt bekomme, muessen vorgelegt werden:</p>

<p>1. Eine 15-seitige <em>Application for a work permit</em><br />
2. Eine vierseitige <em>Form for Partners Supporting Partnership-Based Temporary Entry Application</em><br />
3. Ein 16-seitiges <em>Medical and Chest X-Ray Certificate</em><br />
4. Ausreichend Beweise, dass ich eine reale und stabile Beziehung mit meinem Freund habe<br />
5. Ein polizeiliches Fuehrungszeugnis aus Deutschland.</p>

<p>Punkt vier und fuenf bereiten mir derzeit Kopfzerbrechen. Das polizeiliche Fuehrungszeugnis - also im Wesentlichen ein leeres Blatt Papier, schliesslich bin ich noch nie deliktig geworden - brauchte ich so schnell wie moeglich vom Bundesamt fuer Justiz. Also ueberwies ich noch am selben Tag die 13 Euro Bearbeitungsgebuehr, liess von einem entnervten Polizisten zwischen zwei Vermisstenanzeigen schnell meinen Personalausweis beglaubigen, und faxte alles an die zustaendige Behoerde. Aber die Muehlen der deutschen Buerokratie mahlen eben im Schneckentempo, und so konnte mir die gelangweilte Dame am Telefon nicht sagen, ob mein Fax ueberhaupt angekommen sei, und der Kollege M bis Z sei auch erst wieder am naechsten Tag da. Die Bearbeitung eines Fuehrungszeugnisses dauere ein bis zwei Wochen. Zwei Wochen! Fuer ein leeres Blatt Papier! Wahrscheinlich hat Kollege M bis Z nur eine halbe Stelle oder ist im Vaterschaftsschutz oder so. Anders kann ich mir sowas nicht erklaeren.</p>

<p><img alt="eintrag_281009.jpg" src="http://www.wdrblog.de/einslivereise/eintrag_281009.jpg" width="400" height="200" />Die Tatsache, dass ich - schon wieder - glaubhaft beweisen muss, dass ich und Jean in einer echten Beziehung und nicht bloss im selben Sonnenstudio sind, nervt noch mehr. Da mein Visum aber von seinem abhaengig ist, fuehrt da kein Weg dran vorbei, das ist wie bei Green Card, nur dass ich Gerard Depardieu bin und Jean Andie MacDowell sein darf. Als Beweise gelten zum Beispiel eine Heiratsurkunde, die Geburtsurkunde eines gemeinsamen Kindes, Urkunden ueber gemeinsamen Grundbesitz oder gemeinsame Konten. Leider sind wir aber bloss ein unverheiratetes, kinderloses Paar, das in einem Mietshaus wohnt und seine Finanzen lieber seperat haelt (muss schliesslich niemand wissen, wenn ich mir ein 300-Dollar-Kleid leiste) - wie Millionen anderer Mittzwanziger auch. </p>

<p>Der Einwanderungsbehoerde reicht das aber nicht, sie will mehr als nur ein paar alte Fotos vom vorletzten Jahr. Also warf ich meinen Sinn fuer Privatsphaere ueber Bord und kopierte saemtliche Fotos mit uns beiden drauf, die ich in zwei Jahren gemacht habe (ausser denen mit zu vielen Flaschen Wein drauf - was erstaunlich oft der Fall war): die vom Ponyreiten; die von meinem Geburtstag; die beim Planschen im Pool; und auch die im Bademantel vorm Badezimmerspiegel im Hotel. Insgesamt etwa 60 Momente des Gluecks, die ich selbstverstaendlich schrecklich gerne mit irgendeinem wildfremden Beamten teile - der soll ja schliesslich auch Spass an seinem Job haben. Zusaetzlich waren ein paar Freunde und Bekannte so nett, schwelgerische Briefe ueber die Tiefe und Wahrhaftigkeit unserer Beziehung zu schreiben ("I have watched their romance blossom and had the pleasure to see them set up home together" - Rosamunde Pilcher haette es nicht besser formulieren koennnen). Das ist jedoch auch schon alles, was ich an Beweisen aufbringen kann, sorry. Bin ja schliesslich nicht Sherlock Holmes. Naechstes Mal weise ich dann wohl besser ein Baby vor, sonst fragt sich die neuseelaendische Einwanderungsbehoerde noch, wann aus der bluehenden Romanze denn endlich mal was Konkretes wird. Es ist schon komisch, wenn man in dem Land, in dem man lebt, nur ein geduldeter Gast ist, der im Zweifelsfall rausgeschmissen werden kann.</p>

<p>Aber was nuetzt das Jammern? Es koennte ja viel schlimmer sein. Wenigstens werde ich als Auslaenderin herzlich von den Kiwis aufgenommen und immer mehr als eine der ihren akzeptiert, waehrend sie gleichzeitig sehr neugierig und aufgeschlossen gegenueber Europa sind - die freundliche Frage, was mich nach Neuseeland verschlagen hat, bekomme ich immer noch fast taeglich gestellt. Das Groebste, was ich mir in Hinsicht auf meine fremde Herkunft jemals anhoeren musste, war die Frage, aus welchem Teil Irlands ich bin (abgesehen von dem sporadischen Hitlerwitz, aber das ist eher als Initiationsritus zu verstehen, bei dem man seinen Humor unter Beweis stellen muss). Ich werde nicht benachteiligt, ich werde nicht beschimpft,  ich werde nicht vergrault. Auch eine neue Studie des englischen Instituts Legatum (ach, ich liebe Studien!) sagt, dass <a href="http://prosperity.com/country.aspx?id=NZ">ueber 90 Prozent</a> der Kiwis finden, ihr Land sei ein guter Ort fuer Migranten und ethnische Minderheiten.</p>

<p>In Deutschland sagen das immerhin noch fast 80 Prozent (<a href="http://www.prosperity.com/country.aspx?id=GM">laut der Studie</a>). Da fragt man sich, ob die ueber sieben Millionen Auslaender in Deutschland auch gefragt wurden. Wenn ich mir die Rezension der Doku <a href="http://www.einslive.de/magazin/kino_dvd/kino_2009/10/schwarzaufweiss.jsp">"Schwarz auf Weiss"</a> durchlese, die gerade im Kino laeuft, ueberkommt mich eher das Grausen (und nicht nur wegen der schlechten afrikanischen Verkleidung des Undercover-Journalisten Guenter Wallraff). Von Toleranz, Hilfsbereitschaft oder gar Neugierde auf die Herkunft anderer scheint da ueberhaupt keine Spur zu sein. Es sieht eher so aus, als seien, wenn sie sich unbeobachtet fuehlen, immer noch viel zu viele Menschen engstirnig, vorurteilsbehaftet, und schlicht - fremdenfeindlich.</p>

<p><img alt="xaviernaidoo01_dpa_400.jpg" src="http://www.wdrblog.de/einslivereise/xaviernaidoo01_dpa_400.jpg" width="400" height="200" />Auch Xavier Naidoo kann davon ein Liedchen singen, und hat das auch gemacht: Im Video zu <a href="http://www.einslivekrone.de/2009/die_nominierten/bestes_album/xavier_naidoo.jsp">"Alles kann anders werden"</a> sieht man, wie Skinheads einen Mann verpruegeln - Aehnliches ist Xavier, der als Kind wegen seiner Herkunft geschlagen und beschimpft wurde, ebenfalls schon passiert. </p>

<p>Bleibt nur zu hoffen, dass die 80 Prozent der Bevoelkerung, die Deutschland fuer einen super Ort fuer Einwanderer halten, dafuer sorgen, dass das auch tatsaechlich so wird. Schliesslich weiss man nie, ob man nicht selber mal irgendwo zum Einwanderer wird - geht manchmal schneller, als man denkt.</p>]]>

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<title>Haende hoch, Fashion Police!</title>
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<modified>2009-10-20T10:36:12Z</modified>
<issued>2009-10-20T04:38:17Z</issued>
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<summary type="text/plain">Die armen Mode-Designer - derzeit koennen sie es uns aber auch einfach nicht rechtmachen. Erst zieht Karl Lagerfeld ueber Chips essende Muttis her und damit den Hass der Welt auf sich, und jetzt beuten die Geier der Modeindustrie ausser krankenden...</summary>
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<![CDATA[<p><img alt="model_dpa.jpg" src="http://www.wdrblog.de/einslivereise/model_dpa.jpg" width="164" height="194" align="right" vspace=4 hspace=4/>Die armen Mode-Designer - derzeit koennen sie es uns aber auch einfach nicht rechtmachen. Erst zieht Karl Lagerfeld ueber <a href="http://www.wdrblog.de/einslivereise/archives/2009/10/aber_das_intere.html" target="_blank">Chips essende Muttis</a> her und damit den Hass der Welt auf sich, und jetzt beuten die Geier der Modeindustrie ausser krankenden Magermodels auch noch <a href="http://www.einslive.de/magazin/specials/2009/10/homelesschic_gb.jsp" target="blank">arglose Obdachlose</a> aus.</p>

<p>Natuerlich ist <a href="http://www.einslive.de/includes/bildergalerie.jsp?gal=2042&kap=1&img=1#anker" target="_blank">"Homeless Chic"</a> - also das wahllose Ueberwerfen von Schals, Parkas, ausgeleierten Pullis, Wollmuetzen und allem Loechrigen - an sich total kalter Kaffee. Ich mach das schon seit Jahren so (aus finanziellen Gruenden, aber darauf kommt es ja nicht an). Und auch die Designer selbst wissen natuerlich genau, das der "Clochard-Look" schon seit Jahren immer mal wieder die Runde macht (siehe Otto, Pete Doherty und die Vogelscheuche aus <em>Der Zauberer von Oz</em>). Das einzig Neue ist, dass sie diesmal die Leute, bei denen sie abgeguckt haben, gleich mit auf den Laufsteg schicken.</p>

<p>Kostentechnisch ist das natuerlich super-sinnvoll: Statt millionenschwerer Mannequins, die sich fuer weniger als 10.000 Tacken gar nicht erst vom Designer-Futon erheben, freuen sich diese Models schon, wenn man ihnen nach der Show einen Kaffee ausgibt (klingt uebrigens verdaechtig nach einer neuen Folge von <a href="http://www.einslive.de/comedy/2009/meinneueslebenxxs/index.jsp" target="_blank">Mein neues Leben XXS</a>). Und Aufsehen und Skandale - die besten Garanten fuer viel, viel Presse - sind gratis mit im Paket. Koennte doch gar nicht besser laufen! Es ist ja nicht so, als wuerden sich die Modeschoepfer nicht dringend wuenschen, dass wir uns ueber sie echauffieren - Provokation ist schliesslich das Einzige, was den Armen noch bleibt, jetzt wo jeder nur vorstellbare Trend mindestens zweimal neu interpretiert, revivalt, recycelt und wiederaufgelegt wurde. In Zeiten, in denen Jean Paul Gaultier Evian-Flaschen und Karl Lagerfeld Teddybaeren entwerfen muessen, um ueber die Runden zu kommen, macht man eben, was man kann, um im Gespraech zu bleiben. So ein Champs-Elysees-Palast will ja auch finanziert werden.</p>

<p>Und von Ausbeutung kann auch keine Rede sein: Schliesslich werden die wohnungslosen Models gar nicht erst bezahlt und haben somit keinen zwingenden Grund, beim Schaulaufen mitzumachen. Ausser natuerlich, um <a href="http://www.sueddeutsche.de/leben/511/477017/text/" target="_blank">"ein schoenes Erlebnis"</a> zu haben. Und wer, der keinen Job und keine Bleibe hat, wuerde von 500 Champagner-trinkenden Menschen in Armani begutachtet zu werden nicht als schoenes Erlebnis empfinden? Ach, und die Klamotten im "Obdachlosen-Style", die sie auf dem Laufsteg praesentieren, kriegen die Obdachlosen auch geschenkt. Danach leben sie also immer noch auf der Strasse und tragen Lumpen - aber wenigstens sind es Designer-Lumpen. Wie authentisch!</p>

<p><img alt="Pamela Anderson bei der Modenschau in Neuseeland; Rechte: Imago Stock" src="http://www.wdrblog.de/einslivereise/pamela_anderson_imago_stock.jpg" width="400" height="250" /></p>

