Sechseinhalb Millionen Liter Bier. Ueber tausend Tonnen Muell. Sechs Millionen Menschen aus allen Laendern der Welt. 104 verspeiste Ochsen. Und jede Menge Fraeuleins mit grossen Bruesten und starken Unterarmen. Ladies und Gentlemen, das
Oktoberfest ist wieder mal im Gange.
Ich sag's gleich: Ich bin kein Fan. Genaugenommen loest das Oktoberfest in mir so viel Enthusiasmus aus wie ein Flippers-Konzert. Zugegeben - ich war noch nie da, kenne das infernalische Treiben also nur aus "Taff"- und "RTL Explosiv"-Berichten; die allerdings sind meistens liebevoll recherchiert und lassen keinen Kotzkrampf, kein verstopftes Dixie-Klo und keinen Mein-Portemonnaie-ist-weg-ich-bin-betrunken-weiss-nicht-wo-ich-bin-und-mein-Bein-scheint-gebrochen-zu-sein-Eklat aus, vermitteln also ein ziemlich gutes Bild vom Phaenomen Oktoberfest. Oder vom Flippers-Konzert, wo wir schon dabei sind.
Erwaehne ich aber das Oktoberfest (oder Bayern; oder Bier; oder Maedchen in Dirndls; oder die Flippers) gegenueber einem Neuseelaender, kriegt er in drei von vier Faellen glaenzende Augen und rote Baeckchen und erzaehlt bewegt von seinem ganz persoenlichen Oktoberfest-Erlebnis - wenn es die Erinnerung durch die vernebelnden Schwaden von Alkohol geschafft hat, heisst das. Kiwis sind naemlich Experten zu dem Thema. Ich kenne niemanden, der nicht entweder schon dreimal das Vergnuegen gehabt hat oder eifrig an seinem ersten Trip zu den Wiesn feilt. Die hiesige Tourismusbranche kommt da gerne zur Hilfe: Etliche Anbieter haben sich auf Trips zum "Bierfest", wie viele Kiwis zielbewusst sagen (man geht ja schliesslich nicht wegen der Achterbahn hin), spezialisiert und karren jaehrlich Abertausende trinklustige Kiwis und Australier nach Muenchen - derart viele in der Tat, dass ich mich wundere, Neuseeland derzeit nicht halb leer vorzufinden.
Worin die Faszination fuer die Suedhalbkugler besteht, um die halbe Welt zu reisen, bloss um in einem ueberfuellten Zelt stundenlang auf eine ueberteuerte Mass Bier zu warten, kann ich mir nicht erklaeren. Zumal fuer Neuseelaender und Australier das Oktoberfest mit am teuersten ist: Im Hofbraeuhaus-Zelt zahlt der Bierliebhaber dieses Jahr
EUR 8,55 fuer eine Mass, das entspricht 17,45 Kiwi-Dollar. Im Pub um die Ecke wuerde ich etwa zwoelf Dollar zahlen. Trotz drohenden finanziellen Ruins scheint das Ganze aber ein sehr befriedigendes Erlebnis zu sein, das sogar nach mehr lechzen laesst: Dean und Caroline, ein befreundetes Paar, das vier Jahre lang in Hagen gelebt hat (kein Scheiss: Hagen!), waren insgesamt sechsmal beim Oktoberfest. Sechsmal Hopfen und Malz from hell!
Und sie sind nicht die Einzigen: Ich kann kaum eine Fussgaengerzohne durchqueren, ohne einem "I lost 2 Million brain cells at Oktoberfest 2006 and all I got was this lousy T-Shirt"-Behemdeten zu begegnen, kaum ein Haus betreten, in dem nicht auf irgendeiner verstaubten Anrichte ein Original-Oktoberfest-Bierkrug steht. Mit so viel religioesem Eifer wird sonst nur dem Rugby gehuldigt.
Es gibt Faelle, da fuehrt diese Begeisterung ein Stueckchen zu weit: Bei einer
Oktoberfest-Hommage-Party haben vor kurzem ein paar Studenten der Lincoln University ein bisschen was verwechselt und tauchten mit Swastikas und T-Shirts mit dem Slogan "Hitler is my homeboi" auf. Eventuell hatten sie die falsche Party erwischt. Jedenfalls war das Rektorat verstaendlicherweise not amused und forderte eine oeffentliche Entschuldigung, die prompt erfolgte. Autsch!
Also bitte, liebe Oktoberfest-Geher, ist doch eigentlich ganz einfach: Gehirnzellen verlieren - gerne. Nationalsozialismus proklamieren - nicht so gut.
Na denn, Prost!
von Louisa von Reumont um 11:28
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Hi Louisa,
bin auch ein sektorianer in NZ (JAFA) und amuesiere mich koestlich ueber deinen blog! Gefaellt mir, wie du die sachen (eigentlich: die kiwi-seele) auf den punkt bringst. Hatte jedenfalls diesen Winter die gleichen assoziationen wie du und bin froh, dass ich den stinkigen gasofen jetzt vorerst wieder einruempeln kann.
Weiter so und gruesse aus AKL
Matt(hias)
Matthias am 27.09.09 0:35
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