Was sind die Ingredienzen einer perfekten Party? Diese Frage stellte ich mir kuerzlich, als ich mir den Videoclip zu
Lady Gagas Beautiful, Dirty, Rich anguckte. Hilft es wirklich, sich in Geldscheinen zu sulen und mit Statuen zu tanzen, waehrend man fabelhafte Bikins traegt? Mit 16 habe ich die Gelungenheit einer Party an den Bierflecken auf meiner Jeans, der Schmuddeligkeit meiner Sneakers und dem Rauchgestank in meinen Haaren gemessen - je mehr von allem vorhanden war, desto grandioser war die Party. Jeder scheint da eine andere Skala zu haben: Fuer die einen ist die Anzahl der Telefonnummern auf dem Arm, fuer die anderen die der geklauten CDs ausschlaggebend. Und einige behaupten, je weniger sie sich an den Abend erinnern koennen, desto besser muss er gewesen sein.
Aber was gehoert wirklich dazu, die perfekte Sause zu kreieren? Hier ein paar Vorschlaege von jemandem, der in letzter Zeit viel zu viele langweilige "Dinner-Parties" besucht hat (ob das automatisch passiert, sobald man sich verlobt hat?) und nach den guten Dingen des Lebens luestet: Ausschweifung, Rock'n'Roll und Billigbier.
Menschen
Am Anfang war die Menge. Ohne Freunde keine Fete. Aber: Wen laesst man rein, damit die Party keine Katastrophe wird? Soll man zum Beispiel wirklich diese anstrengende Bekannte einladen, von der man genau weiss, dass sie nach drei Bieren emotional wird und sich stundenlang heulend im Bad einschliesst? Oder diesen Typen, der die Gaeste garantiert in langweilige Gespraeche ueber Wirtschaftsrecht verwickelt? Schliesslich ist eine Party das Gegenteil von formal - muss man sich trotzdem an gewisse Etikette halten? Eines sollte man jedenfalls NICHT tun - die Party bei Facebook ankuendigen. Es koennte in
500 randalierenden, uneingeladenen Gaesten und einem Truemmerfeld resultieren.
Tanzen
Die spontane Umbenennung der Wohnzimmermitte zur Tanzflaeche gibt es hierzulande glaube ich nicht. Jedenfalls war ich noch auf keiner einzigen Kiwi-Party, bei der getanzt wurde. Vielleicht machen die Neuseelaender das einfach nicht? Schade, denn gibt es etwas besseres, als nachts um drei mit seinen Freunden zu The Passenger von Iggy Pop auf dem Teppich abzuzappeln? Nein! Nur hier sieht man mal Menschen tanzen, die sonst NIE tanzen. Nur hier kann man enthemmt auf den Tischen tanzen. Nur hier kann man die Dirty-Dancing-Schwebefigur vorfuehren, ohne rausgeschmissen zu werden. Nur hier kann man gluecklich sein.
Getraenke
Waehrend Bier aus praktischen Gruenden das allgemein anerkannte Standardgetraenk auf Parties ist (keine schmutzigen Glaeser, kein Rumhantiere mit Eis oder klebrigen Fluessigkeiten), bevorzuge ich Cocktails. Wichtige Werte wie Kommunikation und Kreativitaet werden hier aufs Schoenste gefoerdert, und darum geht es doch schliesslich beim Trinken. Die Kreativitaet wird zu spaeter Stunde sogar noch mehr herausgefordert, wenn alle Saefte und guten Sprituosen leer sind und die einzigen uebriggebliebenen Zutaten gefrorene Preiselbeeren und dieser eklige Nusslikoer sind. Man glaubt gar nicht, was man mit Weisswein, Sprite und Marshmellows so alles zaubern kann.
Uebrigens kann man in Neuseeland riesige Saecke voller Eiswuerfel fuer nur zwei Dollar im Supermarkt und an Automaten auf der Strasse kaufen. Schnell handeln, wer diese gigantische Marktluecke im deutschen Raum fuellen will!
Angeduselte Gespraeche mit Fremden
Meine drei Lieblingszitate:
1. "Wir sollten einen Horrorfilm drehen, bei dem eine riesige Gottesanbeterin allen Maennern die Koepfe abfrisst! Alles, was wir brauchen, ist Ketchup und ein Vergroesserungsglas!"
2. "Ach, du lebst in Neuseeland? Da gibt es doch noch einen Feen-Minister, oder?" "Feen? Nein. Du meinst Hobbits, aber die haben keinen offiziellen Vertreter, sind ja auch eine extreme Randgruppe."
3. "Hast du mal 50 Muelltueten und’n Gartenschlauch? Ich will deine Einfahrt in eine Wasserrutsche verwandeln."