<p>Auch unsere Lieblings-Bademeisterin  Pamela Anderson beging vor kurzem einen Fashion-Faux-Pas. Bevor ihr anfangt, zu gaehnen: Sie war diesmal als Designerin taetig, nicht als Traegerin unmoeglicher Stretch-Fummel. Das Beachbabe machte vor ein paar Wochen Neuseeland seine Aufwartung, um bei der New Zealand Fashion Week seine neue Modelinie A*Muse  - weltexlusiv!!!!! - vorzustellen. Es handelte sich (Ueberraschung!) groesstenteils um Beachwear, ein paar durchscheinende Kleidchen, Bikinis, Tanktops und so Zeugs. Nichts, fuer das ich mein Taschengeld sparen wuerde. </p>

<p>Pam nun schickte zwar keine Obdachlosen auf den Laufsteg, machte aber ein aehnlich irregeleitetes politisches Statement: Die ueberzeugte Vegetarierin und PETA-Mitglied wetterte gegen die Benutzung von Pelz in der Modeindustrie und zeigte Sonnenbrillen, die mit dem Spruch "I love Possum" bedruckt waren. Offenbar hatte Pam in ihrem Eifer uebersehen, dass Possums in Neuseeland eine absolute Pest sind, die das Oekosystem bedroht, dass jeder patriotische Kiwi mit Freuden aufs Gas drueckt, wenn er ein Possum auf der Strasse sieht und dass mancherorts gar Possum-Burger auf der Speisekarte stehen. Insofern erinnerte ihre Sonnenbrillenaktion eher an eine McDonalds-Kampagne ("Ich liebe es") als ein Statement gegen Tiermisshandlung. </p>

<p><img alt="091020_louisa.jpg" src="http://www.wdrblog.de/einslivereise/091020_louisa.jpg" width="200" height="152" target="left" vspace=4 hspace=4 />Ich persoenlich werde mich diesen Sommer allen Trends verweigern - ich werde weder den "Homeless Chic", noch Pam's Klamotten und auch kein Possum tragen. Stattdessen werde ich einen neuen Trend kreieren und in alten Petticoat-Unterkleidern meiner Mama flanieren gehen - ich nenne es den "Forgot-My-Clothes-Chic".</p>]]>

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<title>Duerre Models und dicke Muttis</title>
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<modified>2009-10-13T12:45:55Z</modified>
<issued>2009-10-13T08:54:00Z</issued>
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<summary type="text/plain">Neue Runde fuer den Gewichtswahn Wir machen uns sehr gerne Sorgen. Derzeit am liebsten ueber die Koerper von Frauen. Darueber, ob wir zu duenn sind, oder zu dick. Oder normal, aber uns als zu duenn oder dick empfinden. Ob Fettsucht...</summary>
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<name>louisa</name>
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<email>internet.1live@wdr.de</email>
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<![CDATA[<p><strong>Neue Runde fuer den Gewichtswahn</strong></p>

<p><img alt="Models; Rechte: dpa" src="http://www.wdrblog.de/einslivereise/091013_magermodels.jpg" width="400" height="200" /></p>

<p>Wir machen uns sehr gerne Sorgen. Derzeit am liebsten ueber die Koerper von Frauen. Darueber, ob wir zu duenn sind, oder zu dick. Oder normal, aber uns als zu duenn oder dick empfinden. Ob Fettsucht schlimmer als Magersucht ist, mollige Hueften attraktiver als staksige Beine, ob Liv Tyler zu viel isst und Keira Knightley nicht genug, was am besten gegen Cellulite hilft und wie man knochige Schultern verhuellt, ob nach dem Twiggy-Revival das Rubens-Revival kommt, und ob Karl Lagerfeld ueberhaupt das Recht hat, sich ueber <a href="http://www.focus.de/kultur/leben/mode/karl-lagerfeld-runde-frauen-will-da-niemand-sehen_aid_443861.html" target="_blank">Frauen und ihr Gewicht</a> zu aeussern, wo er doch gar nicht auf Frauen steht.</p>

<p><img alt="Lagerfeld; Rechte: afp" src="http://www.wdrblog.de/einslivereise/091013_lagerfeld.jpg" width="400" height="112" /></p>

<p>Die endlose Debatte ueber <a href="http://www.wdrblog.de/einslivereise/archives/2009/04/ich_muss_hier_m.html" target="_blank">weibliche Idealmasse</a>, Models als Vorbilder und Gewichtswahn geht in eine neue Runde, und so langsam frage ich mich: Koennnen wir nicht endlich mal alle die Schnauze halten? Gibt es nichts Wichtigeres, ueber das man reden koennte, als darueber, wie wir bitte schoen auszusehen haben (und wie auf keinen Fall!), damit wir a) ein gutes Selbstwertgefuehl haben, b) fit und gesund sind und c) moralisch vertretbar (keine bulimischen Hungerhaken! - aber auch keine fettleibigen Nimmersatte!), ach, und natuerlich d) attraktiv fuer das andere Geschlecht. Anstatt Regeln aufzustellen und mit BMIs um uns zu schmeissen, koennen wir nicht einfach aufhoeren, unsere Koerper so verdammt wichtig zu nehmen? Nuetzt es eigentlich irgend jemandem, wenn wir uns permanent ueber das Gewicht von Frauen Gedanken machen, den Dicken ebenso wie den Duennen?</p>

<p><img alt="Männer; Rechte: afp/ap/dpa" src="http://www.wdrblog.de/einslivereise/091013_maenner.jpg" width="399" height="135" /></p>

<p>Mit Maennern machen wir das doch auch nicht. Wir finden Jude Law geil (eher schmaechtig), wir finden 50 Cent geil (Muskeln <em>all over</em>), wir finden Mark Owen geil (klein), wir finden Josh Hartnett geil (gross); wir finden sogar Jack Black geil! Ein bisschen. Niemand macht sich Sorgen ueber die Schulterblaetter von Edward Norton oder den Bierbauch von Russel Crowe. Aber wenn Heidi Klum zwei Monate nach der <a href="http://www.einslive.de/nachrichten/pop/index.jsp" target="_blank">Entbindung ihres Kindes</a> schon wieder ihren Waschbrettbauch herumzeigt, macht sie Schlagzeilen als Spitzenvorbild, obwohl das schlicht und einfach zu ihrem Job gehoert. </p>

<p>Und deshalb ist es auch voellig egal, ob Karl Lagerfeld duerre Models doller findet als "dicke Muttis mit der Chipstüte vorm Fernseher" und der Ansicht ist, dass "runde Frauen keiner sehen will".  Selbst, wenn das Gegenteil der Fall waere und er nur noch frittenessende 80-Kilo-Plus-Models beschaeftigen wuerde, um ein Zeichen zu setzen - es geht um die Besessenheit, mit der unsere Koerper unter die Lupe genommen und andauernd thematisiert werden, die Ueberhand nimmt. Die Brigitte versucht jetzt, dagegen zu steuern, indem sie ueberhaupt <a href="http://www.einslive.de/medien/html/1live/2009/10/08/frau-tv-normale-models.xml" target="_blank">keine Models mehr</a> fuer ihre Modestrecken engagiert, sondern nur noch Normalos. Ob das gut fuer die Auflage ist, weiss ich nicht - das Problem ist schliesslich nicht, dass duenne Menschen gezeigt werden, sondern unsere eigene Annahme, dass so jeder aussehen sollte.</p>

<p><img alt="Screenshot; Rechte: WDR" src="http://www.wdrblog.de/einslivereise/091013_screenshot.jpg" width="400" height="202" /></p>

<p>Wie scheinheilig die ganze Debatte ist, demonstriert sehr fein ein Artikel des Sterns, in dem zum <a href="http://www.stern.de/lifestyle/mode/karl-lagerfeld-und-die-magermodels-dicke-muttis-schneidet-puderzoepfe-ab-1514179.html" target="_blank">"Putsch gegen den Modezar und andere Mager-Fetischisten"</a> aufgerufen wird, und zwischendurch die Google-Anzeigen fuer "5 Tipps fuer flachen Bauch" werben, mit denen man "ein Kilo Bauchfett pro Woche" abnehmen kann.</p>

<p>Also bitte: Kriegen wir uns alle wieder ein, lassen Models Models und Muttis Muttis sein, essen unsere Spaghetti und kuemmern uns um die wirklich wichtigen Sachen im Leben. <a href="http://www.einslive.de/comedy/o_ton_charts/" target="_blank">Gesichts-Friteusen</a>, zum Beispiel.</p>]]>

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<title>Loverboys</title>
<link rel="alternate" type="text/html" href="http://www.wdrblog.de/einslivereise/archives/2009/10/eine_kurze_meld_1.html" />
<modified>2009-10-05T10:24:00Z</modified>
<issued>2009-10-05T08:05:18Z</issued>
<id>tag:www.wdrblog.de,2009:/einslivereise//24.8073</id>
<created>2009-10-05T08:05:18Z</created>
<summary type="text/plain">Eine kurze Meldung aus der Sparte &quot;Deutschland vermiesepetert&quot;: Laut einer Online-Umfrage mit 15.000 &quot;weitgereisten&quot; Frauen (so nennt man das jetzt also) sind deutsche Maenner die allerschlechtesten Liebhaber auf der ganzen, ganzen Welt. Schon wieder. Bereits 2007 wurde eine aehnliche Studie...</summary>
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<name>louisa</name>
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<email>internet.1live@wdr.de</email>
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<content type="text/html" mode="escaped" xml:lang="de" xml:base="http://www.wdrblog.de/einslivereise/">
<![CDATA[<p>Eine kurze Meldung aus der Sparte "Deutschland vermiesepetert": Laut einer Online-Umfrage mit 15.000 "weitgereisten" Frauen (so nennt man das jetzt also) sind deutsche Maenner die allerschlechtesten Liebhaber auf der ganzen, ganzen Welt. Schon wieder. Bereits 2007 wurde eine aehnliche Studie mit demselben Ergebnis durchgefuehrt. Damals waren die deutschen Jungs den Damen noch zu egoistisch im Bett. In diesem Jahr wird dieses besonders unwertvolle Praedikat den Walisern zugeschrieben, die damit seltsamerweise nur auf Platz 7 landen. </p>

<p>Noch viel schlimmer fanden die befragten Ladies diesmal mangelnde Hygiene. Womit wir bei dem Grund waeren, aus dem deutsche Maenner die unbeliebtesten Liebhaber sind: Sie stinken - angeblich.</p>

<p>Wie bitte?! Ich bin empoert! Ich kenne diese 15.000 herumgekommenen Frauenzimmer zwar nicht persoenlich, aber ich bezweifle, dass sie besonders gut, aehm, recherchiert haben. Wahrscheinlich waren die bloss beim <a href="http://www.wdrblog.de/einslivereise/archives/2009/09/sechseinhalb_mi.html">Oktoberfest</a> unterwegs, und wer ist da schon hygienisch? Nein, nein, da ist eine genaue Untersuchung faellig, mit Duftproben aller Nationalitaeten. Diese Rufschaedigung koennen unsere Herren doch so nicht auf sich sitzen lassen. Wenn das die Runde macht unter den Ladies dieser Welt, sitzt Mallorca bald auf dem Trockenen - kein Ballermann-Tourist haette mehr einen Grund, dahin zu reisen.<br />
<img alt="pocher_dpa_neu_blog_l.jpg" src="http://www.wdrblog.de/einslivereise/pocher_dpa_neu_blog_l.jpg" width="200" height="250"align="left" vspace=5 hspace=5 />Zum Glueck gibt es Prachtkerle wie <a href="http://www.einslive.de/nachrichten/pop/2009/10/pop_091002.jsp?d=09-10-2">Oliver Pocher</a>, die unermuedlich daran arbeiten, das sexy Image des deutschen Mannes aufzupolieren. Shakira zum Beispiel hat sich bestimmt irre gefreut, als Pocher in seiner neuen Show die hohe Kunst der Verfuehrung demonstrierte, indem er mit charmanten Andeutungen um ihre Zuneigung warb ("Oooh - so you love eating german sausages, hm?") und ihr mit subtilen Mitteln seine sexuelle Bereitschaft signalisierte (Shakira: "Two things I don't talk about: sex and religion", Pocher: "So let's have sex in the Cologne Dome"). Well done, Casanova! Da kann sich jeder eine Scheibe von abschneiden.<br />
<img alt="schmidt_dpa_neu_blog_r.jpg" src="http://www.wdrblog.de/einslivereise/schmidt_dpa_neu_blog_r.jpg" width="200" height="250"align="right" vspace=5 hspace=5 />Auch Pochers Ex-Kollege Harald Schmidt sammelte entschieden Sexiness-Punkte, als er Pochers Ex-Freundin Monica Ivancan <a href="http://www.einslive.de/medien/html/1live/2009/09/24/schmidt-blechtrommel-brausepulver.xml">in den Bauchnabel spuckte</a>. Das Ganze war eine Nachstellung einer Szene aus der "Blechtrommel", also eine aeusserst gewiefte Flirt-Strategie (gewinne die Dame deines Herzens mit deinem Wissen ueber Literatur). Mit "Romeo und Julia" waere es vielleicht weniger widerlich gewesen, aber man lernt ja nie aus. Monica war jedenfalls begeistert.</p>

