Du meine Guete! Was ist denn da los im Sektor? Das ist ja spannender als Tatort Muenster (ach, wie ich Professor Boerne vermisse)! Hochsicherheitsgefaengnis, Ausbrecher, Geiselnahmen, Grossfahndung, Verfolgungsjagd, Festnahme, JVAs, BMWs, SEKs - und korrupte Beamte noch obendrauf. Verstoerend! Und ich dachte, ich lebe in einer gefaehrlichen Stadt, seit ein
meschugge gewordener Anwohner mit Waffenarsenal die Polizei drei Tage lang in Atem hielt.
Die Internet-Foren zum Thema
"Ausbrecher auf der Flucht" laufen heiss, die Empoerung ist gross. Ein klitzekleines Wort sorgt dabei besonders fuer Aufruhr: "Waerter". Wie in: Gefaengniswaerter. Offenbar ist das Zoo-Jargon und politisch unkorrekt. Richtig waere "Justizvollzugsbeamter" (was ja auch viel schoener klingt). Ist das nicht prima, wenn sich schon in Foren, in denen es um gefaehrliche Ausbrecher (sorry: Entweicher?) geht, engagierte Buerger gegenseitig Deutsch beibringen?
Dabei ist doch voellig klar, warum wir viel lieber "Waerter" sagen: Wir haben alle zuviele Gefaengnisfilme gesehen. Bei Die Flucht von Alcatraz waren es Waerter, bei Prison Break waren es Waerter, beim Frauenknast waren es Waerter. Und warum sollten wir es nicht auch sagen? Ein bisschen rauhe Romantik und Abenteuer in unserem Sprachschatz kann doch nicht schaden. Was waeren wir denn ohne Knast-Slang? Niemand wuerde sich mehr den Klassiker Papillon angucken, wenn Steve McQueen anstatt "Die Waerter kassieren den Kies" "Die Justizvollzugsbeamten nehmen die Aktiva entgegen" schnarren wuerde. Kein Schwein wuerde Die Leiden des jungen Justizvollzugsbeamten lesen.
Ist ja auch kein Wunder, dass uns "Justizvollzugsbeamter" nur schwer ueber die Lippen geht. Was ist denn das auch schon wieder fuer ein Wort?! Das gehoert gleich in einer Reihe mit "Personenvereinzelungsanlage", "Oeffentlicher Personennahverkehr" und "Rauhfutterverzehrende Grossvieheinheit". Beamten gibt es vielleicht einen Kick, mit diesen Worten um sich zu schmeissen, aber ich sage weiterhin "Drehkreuz", "Bus", "Kuh" - und "Waerter", jawoll!
Im Englischen ist es einfacher, da heisst der Justizvollzugsbeamte schlicht guard. Als kleines Experiment habe ich Jean gefragt, wie er prison guard ins Deutsche uebersetzen wuerde - er kennt zwar nur ein paar Ausdruecke auf deutsch, ist aber sehr gut im "intuitiven Uebersetzen" - also raten. Er bedient sich dabei seines internationalen Sprachschatzes sowie verblasster Erinnerungen an Filme, die im zweiten Weltkrieg spielen.
Jeans spontaner Vorschlag fuer die Uebersetzung war "Stalag-Garde" (ich erwaehnte ja die Zweiter-Weltkrieg-Filme). Au weia - dann vielleicht doch lieber Justizvollzugsbeamter...
von Louisa von Reumont um 13:00
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ja klar. "höchst gefährliche ausbrecher"! also wer seiner "geisel" noch nen zehner gibt weil der tank leer ist und sie "ja irgendwie noch nach hause kommen musste" klingt sehr "gefährlich"...
macht euch ruhig sorgen, sonst wirds ja irgendwann langweilig...
"ich gehe auch nur noch sehr ungern zum einkaufen raus". Hallo?!
Pillè Pallè am 8.12.09 1:14
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Zum SeitenanfangEs war einmal ein suesser, kleiner Delfin, der keine Eltern mehr hatte. Er schwamm ziellos im Ozean vor Neuseeland umher, bis er irgendwann an eine Kueste namens Hawkes Bay gelangte, an der ein paar Menschenkinder im flachen Wasser spielten. "Hier gefaellt es mir", dachte der kleine suesse Delfin, "hier bleibe ich". Fortan schwamm er die Kueste hinauf und hinab, freundete sich mit den Menschen an und spielte mit ihnen, wann immer sie im Wasser planschten. Nach und nach kamen immer mehr Menschen angereist, die von dem freundlichen Delfin gehoert hatten, und waren entzueckt, wenn Moko, wie sie ihn nannten, ihnen Fische zum Geschenk machte, sie spielerisch anstupste und sich von den Kindern streicheln liess. Moko war der Darling von Hawkes Bay.
