Was international bekannte Models angeht, hat Deutschland eine stetige Tradition. Blondes Teutoninnen-Fraeuleinwunder reiht sich an blondes Teutoninnen-Fraeuleinwunder, von Claudia Schiffer ueber Nadja Auermann bis hin zu Heidi Klum und Julia Stegner. Dass man da gerne die naechste in der Kette waere, ist verstaendlich, und deshalb wundert es mich auch gar nicht, dass in der vierten Staffel von
Germany’s Next Topmodel Tausende von langbeinigen Aspirantinnen Schlange stehen fuer eine Zukunft im Modehimmel. Was mich aber wundert: Auch im Land der Kiwis wird derzeit, zum ersten Mal ueberhaupt, New Zealand’s Next Topmodel gesucht.
Versucht man nun, Neuseelands bisherige Topmodels aufzuzaehlen, kommt man ungefaehr auf ... genau: nada. Kein einziges Kiwi-Model hat es meines Wissens bisher geschafft, den internationalen Mode-Olymp zu erklimmen (und das, wo Neuseelaender doch so gute Bergsteiger sind). Wen New Zealand’s naechstes Topmodel da also abloesen soll, ist ungewiss.
Eine kurze Umfrage unter meinen maennlichen Bekannten ergab ausserdem: Das stereotype Kiwi-Chick ist laut und raubeinig, trinkt gerne Bier und guckt Rugby, ist also so ziemlich das Gegenteil des grazilen, feenhaftes Rehs, das wir gerne als Model gekroent sehen wollen. "Neuseelaenderinnen wollen oft ‘one of the boys’ sein", erklaerte mir Gareth, Fachmann fuer Frauen aller Nationalitaeten. "Ich moechte aber kein Maedchen, das mich unter den Tisch trinken kann und oefters fuck sagt als ich. Dafuer habe ich meine Mates."
Halb erwartete ich also unrasierte Hueninnen mit Bierbaeuchen, als ich fuer die erste Folge den Fernseher einschaltete. Aber: Die 33 Damen, die sich da an Queenstowns Strand raekelten, waren zu 80 Prozent einwandfreie Babes. Ich sah Rehaugen und Alabasterhaut. Ich sah wallendes Haar und meterlange Beine. Ich sah: 33 (mehr oder weniger) schoene Frauen. Dann machten die schoenen Frauen den Mund auf, was mich sofort auf den Boden zurueckholte.
Schadenfreude und Mitleid kaempften in meinem Inneren um die Vorherrschaft, waehrend die Girls ihre Besonderheiten auf den Punkt brachten ("Ich habe einfach einen Look, den ein paar andere Maedels nicht haben, weisst du?"), Einsatz zeigten ("Es gibt nichts, das ich nicht tun wuerde, um diesen Wettbewerb zu gewinnen!") und ihre Trainings-Methoden darlegten ("Ich uebe meinen Gang ueberall - wenn ich ins Badezimmer gehe, wenn die Strasse entlang laufe, wenn ich im Bett liege").
Waehrenddessen ueberwachte Moderatorin Sara Tetro, Gruenderin einer Model-Agentur (mit Starmodels à la Tyra und Heidi kann Neuseeland wie gesagt nicht dienen), die Performance der Ladies. Kommentiert wurde diese von Judges und -innen Angela Dunn, ihres Zeichens angeblich Neuseelands allererstes Supermodel (nie gehoert von der) und Colin Mathura-Jeffree, der sich selbst als "internationales Fashion-Model" vorstellt und aussieht wie ein langhaariger Frosch. Angie und Colin hielten grosse Stuecke auf innere Werte ("She is amazing raw material") und verteilen ruehrende Komplimente ("Running in high heels and a bikini and looking hot – that’s a real gift"). Und die Maedels: stoeckeln, strahlen und stehlen sich gegenseitig die Schau. Kennt man alles.
Gewuerzt wurde das Ganze mit ein paar emotionalen Tiefpunkten, aeh, ich meine Highlights – eine schluchzende 24-Jaehrige vermisste ihre Kinder, eine Epileptikerin uebergab sich in einen Eimer, erschien aber trotzdem (!) zum Fototermin – ganz nach dem amerikanischen Vorbild. Die einzigen halbwegs exotischen Kandidatinnen schafften es beide trotz ihrer Attribute – blonder Afro-Mopp bzw. Sehr Grosse Brueste – nicht in die naechste Runde. Es blieben: 13 schlanke, langhaarige, weisszaehnige Beachbabes. Wer auch immer am Ende den Titel einsackt, eine grosse Uberraschung wird es wohl kaum. Doch wenigstens hat Neuseeland endlich sein erstes Topmodel.
von Louisa von Reumont um 7:54
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Deshalb redeten die doch die ganze Zeit von New Zealand's first next topmodel. Sind ja selber schlau.
Ultru am 17.03.09 9:11
What about Rachel Hunter, born in AKL? Ja, mag schon laenger her sein, aber man kann sie schon ein NZ-Topmodel nennen.
Ute Hilgers am 26.03.09 22:10
Dafuer moderiert unser kluemchen aber ja project runway... auch hier unten zu sehen...
Falk am 27.03.09 15:23
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