<p>Mit solchen Maennern in unseren Reihen verliert eine Studie wie diese doch radikal an Gewicht. Wer braucht schon Hygiene, wenn man dafuer Sex im Dom haben kann, oder Spucke im Bauch? Immer noch besser als Faulheit (damit sind die Englaender gemeint, die auf Platz zwei der unbeliebesten Liebhaber gelandet sind), Grobheit (Amerikaner, Platz 5) oder zu viele Haare (Russen, Platz 10).</p>

<p>Ach, und falls jemand ueberlegt, demnaechst Neuseeland zu bereisen: Eine Liste mit den besten Liebhabern der Welt gibt es natuerlich auch. Die Kiwi-Maenner belegen den achten Platz, knapp hinter den Australiern. Fluege auf die Suedhalbkugel koennen jetzt gebucht werden!</p>]]>

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<title>Samoa und das grosse Beben</title>
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<modified>2009-09-30T10:08:40Z</modified>
<issued>2009-09-29T08:05:32Z</issued>
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<summary type="text/plain">Voellig nichtsahnend schlenderte ich heute Morgen zur Arbeit. Es war ein sonniger Tag, die Voegel zwitscherten und das Meer glitzerte. Napier ist so ein Ort, in dem man sich immer fuehlt, als waere man im Urlaub: Die Innenstadt ist mit...</summary>
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<![CDATA[<p>Voellig nichtsahnend schlenderte ich heute Morgen zur Arbeit. Es war ein sonniger Tag, die Voegel zwitscherten und das Meer glitzerte. Napier ist so ein Ort, in dem man sich immer fuehlt, als waere man im Urlaub: Die Innenstadt ist mit Palmen bepflanzt, das Wetter ist meistens toll, und der Strand ist nur 300 Meter vom Stadtkern entfernt. Ich schloss also wonnevoll die Tuer des Klamottenladens auf, in dem ich arbeite, als ploetzlich Noreen vom Schuhgeschaeft nebenan vor mir stand und mich mit aufgerissenen Augen und hektischen Flecken auf den Wangen fragte: "Bleibst du oder machst du dicht?!" "Hae?", fragte ich scharfsinnig. Noreen ist so jemand, der schon in normalem Zustand etwas gruselig aussieht: hager, fahle Haut, meistens mit Lippenstift auf den Zaehnen. Mit Panik im Blick sah sie definitiv noch gruseliger aus. "Na der <a href="http://www.tagesschau.de/ausland/seebeben112.html">Tsunami</a>!", rief sie, "Seebeben, Samoa, etliche Tote, eightpointsomething, Radio, Evakuierung, was tun, Geschaefte zu!"<br />
<img alt="louisa_samao2_wdr_blog.jpg" src="http://www.wdrblog.de/einslivereise/louisa_samao2_wdr_blog.jpg" width="400" height="280" /><br />
Ich guckte mich um. Durch meine extragetoente Sonnenbrille hatte ich gar nicht gesehen, dass drei Viertel aller Geschaefte geschlossen und kaum ein Fussgaenger auf der Strasse war. Saemtliche Mitarbeiter der noch offenen Laeden standen auf dem Buergersteig herum, kratzten sich am Kopf und spaehten in Richtung Strandpromenade, wo orangefarbene Barrikaden und Saecke aufgeschichtet wurden. Von dem freundlichen Herren, der ein paar Haeuser weiter ein Fussmatten-Geschaeft betreibt, erfuhr ich mehr: Frueh am Morgen hatte ein Seebeben bei Samoa einen Tsunami verursacht, der kolossalen Schaden in dem kleinen Inselstaat anrichtete und bis zu hundert Menschen das Leben kostete. Seitdem breite sich die Welle immer weiter aus, komme geradewegs auf Neuseeland zu und werde um 10.40 Uhr in Napier erwartet. "Also in zehn Minuten."</p>

<p>Oh, dachte ich sinnigerweise. Kein Wunder, dass Noreen heute so zittert. Da ich noch nie in einer Tsunami-gefaehrdeten Region war, war mir nicht ganz klar, was ich tun sollte. Ich wog die Alternativen ab: alle Klamotten auf den Dachboden bringen (geschaeftssinnige Strategie)? Mich auf den naechsten Huegel retten (vorsorgliche Strategie)? So tun, als wenn nichts waere, bis die Gefahr vorbei ist (verdraengende Strategie)? Meine Familie anrufen und Abschied nehmen (emotionale Srategie)? </p>

<p>Ich beschloss, erstmal naehere Informationen einzuholen. Der schneidige Typ von Barkers Menswear hatte mit der Polizei gesprochen, die ungefaehr folgendes verlauten liess: "Bleibt, wo ihr seid. Die Welle ist eh nur einen Meter hoch, und obendrauf herrscht Ebbe. Risiko ist gering. Wir holen euch dann, wenn's doch brenzlig wird. Guten Tag." Na, wenn das kein Antiklimax ist. Es wurde 10.35 Uhr, 10.40 Uhr, 10.45 Uhr, und keine Welle kam. <br />
<img alt="louisa_samao_wdr_blog.jpg" src="http://www.wdrblog.de/einslivereise/louisa_samao_wdr_blog.jpg" width="200" height="380"align="right" vspace=5 hspace=5 />Ich muss zugeben, ich fuehlte mich ein bisschen betrogen (und gleichzeitig sehr schaebig). Ebenso wie die dutzenden Surfer, die sich ganz Point-Break-maessig am Strand versammelt hatten, um "die perfekte Welle" zu reiten - die dann bloss selig glucksend ans Ufer wogte. Fuer Samoa allerdings wird die Katastrophe bittere Folgen haben: Aehnlich wie in Thailand, das 2004 von einem Tsunami getroffen wurde, ist der Inselstaat auf Touristen angewiesen. Die kommen ueberwiegend aus Neuseeland, das nur drei Flugstunden entfernt liegt - ob sich Samoa schnell von den Schaeden erholt, haengt also auch an den Kiwis und ihrer Bereitschaft, dort Urlaub zu machen. Auf der anderen Seite sind die Suedhalbkugler an Erdbeben, Tsunamis und anderen Katastrophen einiges gewohnt. Bei Geschaeftsschluss war jedenfalls wieder alles business as usual und die Innenstadt voll mit unbesorgten Menschen - "irgendwann wird's uns auch erwischen", versicherte mir der Fussmattenmann achselzuckend. Au backe. Das ist zu viel Fatalismus fuer einen Tag - ich brauche jetzt dringend einen Kakao.</p>]]>

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<title>Hopfen und Malz, Gott behalt&apos;s</title>
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<modified>2009-09-24T15:12:57Z</modified>
<issued>2009-09-24T09:28:01Z</issued>
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<created>2009-09-24T09:28:01Z</created>
<summary type="text/plain">Sechseinhalb Millionen Liter Bier. Ueber tausend Tonnen Muell. Sechs Millionen Menschen aus allen Laendern der Welt. 104 verspeiste Ochsen. Und jede Menge Fraeuleins mit grossen Bruesten und starken Unterarmen. Ladies und Gentlemen, das Oktoberfest ist wieder mal im Gange. Ich...</summary>
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<![CDATA[<p>Sechseinhalb Millionen Liter Bier. Ueber tausend Tonnen Muell. Sechs Millionen Menschen aus allen Laendern der Welt. 104 verspeiste Ochsen. Und jede Menge Fraeuleins mit grossen Bruesten und starken Unterarmen. Ladies und Gentlemen, das <a href="http://www.einslive.de/multimedia/spiele/2009/08/oktoberfest.jsp">Oktoberfest</a> ist wieder mal im Gange. <br />
<img alt="Bierzelt; Rechte: dpa/Leonhardt" src="http://www.wdrblog.de/einslivereise/oktoberfest_leonhardt_dpa_blog.jpg" width="300" height="190" /><br />
Ich sag's gleich: Ich bin kein Fan. Genaugenommen loest das Oktoberfest in mir so viel Enthusiasmus aus wie ein Flippers-Konzert. Zugegeben - ich war noch nie da, kenne das infernalische Treiben also nur aus "Taff"- und "RTL Explosiv"-Berichten; die allerdings sind meistens liebevoll recherchiert und lassen keinen Kotzkrampf, kein verstopftes Dixie-Klo und keinen Mein-Portemonnaie-ist-weg-ich-bin-betrunken-weiss-nicht-wo-ich-bin-und-mein-Bein-scheint-gebrochen-zu-sein-Eklat aus, vermitteln also ein ziemlich gutes Bild vom Phaenomen Oktoberfest. Oder vom Flippers-Konzert, wo wir schon dabei sind.<br />
<img alt="Oktoberfestbesucher, Rechte: dpa/Leonhardt" src="http://www.wdrblog.de/einslivereise/oktoberfest2_leonhardt_dpa_blog.jpg" width="300" height="230" /><br />
Erwaehne ich aber das Oktoberfest (oder Bayern; oder Bier; oder Maedchen in Dirndls; oder die Flippers) gegenueber einem Neuseelaender, kriegt er in drei von vier Faellen glaenzende Augen und rote Baeckchen und erzaehlt bewegt von seinem ganz persoenlichen Oktoberfest-Erlebnis - wenn es die Erinnerung durch die vernebelnden Schwaden von Alkohol geschafft hat, heisst das. Kiwis sind naemlich Experten zu dem Thema. Ich kenne niemanden, der nicht entweder schon dreimal das Vergnuegen gehabt hat oder eifrig an seinem ersten Trip zu den Wiesn feilt. Die hiesige Tourismusbranche kommt da gerne zur Hilfe: Etliche Anbieter haben sich auf Trips zum "Bierfest", wie viele Kiwis zielbewusst sagen (man geht ja schliesslich nicht wegen der Achterbahn hin), spezialisiert und karren jaehrlich Abertausende trinklustige Kiwis und Australier nach Muenchen - derart viele in der Tat, dass ich mich wundere, Neuseeland derzeit nicht halb leer vorzufinden. <br />
<img alt="Frau in Bierzelt; rechte: dpa/Leonhardt" src="http://www.wdrblog.de/einslivereise/oktoberfest3_leonhardt_dpa_blog.jpg" width="300" height="246" /><br />
Worin die Faszination fuer die Suedhalbkugler besteht, um die halbe Welt zu reisen, bloss um in einem ueberfuellten Zelt stundenlang auf eine ueberteuerte Mass Bier zu warten, kann ich mir nicht erklaeren. Zumal fuer Neuseelaender und Australier das Oktoberfest mit am teuersten ist: Im Hofbraeuhaus-Zelt zahlt der Bierliebhaber dieses Jahr <a href="http://www.ganz-muenchen.de/oktoberfest/preise/bierpreis.html">EUR 8,55</a> fuer eine Mass, das entspricht 17,45 Kiwi-Dollar. Im Pub um die Ecke wuerde ich etwa zwoelf Dollar zahlen. Trotz drohenden finanziellen Ruins scheint das Ganze aber ein sehr befriedigendes Erlebnis zu sein, das sogar nach mehr lechzen laesst: Dean und Caroline, ein befreundetes Paar, das vier Jahre lang in Hagen gelebt hat (kein Scheiss: Hagen!), waren insgesamt sechsmal beim Oktoberfest. Sechsmal Hopfen und Malz from hell! </p>

<p>Und sie sind nicht die Einzigen: Ich kann kaum eine Fussgaengerzohne durchqueren, ohne einem "I lost 2 Million brain cells at Oktoberfest 2006 and all I got was this lousy T-Shirt"-Behemdeten zu begegnen, kaum ein Haus betreten, in dem nicht auf irgendeiner verstaubten Anrichte ein Original-Oktoberfest-Bierkrug steht. Mit so viel religioesem Eifer wird sonst nur dem Rugby gehuldigt.</p>

