Niemand ist eine Insel? Neuseeland schon, sogar zwei, und weil diese in einer relativ einsamen Ecke der Welt liegen, verirrt sich kaum jemand mal hierher (nun ja, wenn man von den zig Millionen Touristen pro Jahr absieht). Musiker jedenfalls scheinen in Neuseeland keinen besonders lohnenden Markt zu erkennen, was zur Folge hat, dass wir an Konzerten straeflich unterversorgt sind. Wenn wir ganz grosses Glueck haben, gucken Bands, die gerade in Australien spielen, zufaellig auf die Landkarte und wundern sich "Huch, was sind denn diese Fladen, die da noch an Australien dranhaengen? Neuseeland? Das Land der Hobbits? Och, da koennten wir doch auch noch spielen! Liegt ja auf dem Weg."
So jedenfalls stelle ich es mir vor, wenn im Radio ein "Megagig des Jahres" angekuendigt wird, und ich als Konzertliebhaber gespannt die Luft anhalte (wer wird es sein?!), nur um enttaeuscht aufzuschnaufen, wenn es wieder mal um Leute geht, die den Zenith ihres Ruhms schon vor Dekaden ueberschritten haben (LIONEL RICHIE!! SIMON AND GARFUNKEL!! PET SHOP BOYS!! SAVE YOUR TICKETS NOW, BUT BE QUICK!!!) oder die man in Deutschland schon dreimal haette sehen koennen, aber lieber 24 im Fernsehen gucken wollte und ohnehin noch nie ein grosser Fan war (KYLIE!! FIRST GIG IN NZ EVER!! JACK JOHNSON!! FINALLY DOWN UNDER AGAIN!!).
Oh, ihr verwoehnten Sektorianer! Ich hoffe, ihr wisst, wie gut es euch geht! (Klinge ich wie meine Mutter? Egal.) In den naechsten Wochen und Monaten werden eure Konzerthallen und Clubs mit inter- und nationalen Stars
foermlich zugeballert, und alles was ihr tun muesst, ist, euch zu entscheiden, ob ihr lieber Lily Allen, den Ting Tings oder Depeche Mode eure Schluepfer auf die Buehne werfen wollt - oder vielleicht auch allen dreien, wenn ihr schon dabei seid – waehrend ich schon vor Freude hecheln muss, wenn es Billy Joel mal nach Neuseeland schafft (aber nicht, weil ich ihm meine Unterhose vermachen will).
Und selbstverstaendlich spielen Billy und alle anderen Musiker, die was auf sich halten, ausschliesslich in Auckland oder Wellington. Ich habe also die Wahl, einen Tag frei zu nehmen und sechs Stunden zu fahren, um mir einen mehr als betagten Act (so sagt man ja wohl) anzugucken – oder zu verzichten und mir saeuerlich "New York State of Mind" auf CD anzuhoeren, waehrend ich leise in meine Ting-Tings-Fan-Tasse weine. Ja ja, glueckliche Sektorianer, und waehrenddessen ueberlegt ihr, ob ihr Razorlight lieber in Bochum oder Koeln sehen wollt - immerhin eine Entfernung von 60 Kilometern, schwierige Entscheidung.
Komme ich etwa verbittert rueber? Aber nicht doch! Immerhin wohne ich doch nur einen Steinwurf entfernt von einem der groessten musikalischen Events in Neuseeland: dem Mission Concert. (Steine haette ich tatsaechlich gerne geworfen, aber ich will nicht vorgreifen.) Mission ist ein, ja, ich moechte fast sagen legendaeres jaehrliches Konzert auf einem Weingut, das so schrecklich legendaer und beliebt ist, dass Tausende Leute dafuer Tickets kaufen, bevor fest steht, wer dort auftreten wird. Ein ungefaehres Bild liefert das Programm der Vorjahre: Olivia Newton-John, Rod Stewart und Cliff Richard waren alle schon da. Klarer Fall: Das muss man sehen! Letztes Jahr bin ich hingegangen. Das Ticket war halber Preis, muss ich zu meiner Verteidigung sagen, denn der Star des Abends war: Tom Jones. Nicht gerade promiment in meiner Plattensammlung. Man versichrte mir aber, es ginge um die generelle Atmosphaere und das Ambiente, der Typ auf der Buehne sei gewissermassen Beiwerk. Das stimmte. Hauptsaechlich war das Ganze ein Massenbesaeufnis mit Hintergrundmusik. Tom rockte und rollte nach Kraeften, aber ich konnte nicht umhin, mir mehr Gedanken ueber ein Geruecht zu machen, das ich in irgendeiner Zeitschrift gelesen hatte: Hat sich dieser Mann wirklich seine Schamhaare auf den Kopf verpflanzt? Kurzum: Das Konzert war eine einzige Zeitverschwendung.
Ein wenig besaenftigt wurde ich in meiner Rage gegen die Kiwi-Konzert-Kultur allerdings, als ich mir vor kurzem The Checks auf einer Open-Air-Buehne ansah, eine neuseelaendische Jungs-Combo a la Arctic Monkeys, die feinsten Rock spielen und sehr nerdig aussehen. Haltet nach ihnen Ausschau, wenn ihr die ersten in Deutschland gewesen sein wollt, die The Checks entdeckt haben!
