Na, es geht doch! So langsam scheint der
Fruehling im Sektor einzuziehen. Und mit den entsprechenden Glueckshormonen,
leichten Klamotten und milderen Temperaturen kommt die Reiselust. Warum nicht mal ueber Ostern in den Urlaub fliegen? Jawoll, ich sage fliegen, denn obwohl das
Reisen per Flugzeug mittlerweile so politisch unkorrekt ist wie handgeknuepfte Teppiche von indonesischen Vorschulkindern, geht es immer noch am schnellsten, und mal ehrlich, wer verzichtet schon freiwillig auf eingeschweiste Omelettes zum Fruehstueck?
Wer diesen Fruehling ein etwas weiter entferntes Ziel ansteuert, sollte sich allerdings an ein paar einfache Regeln halten, damit der Flug nicht zur Hoelle wird. Hier ist es, das ABC der Langstreckenfluege:
Nicht tun
- Wichtigkeit faken: Laut dem sonst sehr nuetzlichen Schott’s Original Miscellany hat man die besten Chancen auf ein Upgrade, wenn man "VIP customer - Upgrade wherever possible" auf sein Flugticket stempelt und dieses in einem Umschlag verpackt dem Personal am Schalter ueberreicht. Aus gut unterrichteter Quelle weiss ich, dass das voelliger Quatsch ist und man mit diesem Trick hoechstens ausgelacht wird. Auch schnieke Kleidung scheint nicht die Loesung zu sein: Ein Freund von mir, nennen wir ihn Gareth (hauptsaechlich, weil er so heisst), wurde auf seinem Rueckflug von Spanien in die erste Klasse befoerdert, wo er sich Champagner und Austern hingab, obwohl er durch seine dreckigen Snaekers und verschwitztes T-Shirt eindeutig als Backpacker zu erkennen war; er weiss bis heute nicht, warum, vermutet aber, dass sein Vielfliegerstatus damit zu tun hat. Na toll.
- Unaufmerksam sein: Schonmal im falschen Flieger gesessen? Was sich wie eine Szene aus Kevin allein in New York anhoert, ist einer Bekannten vor kurzem tatsaechlich passiert: Sie wunderte sich noch, warum vor dem Start alle Passagiere so angeregt ueber New Orleans plauderten, obwohl der Flug doch nach Oklahoma City ging, bis ihr ein Licht aufging. Sie sprang aus ihrem Sitz auf, rief irgendwas ueber vertauschte Flugzeuge und rannte panisch ueber das Flugfeld, um den Flieger nach Oklahoma City zu finden. Wie durch ein Wunder schaffte sie es tatsaechlich, bevor man sie festnahm oder der Flieger nach New Orleans sie plattwalzte. Nicht zu empfehlen.
- Betrunken auftauchen: Ich weiss nicht, wie es in Deutschland ist, aber das Air-New-Zealand-Personal ist sehr rigoros im Aussortieren unerwuenschter Fluggaeste; dazu zaehlen agressive, uebelriechende (!) und eben betrunkene Menschen. Gareth, der Vielflieger, kam einmal direkt von einer durchzechten Nacht anlaesslich einer Hochzeit zum Flughafen. Der Security-Mann guckte einmal an ihm herunter, sah den zerknitterten Anzug, die Bierflecken, die lose Krawatte und den torkelnden Gang, und sagte "Ich kann verstehen, dass Sie bloss Spass haben wollten, aber ich kann Sie nicht auf diesen Flug lassen. Im Uebrigen empfehle ich Ihnen, sich zu waschen." Autsch! Auch trinken im Flieger ist keine gute Idee; seltsamerweise hilft es einem kein bisschen, einen Langstreckenflug zu ueberstehen, sondern verlaengert bloss den Jetlag um etwa vier Tage.
- Sich fuer den Flug huebsch machen: Nach 20 Stunden Flug sieht selbst das makelloseste Make-Up aus wie eine broeckelnde Clownsmaske, die coolen Highheels fuehlen sich wie Lotusschuhe an und das schoene Kleid ist zerknittert und voll mit Kekskruemeln. Mit anderen Worten, man sieht aus wie ein Freak. Wollsocken, Jogginganzug und Feuchtigkeitscreme machen wesentlich mehr Sinn, auch wenn man nicht wie der sexy Rockstar aussieht, der wir alle gerne sein wuerden, wenn man aus dem Flieger steigt.
Tun:
- Gepaeck vorwiegen: "Okay, Sie haben ein paar Kilo Uebergewicht, das macht dann 200 Dollar." Dieser Satz kann einem schon im Voraus den Urlaub versauen, und nicht nur, weil man sich ploetzlich so fett fuehlt. Hektisches Umgepacke ins Handgepaeck, zischelndes Debattieren ueber die Notwendigkeit diverser Gegenstaende ("Musst du denn unbedingt deinen Haarglaetter mitnehmen?!" "Musst du denn unbedingt drei Flaschen Gin dabeihaben?!") und genervte Blicke aus der Schlange hinter einem sind meistens die Folge. Besser: den Koffer zu Hause auf die Waage stellen.
- Hydrieren, hydrieren, hydrieren: Weil diese kleinen, lachhaften Plastikbecher nie im Leben ausreichen koennen, um den Koerper mit genug Wasser zu versorgen, ist es eine gute Idee, sich im Duty-Free-Bereich mit genuegend Fluessigkeit einzudecken. Zwar muss man dann oefters pipi und also in regelmaessigen Abstaenden seinen Sitznachbarn den Hintern ins Gesicht halten, waehrend man ueber sie druebersteigt, aber wenigstens schrumpelt man nicht ein wie eine Rosine und hat viel weniger Jetlag.
- Beschaeftigungstherapie: Selbst wenn man geplant hat, den Flug damit zu verbringen, die gesamte dritte Staffel von Dexter zu gucken, kann es sein, dass die jeweilige Fluggesellschaft nicht mit dem erwarteten Level an Technik mithalten kann. Auf dem zwoelfstuendigen Aeroflot-Flug von Auckland nach Moskau bestand das gesamte Unterhaltungsprogramm in einem Video eines 70er-Jahre-Soviet-Films, der nach fuenf Minuten abriss. In einer solchen Situation ist es sehr hilfreich (und gut fuers Nervenkostuem), wenn man einen mp3-Player oder ein
Buch parat hat, um den unendlich leeren Hohlraum zu fuellen, der sich Langstreckenflug nennt.
- Ehrlichkeit: Viele Laender sind ultravorsichtig mit den Dingen, die sie ins Land lassen. Es koennte ja sein, dass die im Urlaub gesammelten Muscheln toxisch sind und die gesamte Bevoelkerung ausloeschen. Neuseeland ist so ein Land. Jeder Wanderschuh, jede Feder und jedes Nahrungsmittel muss theoretisch beim Zoll erklaert werden, bevor es einreisen darf. Ich mache das auch. Da man mich auf zwanzig Meter Entfernung beim Luegen erwischen kann, bin ich lieber ehrlich und deklariere alles. Bei meiner letzten Einreise waren das ein paar dubiose Samen, die mir meine Mutter zum Einpflanzen mitgegeben hatte. Da ich keinen Schimmer hatte, was genau da bald meinen Garten schmuecken sollte, ordnete der Zollbeamte einen halbstuendigen Samenidentifikationstest an, zur Sicherheit. Koennte ja sein, dass meine Mutter mir Marijuana unterjubeln wollte. Ich liess die Samen da. Hatte sowieso noch nie einen gruenen Daumen.
Guten Flug!
von Louisa von Reumont um 13:38
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