<p>Es gibt Faelle, da fuehrt diese Begeisterung ein Stueckchen zu weit: Bei einer <a href="http://www.taz.de/1/wahrheit/artikel/1/neues-aus-neuseeland-nazis-beim-oktoberfest/">Oktoberfest-Hommage-Party</a> haben vor kurzem ein paar Studenten der Lincoln University ein bisschen was verwechselt und tauchten mit Swastikas und T-Shirts mit dem Slogan "Hitler is my homeboi" auf. Eventuell hatten sie die falsche Party erwischt. Jedenfalls war das Rektorat verstaendlicherweise not amused und forderte eine oeffentliche Entschuldigung, die prompt erfolgte. Autsch!</p>

<p>Also bitte, liebe Oktoberfest-Geher, ist doch eigentlich ganz einfach: Gehirnzellen verlieren - gerne. Nationalsozialismus proklamieren - nicht so gut.</p>

<p>Na denn, Prost!</p>]]>

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<title>Komasaufen und Kernkraftwerke</title>
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<modified>2009-09-18T13:58:18Z</modified>
<issued>2009-09-18T08:30:47Z</issued>
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<summary type="text/plain">Ich muss mir jetzt mal selbst widersprechen. Vor kurzem noch fand ich das Wahl-Brimborium in Deutschland herzlich irrelevant fuer meine persoenliche Situation in Neuseeland - zu weit weg etc. Dann habe ich aber doch mal einen Blick auf das Ergebnis...</summary>
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<email>internet.1live@wdr.de</email>
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<![CDATA[<p>Ich muss mir jetzt mal selbst widersprechen. Vor kurzem noch fand ich das Wahl-Brimborium in Deutschland <a href="http://www.wdrblog.de/einslivereise/archives/2009/09/darlings_das_ge.html">herzlich irrelevant</a> fuer meine persoenliche Situation in Neuseeland - zu weit weg etc. Dann habe ich aber doch mal einen Blick auf das Ergebnis des <a href="http://www.einslive.de/magazin/politik/2009/09/kanzlercheck_index.jsp">1LIVE Kanzlerchecks</a> geworfen, und, heureka! mir fiel auf, dass meine beiden Laender total praktische Sachen voneinander lernen koennen:<br />
<img alt="Leute beim BBQ, Rechte: WDR/von Reumont" src="http://www.wdrblog.de/einslivereise/bbq_louisa_blog.jpg" width="300" height="246" /><br />
Stichwort Komasaufen zum Beispiel. Zu der Tatsache, dass offenbar immer noch zu viele junge Leute auf Partys an der Vodkaflasche nuckeln, als waere es Muttermilch, konnte Angela Merkel ausser <a href="http://www.einslive.de/magazin/politik/2009/09/kanzlercheck_merkel.jsp">"Diskussionsrunden und Erlebnisberichten"</a> keinen richtig dollen Loesungsvorschlag beitragen. Muss sie auch gar nicht. Man braucht einfach bloss nach Neuseeland zu schauen und sich ein Beispiel an den Kiwis nehmen. Nicht, dass die am Wochenende nichts trinken wuerden; <em>binge drinking</em> gehoert hier sowohl fuer Jugendliche als auch Erwachsene zu einer erfolgreichen Party fast schon dazu (nicht umsonst wandert halb Neuseeland jedes Jahr fuer die Dauer des Oktoberfests nach Muenchen aus). Aber man geht das Trinken schlauer an: Zunaechst mal faengt man so frueh wie moeglich damit an, so dass man um sieben Uhr abends so erledigt ist, dass man sich ein Taxi nach Hause ruft und schlafen geht. Ein typisches Kiwi-BBQ beginnt so gegen Mittag und endet spaetestens um neun, weil dann ganz einfach alle zu betrunken sind, um noch weiterzufeiern. Das ist vor allem dann praktisch, wenn man am naechsten Tag arbeiten muss: Man kriegt trozdem noch seine acht Stunden Schlaf und ist am Morgen danach huebsch aufgeraeumt und ausgeschlafen - trotz Komasaufen! Keine am Strassenrand verbrachte Nacht, kein Magenauspumpen im Krankenhaus, keine boesen Ueberraschungen. Das Zweite, das die Kiwis beim Trinken richtig machen: Sie essen zwischendurch was. Meine These ist, dass BBQs ueberhaupt nur erfunden wurden, um Alkoholkonsum 1. ertraeglicher und 2. sozial vertretbarer zu machen, weil man immerhin eine Basis im Magen schafft (bestehend aus leckeren Schweinerippchen etwa) und nebenbei noch Leute kennen lernt. Da kann doch keiner was dagegen haben! Also, liebe Komasaeufer: Statt erst Samstagabend im Club anzufangen, trinkt ruhig schon mittags beim Grillfest. Die Kiwis wissen, was sie tun.<br />
<img alt="Krabben auf Tisch, Rechte: WDR/von Reumont" src="http://www.wdrblog.de/einslivereise/krabbenpuhlen_louisa_blog.jpg" width="300" height="219" /><br />
Wovon sie jedoch noch nicht soviel Ahnung haben, ist Atomkraft. Bei diesem heissen Wahlkampfthema koennen die Neuseelaender wiederum von Deutschland lernen. Also, irgendwann mal. Wenn sie ein Atomkraftwerk ueberhaupt mal gebaut haben und es dann wieder loswerden wollen. Waehrend naemlich in Deutschland wie wild ueber den Ausstieg aus der Kernkraftenergie debattiert wird, ueberlegt man hier gerade, ob man nicht einsteigen sollte. Bisher wurden ueber 70 Prozent des Bedarfs durch erneuerbare Energien wie Wasserkraft gedeckt, und auch Solar- und Windenergie sind auf dem Vormarsch. Bloss etwa 20 Prozent des Elektrizitaetsbedarfs wird durch die Verbrennung von Erdgas gedeckt. Aber ach, wir duersten nach mehr und schluerfen Strom wie alle anderen auch, und so besteht der Vorschlag, einen netten, kleinen Reaktor fuer Neuseeland zu bauen. Die Tatsache, dass oefters mal Erdbeben die beiden Inseln zum Wackeln bringen, macht das Ganze vermutlich nicht leicht, aber irgendwomit muessen wir ja unsere Heimkinoanlage unterhalten. Fuer den Fall, dass sich Neuseeland also irgendwann ueber die Endlagerung von Atommuell Gedanken machen muss, kann es sich dann getrost was von Deutschland abgucken - bis dahin wird sich hoffentlich jemand was Tolles ausgedacht haben.</p>

<p>Und noch ein Wahlkampfthema ist interessant fuer Neuseeland. Als sich im Kanzlercheck ein Hoerer ueber die Situation in Ostdeutschland beschwerte - weniger Lohn, schlechter Personennahverkehr, mittelalterliche Internetverbindungen - da fiel es mir wie Schuppen von den Augen: Das klingt ja wie hier! (Nicht, dass ich Neuseeland nicht innig lieben wuerde - versteht mich nicht falsch.) "Wann bekommt ganz Ostdeutschland endlich DSL?", wollte jemand wissen. Die Frage habe ich mir fuer Neuseeland auch schon gestellt, als ich vor zwei Jahren in der oeffentlichen Bibliothek in Lawrence, Central Otago, an einem klapperigen Rechner sass und darauf wartete, dass sich das verfluchte Modem endlich erfolgreich ins Internet einwaehlte, damit ich einen Blogeintrag schreiben konnte. Auch von schlechter Bezahlung kann ich als ehemalige Rucksackreisende ein Liedchen singen: Der Mindestlohn in Neuseeland liegt umgerechnet bei 6,04 Euro, das liegt noch 80 Cent unter dem, was man im Osten bekommt, wenn man <a href="http://www.destatis.de/jetspeed/portal/cms/Sites/destatis/Internet/DE/Content/Statistiken/VerdiensteArbeitskosten/Tarifverdienste/Mindestloehne/AktuellD,templateId=renderPrint.psml">Gebaeude reinigt</a>. Und vom public transport habe ich genug, seit ich taeglich in einem Bus zur Arbeit fahren musste, der fuer 20 Kilometer mehr als eine Stunde brauchte. Ich werde also ganz genau aufpassen, was die neue (oder alte) Regierung diesbezueglich so verzapft. Vielleicht laesst sich da ein tolles Modell oder dergleichen nach Neuseeland exportieren.</p>

<p>Super: Wieder was fuer interkulturelle Verstaendigung getan!</p>]]>

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<title>Alles ausser Liebe!</title>
<link rel="alternate" type="text/html" href="http://www.wdrblog.de/einslivereise/archives/2009/09/die_liebe_sie_n.html" />
<modified>2009-09-12T08:52:57Z</modified>
<issued>2009-09-12T08:47:50Z</issued>
<id>tag:www.wdrblog.de,2009:/einslivereise//24.8030</id>
<created>2009-09-12T08:47:50Z</created>
<summary type="text/plain">Die Liebe, sie nervt. Vor allem, wenn man ihr nicht entkommt. Und ganz besonders, wenn sie dazu benutzt wird, Produkte zu vermarkten. Es ist ja so: Wir alle lieben die Liebe, und wenn jemand Margarine verkaufen will, und das mit...</summary>
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<email>internet.1live@wdr.de</email>
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<content type="text/html" mode="escaped" xml:lang="de" xml:base="http://www.wdrblog.de/einslivereise/">
<![CDATA[<p>Die Liebe, sie nervt. Vor allem, wenn man ihr nicht entkommt. Und ganz besonders, wenn sie dazu benutzt wird, Produkte zu vermarkten. Es ist ja so: Wir alle lieben die Liebe, und wenn jemand Margarine verkaufen will, und das mit viel Liebe im Werbespot tut, dann stehen die Chancen gut, dass wir die Margarine tatsaechlich kaufen. Das Prinzip, ueber Emotionen an Menschen und ihre Kaufkraft ranzukommen, ist ja nun nicht besonders neu und wir kennen es alle. Aber derzeit ueberanstrengt mich die allgemeine Gegenwart der Liebe etwas. </p>

<p><img alt="Louisa; Rechte: WDR/Reumont" src="http://www.wdrblog.de/einslivereise/090912_louisa_herz.jpg" width="400" height="219" /></p>

<p>Versteht mich nicht falsch: Die echte Liebe, die zwischen Menschen oder Tieren oder Aehnlichem, stoert mich ueberhaupt nicht. Wenn ich auf der Strasse ein kuessendes Paar oder kopulierende Hunde sehe, sefze ich immer und freue mich ueber das Mass an Zuneigung in der Welt. Bloss wenn Liebe ueberstrapaziert wird, reagiere ich gereizt: An ein und demselben Tag empfahl man mir vor kurzem bei Facebook, Fan der Gruppe "LOVE Hawkes Bay" zu werden, sah ich ein Autohaus mit der Aufschrift "Choose it, Get it, Love it" und wurde ueberholt von der Muellabfuhr, die mit dem Slogan "LOVE your garbage" warb. Liebe deinen Muell?! Was soll ich denn noch alles mit meiner Liebe ueberschuetten? Reicht es nicht, dass ich ein paar auserwaehlte Menschen liebe?</p>

<p>Auch in den deutschen Medien liebt man momentan sehr angestrengt: In den Top 5 der <a href="http://www.einslive.de/musik/charts/" target=_blank>Single- und Album-Charts</a> gibt es immer mindestens einen Kuenstler, der von der Liebe schwaermt, derzeit David Guetta mit gleich zwei Songs zum Verlieben (ob wir diese Musik so dolle faenden, wenn sie von Broetchenbacken handeln wuerde, "When Semmeln take over" etwa, ist fraglich). Das Fernsehen <em>loves to entertain us</em>, denn <em>Nur die Liebe zaehlt</em>, alle von der Traumfrau ueber <a href="http://www.einslive.de/medien/html/1live/2009/08/27/promi-klappse-desiree-nick.xml" target="_blank">Desiree Nick</a> bis hin zum Bauern suchen ihre Traumpartner, und sogar Paris Hilton sehnt sich so sehr nach einer wahren, treuen Freundin, dass sie sie in <a href="http://parisbff.com/">"My New BFF"</a> aus einem Pulk williger Fremder vor laufender Kamera herauscastet.</p>