Besonders beneide ich euch derzeit uebrigens um Mando Diao, die am 8. April den Sektor beehren. Nicht, dass ich die schoenen Schweden nicht schon viermal live gesehen haette (musste sein), aber viermal ist bekanntlich keinmal , ausserdem ist in diesem Fall ein Wallende-Teenager-Hormone-Comeback verantwortlich – derartiges laesst sich nur schwer unterdruecken. Zum Trost wollte ich mir kuerzlich die CD kaufen, doch die Fachberaterin im Plattengeschaeft hatte die Band weder im Sortiment noch je von ihr gehoert. Und umgekehrt haben vermutlich auch Mando Diao das kleine Fleckchen Neuseeland noch nicht fuer sich entdeckt. Falls ihr also zum Konzert geht und in der ersten Reihe steht: Sagt hallo von mir, und dass Neuseeland noch viel toller ist als Deutschland. Ich bitte euch!
von Louisa von Reumont um 2:19
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...Ich lese diesen unsagbar lustigen Blog beinahe seit Beginn. Ungefähr zumindest. Und während ich in den letzen Jahren des Öfteren kurz davor war, anzufangen vor Neid und /oder Rührung über dieses so ferne und scheinbar so wunderbare Land, ist jetzt endlich der Moment gekommen, zu sagen: Hier in Wuppertal ist es doch nicht so schlimm! Bei uns werden zwar seltener Fantasy-Epen verfilmt, aber mit den Gedanken schon beim Ting-Tings Konzert am 4. Mai, erträgt man auch den Blick auf den abendlichen, charmanten Otto-Böhne Platz.
Beste Grüße
Emily am 6.04.09 20:33
Liebe Louisa,
ich kann Dich nur all zu gut verstehen.
Zu meiner Zeit in NZ habe ich mich mal nach "NZ's Event Industry" umgehört... ob in Auckland, Wellington oder letztlich Napier. Es war etwas desillusionierend. Schließlich geprägt durch ein 3h Gespräch mit dem Eventmanager der jährlichen Silvesterparty und ein paar Technikern auf einer Mauer nahe der Marine Parade von Napier, habe ich frustriert folgende Erkenntnis erlangt:
Patrick, leider wird so schnell nichts aus deinen Auswandererplänen mit Eventhintergrund :/ Geträumt hatte ich von einer stylishen, lässig geprägten Kiwistyle-Eventagentur die vom Surfevent über kleine Kulturevents, der Millionärshochzeit, der Regatta-Siegfeier im Yachtclub bis hin zu Konzerten und Festivals quasi das Rundumsorglospaket liefert.
Gefunden habe ich leider nur die Möglichkeit im 1. Haus am Platz (wenn ich mich recht entsinne dem "Blue Water Hotel") Familiengeburtstage der grand-grand-grandmother oder Besäufnisse des örtlichen Rugbyclubs zu organisieren.
Wie gab man mir noch mal zu verstehen? "Hier ist alles noch sehr sehr klein, wir haben meist veraltete Technik und die Großen der Großen kommen, wenn überhaupt, mit ihrem eigenen Jumbo, eigener Technik, eigenem Produktionsstab." Pitsch... Seifenblase zerplatzt!
Doch ich lasse mich nicht unterkriegen und werde diesen Traum noch ein wenig verfolgen und wer weiß, eines Tages werde ich vielleicht doch Aufbauhilfe leisten =)
Vielleicht unterstützt 1Live mich ja mit einer Einladung zu Mando Diao im Palladium. Ich werde garantiert in der ersten Reihe stehen und ein Schild mit folgender Aufschrift hochhalten: "Greetings from Louisa! Playing in New Zealand is much better than in Germany! Please visit her!"
Hehe was ein Spaß!
Also Louisa besteht noch Hoffnung :-)
Beste Grüße
Patrick
Patrick am 7.04.09 12:04
Soll ich was sagen? Ich freu mich schon sooo auf morgen, denn da gehe ich - richtig - aufs Mando Diao Konzert.
Und tatsächlich haben wir hier in NRW die Qual der Wahl: Mando Diao im Herbst in Dortmund oder in Düsseldorf anschauen?!
Hast du denn mittlerweile das Album ergattern können? Falls nicht: Versuch es weiterhin, es lohnt sich definitiv!
Viele Grüße aus Kleve (NRW) von Denise, die diesen Blog auch regelmäßig liest und morgen auf ihr 5. Mando Diao-Konzert geht...
Denise am 7.04.09 16:47
tja, wenn du propagandhi im februar hast sausen lassen, kann an nur mitfühlen...
David am 7.04.09 17:16
Liebe Louisa,
sei nicht so traurig - du verschweigst ja ganz das wir hier (Nordinsel) in NZ fast 4 Wochen ununterbrochen Sonne und über 20 Grad haben. Wer brauch schon die Ting Tings, wenn man jeden Tag surfen gehen kann?
Gruß Joachim
Joachim am 8.04.09 0:54
Appropos "Kleines Anhängsel von Australien": Hast du Hugh Jackmans Sprüche bei den diesjährigen Oscars gehört? Mein pers. favorite (sinngemäss): "You know, with the recession going on, we have to downsize as well. After playing in "Australia", my next movie will be "New Zealand"". Siehe Youtube
Freddi am 9.04.09 15:55
Außnahmsweise muss ich dir Recht geben und Nz einen Minuspunkt eingestehen!!! Allerdings habe ich dagegen drei neuseeländische Bands nach Dtl. importiert und damit drei musikbegeisterte Freundinnen glücklich gemacht:-) Also konzentriere dich mehr auf die lokalen Musiker...
Die drei ??? am 12.04.09 0:00
oi, beleidige bitte nicht meine geliebten pet shop boys...die haben meinen elektronischen musikgeschmack entscheidend gepraegt - und ich war in 07 sogar auf deren konzert hier in auckland. war uebrigens voll toll :-)
jean hat mir gerade gesagt dass ich euch im mai sehe. freu ich mich drauf!
Dominik am 17.04.09 7:34
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