Dienstag, 05.03.2013

Neues Smartphone für die Kanzlerin

Wenn die Bundeskanzlerin auf ihr Handydisplay schaut oder vertrauliche SMS-Nachrichten schreibt, dann rätselt die ganze Welt: Von wem bekommt sie Post, wem schreibt sie eine Nachricht, welcher Ministersessel wackelt?

Damit Vertrauliches auch wirklich vertraulich bleibt, muss das Handy der Kanzlerin ganz besonderen Anforderungen genügen. Es muss sicher sein, abhörsicher. Schließlich sollen Telefongespräche nicht abgehört werden können, Mails und SMS-Nachrichten müssen verschlüsselt übertragen werden.

z10.jpg
Das Blackberry Z10 wird neues Merkel-Smartphone - ergänzt um ein paar Sicherheitsfunktionen


Ein Blackberry Z10 für die Kanzlerin
Auf der Cebit wurde das neue Kanzlerinnen-Handy gezeigt. Den Zuschlag als Hoflieferant hat die Düsseldorfer Firma WWW: Secusmart erhalten, die auf das Bauen und Konfigurieren besonders sicherer Handys und Smartphones spezialisiert ist. Das Unternehmen hat es sich nicht nehmen lassen, diese Tatsache medienwirksam auszuschlachten und das neue Kanzlerinnen-Handy auf der Messe zu präsentieren. Aber nicht nur Angela Merkel bekommt ein neues Handy, es werden 1.000 Geräte ausgeliefert, für die gesamte Bundesverwaltung. Schließlich macht es wenig Sinn, wenn zwar die Kanzlerin abhörsicher kommuniziert, alle anderen tun es aber nicht.

Zum Einsatz kommt ein WWW: Blackberry Z10 mit einer eigens für die Regierung entwickelten Verschlüsselungslösung. Blackberry - da mag manch einer staunen, schließlich sind Geräte dieser Marke immer seltener im Einsatz. Aber das Z10 hat aufgeholt, es hat eine Menge zu bieten, was man von anderen Smartphones kennt. Und offensichtlich ist es einfacher, mit Blackberry eine sichere Kommunikationslösung hinzubekommen als mit iOS oder Android. Kann ich mir auch schwer vorstellen, denn Apple hält überall den Daumen drauf und Google ist auch nicht gerade diskret, wenn es um Datenauswertung geht.

secure.jpg
Aufwändiger Schutz im Hintergrund: Daten werden verschlüsselt übertragen und gespeichert


Abhörsicher - warum geht das nicht für alle?
Da fragt sich manch einer, und das völlig zu Recht, wieso Kanzlerin und Regierungsbeamte abhörsicher kommunizieren dürfen, während uns das verwehrt bleibt!? Warum gibt es keine verlässlichen Verschlüsselungslösungen für jedermann? Die ehrliche Antwort: Weil das nicht im Interesse der Anbieter liegt. Apple, Google und Microsoft bekommen eben lieber mit, was passiert.

Die Lösung für Merkel und Co. besteht deshalb aus einer eigens entwickelten App, die auf dem Z10 läuft. Man steckt dazu einen SD-Speicherchip ins Gerät, der neben der Software noch vier GByte Speicher bietet. Hier werden alle vertraulichen Daten aufwendig verschlüsselt gespeichert, etwa Kontakte, Notizen, Dokumente oder Mails. Das Kryptographie-Verfahren genügt höchsten Anforderungen und gilt als sicher. Auch Kommunikation übers Internet, also E-Mail oder VoIP (Voice Over IP, Sprache übers Internet) werden sicher verschlüsselt. Das Ganze ist optimal mit dem Betriebssystem von Blackberry verzahnt, es braucht also kein speziell programmiertes Betriebssystem.

Theoretisch kann sich jeder eine solche Lösung gönnen. Kostenpunkt: Rund 2.500 Euro pro Gerät. Etwas günstiger ist eine Lösung mit Android-Smartphones, an der auch gearbeitet wird. Auch damit werden Beamte in Berlin ausgestattet. Allerdings sind hier speziell angepasste Geräte erforderlich.

Ich finde dieses "schließlich hören Apple und Google gerne mit" ausgerechnet im Zusammenhang mit RIM/Blackberry unfreiwillig komisch, denn gerade die zeichnen sich dadurch aus, dass ALLE Mail über den Server der Firma läuft. Natürlich nicht, wenn man das alles "zu Fuß" selbst abwickelt wie bei diesem Beispiel hier, aber das könnte man auf beliebigen anderen Systemen natürlich auch.

Ich denke mal, das ist eher eine Frage der vorhandenen Expertise und ein wenig Exotenbonus, weil die ganze kriminelle Welt sich halt auf iOS und Android eingeschossen hat. Andererseits ist BB10 so dermaßen völlig neu, dass ich das auch wieder nicht ganz verstehen kann. Aber egal, nicht mein Problem.

joh am 5.03.13 12:52

Vielleicht ist das aber abhörsichere aber nicht der einzige Grund warum grade Blackberry. Grade bei Geschäftsleuten war Blackberry schon immer sehr beliebt wegen den Terminplanern usw.. Diesem "alten" Ruf hat Blackberry es auch zu verdanken das sie eigentlich immer noch bekannt sind obwohl Android und ios so aufgeholt haben. Und viele wollen halt kein Tochpad sondern tippen lieber immer noch auf richtige Tasten, das bietet Blackberry halt immer noch an. Vielleicht auch garkein schlechter Schachzug von Blackberry hier für sich eine Nische zu suchen anstatt Android und Co nachzueifern.