<p>Ist das ein weltweiter Trend, oder liegt es bloss an mir? Bin ich ein gefuehlskalter Sack, der keine Emotionen ertragen kann? Bin ich zu miesepeterig, wenn es mich schon nervt, dass Nelly Furtado jetzt lieber <a href="http://www.einslive.de/musik/platten/n/nellyfurtado_miplan.jsp" target="_blank">kitschige Liebeserklaerungen</a> an ihren Mann macht, als den Maneater in ihr rauszulassen? Egal! Mir steht der Sinn nach Egoisten, Zynikern und <a href="http://www.einslive.de/medien/html/1live/2009/09/01/wahlwahnsinn-pessimisten.xml" target="_blank">Pessimisten</a>. Ich will einen cholerischen Detlef D! Soost sehen. Ich will unromantisches Zeugs hoeren wie Nickelback oder AC/DC. Ich will unliebsame Filme gucken, <a href="http://www.einslive.de/magazin/kino_dvd/kino_2009/09/antichrist.jsp" target="_blank">Antichrist</a> kaeme da gelegen. Ich will alles ausser Liebe!</p>

<p>So, und jetzt duerft ihr mir zur Verlobung gratulieren.<br />
</p>]]>

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<title>Wahllos in Neuseeland</title>
<link rel="alternate" type="text/html" href="http://www.wdrblog.de/einslivereise/archives/2009/09/darlings_das_ge.html" />
<modified>2009-09-03T10:52:16Z</modified>
<issued>2009-09-02T06:48:19Z</issued>
<id>tag:www.wdrblog.de,2009:/einslivereise//24.8015</id>
<created>2009-09-02T06:48:19Z</created>
<summary type="text/plain">Darlings, das geht ja hoch her bei euch! Ein spezielles Thema scheint derzeit die deutschen Gemueter zu erregen, das Blut in Wallung zu bringen und die Fantasie anzuregen. Und ich rede nicht von Ollis und Sandys Babybliss. Nein, ich meine...</summary>
<author>
<name>louisa</name>
<url>http://www.wdrblog.de/einslivereise/archives/2007/03/louisa.html</url>
<email>internet.1live@wdr.de</email>
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<content type="text/html" mode="escaped" xml:lang="de" xml:base="http://www.wdrblog.de/einslivereise/">
<![CDATA[<p>Darlings,</p>

<p>das geht ja hoch her bei euch! Ein spezielles Thema scheint derzeit die deutschen Gemueter zu erregen, das Blut in Wallung zu bringen und die Fantasie anzuregen. Und ich rede nicht von <a href="http://www.einslive.de/comedy/2009/babywars.jsp">Ollis und Sandys Babybliss</a>. Nein, ich meine die Bundestagswahl! Ich erinnere mich noch: Mir kam das ganze Wahltamtam damals immer vor wie eine Vorsorge-Untersuchung beim Frauenarzt - Spass macht es nicht, aber es ausfallen zu lassen ist auch scheisse.<br />
<img alt="Wahplakat Merkel-Lengsfeld, Rechte: dpa/Stache" src="http://www.wdrblog.de/einslivereise/merkel_wahlplakat_mehrzubieten_dpa_stache_blog.jpg" width="400" height="284"align="right" vspace=5 hspace=5 /><br />
Aber in diesem Jahr scheint es anders zu sein: Schlagzeilen machen weniger graue Herren mit droegen Prognosen ("Die Experten sind sich uneins"), sondern poppige Skandale mit Unterhaltungswert: <a href="http://www.einslive.de/medien/html/1live/2009/08/11/aktuelle-stunde-peinliche-wahlplakate.xml">der Busenplakat-Skandal!</a> <a href="http://www.tagesschau.de/wahl/aktuell/twitterwahl104.html">Der Twitter-Skandal!</a> Sowas macht doch viel mehr Spass als Politikern dabei zuzuhoeren, wie sie versuchen, mit moeglichst vagen Aussagen moeglichst viele Stimmen zu gewinnen. Ob es Frau Merkel gefallen hat, dass man ausgerechnet ein Foto aufs Wahlplakat packte, wo sie mal Fuenfe hat gerade sein lassen und sich in ein ein blaues Nichts aus Satin geworfen hat, ist fraglich - aber das interessiert ja auch keinen! Hauptsache, es kommt mal Stimmung in den Laden! </p>

<p>Und was die vorzeitigen Wahlprognosen bei Twitter angeht: Wenigstens war das mal was mit Substanz! Wie Peter Maffay und Reiner Calmund ihre Sonntagnachmittage verbringen, will doch nun wirklich keiner mehr lesen.</p>

<p><img alt="Frank-Walter Steinmeier, Rechte: dpa/Warmuth" src="http://www.wdrblog.de/einslivereise/steinmeier_dpa_warmuth_blog.jpg" width="200" height="157"align="right" vspace=5 hspace=5 />Wenn man Facebook glaubt, ist die Sache eh schon gelaufen. Von den neun Angela Merkels, die da gelistet sind, tragen zwei ihr Foto, beide dieser Angelas haben haufenweise Freunde. Bei Steinmeier sieht es dagegen traurig aus: "Frank-Walter has no friends" laesst Facebook uns wissen. Poor Frank-Walter!</p>

<p>Fuer mich ist der ganze Wahlzirkus deshalb so faszinierend, weil ich nicht daran teilhabe. Ich sitze hier vor meinem Laptop in Neuseeland, schluerfe meinen Kakao und amuesiere mich koestlich ueber das heimische Treiben, das da abertausende Meilen entfernt stattfindet. Darin ist, muss ich zugeben, auch ein Splitter Missgunst enthalten: Hier, in dem Land, in dem mich die Steuern,  Reformen und Steuerreformen tatsaechlich etwas angehen, kann ich politisch gar nicht mitentscheiden, weil ich als Nicht-Buerger natuerlich nicht waehlen darf. Zwar kommt derzeit oefter jemand Behoerdliches bei meinem Haus vorbei, um mir einen Zettel in den Briefkasten zu werfen mit der eingeschnappten Mitteilung, er sei um drei Uhr dagewesen und habe schon wieder  niemanden angetroffen (natuerlich nicht, zu dieser Zeit arbeiten normale Menschen ja auch), aber es sei die Pflicht eines jeden Buergers, als Waehler registriert zu sein - ob ich dieser Pflicht nicht nachkommen wolle? Nein, will ich dem Behoerdlichen hinterherschreien, ich kann doch nicht! Ich bin doch Auslaender, Mensch. </p>

<p><img alt="Helen Clark, Rechte: dpa/Court" src="http://www.wdrblog.de/einslivereise/helen_clark_dpa_court_blog.jpg" width="200" height="176"align="left" vspace=5 hspace=5 />Und vom Geschehen in Deutschland bin ich eben so weit entfernt, dass mir der heimatliche Wahlkampf vorkommt wie eine Daily Soap: Eine bunt zusammengecastete Truppe nimmt die grossen und kleinen Huerden des Alltags auf sich, kuesst und schlaegt sich, man will Karriere machen oder Unruhe stiften, es gibt die Matriarchin, den lustigen Onkel, den machthungrigen Aufsteiger - das ganze Leben ist eine Buehne! Und dazwischen: Entbloesstes Fleisch! Zwitschernde Maulwuerfe! Und die neuseelaendische Presse, die offenbar grossen Gefallen an Angela Merkel findet (vielleicht weil sie erstaunliche Aehnlichkeit mit Helen Clark, Neuseelands Ex-Premierministerin, hat) und sie als <a href="http://www.nzherald.co.nz/world/news/article.cfm?c_id=2&objectid=10593121">"skrupellose, eiserne Lady"</a> bezeichnet, als "Anfuehrerin des Packs", die Leute "mit einem toedlichen Biss in die Halsader" erledigen kann. Wow - Angela, die Woelfin! Kann man nur hoffen, dass sie Herrn Steinmeier beim <a href="http://www.einslive.de/magazin/politik/2009/09/kanzlercheck_gaestebuch.jsp">1LIVE Kanzlercheck</a> nicht auch an die Kehle springt! So ist Politik doch spannend.</p>]]>

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<title>Das Kiwi-Gremium schlägt wieder zu</title>
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<modified>2009-08-28T13:36:48Z</modified>
<issued>2009-08-27T07:33:21Z</issued>
<id>tag:www.wdrblog.de,2009:/einslivereise//24.7999</id>
<created>2009-08-27T07:33:21Z</created>
<summary type="text/plain">Es war einmal, vor zwei Tagen, da fand ich mich zufaellig am selben Tisch mit den Menschen, die ein paar Wochen zuvor als das Kiwi-Gremium das Allgemeinwissen der Kiwis auf die juengste deutsche Geschichte hin abgeklopft hatten. Diesmal gab es...</summary>
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<![CDATA[<p>Es war einmal, vor zwei Tagen, da fand ich mich zufaellig am selben Tisch mit den Menschen, die ein paar Wochen zuvor als das <a href="http://www.wdrblog.de/einslivereise/archives/2009/07/das_kiwigremium.html">Kiwi-Gremium</a> das Allgemeinwissen der Kiwis auf die juengste deutsche Geschichte hin abgeklopft hatten. Diesmal gab es Risotto und Rindfleisch. Die Jungs schnitten damals beim Ost-Sektor-Quiz super ab, vor allem auf den Fotos, weshalb ich ihnen ganz stolz meinen Eintrag zeigte.<img alt="Das Kiwi-Gremium, Rechte: WDR/von Reumont" src="http://www.wdrblog.de/einslivereise/kiwi_gremium_louisa_blog.jpg" width="300" height="409"align="right" vspace=5 hspace=5 />Man war zufrieden mit sich. Allerdings fanden die drei es unfair, dass sie ueber irgendein Land am anderen Ende der Welt bescheid wissen sollten, wo die Leute David Hasselhoff hoeren und nie zu spaet kommen, ohne zu wissen, ob wir Deutschen dasselbe drauf haben. Ein Gegenschlag wurde geplant. Die tuefteligen Kiwi-Herren setzten sich ein weiteres Mal zusammen und stellten diesmal ihrerseits ein Quiz zusammen. Es traegt den Titel "Wie gut kennst du Neuseeland wirklich?" und soll herausfinden, ob wir ueberhaupt einen blassen Schimmer von dem Land haben, das in vielen so ein unstillbares Fernweh ausloest. Um es ein wenig leichter zu machen, stellen die Jungs Multiple-Choice-Antworten bereit. Und weil sie nicht gerne verlieren, ist kaum keine davon richtig. Viel Spass!<img alt="Das Kiwi-Gremium, Rechte: WDR/von Reumont" src="http://www.wdrblog.de/einslivereise/kiwi_gremium2_louisa_blog.jpg" width="300" height="414" /></p>

<p>Fangen wir mit den Grundbegriffen an: <strong>Was ist ein/e Kiwi?</strong></p>

<p><strong>A:</strong> Ein dickfluessiges Fruchtgetraenk (Jean)<br />
<strong>B: </strong>Das, was Neuseelaender sonntags am liebsten essen - wenn sie koennen. (Gareth)<br />
<strong>C:</strong> Ein Vogel, eine Person, eine Frucht, und was der Rest der Welt begehrt. (Brendan)</p>

<p>Und nun ein wenig Erdkunde: <strong>Wo liegt denn ueberhaupt dieses Neuseeland?</strong></p>

<p><strong>A:</strong> Es ist einen kleine Insel vor der Kueste von Afrika. (Jean)<br />
<strong>B: </strong>Auf der anderen Seite der Bruecke von Sydney. (Gareth)<br />
<strong>C:</strong> Drei Stunden Flug vom Arsch der Welt, aka Australien (Brendan) (Anm. d. Autorin: Nehmt's ihnen nicht uebel, den Kiwis - auf ihren populaeren Nachbarn sind manche nicht so gut zu sprechen)</p>

<p><strong>Und was bedeutet Aotearoa, wie Neuseeland in Maori heisst?</strong></p>

<p><strong>A:</strong> Land der langen, weissen Wolke<br />
<strong>B: </strong>Land des grossen, weissen Hais<br />
<strong>C:</strong> Land des schicken, weissen Autos</p>

<p>Nun zum Kulturteil: <strong>Was bedeutet die legendaere Redensart "Sweet as"?</strong></p>

<p><strong>A:</strong> "Du hast einen suessen Hintern." Meine russische Kuechenhilfe hat mich fast verklagt, als ich ihr dieses "Kompliment" machte. (Jean)<br />
<strong>B:</strong> "Was du vorschlaegst, findet meinen Gefallen." (Brendan)<br />
<strong>C: </strong>"Mehr Zucker." (Gareth)</p>