Dann kam Moko in die Pubertaet, was die Sache schwierig machte. Wie alle Heranwachsenden mit Identitaetsproblemen wurde Moko launisch und unberechenbar und begann immer mehr, seine Grenzen auszutesten. In Mahia hielt er arglose Paddler davon ab, zurueck zur Kueste zu gelangen, in Wainui klaute er zahlreichen Surfern ihre Bretter unterm Hintern weg, in Gisborne schubste er zwei Maedchen von ihren Paddelbrettern, die sich dabei verletzten. Boeser Moko!
Sogar bis auf
Tagesschau.de haben es die Eskapaden des aufruehrerischen Meeressaeugers geschafft. Hier kann man ihn, ganz á la Polizeifoto, von drei Seiten aus betrachten. So schoene Bilder habe ich leider nicht, dafuer aber ein Foto von mir mit bescheuertem Hut auf und Mokos hood im Hintergrund. Ich habe naemlich letztes Jahr das Vergnuegen gehabt, den kleinen Stoerenfried persoenlich kennenzulernen. Na ja, es war eine kurze Begegnung, genau gesagt hat mich Moko einmal kurz angerempelt und ist dann zu einer Gruppe spielender Maedchen in Bikinis weitergeeilt, um sie zu bespassen (der feine Herr!). Ich kannte dieses Verhalten noch aus der Mittelstufe, machte mir also nicht viel daraus. Aber ein kleiner Rest Beleidigung blieb doch zurueck, weshalb es mich jetzt gar nicht wundert, dass Moko zu einem Ruepel heranwaechst, der andere vom Surfbrett schubst. Das haette ich euch gleich sagen koennen. So ein Verhalten hoert erst wieder nach der Pubertaet auf, also bei Jungs so mit 25. Was das in Delfinjahren ist, weiss ich nicht, aber ich persoenlich werde Moko jetzt erstmal aus dem Weg gehen. Und meine Telefonnummer will ich auch wiederhaben. Strafe muss sein.
Uebrigens hat es mich doch ein klein wenig gewundert, dass die Tagesschau ueber Moko den unhoeflichen Pubertaetsdelfin berichtet, waehrend sich doch gleichzeitig ein viel spektakulaereres, ja geradezu weltveraenderndes Ereignis an der Kueste Neuseelands abspielt: Das Land der langen weissen Wolke feuerte soeben seine
erste Weltraumrakete ab! Nur 66 Jahre, nachdem das zum allerersten Mal passiert ist (damals uebrigens in Deutschland)! Wenn das kein Fortschritt ist, Ladies und Gentlemen. Das Ganze wurde von einem privaten Unternehmen von Space-Geeks finanizert (der Direktor der Firma heisst Mark Rocket - kein Scheiss). Zwischen 100 und 150 Kilometer hoch ist die Rakete geflogen, dann sauste sie wieder runter und schwimmt jetzt irgendwo im Meer herum, bis sie wieder aufgesammelt wird.
Falls Moko sie nicht zuerst sieht, natuerlich.
von Louisa von Reumont um 9:41
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Cool dass die randalierende Viecher da unten wenigstens leben lassen: In Bayern bekommen pelzige freilaufnde Tiere sofort "Problem-" als Präfix und werden abgeknallt, in Belgien wird die grosse Mieze von trigger-Happy-Rednecks gejagt und mit nem anderen Puma geködert.
Erinnert irgendwie an nen alten Ostfriesenwitz: Wenn der Ostfriese im Boot sitzt und Wasser durfch ein Loch eindringt, bohrt er ein zweites, damit es abläuft.
Und wenn in Belgien ein Puma umhestreift, wird ein zweiter ausgesetzt, um ... das Problem damit irgendwie zu lösen ...
Freddi am 1.12.09 9:41
ZENSUR! Skandal! Den Beitrag GAB es schon mal. Ganz recht - Präteritum! Darf man erfahren warum Mokos Geschichte gekürzt wurde? Doch nicht etwa wegen ein viel zu spät abgeschossenen Rakete vom Herrn Rocket?
rob am 2.12.09 0:44
Und was ist aus Moko geworden? Hier in Deutschland wäre er ja ein "Problemdelfin". Versucht man ihn zu vertreiben, oder läßt man ihn sein Unwesen treiben?
Ina am 2.12.09 15:51
super beitrag! sehr unterhaltsam zu lesen! weiter so!
Julien am 8.12.09 1:16
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