Markus am 5.03.13 13:45

"Absolut sicher" - So ein Quatsch! Sicherer ja, aber nicht absolut sicher. Das gab es nie, gibt es nicht und wird es nicht geben. Und: Frau Kanzlerin's Hyperhandy, zum supergünstigen Steuerzahlerpreis, hört leider kurz hinter der deutschen Grenze auf zu funken, da die Kryptografie nur auf das Netz der DTAG abgestimmt ist. Andere Netze sagen "No Chance" dazu. Tja, da wird sie also bei Auslandsbesuchen dennoch auf ihr altgewohntes Nokia zurückgreifen müssen. Tolle Sicherheit für Frau Noch-Kanzlerin. Aber Hauptsache die PR für Secusmart stimmt, die sich auch Herr Schieb mal wieder nicht verkneifen konnte. Eben mal wieder typisch "angeschiebt", denn "Eine Spezialfirma aus Düsseldorf" wäre ausreichend gewesen, aber nein, der Name muss natürlich genannt werden. Ach ja, sorry vergessen, wegen dem Sponsering. Kommt sicher am Freitag in der AKS via "Angeklickt" auch nochmal fett über den Sender. "No Schleichwerbung - But Schiebwerbung"!

Keuken, Heinz am 5.03.13 13:46

wäre mir als Crack und Hacker ein erhöhter Anreiz den Handy-Safe zu knacken.

Volkmann am 5.03.13 16:28

Warum bekommen dann Bürgerinnen und Bürger kein vernünftiges Datenschutzrecht von den Politikern die 2500€ vom Steuerzahler für ihr neues Handy bekommen?
Nicht nur Merkel und Co scheinen es ja zu hassen ausspioniert zu werden sondern auch Otto Normalverbraucher....

(Wer Ironie findet, darf sie behalten)

Markus Friederichs am 5.03.13 19:10

Der erste Anruf auf dem neuen Telefon kommt/kam wahrscheinlich von Thorsten Heins (CEO von BlackBerry), der sich bei der Kanzlerin für die viele kostenlose Werbung bedankt. Danach kann er auch direkt beim WDR anrufen. Von einer öffentlich-rechtlichen Sendeanstalt hätte ich mir einen deutlich kritischeren Beitrag gewünscht und nicht einen Text den ebenjene Firma locker auch als Werbetext veröffentlichen könnte.

Arno Paschunke am 5.03.13 19:16

Und wer bezahlt das, die Merkel ist doch Parteivorsitzende der CDU, übernimmt die Partei die kosten für die Anschaffungen ? Sollte doch so üblich sein in einer parlamentarischen Demokratie mit der Macht der Parteien, das Volk kann nicht entscheiden, das Volk soll nur bezahlen. Für mich sieht das wie Parteiendiktatur aus, die Parteien entscheiden, das Volk ist außen vor und kann nur bezahlen. Ich habe auch keine Partei, die mir mein Handy finanziert.

Heinzb aus nrw am 5.03.13 20:28

@Heinz: Ich verstehe die Aufregung nicht. Warum sollten nicht die Modelle und Firmen genannt werden dürfen, die diese Handys bauen? Ist doch interessant, welche Systeme sich für solche abhörsicheren Handys eignen. Auch andere Medien nennen Ross und Reiter, etwa die Wirtschaftswoche oder Heise. Die Entscheidung für ein bestimmtes Modell (Z10) ist deshalb relevant, weil Blackberry ganz spezielle Funktionen bietet, um eben solche Erweiterungen zuzulassen. Das ist auch technisch relevant und aufschlussreich.

Parteien werden letztlich auch aus Steuern finanziert (zum größten Teil). Es macht also keinen großen Unterschied, wenn die Parteien ein Handy bezahlen. Und selbstverständlich muss eine Kanzlerin geeignetes Arbeitswerkzeug haben - wieso sollte sie das selbst bezahlen? Erhöhte Sicherheitsanforderungen inklusive.

Jörg Schieb am 6.03.13 7:03

@Keuken da liegt jemand doch ein wenig daneben.SMS und mail ist Datenverkehr und ob Daten verschlluesselt sind oder nicht,interessiert kein Netz.Zudem gehen"Telephongespraeche"heute sowieso ebenfalls via Internet(als Daten)und dem Netz ist es wurscht ob verschluesselt oder nicht.Das provider den Kunden VoIP sperren,ist lediglich ein Trick um mehr zu kassieren-hinter den Kulissen versenden die Provider dies dann selber als VoIP!@Markus Friederichs-weil es preiswerter geht!Es gibt laengst Loesungen fuer verschluesselte VoIP bspw. von Phil Zimmermann oder auch"GSMK".Die letzteren umgehen die VoIP Sperre indem sie die Gespreache "getarnt"als HTTP via port 80 senden.Quellcode fuer die Verschluesselung ist oeffentlich einsehbar!

nun ja am 6.03.13 9:02

Ausgerechnet Blackberry!Die sind doch nun schon mehrfach damit aufgefallen das sie fremdenMaechten(u.a.Indien))Zugriff gewaehrt haben.Also wird sich nun die NSA|CIA freuen bei zukuenftigen Wirtschafts Verhandlungen Deutschlands.Dabei gibt es doch laengst"abhoersicheres"von Siemens(Rohde & Schwarz).Aber kein Wunder in einem Land wo man sich Netzwerkausruestung bei Huawei beschafft...

Goldene Himbeere am 7.03.13 8:07

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