Musik
Vielleicht der Hauptbestandteil einer Party. Eigentlich seltsam, dass sich so viele Gastgeber ueberhaupt keine Gedanken ueber ihre Playlist machen. Meine Nachbarn machen bei jeder Fete einfach das Radio an ("Radio Hauraki - Classic Rock That Rocks"), sodass unschoene, mit Werbung gefuellte Pausen entstehen, waehrend derer ploetzlich alle ganz lustlos und stumm werden. Auch das Rotieren desselben zwoelfstueckigen Albums wird irgendwann unertraeglich: Smells Like Teen Spirit kann ich genau einmal hoeren, bevor ich wahnsinnig werde. Gibt es eigentlich noch Leute, die vor der Party ganz old school eine liebevolle Playlist zusammenstellen, mit Spannungsbogen und Songs fuer bestimmte Anlaesse und Namen wie Louisa’s feurige Fetenhits Vol. 6? Meine derzeitigen Empfehlungen: Express Yourself von Charles Wright & The Watts, Killer von George Michael, Skin Deep von The Stranglers und natuerlich Beautiful, Dirty, Rich von Lady Gaga - fuer die perfekte Party.
Streng verboten sind uebrigens diese Saetze:
- "Koennt ihr euch bitte die Schuhe ausziehen?" Gibt es ja wirklich! Ich musste mal einen gesamten Abend in zwei loechrigen, verschiedenfarbigen Socken verbringen, anstatt meiner wunderschoenen Pfennigabsatzstiefel. Sah gar nicht gut zu meinem Kleid aus, ausserdem kam ich mir ploetzlich so mickrig vor. Grund fuer diese Erniedrigung: Das Parkett kriegt sonst Loecher! Wer an der Tuer schon seine Gaeste schikanieren will, verdient es, dass keiner zu seiner Party kommt.
- "Alle mal etwas leiser sein, sonst regen sich meine Nachbarn auf!" In Neuseeland gibt es die Institution der Noise Control, da kann man anonym anrufen und sich ueber die Lautstaerke nebenan beschweren. Die Beamten ruecken dann an, druecken dir eine excessive noise direction (passenderweise END abgekuerzt) in die Hand und nehmen dir eventuell die Stereoanlage ab. Das ist natuerlich bloed, aber ein Minimum an Rock"n"Roll sollte bei einer guten Party vorhanden sein. Und wie in aller Welt feiert man leise? Also: Nachbarn ignorieren, Lautstaerke aufdrehen.
- "Gibt nix mehr!" Ein guter Gastgeber sorgt im Vorhinein fuer genuegend Verpflegung, basta. Falls man doch mal auf dem Trockenen sitzt, sollte man seine Freunde gut genug im Griff haben, um sie zur naechsten Tankstelle abzudisponieren. Zu behaupten, es gaebe nichts mehr, um die Party zu beenden, ist schlechter Stil.
Verwirrt ueber Party-Etikette? Aber das macht doch nichts: Man kann es sich ja auch viel einfacher machen - und zum Beispiel
hierhin gehen.
von Louisa von Reumont um 10:36
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....oh ja, schuhe ausziehen geht gar nicht. um es mit carrie bradshaw zu sagen ( blick auf kleid und dann runter zu den schuhen) "this is an outfit!" damn right! schuhe machen doch erst den look komplett, und was ist eine party schon ohne ein richtig glamouröses outfit?
dean am 2.04.10 15:24
Genau! 1live-Partys sind Kult! Hmm.. schwieriges Thema.. die Anforderungen an eine gute Party sind ja so verschieden, wie die Gäste selbst! Also in erster Linie denke ich, zählt ja der Alk?! Je mehr Sprit, desto weniger bekommen die Gäste ja bekanntlich mit, z.B. von den Werbepausen im Radio, den langweiligen Gesprächen mit den langweiligen Gästen, oder den kalten Füßen! Auch ist es sicher von Vorteil, das Ende einer Party nicht mehr mit zu bekommen, wenn der Gastgeber diese z.B. all zu frühzeitig beendet! Ich mein, über Musik läßt sich ja streiten,über die persönlich bevorzugten Drinks ja auch, aber eins geht ja gar nicht, eine Party die schon kurz nach Mitternacht endet! Nix ist ja schlimmer wie am Höhepunkt des Spaßes wieder nüchtern zu werden (das ist ja wie Sex ohne Orgassmus)! Das in Neuseeland nicht getanzt wird finde ich übrigens sehr lustig, quasi treu dem Motto, wer bereits sitzt kann dann im Voll-Rausch nicht mehr umfallen (bzw. fällt dann nicht mehr so tief)? Und was die Partygäste angeht, da gilt ja schon seit Jahren, wer was auf sich hält und es sich leisten kann, der angerschiert die Hilton (von der kann auch die Gaga was Partys angeht noch einiges lernen)!
So, ich wünsch Euch noch schöne Ostertage und sag jetzt mal.. feiert nicht zu viel! ;-)
LG.. Patrick
PS: Sucht Ihr in Neuseeland auch Eier, oder versteckt man dort traditionell Kiwis? *grins*
MadMatt am 3.04.10 5:49
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