<p>Wir kommen zum Spocht: <strong>Wie viele Spieler bilden ein Rugby-Team? (Anm. d. Autorin: Das ist dieses Spiel mit dem eierigen Ball, das so ist wie Football, aber irgendwie auch nicht, falls ihr euch fragt)</strong></p>

<p><strong>A:</strong>7<br />
<strong>B:</strong> 13<br />
<strong>C:</strong> 15<br />
<img alt="KUmara/Kiwi-Bastelei, Rechte: WDR/von Reumont" src="http://www.wdrblog.de/einslivereise/kumara_kiwi_louisa_blog.jpg" width="300" height="253" /></p>

<p>Was schwieriges: <strong>Wer oder was ist der/die/das Kumara?</strong></p>

<p><strong>A:</strong> Der Typ vom Inder gegenueber. (Brendan)<br />
<strong>B:</strong> Eine Suesskartoffel, und Sanskrit fuer "Sohn". Geh, Suesskartoffel, und mache dein Glueck in der Welt. (Jean)<br />
<strong>C:</strong> Etwas, das man sich in die Unterhose stopft, um nach mehr auszusehen, eine Art Penisattrappe. (Gareth)</p>

<p>Aus der Sparte Naturkunde: <strong>Was ist das gefaehrlichste Tier Neuseelands?</strong></p>

<p><strong>A: </strong>Ein alleinstehender Rugby-Spieler um drei Uhr nachts (Brendan)<br />
<strong>B: </strong>Sandfliegen (Jean)<br />
<strong>C:</strong> Die neuseelaendische Frau (Gareth, und er muss es wissen)</p>

<p>Und zu guter Letzt etwas, an dem man in Neuseeland nur schwer vorbeikommt: <strong>Worum geht es bei "Herr der Ringe"?</strong></p>

<p><strong>A: </strong>Meine Exfreundin und daher mein Vorhaben, so viele Ringe wie moeglich zu erobern, vor allem deutsche. Meine Telefonnummer ist  64 I Am the lord. (Brendan)<br />
<strong>B: </strong><a href="http://www.stuff.co.nz/dominion-post/news/wellington/2769353/How-deep-is-your-love">Die Suche nach einem Hochzeitsring im Hafen von Wellington</a>. (Jean)<br />
<strong>C:</strong> Um den groessten Werbespot fuer ein Land, den Hollywood je finanziert hat. (Gareth)</p>

<p>Bitte sehr: Zeigt, was ihr koennt! Und nicht googeln!<br />
<img alt="Hafen von Wellington, Rechte: WDR/von Reumont" src="http://www.wdrblog.de/einslivereise/hafen_wellington_louisa_blog.jpg" width="400" height="313" /></p>]]>

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<title>Hot, hot, hot!</title>
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<modified>2009-08-20T11:26:40Z</modified>
<issued>2009-08-20T06:34:10Z</issued>
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<summary type="text/plain">Ich will euch ja nicht den Spass vermiesen. Ich weiss ja, dass ihr zur Zeit alle in Badehosen und Bikinis im Eissalon oder am Baggersee sitzt, schoen braun werdet, euch die Schweissperlen abtupft und euch des Lebens freut. Ich freue...</summary>
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<![CDATA[<p>Ich will euch ja nicht den Spass vermiesen. Ich weiss ja, dass ihr zur Zeit alle in Badehosen und Bikinis im Eissalon oder am Baggersee sitzt, schoen braun werdet, euch die Schweissperlen abtupft und euch des Lebens freut. Ich freue mich ja mit euch. Echt! So ein Charakterschwein, dass ich euch den heissesten Tag des Jahres neide, bloss weil ich hier in meinen langen Omma-Buxen und kratzigen Wollsocken auf dem Boden eines neuseelaender Miethauses hocke und den Heizkoerper umarme, bin ich nun wirklich nicht. Und dass nach langen Monaten des Winters meine Haut ausgetrocknet, meine Haare stumpf und mein Koerper weiss wie ein Gespenst ist - ach, da stehe ich doch voellig drueber.<br />
<img alt="Louisa; Rechte: WDR/Reumont" src="winter2_reumont_400.jpg" width="200" height="300"align="right" vspace=5 hspace=5 />Aber eines sollte euch klar sein, meine braungebrannten Freunde: Jetzt, da der Hoehepunkt des Sommers im Sektor erreicht ist, wird es bergab gehen. Das haben Hoehepunkte so an sich: Danach ist Schluss. Bald ist September, da werden die ersten Lebkuchen und Zimtsterne verkauft. Die Tage werden kuerzer, die Abende kaelter, und bald schon koennt ihr nicht mehr ohne Jacke und feste Schuhe vor die Tuer gehen. Freibad? Freiluftkino? Nix da. Die Stromrechungen werden in die Hoehe schnellen, das Fahrrad wird durch's Auto und das Spaghettitraegertop durch den Rolli ersetzt. Der Herbst - und somit der Winter! - ist nur noch ein paar Wochen davon entfernt, euch das Leben zur Hoelle zu machen. Hoert auf meine Worte!<br />
<img alt="winter1_reumont_400.jpg" src="http://www.wdrblog.de/einslivereise/winter1_reumont_400.jpg" width="400" height="300" /><br />
Ich weiss, wovon ich rede, schliesslich habe ich das ganze Theater gerade erst hinter mich gebracht. Der Kiwi-Winter 2009 war aber auch ein gemeiner Drecksack - und hat mich einiges gekostet:</p>

<p>- <strong>Geld:</strong> Da Kiwis die abgehaertesten Leute der Welt sind, kommen sie gar nicht auf die Idee, ihre Haeuser mit Heizeinrichtungen auszustatten; warum auch? Wer so sehr <em>in denial</em> ist, dass er mitten im Winter immer noch barfuss und in Shorts unterwegs ist, zieht sich drinnen halt Socken an und gut ist. An uns verwoehnte Europaeer, die wir mit Zentral- und Fussbodenheizung aufgewachsen sind, denkt niemand. Und so geben wir ein Vermoegen fuer total ineffizienten Scheiss wie Oelheizer und stinkende Gaszylinder aus, die ausserhalb eines 1-m-Radius' keinen Schneemann zum Schmelzen bringen koennten. Auch Investitionen in vorsintflutlichen Krimskrams wie Thermal-Unterwaesche und Heizdecken helfen nur begrenzt, wenn man nicht den ganzen Tag im Bett verbringen und aussehen will wie die Oma, deren Lifestyle man sich angeeignet hat. Der gute alte Kamin (ihr erinnert euch: Holz? Feuer?) stirbt leider auch langsam aus, was mit Feuerschutz- und Gesundheitsrisiken zu tun hat, obwohl er noch vergleichsweise guenstig zu betreiben ist - vor allem, wenn man sein Holz am Strand zusammenklaubt oder einen Kettensaegenausflug in den Wald macht. Schande.<br />
<img alt="winter3_reumont_400.jpg" src="http://www.wdrblog.de/einslivereise/winter3_reumont_400.jpg" width="400" height="300" /></p>

<p>- <strong>Nerven:</strong> Oben genanntes Defizit an Waerme fuehrte nicht nur zu Geldmangel, sondern ruettelte auch an meiner Gesundheit: Eine qualvolle Blasenentzuendung (meine erste!) fuehrte zu einer qualvollen Nierenentzuengung, die wiederum in Kombination mit vorzeitigem Sonnenuntergang und saisonaler Untaetigkeit einen argen Fall von Winter-Blues nach sich zog. Dinge wie "Ich geh zurueck nach Europa", "Womit habe ich das verdient" und "Ich wuenschte, ich waere tot" musste sich mein Freund in dieser Zeit oefters von mir anhoeren. Er nahm mich dann mit ins Ocean Spa in Napier, wo wir im Whirlpool dampften, die Sterne anguckten und uns von den Strapazen des Winters erholten. Das half ein bisschen.</p>

<p>- <strong>Hirnzellen:</strong> Noch besser half allerdings Gluehwein. Von heimeligen Erinnerungen an letztes Weihnachten getrieben, das ich mit meiner Familie in Berlin verbracht hatte, brachte ich Jean dazu, mir einen Riesentopf mit Gluehwein zu kochen, den er in handliche Flaschen abfuellte. Dass es Mitte Juli war, machte nichts, denn es fuehlte sich original wie Dezember an. Zu diesen Flaschen griff ich immer dann, wenn es galt, dem Winter-Blues Einhalt zu gebieten. Oder wenn mir kalt war. Oder ich den Geist aller bisherigen Weihnachten heraufbeschwoeren wollte. Oder nichts anderes im Kuehlschrank war.</p>

<p>Es zeichnet sich mittlerweile zum Glueck, bevor ich noch Alkoholiker oder depressiv werde, ein Silberstreifen am Horizont ab: So langsam erbluehen hier in Neuseeland die Baeume, erwachen zaghaft die Fruehlingshormone und wird in Boutiquen Platz gemacht fuer Spring/Summer 09/10 (zarte Blumenmuster und Retro-Seidenkleidchen mit Spitze). Auch meine erste offizielle Fruehlingstat habe ich schon begangen: Das Aufstellen eines Badminton-Netzes im Garten. Leider hat es Jean nach der ersten Traingsstunde "versehentlich" mit dem Auto umgeknockt (da kann wohl jemand nicht verlieren). Aber das wird schon! Los, Fruehling, lass endlich dein bloedes Band flattern!</p>

<p>Geniesst euren heissen Tag, liebe schwitzende Sektorianer. Geniesst es, solange ihr noch koennt.</p>

<p>(Haemisches Gackern, Abgang)</p>]]>

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<title>Mann oh Mann</title>
<link rel="alternate" type="text/html" href="http://www.wdrblog.de/einslivereise/archives/2009/08/neulich_habe_ic.html" />
<modified>2009-08-18T13:34:06Z</modified>
<issued>2009-08-18T10:42:57Z</issued>
<id>tag:www.wdrblog.de,2009:/einslivereise//24.7975</id>
<created>2009-08-18T10:42:57Z</created>
<summary type="text/plain">Neulich habe ich einen sehr interessanten Artikel gelesen ueber den Berliner Mann. Wie erfolglos, schlaff, infantil, unhoeflich und allgemein inakzeptabel er als potenzieller Partner ist (die Autorin war eine entnervte Hauptstaedterin). Jetzt habe ich nie in Berlin gelebt und ich...</summary>
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<email>internet.1live@wdr.de</email>
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<![CDATA[<p>Neulich habe ich einen sehr interessanten Artikel gelesen ueber den Berliner Mann. Wie erfolglos, schlaff, infantil, unhoeflich und allgemein inakzeptabel er als potenzieller Partner ist (die Autorin war eine entnervte Hauptstaedterin). Jetzt habe ich nie in Berlin gelebt und ich  kenne auch keinen Berliner Mann so genau, dass ich ihn auf all diese Punkte hin haette abklopfen koennen (nicht, dass ich lange genug bleiben wuerde, um herauszufinden, ob er ausser unhoeflich und infantil vielleicht auch noch erfolglos ist); die Sektor-Jungs fand ich eigentlich ganz in Ordnung, so generell (nichts fuer Ungut, Gentlemen). </p>

<p>Aber ach, die Welt aendert sich ja so schnell; derart schnell sogar, dass ich nicht mal mehr die Haelfte der deutschen Prominenten kenne (wer bitte ist Nico Schwanz? Und kann das sein richtiger Name sein?). Und wer weiss schon, ob in den zwei Jahren, seit denen ich in Neuseeland lebe, die deutsche  Maennerwelt nicht voellig degeneriert ist?  <a href="http://www.wdrblog.de/einslivereise/archives/2009/06/ja_mensch_da_wa.html" target="_blank">Boris Becker</a> und Horst Schlaemmer sprechen da eine deutliche Sprache. </p>

<p><img alt="Rodeo, Rechte: WDR/Reumont" src="http://www.wdrblog.de/einslivereise/nz_rodeo_louisa_blog.jpg" width="400" height="361" /></p>

