Ich bin begeistert! Im fernen Sektor wendet man sich dem Laufen zu! Der
Koeln-Marathon ist zwar noch ein halbes Jahr hin, aber schon scheinen sich ueberall die mueden Geister potenzieller Sportler zu regen, die den Winter ueber lieber Plaetzchen gefuttert als trainiert haben, jetzt aber keine Ausrede mehr parat haben und deshalb die verhaengnisvollen Worte "Koeln-Marathon - warum eigentlich nicht" vor Zeugen ausgesprochen haben. Ob sie wirklich ahnen, was da auf sie zukommt, ist ungewiss. Wie gerne wuerde ich einem dieser Aspiranten Trainingshilfe leisten, indem ich oft und laut von meiner Trillerpfeife Gebrauch mache und in Erinnerung an Radfahrer Udo Boelts "Quael dich, du Sau!" rufe. Ihr duerft mich dann gerne Mr. Miyagi nennen.
Laufen war fuer mich immer der einzige Sport, zu dem ich meinen bewegungsmueden, unzuverlaessigen und inkonsequenten Koerper ueberreden konnte - Wettbewerbe sind dank meiner latent soziophoben Art zu viel fuer mich, Schwimmen hat mit kaltem, chlorverseuchtem Wasser zu tun, und fuer Kampfsportarten bin ich nicht gelenkig genug (ausserdem kann ich mir nicht vorstellen, dass jemandem aufs Maul zu hauen die gleiche Menge an Endorphinen ausschuettet wie Laufen - und wenn, ist es vermutlich hoechste Zeit, einen Therapeuten aufzusuchen). Als ich noch im lieblichen Wuppertal weilte, huepfte ich so ein- bis dreimal die Woche in meiner alten Schlawihose (sagt man noch Schlawi fuer Schlafanzug?) vor die Tuer, um beim Laufen im Park in gluecklichen Hormonen und Schweiss zu baden. Dass ich mich danach von Schokorolle vom Café Naegele belohnte, war auch nicht kontraproduktiv, denn es kam mir nicht auf Gewichtsverlust an (Abnehmen ist fuer Models und Junkies), sondern auf das Triumphgefuehl nach drei vollbrachten Laufrunden. Die Bezwingung des eigenen Koerpers durch Sport gibt einem ja bekanntlich das Gefuehl von Kontrolle in einer Welt voller Chaos. Insofern werde ich als jetziger Passivsportler (denn inzwischen ist Gassigehen mit Zelda alles, was ich an sportlicher Ambition aufbringen kann) garantiert mitfiebern beim Koeln-Marathon.
Eine Person jedoch wird sich mit Sicherheit angewidert von dem Spektakel abwenden. Und das ist meine Freundin Andrea. Andrea besuchte mich vor ein paar Wochen in Neuseeland und war ganz hingerissen von all den schoenen Straenden, Bergseen und Steilkuesten, die ihr als Kulisse fuer ihr morgendliches Workout dienten. Sie ist so jemand, der selbst im Urlaub nicht still sitzen kann, weil ueberall Gelegenheiten zu sportlicher Betaetigung locken: Felswaende, die beklettert werden wollen, Fluesse, die es zu kanuen gilt, Meeresengen, die man durchschwimmen koennte, so Zeug. Beglueckt stand Andrea also vor allen anderen auf, um an der Strandpromenade unweit meines Hauses in den Sonnenaufgang hineinzujoggen. Zurueck in Bochum stand sie vor einem Problem: Die grauen, hundekackebetupften Strassen des Ruhrgebiets waren nicht zu vergleichen mit den malerischen Promenaden Neuseelands, und so hatte ihr das perfekte Setting hier die Freude am Laufen zu Hause versaut.
Die Neuseelaender wuerden dazu nur mit dem Kopf schuetteln, denn als echter Kiwi laesst man so schnell nichts zwischen sich und sportliche Ertuechtigung kommen: Ich habe schon Leute um zwei Uhr nachts bei Regen und Kaelte um Lake Taupo joggen sehen, waehrend ich auf einer Raststaette vor dem Auto stand und bibbernd Tee aus einem Styroporbecher schluerfte. Ein anderes Jogger-Paerchen erschreckte mich fast zu Tode, indem es ploetzlich aus dem Gehoelz brach und in Turnschuhen an mir vorbeijagte, als ich nach einer mehrtaegigen Wanderung im Busch, schmutzig und muede, wieder in semi-zivilisierte Gebiete vordrang. Zuerst dachte ich, es handele sich um eine Folge von The Amazing Race, aber als kein Kamerateam hinterhergehetzt kam, wurde mir eines klar: Die Kiwis sind ein knallhartes Voelkchen. Mein Freund, ebenfalls nur ein luschiger Europaeer, erinnert sich unter Schmerzen an eine Episode, in der er verkatert und mit Bratpfannen behaengt stundenlang von Kiwis einen Berg hochgejagt wurde. Und das war nicht etwa ein Bootcamp, sondern ein froehlicher Wochenendausflug. Fuer die Kiwis jedenfalls.
Also, liebe Koeln-Marathonisten: Channelt den Kiwi in euch, steigt in eure Radlerhosen und gebt alles! Und lasst die Finger von der Schokorolle, hm?
von Louisa von Reumont um 9:13
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Hallo Louisa,
Danke für Deinen sehr unterhaltsamen Block, den ich leider erst jetzt und viel zu spät entdeckt habe, er ist äußerst vergnüglich... Ich beneide Dich um das Leben in Neuseeland... Ich überlege, die nächsten zwei Jahre meinen Urlaube zu sparen und 2011 mal ausführlich das Land zu bereisen, alles, was ich bisher darüber gehört und gelesen habe, macht mich enorm neugierig. Vor allem die Entspanntheit der "Kiwis", die bestimmt sehr wohltuend ist... Ich lese gerade das Buch "Kiwi Paradies" von Ingo Petz, der auch eine zeit lang in Neuseeland gelebt hat und das ähnlich beschreibt wie Du (und übrigens ein ähnliches Verhältnis zum Sport zu haben scheint, wie Du...;-))) Falls Du das Buch in NZ auftreiben kannst, solltest Du unbedingt mal reinschauen, es lohnt sich (ein paar Eindrücke vermittelen die Bilder aus dem Buch, die auch auf der Homepage der SZ zu sehen sind: http://www.sueddeutsche.de/reise/749/459391/bilder/?img=0.0) Aber jetzt genug der Werbung...;-)
Bitte unbedingt fleißig weiterschreiben!!!!!
Liebe Grüße aus dem leider häufig viel zu aufgeregten Deutschland
kuckuck
kuckuck am 23.04.09 12:40
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