Neue Runde fuer den Gewichtswahn
Wir machen uns sehr gerne Sorgen. Derzeit am liebsten ueber die Koerper von Frauen. Darueber, ob wir zu duenn sind, oder zu dick. Oder normal, aber uns als zu duenn oder dick empfinden. Ob Fettsucht schlimmer als Magersucht ist, mollige Hueften attraktiver als staksige Beine, ob Liv Tyler zu viel isst und Keira Knightley nicht genug, was am besten gegen Cellulite hilft und wie man knochige Schultern verhuellt, ob nach dem Twiggy-Revival das Rubens-Revival kommt, und ob Karl Lagerfeld ueberhaupt das Recht hat, sich ueber
Frauen und ihr Gewicht zu aeussern, wo er doch gar nicht auf Frauen steht.
Die endlose Debatte ueber
weibliche Idealmasse, Models als Vorbilder und Gewichtswahn geht in eine neue Runde, und so langsam frage ich mich: Koennnen wir nicht endlich mal alle die Schnauze halten? Gibt es nichts Wichtigeres, ueber das man reden koennte, als darueber, wie wir bitte schoen auszusehen haben (und wie auf keinen Fall!), damit wir a) ein gutes Selbstwertgefuehl haben, b) fit und gesund sind und c) moralisch vertretbar (keine bulimischen Hungerhaken! - aber auch keine fettleibigen Nimmersatte!), ach, und natuerlich d) attraktiv fuer das andere Geschlecht. Anstatt Regeln aufzustellen und mit BMIs um uns zu schmeissen, koennen wir nicht einfach aufhoeren, unsere Koerper so verdammt wichtig zu nehmen? Nuetzt es eigentlich irgend jemandem, wenn wir uns permanent ueber das Gewicht von Frauen Gedanken machen, den Dicken ebenso wie den Duennen?
Mit Maennern machen wir das doch auch nicht. Wir finden Jude Law geil (eher schmaechtig), wir finden 50 Cent geil (Muskeln all over), wir finden Mark Owen geil (klein), wir finden Josh Hartnett geil (gross); wir finden sogar Jack Black geil! Ein bisschen. Niemand macht sich Sorgen ueber die Schulterblaetter von Edward Norton oder den Bierbauch von Russel Crowe. Aber wenn Heidi Klum zwei Monate nach der
Entbindung ihres Kindes schon wieder ihren Waschbrettbauch herumzeigt, macht sie Schlagzeilen als Spitzenvorbild, obwohl das schlicht und einfach zu ihrem Job gehoert.
Und deshalb ist es auch voellig egal, ob Karl Lagerfeld duerre Models doller findet als "dicke Muttis mit der Chipstüte vorm Fernseher" und der Ansicht ist, dass "runde Frauen keiner sehen will". Selbst, wenn das Gegenteil der Fall waere und er nur noch frittenessende 80-Kilo-Plus-Models beschaeftigen wuerde, um ein Zeichen zu setzen - es geht um die Besessenheit, mit der unsere Koerper unter die Lupe genommen und andauernd thematisiert werden, die Ueberhand nimmt. Die Brigitte versucht jetzt, dagegen zu steuern, indem sie ueberhaupt
keine Models mehr fuer ihre Modestrecken engagiert, sondern nur noch Normalos. Ob das gut fuer die Auflage ist, weiss ich nicht - das Problem ist schliesslich nicht, dass duenne Menschen gezeigt werden, sondern unsere eigene Annahme, dass so jeder aussehen sollte.
Wie scheinheilig die ganze Debatte ist, demonstriert sehr fein ein Artikel des Sterns, in dem zum
"Putsch gegen den Modezar und andere Mager-Fetischisten" aufgerufen wird, und zwischendurch die Google-Anzeigen fuer "5 Tipps fuer flachen Bauch" werben, mit denen man "ein Kilo Bauchfett pro Woche" abnehmen kann.
Also bitte: Kriegen wir uns alle wieder ein, lassen Models Models und Muttis Muttis sein, essen unsere Spaghetti und kuemmern uns um die wirklich wichtigen Sachen im Leben.
Gesichts-Friteusen, zum Beispiel.
von Louisa von Reumont um 10:54
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...ist mir völlig egal, was lagerfeld über dünne oder dicke sagt: ich finde den mann einfach klasse.
und, ganz ehrlich, ich will wieder so schlank sein, wie mit 50; da habe ich 59 kg gewogen. jetzt mit 55 ganze 64 kg, das heißt: pro jahr 1 kg mehr auf dem bauch. wenn das so weiter geht, bin ich mit 70 aber immer noch 15 kg leichter als lagerfeld mit 55, oder so ...ob mich das tröstet?
wieder ehrlich: nein, nein und nein. ich will in allen klamotten, die mir gefallen, gut aussehen; und niemals möchte ich mir kleidung kaufen, die meine wampe generös umspielt.
danke, karl!
ellen c/o berlin am 13.10.09 18:41
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