Ausnahmsweise mal eine Nachricht aus Neuseeland statt des Sektors: Waehrend man sich im friedlichen Deutschland ueber
Wahl-Weissagungen und krankende Banken Gedanken macht, herrscht hier in Napier naemlich zurzeit Ausnahmezustand.
Waehrend ich dies tippe, spielt sich 500 Meter Luftlinie von meinem Haus entfernt ein Thriller ab, der immer mehr zur Farce wird: 20 schwer bewaffnete Polizisten eines Sondereinsatzkommandos plus zwei Panzerfahrzeuge umzingeln ein Wohnhaus, in dem sich ein einzelner Mann verbarrikadiert hat - und das seit Donnerstag Morgen, nachdem er einen Polizisten erschossen und zwei weitere schwer verwundet hatte. Und das hier, im pittoresken Napier, wo die Leute nicht mal Fahrreader klauen! Eigentlich wollten die drei Polizisten bloss eine harmlose Cannabisfahndung durchfuehren - niemand haette vermutet, dass sie anstelle von peacigen Kiffern auf einen Killer treffen wuerden. Und weil durchgeknallte Todesschuetzen in Neuseeland tatsaechlich eher ungewoehnlich sind - normalerweise schiesst man hier nur auf Wildschweine und Hasen und so - hatten die Polizisten selbst keine Waffen dabei, um sich verteidigen zu koennen. Das ist hierzulande so ueblich, und normalerweise sind die Beamten stolz darauf, noch nie eine Schusswaffe gebraucht zu haben. Bloss half in diesem Fall Pfefferspray leider auch nicht weiter.
Nun gut, nach dem ersten Schock forderte man also gestern bewaffnete Verstaerkung an, die auch ruckzuck anmaschiert kam. Man sperrte etliche Strassen in der Umgebung ab, sodass Anwohner, die abends von der Arbeit nach Hause kamen, woanders uebernachten mussten. Man schloss drei Schulen im Bezirk. Dann wartete man. Und wartete. Und wartete ein bisschen mehr. Waehrenddessen lag der getoetete Polizist die ganze Zeit auf dem Grundstueck des Hauses, in dem der "Bluff-Hill-Killer", wie wir ihn des Sensationswahns halber mal nennen wollen, ab und zu mal Schuesse abgab. Aber raus kam er nicht. Und die Polizisten, die kamen nicht rein, denn, so vermutete man, der Bluff-Hill-Killer koennte ja vielleicht Sprengstoff dabei haben und alles in die Luft jagen, wenn man ihm auf die Pelle ruecke. Heute dann, nachdem immer noch nichts passiert war und die armen Polizisten wahrscheinlich schon kurz davor waren, Zelte vor dem Haus aufzuschlagen und Stockbrot ueberm Lagerfeuer zu roesten, beschloss man, staerkere Gefechte aufzufahren.
Kurz darauf rollten dann die Panzer an, mit deren Hilfe man schliesslich die Leiche des Polizisten barg, aber immer noch nicht ins Haus eindrang. Wahrenddessen traf ein Nachrichtenteam nach dem anderen ein, um landesweit ueber die Lage zu berichten. Ein alter Schulfreund des Bluff-Hill-Killers wurde aufgetrieben, der mutmasste, da sei wohl eine Sicherung im Kopf des Killers durchgebrannt und er sei eigentlich immer ganz relaxt gewesen (yahoo.co.nz). Inzwischen wurden die Anwohner, die immer noch nicht nach Hause durften - wegen des Sprengstoffs! - in Hotels untergebracht, machten sich Sorgen um ihre futterlosen Haustiere oder gingen ins Kino, um sich die Zeit zu vertreiben.
Soeben las ich, der Bluff-Hill-Killer (der Name wird immer besser, je oefters man ihn sagt) habe aufgegeben und sich erschossen. Ob das aus Langeweile geschehen ist, wurde nicht bekannt gegeben.
von Louisa von Reumont um 9:46
Permalink
Hospital Hill nicht Bluff Hill! und ganz so lächerlich war die situation nicht.
Melanie am 10.05.09 12:59
Doch, einen Profi-Killer so lange zu umstellen, bis der sich vor Hunger (kurz vor dem verhungern oder vor Langeweile) selbst erschießt ist schon sehr lächerlich!!! Genau so lächerlich, wie wenn ein 16 jähriges Mädchen in einer Schule Amok laufen will und die den Feueralarm auslösen, anstatt die Klassenräume zu verriegeln! Pisa läßt grüßen, denn scheinbar ist 1+1 heute noch immer nicht gleich 2!? ;-)
MadMatt am 13.05.09 15:34
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