<p>Also fragte ich mich: Ist das womoeglich ein nationales Problem? Ist der Berliner Schlaffi eigentlich der Deutsche Schlaffi? Muss ich mir Sorgen machen, dass die deutschen Frauen bald alle nach Neuseeland auswandern, wo die Maenner noch Antrieb haben und Feuer? Wo man im Pub als Maedchen von Fremden ein Bier in die Hand gedrueckt bekommt, ohne mit ihnen flirten zu muessen, einfach aus Galanterie?  Wo Typen zum Spass am Wochenende den Marathon laufen oder ein mittelhohes Gebirge erklimmen oder auf wilden Stieren reiten? Wo Maenner noch Rugby-Spieler sind und fischen koennen? Wo Russell Crowe herkommt? (Gerade wirft mir mein Freund einen strafenden Blick zu, also muss ich wohl erwaehnen, dass die franzoesischen Jungs auch alle total dolle sind.) Werden demnaechst Schiffladungen deutscher Aspirantinnen auf der Suche nach dem richtigen, dem wahren Mann an Neuseelands Kuesten angespuelt? Und werden die Maenner daheim dann vollkommen allein und unterfraut sein?</p>

<p><img alt="Taucher mit zwei toten Fischen, Rechte: WDR/Reumont" src="http://www.wdrblog.de/einslivereise/nz_jean_tauchanzug_louisa_blog.jpg" width="400" height="331" /></p>

<p>Doch dann, ploetzlich, hatte ich eine Erleuchtung. Bei der Internetrecherche fielen meine Augen auf zwei Prachtkerle, zwei Goldjungs, zwei Ritter in scheinender Ruestung, die die Ehre der deutschen Maenner im Alleingang retten koennten. Sie sind jung, sie sind sexy, und, hallelujah, sie sind erfolgreich (na ja – Fernsehen waere schon cooler als Radio, aber wir wollen mal nicht so picky sein)! Dieses strahlende Laecheln, diese maskuline Ausstrahlung, diese schicken Pullis, locker um die muskuloesen Schultern gelegt - ja, es ist gewiss: <a href="http://www.einslive.de/medien/html/1live/2009/08/17/1live-waehlen-olli-micha.xml" target="_blank">Olli Briesch und Michael Imhof</a> verkoerpern die glorreiche Zukunft des deutschen Maennerbildes. Da sie praktischerweise zur <a href="http://www.einslive.de/magazin/aktionen/2009/waehlen/online_trend_olli_micha.jsp" target="_blank">Wahl</a> stehen (wofuer auch immer, so ganz geschnallt habe ich das nicht), habe ich gleich mal fuer sie abgestimmt. Um meinen Standpunkt klar zu machen. </p>

<p><img alt="Wahlplakat Olli Briesch und Michael Imhof; Rechte: WDR" src="http://www.wdrblog.de/einslivereise/blog_waehlen.jpg" width="400" height="200" /></p>

<p>Solche Maenner brauchen wir! Maenner, die kompetent sind, die feste Handschlaege geben, aber sich nicht schaemen, auch mal mit Welpen zu spielen. Maenner, die Humor haben und Ambitionen, die etwas bewegen wollen (selbst wenn sie keine Ahnung haben, was). Maenner in Anzuegen! Obwohl die beiden vermutlich ein Paar sind, von den Fotos her zu urteilen, geben sie mir Hoffnung fuer die Paarungssituation der deutschen Frauen. Wenn sich doch andere ein Beispiel an diesen Prachtexemplaren nehmen wuerden; dann muesste sich auch keine desillusionierte Zeitungskolumnistin ihren Maennerfrust von der Seele schreiben.</p>

<p>Deshalb hier meine Waehlerforderung, Olli und Micha: Macht die Maedels im Sektor gluecklich! Das sollte fuer euch doch ein Kinderspiel sein, oder?</p>]]>

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<title>Kino-Tipp aus Kiwiland</title>
<link rel="alternate" type="text/html" href="http://www.wdrblog.de/einslivereise/archives/2009/08/kinotipp_aus_ki.html" />
<modified>2009-08-11T13:16:41Z</modified>
<issued>2009-08-11T11:29:59Z</issued>
<id>tag:www.wdrblog.de,2009:/einslivereise//24.7959</id>
<created>2009-08-11T11:29:59Z</created>
<summary type="text/plain">Soeben komme ich aus dem Kino, wo ich mir als Ablenkung gegen den grauen Winter eine ordentliche Beziehungskomoedie genehmigte. Meinen Freund schleppte ich mit, weil ich fand, dass auch er eine Dosis Beziehungskomoedie vertragen koennte. Die Wahl fiel auf Separation...</summary>
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<name>louisa</name>
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<email>internet.1live@wdr.de</email>
</author>

<content type="text/html" mode="escaped" xml:lang="de" xml:base="http://www.wdrblog.de/einslivereise/">
<![CDATA[<p>Soeben komme ich aus dem <a href="http://www.einslive.de/magazin/kino_dvd/">Kino</a>, wo ich mir als Ablenkung gegen den grauen Winter eine ordentliche Beziehungskomoedie genehmigte. Meinen Freund schleppte ich mit, weil ich fand, dass auch er eine Dosis Beziehungskomoedie vertragen koennte. Die Wahl fiel auf <em><a href="http://www.separationcitythemovie.com/">Separation City</a></em>. Nie gehoert? Verstaendlich, denn der Film ist eine Kiwi-Produktion. Und - oh Wunder! es kommen gar keine haarigen Fuesse drin vor diesmal, und auch keine elbisch murmelnde Liv Tyler. </p>

<p>Was aber vorkommt, ist ein englisch murmelnder Thomas Kretschmann, denn der spielt in <em>Separation City</em> einen deutschen Kuenstler namens Klaus (was sonst?), der ganz fies seine Frau betruegt, aber das super Zitat "I feel more comfortable in english - german is just too fucking formal" sagt, als ihn jemand fragt, ob es nicht schwierig sei, seine Emotionen in einer fremden Sprache auszudruecken. Ich stimme zwar sonst nicht so viel mit Klaus ueberein ("I should have never gotten married - no looking at great legs anymore, no staring at fabulous tits, no thinking about other womens' pussies"), aber mit oben genanntem Zitat hat er ausnahmsweise recht. Das weiss jeder, der schonmal in einen anderssprachigen Menschen verliebt war: "I love you" or "Je t'aime" oder aehnliches geht so viel leichter ueber die Lippen als ein sperriges "Ich liebe dich". Das klingt doch immer wie aus irgendeinem schlechten Schmalzfilm - ich muesste dabei jedesmal grinsen, was ja nicht so gut kommt, wenn man jemanden gerade eine Liebeserklaerung macht. Noch schlimmer: "Ich lieb' dich"! Grauenhaft. "I love you" dagegen geht ganz schnell, unkompliziert und hoert sich sehr angenehm an - kann ich jedem empfehlen, der sich einfach nicht traut, sich dem oder der Angebeteten zu offenbaren. Auch "Honey" klingt viel charmanter als "Schatzi", und "I want you" ist aufregender und nicht so arztromanhaft wie "Ich will dich".<br />
<img alt="separation_city_blog2.jpg" src="http://www.wdrblog.de/einslivereise/separation_city_blog2.jpg" width="400" height="220" /><br />
Auch das andere Ende des emotionalen Spektrums, Wut und Hass, kann ich uebrigens auf englisch wunderbar bedienen, waehrend ich auf deutsch nicht gerne schimpfe, weil alles entweder zu harmlos oder zu vulgaer klingt. "Little Shit" kann man wunderbar durch zusammengebissene Zaehne hindurch zischen, ohne dass man zu sehr aus dem Rahmen faellt, waehrend "Doofer Arsch" ziemlich lahm klingt. "Silly tart" ist an Verachtung nicht zu ueberbieten und auch wesentlich gehobener als "Ey, voll die Schlampe". Klaus wuerde mir da voellig zustimmen.</p>

<p>Falls <em>Separation City</em> es jemals in deutsche Kinos oder wenigstens Videotheken schafft (und dass sollte er, schliesslich gibt es sogar "Die Nacht der lebenden Loser" in Neuseeland auf DVD), guckt ihn euch an. Neben ein paar schoenen, winterlichen Szenen in Berlin vermittelt der Film naemlich ein feines Bild vom idyllischen Alltag heutiger Kiwis, wie wir ihn alle gerne leben wuerden: Junge Eltern mit Landrovern, Hochzeiten an der Steilkueste, Nachmittage am Pool mit Gegrilltem, Haeuser mit Panoramafenstern aufs Meer hinaus, kleine Schaefchen, die sich an kleinen Baechen laben - hach, wie eine einzige Reklame fuers schoene Neuseeland.<br />
<img alt="separation_city_blog1.jpg" src="http://www.wdrblog.de/einslivereise/separation_city_blog1.jpg" width="400" height="380" /><br />
Na ja, wenn da nicht Untreue, Frustration, schafeschlachtende Farmer und nicht zu vergessen Klaus waeren, die die Idylle kaputtmachen. "Paare kaempfen auf unterhaltsame Weise ums Ueberleben" koennte die Handlung zusammengefasst werden, wobei jeder mal mit jedem schlaeft, viel getrunken wird, Ehefrauen lesbisch werden und Ehemaenner zu schnell kommen, Selbsthilfegruppen und Fremdgehen auch nichts nuetzt und sich am Ende herausstellt, dass alles doch gar nicht so uebel war, damals (ich musste Jean mehrmals schwoeren, dass wir nie, niemals ein solches Paar werden - vielleicht haette ich doch <em>Transformers</em> mit ihm sehen sollen). Na ja. Neu ist das alles natuerlich nicht und eine Staffel <em>Friends</em> gibt einem vermutlich aehnliche Einblicke in die menschliche Psyche. Aber es ist sehr erfrischend, mal einen Film aus dem modernen Neuseeland mit normalen Leuten zu sehen, anstatt immer bloss Hobbits, Pianos und jodelnde Kriegerprinzessinnen vorgesetzt zu bekommen. Also bitte, haltet Ausschau nach <em>Separation City</em>. Und da auslaendische Filme in Deutschland ja zwangshalber einen voellig stupiden Titel aufgestuelpt bekommen, lasst euch nicht abschrecken, wenn es auf dem Cover heisst: <em>Leben und Lieben in Wellington</em> oder <em>Ein Volk zum Verlieben</em> oder <em>Just too fucking formal - der neue Thomas Kretschmann</em>.</p>]]>

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<title>Post it!</title>
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<modified>2009-08-04T11:13:07Z</modified>
<issued>2009-08-04T07:24:48Z</issued>
<id>tag:www.wdrblog.de,2009:/einslivereise//24.7946</id>
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<summary type="text/plain">Die Post will also den Brief abschaffen. Das finde ich gut! Da steh ich hinter! Mit Briefen habe ich derzeit eine ganz schlechte Beziehung, und mit Paketen auch - Pakete bitte auch abschaffen! Alle! Auf dass wir alles per Email...</summary>
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<![CDATA[<p><a href="http://www.einslive.de/multimedia/klick/2009/07/260709.jsp">Die Post will also den Brief abschaffen.</a> Das finde ich gut! Da steh ich hinter! Mit Briefen habe ich derzeit eine ganz schlechte Beziehung, und mit Paketen auch - Pakete bitte auch abschaffen! Alle! Auf dass wir alles per Email verschicken muessen, bis ans Ende aller Zeiten, und nie wieder mit Briefen und Paketen zu hantieren brauchen.</p>

<p>Entschuldigt meine Rage. Ich weiss, es ist nicht gut, mit Wut im Bauch zu schreiben. Und vielleicht ist es sogar schlechtes Karma und ich bin selber Schuld, aber es ist so: Briefe - und Pakete! - an mich: sie kommen nicht an. Oder selten. Und wenn, dann mit viermonatiger Verspaetung. Liegt es an der weiten Entfernung zwischen Deutschland und Neuseeland? Man sollte meinen, im Zeitalter von Flugzeugen sollte es machbar sein, ein Paket innerhalb eines absehbaren Zeitrahmens zuzustellen. Wir sind ja hier schliesslich weder in einem Kriegsgebiet ("Wenn du diesen Brief liest, sollte unser Kind schon laufen koennen") noch im Mittelalter ("Die Eilpostkutsche ist kurz hinter Weimar von Banditen ausgeraubt worden"). <br />
<img alt="paket_wdr_400.jpg" src="http://www.wdrblog.de/einslivereise/paket_wdr_400.jpg" width="400" height="380" /></p>

