Soeben komme ich aus dem
Kino, wo ich mir als Ablenkung gegen den grauen Winter eine ordentliche Beziehungskomoedie genehmigte. Meinen Freund schleppte ich mit, weil ich fand, dass auch er eine Dosis Beziehungskomoedie vertragen koennte. Die Wahl fiel auf
Separation City. Nie gehoert? Verstaendlich, denn der Film ist eine Kiwi-Produktion. Und - oh Wunder! es kommen gar keine haarigen Fuesse drin vor diesmal, und auch keine elbisch murmelnde Liv Tyler.
Was aber vorkommt, ist ein englisch murmelnder Thomas Kretschmann, denn der spielt in Separation City einen deutschen Kuenstler namens Klaus (was sonst?), der ganz fies seine Frau betruegt, aber das super Zitat "I feel more comfortable in english - german is just too fucking formal" sagt, als ihn jemand fragt, ob es nicht schwierig sei, seine Emotionen in einer fremden Sprache auszudruecken. Ich stimme zwar sonst nicht so viel mit Klaus ueberein ("I should have never gotten married - no looking at great legs anymore, no staring at fabulous tits, no thinking about other womens' pussies"), aber mit oben genanntem Zitat hat er ausnahmsweise recht. Das weiss jeder, der schonmal in einen anderssprachigen Menschen verliebt war: "I love you" or "Je t'aime" oder aehnliches geht so viel leichter ueber die Lippen als ein sperriges "Ich liebe dich". Das klingt doch immer wie aus irgendeinem schlechten Schmalzfilm - ich muesste dabei jedesmal grinsen, was ja nicht so gut kommt, wenn man jemanden gerade eine Liebeserklaerung macht. Noch schlimmer: "Ich lieb' dich"! Grauenhaft. "I love you" dagegen geht ganz schnell, unkompliziert und hoert sich sehr angenehm an - kann ich jedem empfehlen, der sich einfach nicht traut, sich dem oder der Angebeteten zu offenbaren. Auch "Honey" klingt viel charmanter als "Schatzi", und "I want you" ist aufregender und nicht so arztromanhaft wie "Ich will dich".
Auch das andere Ende des emotionalen Spektrums, Wut und Hass, kann ich uebrigens auf englisch wunderbar bedienen, waehrend ich auf deutsch nicht gerne schimpfe, weil alles entweder zu harmlos oder zu vulgaer klingt. "Little Shit" kann man wunderbar durch zusammengebissene Zaehne hindurch zischen, ohne dass man zu sehr aus dem Rahmen faellt, waehrend "Doofer Arsch" ziemlich lahm klingt. "Silly tart" ist an Verachtung nicht zu ueberbieten und auch wesentlich gehobener als "Ey, voll die Schlampe". Klaus wuerde mir da voellig zustimmen.
Falls Separation City es jemals in deutsche Kinos oder wenigstens Videotheken schafft (und dass sollte er, schliesslich gibt es sogar "Die Nacht der lebenden Loser" in Neuseeland auf DVD), guckt ihn euch an. Neben ein paar schoenen, winterlichen Szenen in Berlin vermittelt der Film naemlich ein feines Bild vom idyllischen Alltag heutiger Kiwis, wie wir ihn alle gerne leben wuerden: Junge Eltern mit Landrovern, Hochzeiten an der Steilkueste, Nachmittage am Pool mit Gegrilltem, Haeuser mit Panoramafenstern aufs Meer hinaus, kleine Schaefchen, die sich an kleinen Baechen laben - hach, wie eine einzige Reklame fuers schoene Neuseeland.
Na ja, wenn da nicht Untreue, Frustration, schafeschlachtende Farmer und nicht zu vergessen Klaus waeren, die die Idylle kaputtmachen. "Paare kaempfen auf unterhaltsame Weise ums Ueberleben" koennte die Handlung zusammengefasst werden, wobei jeder mal mit jedem schlaeft, viel getrunken wird, Ehefrauen lesbisch werden und Ehemaenner zu schnell kommen, Selbsthilfegruppen und Fremdgehen auch nichts nuetzt und sich am Ende herausstellt, dass alles doch gar nicht so uebel war, damals (ich musste Jean mehrmals schwoeren, dass wir nie, niemals ein solches Paar werden - vielleicht haette ich doch Transformers mit ihm sehen sollen). Na ja. Neu ist das alles natuerlich nicht und eine Staffel Friends gibt einem vermutlich aehnliche Einblicke in die menschliche Psyche. Aber es ist sehr erfrischend, mal einen Film aus dem modernen Neuseeland mit normalen Leuten zu sehen, anstatt immer bloss Hobbits, Pianos und jodelnde Kriegerprinzessinnen vorgesetzt zu bekommen. Also bitte, haltet Ausschau nach Separation City. Und da auslaendische Filme in Deutschland ja zwangshalber einen voellig stupiden Titel aufgestuelpt bekommen, lasst euch nicht abschrecken, wenn es auf dem Cover heisst: Leben und Lieben in Wellington oder Ein Volk zum Verlieben oder Just too fucking formal - der neue Thomas Kretschmann.
von Louisa von Reumont um 13:29
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Du hast ja so recht. Sich in einer anderen Sprache auszudrücken, führt manchmal Komisches zu tage. Ich habe beispielsweise festgestellt, daß ich gar kein Problem habe in Englisch wunderbaren Smalltalk zu betreiben, während mich diese Art des Gepräches auf deutschen Parties/Geschäftsessen/Pärchenabenden total anstrengt
In diesem Zusammenhang möchte ich einen englischen Gentleman alter Schule zitieren, den ich einmal in einem Restaurant in Berlin traf und mit dem ich vortrefflichen Smalltalk betreiben konnte. Bei der Frage seiner Tischnachbarin nach seinem Job antwortete er nur nonchalant: "No business after eight, my dear." Schöner und eleganter kann man jemandem wohl kaum sagen, daß einen diese Art des Gespräches langweilt.
dean am 12.08.09 22:55
Also ICH habe Transformers mehrfach im Kino gesehen :)
Freddi am 13.08.09 12:52
Bei Transformers hast du nichts verpsast, selten habe ich so flaches Hollywood Kino gesehen.
Marius am 18.08.09 10:07
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