<p>Die mit Wein und Paté beladenen Pakete aus Frankreich, die die Eltern meines Freundes ihm in sicheren Abstaenden schicken, kommen schliesslich auch wohlbehalten an - bis auf das eine Mal, als eine der Flaschen unterwegs zerbrach und der neuseelaendische Zoll saemtliche Glassplitter in ein kleines Tuetchen verstaute, zusammen mit einer Karte, auf der man sein Bedauern ausdrueckte. Nett, oder? Bloß bei meinen Sendungen, da scheint es jedesmal Probleme zu geben. Mein erstes Geburtstagspaeckchen, dass mir meine Mama schickte, stand puenktlich zu Weihnachten vor der Tuer. Mein Geburtstag ist im Oktober. </p>

<p>Auch auf die neueste Paketration, die mich mit deutschen Buechern versorgen sollte, warte ich schon wieder eine Ewigkeit. Auch freundliches Nachfragen bei der NZ Post brachte mich nicht weiter. "Sorry, babe", teilte mir eine gleichgueltige Dame an der Hotline mit, "wir haben hier Tausende von unabgeholten Paketen rumliegen. Da kann keiner mal eben so nachgucken, ob eins fuer dich dabei ist." Ach so ist das. Na geilo. Von alphabetischer Sortierung hat man bei der Post offenbar noch nie gehoert. Dann werde ich mich wohl mal in Zen trainieren und einfach weiter warten, ob sich irgendwann jemand erbarmt, mir meine verdammten Buecher zu liefern. Schweinerei.<br />
<img alt="paketbrief_wdr_400.jpg" src="http://www.wdrblog.de/einslivereise/paketbrief_wdr_400.jpg" width="400" height="250" /><br />
Das Seltsame ist: Die Briefe und Pakete anderer Leute haben ueberhaupt keine Schwierigkeiten, bei mir anzukommen. Wenn ich morgens in den Briefkasten greife, habe ich mindestens vier Briefe fuer verplante Vormieter meines Hauses in der Hand, die es nicht geschafft haben, einen Nachsendeantrag zu stellen (falls es derartig Buerokratisches ueberhaupt in Neuseeland gibt). Und da es sehr unueblich ist, seinen Namen am Briefkasten oder dem Klingelschild anzubringen, werden die Briefe einfach weiter an die alte Adresse zugestellt. <br />
<img alt="Louisa; Rechte: WDR/Reumont" src="louisa_wdr_200.jpg" width="200" height="350"align="right" vspace=5 hspace=5 />Auf diese Weise konnte ich schon das bedauernswerte Schicksal eines Vormieters namens Tony verfolgen, der offenbar eine Firma von zu Hause aus betrieb, aber dann aus unbekannten Gruenden auszog - wohin, weiß keiner. Zuerst kamen Briefe von Banken. Dann von Insolvenzverwaltern und der Steuerbehoerde. Dann von Anwaelten. Und schliesslich vom Gericht. Obwohl Jean und ich all diese Briefe fleissig zurueckschickten, kamen immer neue nach. Auch eine ziemlich schaebige Nachttischlampe, die Tingeltangel-Tony bei TradeMe ersteigert hatte, fand den Weg zu uns. An dieser Stelle muss ich mich rauespern. Das Paket war selbstverstaendlich nicht durchsichtig und hatte auch nicht die Form einer Lampe. Dass eine Lampe drin war, weiss ich, weil wir das Paket geoeffnet haben. Ich weiß ja! Postgeheimnis und so. Aber es war kein Absender auf dem Paket, und es haette ja was Illegales sein koennen - Drogen fuer Tonys zwielichtige Machenschaften, oder Gwyneth Paltrows Kopf. Ausserdem muss ich an Paeckchen heutzutage nehmen, was ich kriegen kann! <br />
Ob Tony schliesslich im Knast landete, kann ich nicht sagen - wir zogen aus, bevor ein Sondereinsatzkommando uns das Haus umstellen konnte.</p>

<p>Wenn doch bloss mein Paeckchen endlich kaeme...</p>]]>

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<title>Das Kiwi-Gremium tagt</title>
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<modified>2009-07-29T10:10:25Z</modified>
<issued>2009-07-28T10:32:42Z</issued>
<id>tag:www.wdrblog.de,2009:/einslivereise//24.7927</id>
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<summary type="text/plain">Neulich - es war auf einer Parkbank - fragte mich jemand: &quot;Gibt es eigentlich noch einen Kaiser in Deutschland?&quot; Wirklich?! fragte ich mich, nicht zum ersten Mal. Wissen die Menschen hier echt so wenig ueber Deutschland? Haben sie einen Funken...</summary>
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<![CDATA[<p><img alt="osten_wdr_blog.jpg" src="http://www.wdrblog.de/einslivereise/osten_wdr_blog.jpg" width="191" height="253" align="left" vspace=5 hspace=5 />Neulich - es war auf einer Parkbank - fragte mich jemand: "Gibt es eigentlich noch einen Kaiser in Deutschland?" Wirklich?! fragte ich mich, nicht zum ersten Mal. Wissen die Menschen hier echt so wenig ueber Deutschland? Haben sie einen Funken Ahnung, welch geschichtstraechtige Dinge im letzten Jahrhundert in Deutschland passiert sind? Das galt es zu untersuchen. Ich rief ein Gremium aus (halbwegs) waschechten Kiwis zusammen und konfrontierte sie ueber Lammbraten und Kartoffelgratin mit dem knallharten Quiz <a href="http://www.wdr.de/themen/_phpinclude_/quiztool2/quiz_einslive/index.php?qid=1032">"Was wisst ihr ueber den Ost-Sektor?"</a> Wieviel Ahnung wuerden die Neuseelaender von deutsch-deutscher Geschichte haben, und was fuer ein Bild haben sie von Deutschland?</p>

<p><strong>Die Experten:</strong></p>

<p><img alt="Brendan; Rechte: WDR/Reumont" src="http://www.wdrblog.de/einslivereise/brendan.jpg" width="200" height="150"align="right" vspace=5 hspace=5 /><strong>Brendan</strong> faehrt wahlweise kleine Kinder zur Schule oder Touristen in aller Welt zu Attraktionen. Er sieht aus wie ein sehr gemeiner Tuersteher, ist aber ganz lieb. Als weitgereister Globetrotter muesste er ein bisschen was mitbekommen haben von Deutschland. Oder?</p>

<p><img alt="Gareth; Rechte: WDR/Reumont" src="http://www.wdrblog.de/einslivereise/gareth.jpg" width="200" height="150" align="left" vspace=5 hspace=5 /><strong>Gareth</strong> organisiert Gourmet- und Weintouren in Hawkes Bay, weil er Weintrinken und Essen besser fand als seine eigentliche Profession, Anwalt. Seine Guertellinie hat darunter ein wenig gelitten, seine Reiselust nicht. Berlin ist eine seiner Lieblingsstaedte. Wie wird er beim Quiz abschneiden?</p>

<p><img alt="Jean; Rechte: "WDR/Reumont" src="http://www.wdrblog.de/einslivereise/jean.jpg" width="200" height="150" align="right" vspace=5 hspace=5 /><strong>Jean</strong> ist, zugegeben, kein echter Kiwi. Fuenf exzessiv verbrachte Jahre in Neuseeland machen den franzoesischen Koch allerdings zu einem So-gut-wie-Kiwi. Das haben ihm auch seine neuseelaendischen Freunde bescheinigt, nachdem sie ihn fruehmorgens mit einer Bratpfanne behaengt einen enormen Berg hochscheuchten. Ob ihn seine Beziehung mit einer Deutschen zu einem Profi in Sachen Deutschland macht?</p>

<p>Zunaechst wollte geklaert werden, was unsere drei Jungs allgemein mit Deutschland verbinden - immerhin waren sie alle schon mal da, duerften also genug eigene Eindruecke gesammelt haben, um die ueblichen Klischees zu vermeiden. Glaubte ich zumindest, und fragte nach den ersten fuenf Dingen, die ihnen einfallen, wenn sie an Deutschland denken.</p>

<p>Brendan: "Bier, Lederhosen, Fraeuleins, Sauerkraut, der Rhein."<br />
Gareth: "Hitler, Bier, Autos, Fussball, Pornographie."<br />
Jean: "Sauerkraut, Bier, Kartoffeln, Bayern, Hitler."</p>

<p>Aha - von wegen Vermeidung von Klischees. Bier, Sauerkraut und Hitler, das sind wir fuer die Kiwis. Na prima. Was die Pornographie in der Aufzaehlung zu suchen hat, ist mir allerdings ein Raetsel. Aber ich kenne ja Gareths Filmgeschmack nicht. Nun auf zum Quiz! Mal sehen, was das Kiwi-Gremium in Sachen Geschichte drauf hat.</p>

<p>Erste Erkenntnis des Tests: Ueber die Eckdaten der DDR wissen unsere drei Neuseelaender schon mal bescheid. Immerhin war klar, was mit mit GDR ueberhaupt gemeint ist (das Quiz wurde aus einleuchtenden Gruenden auf englisch gefuehrt) und dass die Mauer nicht mehr steht, war auch bekannt. Puh! Auch bei der Frage nach dem Gruendungsjahr der DDR haute keiner so richtig daneben (wisst ihr's etwa aus dem Kopf?), und selbst die Symbole auf der Flagge konnten die Jungs aufzaehlen, obwohl Brendan den Bundesadler noch zu Hammer und Sichel mit drauf quetschte - ganz im Geiste der Wiedervereinigung vielleicht. Den Namen der nationalen Partei hatte er allerdings wesentlich musikalischer in Erinnerung als das Original - seiner Ansicht nach hiess die Partei POP - Peoples' Oppressive Party. Gareth und Jean spielten ein wenig mit den Begriffen "demokratisch" (hm?) und "kommunistisch" herum, bevor sie aufgaben.</p>

<p>Von Walter Ulbricht hatte man weniger Ahnung, weshalb die Frage nach dem Mann hinter den Worten "Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten" mit "Chruschtschow" (Jean), "Stalin" (Gareth) und "Roger Waters" (Brendan) beantwortet wurde. Ulbricht ist in Neuseeland halt nur "another brick in the wall". Die Freie Deutsche Jugend war ebenfalls kein Begriff, wobei "Children of the Corn", "Baby Commos" oder auch "Stalins Little Darlings" sehr annehmbare Alternativvorschlaege fuer die Jugendorganisation der DDR sind, finde ich. Noch mehr Fantasie setzte die Frage frei, wer oder was denn der beruehmte Trabi sei, auf dessen Lieferung fast jeder Buerger sehnlichst wartete: Brendan fragte unschuldig, ob es sich um eine AK47 handele, Gareth schlug, ganz Kiwi-Syle, ein Tier zum Braten vor - Kuh, Schaf etc. Erstaunliche Treffsicherheit bewiesen die Jungs bei der Beurteilung sozialistischer Mentalitaet, als die Frage nach dem Prozentsatz der arbeitenden Frauen in der DDR aufkam. Gareth und Jean lagen mit 85 und 95 Prozent ganz nah dran (richtig ist 90 Prozent), nur Brendan war mit fuenf Prozent etwas ab vom Schuss. Seine Rechtfertigung, "Frauen gehoeren in die Kueche", bitte ich zu entschuldigen und muss, wie alle boesen Dinge, dem Wein zugeschrieben werden, der an diesem Abend floss.</p>

<p>Als letzten Teil dieser kleinen Untersuchung bat ich die Mitglieder des Kiwi-Gremiums um ihren liebsten Satz auf deutsch. Das Ergebnis ist einigermassen verstoerend:</p>

<p>"Achtung, Achtung, Flakalarm!" (Jeans zaertliche Erinnerung an zahlreiche Kriegsfilme)<br />
"Das ist verboten!" (Gareths zaertliche Erinnerung an Urlaub in Deutschland; oder einen seiner deutschen Pornofilme)<br />
"Wo bist du denn, mein Schaetzele?" (Brendans zaertliche Erinnerung an seine deutsche Patentante)</p>

<p>Fazit: Unser Kiwi-Gremium beherrscht die Grundlagen, um Deutschland zu verstehen. Sie tun es dennoch nur begrenzt. Ein wenig Herumstoebern im Geschichtsbuch duerfte die Sache kitten. Das Wichtigste aber: Die Jungs scheinen Deutschland zu moegen, es sogar lustig zu finden. Und das passiert nun wirklich nicht so oft, oder? Daumen hoch, Kiwi-Gremium!</p>

<p><a href="http://www.wdrblog.de/einslive-osttour/" target="_blank">Erfahrt mehr über den Osten, meine Kollegin war gerade da.</a></p>]]>

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